Kategorie-Archiv: geschriebenes

Individualisierung, Exotische Früchte, Waffeln.

Seit Tagen Wochen schon will ich etwas schreiben. Also hier, im Blog. Heute habe ich dann immerhin an Sam herumgeschrieben. Die unendliche Geschichte (also meine, beziehungsweise die von Sam). Und da sagt der Herr Fitte, man müsse Gedanken zu Ende denken (nun ja, so ähnlich sagt er das). Und ich, die ich immer weniger verstehe, was ich da eigentlich schreibe. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, ob überhaupt. Wo das alles hinführen soll, ob überhaupt.
Trotzdem fühlte es sich überraschend richtig an. Das Schreiben. Vorhin. Aber das ist auch nicht immer von Dauer, dieses Gefühl.

Zwischendurch aber etwas ganz Profanes, heute nämlich waren wir bei der Obst- und Gemüsehändlerin, alles dauerte ein bisschen länger, denn die Obst- und Gemüsehändlerin war gerade am Telefon und orderte Käsenachschub.
Sagen Sie, hatten Sie nicht auch schon mal Kochkäse?, fragte ich, als sie auflegte.
Gut, dass Sie fragen, sagte sie, da muss ich gleich noch mal anrufen. Und tat es.
(Kochkäse gibt es am Montag wieder.)
m sah derweil die Erdbeeren und wollte Erdbeeren, ich wollte ebenfalls Erdbeeren, wir kauften also (unter anderem) Erdbeeren. Wir wollten gerade gehen, da sah m die Steige mit den Johannis-, Heidel-, Him- und Brombeeren.
Und m wollte Johannisbeeren. Ich wollte keine Johannisbeeren, aber nun. Nehmen wir die auch noch mit. Den Kassenzettel nehmen wir auch mit, aus Gründen und er erweist sich noch dazu als recht vergnüglich, die Johannisbeeren tauchen da nämlich als Exotische Früchte auf.

Aber wieder zurück zum Schreiben. Frau Einhorn schreibt jetzt auch wieder, zwar unter anderem darüber, dass sie nicht schreibt, aber das gildet auch. Wie so oft, wenn Frau Einhorn etwas schreibt, führt es dazu, dass ich ebenfalls etwas schreiben will, dann aber verheddern sich meine Gedanken und alles ist schneller wieder gelöscht, als es geschrieben wurde.
Nichtsdestotrotz denke ich unter anderem wegen Frau Einhorn darüber nach, was das mit dem Schreiben eigentlich soll, ob ich tatsächlich nur für mich schreibe oder ob ich mir da etwas vormache, denn schriebe ich nur für mich, warum gebe ich es dann anderen zu lesen.

Damit die mir sagen, wie großartig das ist, natürlich.

Und – und deshalb kann ich das mit dem Schreiben sei Individualisierung (was ebenfalls der Herr Fitte sagte und/oder zitierte) nicht recht nachvollziehen, ist, oder war es für mich doch auch der Versuch, überhaupt etwas zu sagen, überhaupt irgendwie gehört, beziehungsweise gelesen zu werden und das widerspricht ja nun wieder dem, dass ich nur für mich schreibe, aber vielleicht meine ich damit auch einfach nur etwas anderes, dass ich nämlich noch nie irgendwelche Leserinnen im Sinn hatte, wenn ich etwas schreibe, ich verstehe auch nicht, wie das gehen kann, etwas für jemanden schreiben, ich schreibe einfach, was da ist und fürchte, das könnte der Grund sein, warum ich nicht schreiben, weil da nämlich nichts ist.
Frau Einhorn jedenfalls schreibt von einem Raum, in dem nichts, was sie sagte, gehört wurde und ganz spontan dachte ich, das kenne ich doch, dann aber fragte ich mich, ist das wirklich so und ich glaube, so ist es nicht, noch nie habe ich etwas in den Wind geschrien und wenn man nichts sagt, wer soll das dann hören (doch, ja, manche Leute können das, aber die sind noch seltener als diejenigen, die hören, was man sagt).
Wenn ich es schon nicht sage, schreibe ich es wenigstens auf und mache mich damit ein klein wenig sichtbarer. Dachte ich mal. Aber was soll ich schreiben, da ist nichts. Vielleicht klappt es deshalb nicht, die unendliche Geschichte aufzuschreiben, weil da nichts ist und wie soll man das in Worte fassen.
Das fühlt sich oft schlimm an, dieser Gedanke. Jetzt nicht, jetzt fühlt er sich mehr wie „nun, so ist es eben“ an, aber jetzt gerade schreibe ich ja auch, da ist alles viel leichter zu ertragen.

