Kategorie-Archiv: gesehenes

Lachen und Weinen.

Heute in einen der Fünf-Zentimeter-Dornen aus Nachbars heimtückischer Berberitzenhecke getreten. Es erwischte exakt den Zeh, wegen dem ich aus Gründen eh schon latent unrund herumlaufe.
Nun, so eine Fünf-Zentimeter-Dorne hat den positiven Effekt, dass die anderen Gründe höchst verblassend in den Hintergrund rücken.

Und jetzt das wirklich Positive: Frau Kaltmamsell verlinkte heute mit den völlig zutreffenden Worten „James Corben, der auf großartigste Weise einen an der Waffel hat, (…)“ auf Crosswalk Musical Videos von und mit James Corben. Ich sah mir das hier an und musste derart lachen, dass ich sogar den MMM aus dem Keller hervorgelockt habe (m hingegen ließ sich in ihrem Mittagsschlaf nicht stören. Ein Glück).

Der MMM, Sie müssen sich keine Sorgen machen, war nur zufällig im Keller, sein eigentlicher Job bestand nämlich darin, unsere Süd-Terrasse aus dem Nichts auferstehen zu lassen. Das klappte derart gut, dass wir heute Abend schon mal darauf* herumsitzen und -stehen konnten und es ist wirklich erstaunlich, wie anders sich das anfühlt (als auf der Nord-Terrasse). Denn obwohl in unserer Straße nur ungefähr zwei Autos in der Stunde vorbeifahren und Fußgänger (üblicherweise mit Hund) sind es auch nicht viel mehr, zeigt sich dann doch der eine oder andere Nachbar, man fühlt sich quasi wie mitten in der Großstadt *hust*, vor allem, da das bunte Heckendickicht, das wir uns an dieser Stelle so vorstellen, noch nicht mal ansatzweise existiert.

 

* nun, auf einem Drittel davon

einfach mal

Einfach mal … jemanden anlächeln, steht auf der Postkarte, die im Biomarkt hinter dem durchsichtigen Kassenschalter lehnt. Es funktioniert, ich lächle sofort die Kassiererin an. Die allerdings interessiert das gerade wenig. Komisch, ist doch ein Biomarkt.
Hübsche Postkarte, will ich sagen und das zählte dann vielleicht sogar als Einfach mal … jemandem etwas Nettes sagen, was auf der zweiten Postkarte hinter dem Kassenschalter steht, aber irgendwie sage ich es dann doch nicht. Und auch die Frage, wo man diese Postkarten herbekommt, bleibt ungefragt, beantwortet sich aber wenig später von selbst, als nämlich im öffentlichen Bücherregal unzählige davon herumliegen.

Neben dem Bücherregal steht die Smalltalk-(Sitz)-Bank und da fällt es mir wieder ein, der Artikel in der Zeitung, feierliche Eröffnung dieser Bank, man möge doch einfach mal wieder mit jemandem reden, ob man den nun kennt oder nicht und jetzt gebe es genau dafür diese Bank, da setzt man sich hin und dann kommt jemand und tada, mit dem redet man (und alle haben sich lieb).

Auf der Bank sitzt keiner. Liegt vielleicht daran, dass die Bank in der Sonne steht und es neuerdings in der Sonne ziemlich heiß ist.
Ich setze mich ebenfalls nicht auf die Bank. Eine Smalltalk-Bank, nein, das ist nichts für mich, noch nicht mal im Schatten. Wenn ich auf einer Bank sitze, dann will ich gern in Ruhe gelassen werden. Meistens auch, wenn ich nicht auf einer Bank sitze.