Nun aber wieder zurück zum Essen*. Heute morgen hatte ich nämlich Lust auf Waffeln, also gab es Waffeln. Mit Waffeln ist es ja so, spätestens nach drei Waffeln will man nie wieder etwas essen, zumindest keine Waffeln, allerhöchstens noch Leberwurstbrote.
Daher war noch Teig übrig, denn kalte Waffeln schmecken noch weniger als Bananen und der MMM sollte heute Abend auch seine frischen Waffeln bekommen. Doch dann, als der heutige Abend gekommen war und ich den Stecker des Waffeleisens in die Steckdose steckte, machte es Plopp! Was kein gutes Geräusch ist, wenn man Stecker in Steckdosen steckt, ich kenne es noch von den kaputten Steckdosen in D., hier immerhin ging das Licht noch, die Sicherung war also noch drin, nur roch es auch schon so verschmort, es qualmte aus dem Stecker und nun ja, eventuell ist es nur der Stecker und das Waffeleisen könnte man noch verwenden, aber das Waffeleisen ist älter als ich und so jung bin ich jetzt auch nicht mehr, es ist also vielleicht doch an der Zeit, dass wir uns ein neues Waffeleisen zulegen.
Neue Waffeleisen sind blöd, an denen hängen überhaupt keine Erinnerungen.
Aber nun, egal, zumindest fürs erste, die wichtige Frage jetzt erst mal, was machen wir mit dem Waffelteig? Man kann ja wohl keinen Waffelteig wegwerfen, man kann Waffelteig natürlich roh essen, aber das ist so ähnlich wie mit fertigen Waffeln, nach drei Löffeln will man nie wieder etwas essen, allerhöchstens Leberwurstbrote. Man könnte bei H. oder G. klingen, eine von beiden, wenn nicht gar beide werden doch wohl ein Waffeleisen haben, aber wegen drei Waffeln und dann muss man das Waffeleisen wieder sauber machen**.
Falls Sie schon immer mal wissen wollten, ob man Waffeln auch in der Pfanne backen kann: ja, das geht. Gut sogar. Sieht nicht ganz so hübsch aus, schmeckt aber.

Und jetzt noch mal zurück zum Schreiben? Nein, lieber nicht.

 


* Macht man nicht, solch völlig zusammenhanglosen Themenwechsel, nicht wahr? Ist mir aber gerade völlig egal. Außerdem schreibe ich ja sowieso nur für mich.
*hier bitte Augen verdrehen*

** Wenigstens der Punkt fällt weg, sollten wir das Waffeleisen entsorgen – wir müssen es immerhin nicht sauber machen.

Schnee, Heirat, Hoffnung.

Die Nachbarskinder und ihre Freunde haben eine Schlittenschanze gebaut. Das dauerte ungefähr fünf Stunden, immerhin musste der eher spärlich vorhandene Schnee mit einer Schubkarre von überallher geholt werden. Befahren wurde die Schlittenschanze gefühlte fünf Minuten. Der Aufwand schien sich dennoch gelohnt zu haben, für einen der Freunde ging es anscheinend einzig um den Aufwand, zumindest sah ich ihn nicht ein Mal selbst auf einem Schlitten fahren.

Zeit gehabt, den Nachbarskindern zuzuschauen, so nebenbei, beim schreibenden aus dem Fenster schauen.
Kürzlich eine Evi in die Geschichte hineingeschrieben, an den Rand der Geschichte. Eine Evi, einen Toni, eine Heirat. Alles nur wegen eines Zitats, das untergebracht werden wollte, eine Heirat bot sich da irgendwie an.
Aber das passt doch hinten und vorne nicht, dachte ich.
Zum Glück störe ich mich an so etwas nicht weiter, es passt ja sowieso alles hinten und vorne nicht, das ist nichts neues und diese Heirat sowieso nur eine Randnotiz, eine, die vermutlich nicht weiter wichtig ist, und am Ende, so es denn ein Ende geben wird, vermutlich sowieso herausfallen wird.
Heute, beim schreibenden aus dem Fenster schauen, fiel mir dann plötzlich ein, wie alles eben doch zusammenpasst, hinten und vorne, warum die Heirat gar nicht so absurd und weit hergeholt ist und wie der Toni eben doch etwas mit der Geschichte zu tun hat, wenn auch nur am Rande.