Komischerweise bin ich trotzdem latent neidisch auf Leute wie T., die sich in den Zug setzen und zwei Minuten später die interessantesten Gespräche mit irgendwelchen fremden Leuten anfangen. Oder angefangen werden. Also wirklich interessante Gespräche, nicht nur dieses „herrje, diese Hitze“-Zeug. Frau Nessy nennt dieses Phänomen ihr Ansprechgesicht.
Das will ich auch, denke ich, aber dann sitze ich im Zug und im Zug habe ich natürlich immer ein Buch dabei (mindestens eins) und das will ich auch gern lesen oder wenn nicht, dann will ich einfach mal aus dem Fenster schauen, im Zug habe ich eine erstaunliche Ausdauer dafür, zu Hause klappt das dagegen überhaupt nicht. Im Zug aber könnte ich ziemlich lange einfach mal aus dem Fenster schauen und sehr glücklich dabei sein (vorausgesetzt die Klimaanlage funktioniert).

Kürzlich waren wir im Urlaub, am Weissensee, wir gehen da nun schon ziemlich lange hin und schon, als wir das zweite Mal dort waren, haben wir festgestellt, dass es anderen Leuten ganz ähnlich geht, dass die auch immer wieder dorthin zurückkommen, um Urlaub zu machen. Es ist aber auch einfach zu schön.
Dieses Mal war erstaunlicherweise keiner da, den wir schon mal gesehen hatten, viele andere hatten sich schon mal gesehen, aber es waren auch Leute da, die sich noch nie gesehen hatten, was man ihnen aber kaum anmerkte, denn bei jedem Abschied, denn für irgendeinen ist der Urlaub dann doch immer wieder zu Ende, gab es ausufernde Abschiedsszenen inklusive Adressentausch und der Vereinbarung auf ein Wiedersehen, im nächsten Jahr, zur gleichen Zeit, am gleichen Ort.

Als wir nach Hause fuhren, interessierte das keinen.

Dabei hatten wir doch dieses Mal ein Kind dabei, und, so heißt es doch immer, wenn du ein Kind dabei hast (noch dazu so eins wie m), lernst du auf jeden Fall Leute kennen, so ist das einfach (ein Hund ginge auch, heißt es).

Nun ist es so, dass m und ich auch schon eine Weile ins Eltern-Kind-Turnen gehen. Im Eltern-Kind-Turnen ist es so, dass sich alle Mamas (ja, Mamas, der jeweilige Quotenpapa ist normalerweise außen vor) miteinander unterhalten, nur ich rede kein Wort. Also kaum eins. Auch nach einem Jahr nicht.
Was jetzt kein Jammern sein soll, das macht nichts und wenn ich will, dann kann ich das auch ganz gut, dieses Unterhalten, es ist auch nicht so, dass mich überhaupt niemals nie jemand anspricht, aber wenn, gebe ich kurze Antworten oder renne schnell in die andere Ecke, auf der m gerade auf einer Bank herumbalanciert von einer Bank herunterfällt.

Jetzt weiß ich mal wieder nicht, was ich eigentlich schreiben wollte.
Ach ja, die Postkarte, jemanden anlächeln und so.
Ich habe gleich eine Handvoll von diesen Postkarten mitgenommen, denn jemandem schreiben, das kann ich ganz gut oder zumindest besser als mit jemandem reden und auch wenn die Postkarten nun schon eine Weile ungeschrieben hier herumliegen, bin ich doch ganz zuversichtlich, dass sie irgendwann mit den richtigen Worten beim richtigen Mensch ankommen.

 


Falls jemand wissen will, wie sie aussehen, die Postkarten: *klick*
Da geht es zwar um Plakate, aber das ist quasi das Gleiche in groß.

Grün, grün, grün.

Heute im Wald gewesen. Es ist unfassbar, wie schlecht ich darin bin, Dinge zu tun, die mir gut tun. Heute hat es gerade so zu einer halben Waldstunde gereicht und in der hatte ich noch dazu ein latent schlechtes Gewissen.
(Nein, das macht keinen Sinn.)

Kürzlich irgendwo gelesen, dass es neuerdings auch Waldbademeisterinnen gibt. Könnte man meinen, das wäre endlich einmal ein Job auf der will-ich-werden-Liste, aber weit gefehlt, allein die nie-im-Leben-Liste wird länger und länger. Ich mag das gar nicht so genau begründen, aber Waldbademeisterinnen, das ist irgendwie so, als müsse ich jemandem beibringen, Gummibärchen toll zu finden.

In der halben Waldstunde wieder einmal bemerkt, dass sich jeder Wald anders anfühlt. Heute: Eschenwald. Eschen! So schön.
Und der Waldmeister blüht auch schon. Waldmeister! Hach.

Außerdem, und das eine hat jetzt nichts mit dem anderen zu tun: Falls Sie die Kommentare suchen, die machen ein klein wenig Urlaub sind vor der DSGVO geflüchtet.

Shake this world off my shoulders*

Durchs Wohnzimmer tanzen. Hüpfen, schreien, springen, singen. Jede Gelegenheit sollte ich nutzen, in denen das Haus und ich alleine sind. Oder mir endlich vernünftige Kopfhörer besorgen. Oder beides.

Komisch, wenn man nach langen Jahren mit einem Lied endlich doch mal genauer hinhört, sich wundert, was singt der da eigentlich, feststellen, es passt überhaupt nicht zu dem, von dem man dachte, er singe es.

Dann das andere Lied – das einzige, bei dem ich verlässlich eine Gänsehaut bekomme, jedes Mal.
Und immer, wenn ich es höre, denke ich an die Frage, nach dem Lieblingslied, eine Frage, die ich unmöglich beantworten kann, schließlich kommt es darauf an. Nach dem, was mir gerade ist.

Nicht mehr daran glauben, dass ich mich ans Hüpfen, Springen, Schreien erinnern sollte, wenn gerade gar nichts mehr geht.

*

Heute bei zwei Pferden halt gemacht. Ein Pippi-Langstrumpf-Pferd und ein ganz dunkles. Selten, dass Pferde so kommunikativ aufgelegt sind. Meistens sind sie ja lieber am anderen Ende der Koppel, fressend. Diese nicht.

Endlich mal wieder die Pferde-Sache angehen.

*

 


* Dancing in the Dark, Bruce Springsteen

Schnee, Heirat, Hoffnung.

Die Nachbarskinder und ihre Freunde haben eine Schlittenschanze gebaut. Das dauerte ungefähr fünf Stunden, immerhin musste der eher spärlich vorhandene Schnee mit einer Schubkarre von überallher geholt werden. Befahren wurde die Schlittenschanze gefühlte fünf Minuten. Der Aufwand schien sich dennoch gelohnt zu haben, für einen der Freunde ging es anscheinend einzig um den Aufwand, zumindest sah ich ihn nicht ein Mal selbst auf einem Schlitten fahren.

Zeit gehabt, den Nachbarskindern zuzuschauen, so nebenbei, beim schreibenden aus dem Fenster schauen.
Kürzlich eine Evi in die Geschichte hineingeschrieben, an den Rand der Geschichte. Eine Evi, einen Toni, eine Heirat. Alles nur wegen eines Zitats, das untergebracht werden wollte, eine Heirat bot sich da irgendwie an.
Aber das passt doch hinten und vorne nicht, dachte ich.
Zum Glück störe ich mich an so etwas nicht weiter, es passt ja sowieso alles hinten und vorne nicht, das ist nichts neues und diese Heirat sowieso nur eine Randnotiz, eine, die vermutlich nicht weiter wichtig ist, und am Ende, so es denn ein Ende geben wird, vermutlich sowieso herausfallen wird.
Heute, beim schreibenden aus dem Fenster schauen, fiel mir dann plötzlich ein, wie alles eben doch zusammenpasst, hinten und vorne, warum die Heirat gar nicht so absurd und weit hergeholt ist und wie der Toni eben doch etwas mit der Geschichte zu tun hat, wenn auch nur am Rande.

Das sind diese Momente, in denen Schreiben dann doch Freude macht. Dieses magische sich zusammenfügen von weit hergeholten Dingen.