Das sind diese Momente, in denen Schreiben dann doch Freude macht. Dieses magische sich zusammenfügen von weit hergeholten Dingen.

Die Heirat immer noch nur eine Randnotiz, nicht weiter wichtig, vielleicht sogar überhaupt nicht wichtig.
Wichtig dann aber doch, wenn auch nur für die Hoffnung, dass sich alles andere eventuell auch noch zusammenfügt, hinten und vorne.

Frage – Antwort.

Ich lese gerade Herztöne von Martin Schleske. Martin Schleske, Geigenbauer, steht auf dem Buchrücken. Trotzdem es um Geigenbau geht, geht es auch ums Schreiben oder zumindest lese ich das für mich heraus.
Dieses Lesen führte dazu, dass ich heute Abend nach weiteren, „richtigen“ Büchern übers Schreiben gesucht habe, nach Kursen gar.

Gefunden habe ich nichts, jedenfalls nicht das Richtige, was logisch ist, da ich nicht recht in Worte fassen konnte, was ich eigentlich suche. Eine Lösung für Sam, eine Antwort auf die Frage, wie ich eine Geschichte, diese Geschichte erzählen kann. Bisher habe ich hauptsächlich Wege gefunden, wie es nicht geht. Linear, zum Beispiel, also von Anfang bis Ende. Fragmentarisch, Puzzlestücke sammelnd, „funktionierte“ genauso wenig, führte aber tatsächlich zu einer Annäherung. Wie eigentlich alle Versuche zu irgendwas führten. Nur eben nicht zu einem Abschluss.

Vermutlich, weil ich noch gar nicht so recht weiß, was ich eigentlich erzählen will. Angefangen hat es mit einem Mord, einer Toten vielmehr, dann stellte sich allerdings heraus, die Tote interessiert eigentlich nur peripher, wenn überhaupt und wie kann das sein, das ist doch schon eine Frechheit, da stirbt jemand und es interessiert keinen? Also es interessiert schon, aber für das, was ich erzählen will, interessiert es nicht. Das immerhin weiß ich, obwohl ich doch gar nicht weiß, was ich erzählen will. Vielleicht entsetzt mich das deshalb so, weil mir dieser Mord von Nutzen ist, in dem Sinn, dass er zeigt, was keinen interessiert.
Hä?
Tja nun.
Ich könnte die Geschichte doch auch einfach nicht erzählen.
Das habe ich auch schon ausprobiert.
Oder aus einer anderen Perspektive erzählen.
*gähn*

Im Zuge der heutigen, abendlichen Suche stieß ich auch auf Terezia Moras Nicht sterben und in der Leseprobe stand etwas davon, einen Adressaten zu finden.
Ich weiß nicht nur nicht, was ich erzählen will. Genauso wenig weiß ich, wem ich es erzählen will.
Mir selbst, im Zweifelsfall, aber ich weiß es ja nun schon. So irgendwie. Ich könnte noch zweitausend weitere Fragmente sammeln, schon wieder die gleiche Geschichte ein klein wenig anders erzählen, aber das macht keinen Sinn mehr. Sie ist jetzt da, die Geschichte, vielleicht noch nicht ganz, aber das, was fehlt, es findet sich nicht mehr mit planlosem Herumschreiben, zumindest fühlt es sich nicht so an.

Zumal es noch nicht einmal eine Geschichte ist, also keine, die den üblichen Mustern folgt, was vielleicht die Ursache dessen ist, dass ich keine Ahnung habe, wie sie zu erzählen ist. Denn am Ende ist nichts besser als am Anfang. Vielleicht ist noch nicht einmal etwas anders als am Anfang.

Und warum schreibe ich das jetzt hier? Weil ich mich damit beschäftigen möchte, weil irgendwann doch auch mal gut sein muss, weil ich die Geschichte zu einem Ende bringen will. Also stelle ich die Frage in den Raum. Vielleicht, wenn da eine Frage ist, wird auch irgendwoher eine Antwort kommen, irgendwann.

Dann muss ich nur noch hinhören.