Die Heirat immer noch nur eine Randnotiz, nicht weiter wichtig, vielleicht sogar überhaupt nicht wichtig.
Wichtig dann aber doch, wenn auch nur für die Hoffnung, dass sich alles andere eventuell auch noch zusammenfügt, hinten und vorne.

Noch mehr Bücher.

Der Tag begann zäh. Die Tage beginnen fast immer zäh. Vielleicht liegt es daran, dass der Morgen einfach nicht meine Tageszeit ist. Vielleicht aber auch nicht.

Dabei konnte ich ausschlafen. Oder nein, weiterschlafen. Und dann tat sich auch noch freie Zeit auf, ein Zeitfenster, ich wünsche es mir herbei, dann ist es plötzlich da und ich weiß nichts mit ihm mir anzufangen.

Yoga habe ich angefangen, wieder einmal. Und dabei Christine Thürmer gehört. Eine Weitwandernde. Beim Zuhören fiel mir ein, dass ich schon einmal irgendwo von ihr gehört hatte, mich auch damals schon darüber wunderte, dass ich sie nicht auf Anhieb ins Herz schließen konnte. Als wäre das so einfach, als bräuchte es nur eine Gemeinsamkeit und schon hat man sich gern.
Oft stellt sich heraus, die Gemeinsamkeit ist gar keine – auch Wandern kann man auf verschiedene Arten.

Gegen Mittag war der Tag noch immer zäh. Und dabei hatten wir einen Plan. Meist verschwindet die Zähigkeit leichter und schneller, wenn es einen Plan gibt. Heute aber dachte ich darüber nach, den Plan aufzugeben. Was auch nichts Neues ist, andauernd will ich Pläne aufgeben, weil sie so anstrengend sind.
Dieses Wort, anstrengend. Ich sollte es wirklich aus meinem Leben verbannen.
Wenn das so einfach wäre.

Nun denn, wir setzten den Plan um.
Daher war ich heute auf der Buchmesse, der kleinen. Und stellte fest, dass ich wohl zum Buchsnob werde. Die meisten Bücher nehme ich gar nicht erst in die Hand, weil ich sie hässlich finde. Oder ich nehme sie in die Hand, lege sie aber gleich wieder weg, weil ich die Schrift hässlich finde oder die Art, wie die Seitenzahlen formatiert sind. Die Art, wie das Buch in der Hand liegt, wie es sich umblättert. Dass der Klappentext kaum zu lesen ist, wegen dunkler Schrift auf dunklem Hintergrund.
Was man alles falsch machen kann.
Und da habe ich noch nicht einmal hineingelesen.

Aber man kann es auch richtig machen.
Drei Bücher habe ich mitgenommen. Eins, weil ich an diesem Satz hängenblieb: „Plötzlich fühlte er sich losgelassen.“
Der Satz macht hier nicht so viel her, auf der Seite aber – er füllt eine ganze, ansonsten leere Seite aus, das „losgelassen“ rechts oben, der Anfang des Satzes links unten – auf der Seite fühle ich mich selbst ganz losgelassen, ein angenehmes Gefühl, obwohl das Loslassen im Buch (wie ich später feststellte) ganz und gar nicht positiv besetzt ist.
„Die Kinder verzagten nicht.“ Noch so ein Satz. Verzagen, was für ein hübsches Wort, ich will es sofort benutzen.
Und hübsch ist das Buch auch, es sind Bilder darin, solche, die man eine Weile betrachten kann und dann immer noch etwas Neues entdeckt. Papierdrache heißt es, der Text ist von Seyyed-Ali Shodjaie, die Bilder von Christine Laube und Mehrdad Zaeri.

Das zweite Buch heißt InneHalt von Henning Sabo, darin sind Gedichte. Ich kaufe mir eher selten Bücher mit Gedichten darin, vielleicht, weil sie Zeit und Muße für sich beanspruchen, weil sie – tada! – anstrengend sind, will ich mich wirklich darauf einlassen. Anstrengender als Romane.
Aber nun ja, dieses war eben auch eins der hübschen Bücher, ich blätterte hinein, es stimmte alles und als ich dann auch noch zu jedem aufgeblätterten Gedicht nicken wollte, nahm ich es einfach mit.

Dann nahm ich noch einen Roman mit, Weg vom Festland von Frederike Frei, auch er hübsch gemacht, ich las hinein und traf eine Stelle, die mich ebenfalls spontan angesprochen hat, also kaufte ich auch dieses Buch.
Heute Abend las ich noch weiter hinein, und, nun ja, es ist anstrengend. Hätte ich mehr gelesen, hätte ich das Buch wohl doch nicht gekauft. Obwohl es mich immer noch anspricht, aber gleichwohl ist der Stil, in dem es geschrieben ist, überhaupt nicht der, den ich gern lese, in jedem Satz fünf Bilder und dann auch noch welche, die teilweise so seltsam sind, dass sie doch eher quer liegen, nichtsdestotrotz liegt das Lesebändchen(!) nun schon auf Seite 63, mal sehen, wie es mit uns noch weitergeht.

Nach dem Bücherkauf liefen wir noch am Fluss entlang. So ein Fluss, das ist eine feine Sache. Dieser zwar eher von der trägen Sorte, aber passend zum Sonntag hatte er ausnahmsweise ein grünes Kleid angezogen, anstatt das sonst übliche schlammbraune. Über und auf dem Fluss die Möwen, Möwen, da ist man doch sofort im Urlaub. Ein Kormoran auch, zuerst im Wasser, dann auf einem Baum, dem Baum, bei dem wir zuvor noch rätselten, warum er so halbseitig weiß ist (und ansonsten eben baumfarben). Wegen der Kormoranscheiße. Das hört sich jetzt wenig idyllisch an, war es aber ansonsten doch, die Sonne schien, die Leute lächelten, lächelten spätestens dann, wenn sie m ansahen, wir lächelten auch, wir saßen sogar auf einer Bank, ziemlich lange, so lange, wie m für eine kleine Banane und einen Prinzenrollenkeks braucht, vor uns der Fluss, an seinen Seiten die Berge (nun ja), auf den Bergen eine Burg und noch eine und noch eine. Ein richtiger Bilderbuch-Sonntagnachmittag.
Später bekam m sogar noch eine halbe Scheibe Toastbrot geschenkt, nicht, weil sie so hungrig aussah, sondern um die Möwen zu füttern, m fütterte also Möwen, die armen Möwen, vermutlich haben sie nun Bauchweh, man soll ja nicht und sowieso, aber wo es doch so einen Spaß macht und wenn man dann auch noch Toastbrot geschenkt bekommt, was will man da machen.

Dann fuhren wir wieder nach Hause und ich dachte schon wieder, wie anstrengend, wegen dem Abendessen, aber auch das ging leichter als gedacht und danach konnte ich sogar auf der Couch in meine neu gekauften Bücher hineinlesen.

Der Tag endet bisher also ganz ohne Zähigkeit, ich habe sie irgendwann abgestreift, auf der Buchmesse oder vielleicht hat sie auch der Fluss davongetragen, auf einmal war sie fort und da darf sie gern bleiben.

Menschen! Hier sind überall Menschen!*

Kürzlich waren wir mal wieder in D. und einer unserer Wege führte zum lächelnden Bäcker. Wo wir ungefähr zweiundsiebzig Brötchen und Brezeln und Hefeknoten einkauften. Der Plan war, das Gefrierfach damit aufzufüllen, aber drei Tage später war nichts mehr zum Einfrieren übrig und ja! man kann diese Brötchen tatsächlich drei Tage später noch essen. Mit Genuss.

Die Brötchenlage hier vor Ort ist, also, nun ja. Und die Brezellage erst. A. hat kürzlich eine der Verkäuferinnen gefragt, ob sie sich nicht schämt, diese Dinger als Brezeln zu verkaufen. (Nun ja, genauso hat A. das wohl eher nicht gefragt, obwohl, warum eigentlich nicht.)

Die Brote hier in der Gegend sind dagegen durchaus in Ordnung.
(Oder liegt das daran, dass der lächelnde Bäcker keine Brote backt? (Der lächelnde Bäcker ist genaugenommen kein Bäcker, sondern Konditor.))

Aber das weltbeste Brot macht sowieso der Duplo-Bäcker. (Bei dem ich neuerdings jedes Mal ein Duplo oder ähnliches bekomme, das heißt, genau genommen bekommt m das Duplo. *hust*)
Die Brotversorgungslage ist also wunderbar, doch die Brötchen – auweia. Der lächelnde Bäcker hätte viel zu lachen.
Natürlich, die kleinen Roggenbrötchen vom Duplo-Bäcker, die sind sensationell, aber der Duplo-Bäcker ist nun mal nicht um die Ecke, zu dem muss man hinfahren und das auch noch zum richtigen Zeitpunkt, sonst ist das weltbeste Brot und die weltbeste Roggenbrötchen entweder noch gar nicht zu haben oder aber längst weg, beziehungsweise nicht längst, sondern „das letzte habe ich gerade eben verkauft.“

Direkt vor Ort ist die Brötchenlage dagegen eher desaströs; wäre man A., könnte man an Samstagen fragen, ob sie sich nicht schämen, so ein Brötchen zu verschenken, samstags bekommt man nämlich ein Samstagsbrötchen geschenkt und ich bitte Sie, man kann es wirklich nicht essen, es zerfällt schon in Brösel, wenn man es nur aus der Tüte holt (und wandert daher umgehend von der Bäcker- in die Knödelbrottüte).

Aber ich komme vom Thema ab, Thema war D. und einer unserer Wege dort. Wege nämlich geht man in D. zu Fuß.
Ich daher so zum MMM: Woah! Hier sind Menschen auf der Straße! Sooo viele Menschen!
Und der MMM später zu mir: Woah! Hier sind Menschen auf der Straße! Sooo viele Menschen!

Das hört sich vielleicht ein bisschen merkwürdig an und natürlich wussten wir, was auf uns zukommt und alles hat Vor- und Nachteile und überhaupt, aber das mit den Menschen fiel uns tatsächlich erst auf, als wir kürzlich wieder in D. waren.
Dort geht man, hier fährt man.
(In D. fährt man natürlich auch, in D. gibt es sogar Car-Sharing. Car-Sharing, haha. Lustige Idee. Ich hoffe, Ole hält noch eine sehr lange Weile durch.)

Hier jedenfalls ist kaum einer auf der Straße, zumindest nicht zu Fuß, wo soll man auch hingehen, zur Apotheke, zur Sparkasse, zum Bäcker, aber da kann man genauso gut mit dem Auto fahren, man muss ja sowieso nach XYZ, weil man dort Getränke einkauft, den Sohn vom Fußball abholt, die Tochter zum Fußball hinbringt, selbst zum Zahnarzt geht, es gibt zwei Millionen Gründe, mit dem Auto unterwegs zu sein.

Daher ist es auch völlig logisch, dass die Nachbarin, die mit dem Hund im Wald unterwegs ist, mit dem Auto zum Wald gefahren ist. Den Hund scheißen fahren, würde P. sagen und den Kopf schütteln.
Es kann natürlich zwei Millionen Gründe geben, den Hund mit dem Auto zum Wald zu fahren, Fußball, Zahnarzt (na gut, in diesem Fall eher unwahrscheinlich), Sie wissen schon. Und man soll sich nicht über Dinge auslassen, die dann vielleicht doch ganz anders sind, kürzlich nämlich liefen wir an einem leeren Auto mit laufendem Motor vorbei, mokierten uns ganz fürchterlich, Umweltverschmutzung und was soll das, schlimm, diese Leute. Wir überlegten, das Auto einfach wegzufahren, doch da kam schon der J., sagte, dies sei sein Auto und wir hätten gern damit wegfahren können, er hätte das Auto gerade erst überbrückt und müsse es jetzt noch ein wenig herumfahren, damit es dann auch wieder angeht, nachdem es ausgeht. Sprach’s und fuhr auf und davon.
Kaum war er fort, sagte die A., der J. solle besser gar nicht mehr Auto fahren, er sehe doch nichts mehr.

Ups.

Da ist man besser nicht zu Fuß unterwegs, nicht wahr.

 


* Frei nach den Fantastischen Vier und meinem Dauerohrwurm: „Lauschgift! Hiel ist übelall Lauschgift!“

Pappel, die.

Seit die alte Heimat wieder zur Alltagsheimat geworden ist, bin ich nur noch am Staunen. Wie konnte ich über zwanzig Jahre hier leben und noch nie an diesem und jenem Ort gewesen sein?

Heute habe ich ein Pappelnest gefunden. Würde ich Liebeserklärungen schreiben und würde ich ebenjene an Bäume adressieren, die Pappel wäre die erste, die Post bekommt. Ich müsste mich natürlich zwischen Schwarz-Pappel und Zitter-Pappel entscheiden. Hm. Vielleicht doch nicht so einfach.

[…]

Nun habe ich gerade im Internet nach einem geeigneten Pappel-Link gesucht und was sehe ich an zweiter Stelle der Ergebnisliste?
„Die Pappel als Problembaum.“
Tss.

Einer der anderen Links sagt unter Wissenswertes:
„In der Antike galt die Pappel als Baum der Trauer und der Unterwelt.“
Ha! Das ist ja nun wieder ein höchst eigenartiger Zufall. Serendipity, Sie wissen schon.

Aber ist ja eigentlich auch egal. Der Link.

Pappelnest gefunden.
Dabei wollte ich eigentlich ganz woanders hin. Doch der Wald, in den ich wollte, er machte heute Abend nicht den allereinladensten Eindruck. Obwohl er kürzlich noch so nett zu mir war.
Ich fuhr also weiter. Dorthin, wo der Weg vermeintlich im Nichts endet und warum soll man dann überhaupt dort entlang fahren.
Tja, über zwanzig Jahre und dennoch keine Ahnung. Der Weg stellte sich als einer heraus, bei dem ich andauernd hätte stehen bleiben können, was ich aber nicht tat, was gut war, denn – huch! – plötzlich steht da eine Pappel. Und noch eine. Und noch eine. Und so weiter.
Der Weg ging dann übrigens immer noch weiter, von wegen Sackgasse, aber nun ja, ein andermal, jetzt musste ich tatsächlich anhalten. Denn das waren keine Miniwutzelpappeln, das waren ausgewachsene die-kriege-ich-nicht-mal-mehr-umarmt-Pappeln (was ich natürlich versucht habe).

Nicole hatte irgendwann geschrieben, wenn man am Stamm einer Pappel lausche, höre man das Wispern noch einmal mehr und ganz anders (oder so ähnlich).
Nun ja, Nicole scheint andere Pappeln zu kennen. Vielleicht diese hundsgemeinen Kanadapappeln (folgen Sie dem Problembaumlink).

Vielleicht habe ich das Wispern aber auch einfach nicht gehört, weil die Pappeln auch ohne Stammlauschen schon gehörig rauschten. Wie Pappeln das nun mal so tun. Bei Wind.
Hach, Pappelrauschen. Das ist das allerallerbeste. Da will ich sofort die Hängematte von hier nach da spannen, nach oben schauen und/oder einfach nur die Augen schließen und nie mehr fortgehen.

Nun ja, m wachte auf. m findet Pappelrauschen jetzt noch nicht so wahnsinnig spannend. Aber das wird vielleicht noch.