Kategorie-Archiv: geschenktes

one in five

Heute heulend* durch den Wald gelaufen. Einen Jäger getroffen. Einen Jäger! Und ich gehe einfach an ihm vorbei. Statt die Gelegenheit zu ergreifen und ins Gespräch zu kommen (einen Jäger könnte ich in Sachen Stapelverarbeitung gut gebrachen). Der Jäger kam natürlich auch nicht mit mir ins Gespräch, die Leute kommen selten von selbst mit mir ins Gespräch, vermutlich vor allem dann nicht, wenn ich tendenziell verheult aussehe.
Den Jäger also vorbeilaufen lassen.

Dabei begann der Tag gar nicht so schlecht. Also eigentlich schon, ich hatte nämlich mal wieder einen Zahnarzttermin. Als ich dann aber beim Zahnarzt an der Anmeldung stand, schauten sie mich erst groß an und schickten mich dann wieder fort, ich war nämlich eine Stunde zu früh da.

Diese Gelegenheit Stunde dazu genutzt, die schlimmsten Prokrastinationsbrocken anzugehen. Unter anderem die Heizungsfrau, Sie erinnern sich vielleicht. Dieses Gespräch habe ich nun schon ein paar Mal geführt:
Um was geht es? Ah ja. Das muss ich noch mal absprechen. Wir melden uns dann bei Ihnen.
Tja nun, da glaube ich jetzt nicht mehr so dran. Aber was soll man machen.

Dann beim Garagenmann angerufen. Stellt sich raus, der Garagenmann war früher der Kellermann und als Kellermann schon einmal bei uns vor Ort. Das ist vor allem deshalb erwähnenswert, weil uns fortwährend die Garagenmänner abhanden kommen. Derart, dass ein Garagenmann zu uns kommt, Dinge erzählt und wenn wir ihm daraufhin noch eine E-Mail schreiben, weil wir siebentausend Fragen vergessen hatten zu stellen, bekommen wir die Antwort, dass der Garagenmann nicht mehr in diesem Betrieb arbeiten würde. So langsam keimte der Verdacht, auf unserer Garage läge ein Garagenmännerfluch.

Der Garagenmann, der mal der Kellermann gewesen war, hatte jedenfalls gute Neuigkeiten. Über diese habe ich mich so lange gefreut, bis ich später mit dem Gartenmann gesprochen habe, der nämlich zeigte sich höchst entsetzt darüber, dass wir bald eine Garage haben. Das sei nun wirklich ganz schlecht und er würde uns in jedem Fall davon abraten, um Himmels willen, niemals.
Endlich kommt mal einer und sagt uns, was wir alles falsch machen besser machen könnten, aber dummerweise gerade dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist.

Momente, an denen ich mich in eine Mietwohnung zurückwünsche.

Zwischen Garagenmann und Gartenmann war ich beim Zahnarzt. Das trug nicht eben zur Aufheiterung der Lage bei.
Liebe Natalie.
Ich vermisse Sie. Ich vermisse Sie ganz doll und natürlich hauptsächlich dann, wenn ich beim Zahnarzt bin. Ich fürchte, ich habe Ihnen das nie persönlich gesagt und hier werden Sie wohl leider auch nicht mitlesen. Aber wenn, dann wüssten Sie, wer ich bin, doch, ganz sicher, Sie sind so eine, die auch nach zwanzig Jahren noch die Namen ihrer Patientinnen kennt oder zumindest weiß, es mit einer Patientin zu tun zu haben. Eine, die freundlich „Frau K., wie geht es Ihnen denn?“ fragt und dann auch tatsächlich an einer Antwort interessiert ist. Und sollte ich Sie jemals verheult im Wald treffen, wüssten Sie mit Sicherheit etwas Aufmunterndes zu sagen. Sie würden auch nicht um mich herum räumen, säße ich im Behandlungsstuhl, zumindest nicht in der Form, dass ich mich wie ein störendes Objekt fühle. Sie würden nicht überhören, dass ich Sie etwas frage oder falls doch, hätte ich mit Sicherheit nicht den Eindruck, Sie hätten es überhören wollen. Und dann, wenn der Zahnarzt schon längst wieder weg ist, würden Sie noch so etwas wie „Jetzt haben Sie es überstanden“ sagen und dann würden wir zusammen lachen und Sie würden mir alles Gute wünschen und ich Ihnen auch und alles wäre allein deshalb halb so schlimm, weil es Sie gibt.
Liebe Natalie, ich vermisse Sie und hoffe, es geht Ihnen gut.

Im Wartezimmer traf (s)ich die Spezies: Ältere Herren aus der Gegend. Ich habe eine Schwäche für ältere Herren aus der Gegend. Also für diese spezielle Sorte, die auch in der Zahnarztpraxis so auftaucht, dass man meinen könnte, sie hätten ihren Traktor eben erst direkt vor der Praxistür abgestellt (und würden den Zahnarzt notfalls mit lebenden Hühnern bezahlen). Ältere Herren aus der Gegend fahren zwingend Traktor (zu dem sie natürlich Bulldog sagen, auch wenn es ein [beliebige Traktormarke hier einfügen] ist). Ältere Herren die gern auf Bänken vor ihrer Haustür herumsitzen oder sich anderweitig in ihrem Hof beschäftigen, dabei aber alles genau im Blick haben, vor allem, wer da vorbeikommt und für jeden haben sie einen passenden Spruch parat. Den sie natürlich in die Welt hinausrufen und natürlich reden sie auch kein Hochdeutsch und vielleicht liegt es hauptsächlich an diesem Dialekt, dass ich mich, sobald ich auf einen dieser älteren Herren treffe, sofort wie Zuhause fühle. Was ich dann ja meistens auch bin.

Vorhin darüber nachgedacht, warum dieses mich-Zuhause-fühlen nur für ältere Herren, nicht aber für ältere Damen gilt und dabei festgestellt, dass die älteren Damen einfach nicht sichtbar sind. Weil sie meist nicht auf einem Traktor herumfahren, keine Zeit dazu haben, auf einer Bank herumzusitzen und sich meistens auch eher drinnen als draußen beschäftigen und daher zwar vielleicht auch passende Sprüche parat hätten, aber viel seltener die Gelegenheit, diese auch anzubringen.

Dann über den von der Kaltmamsell verlinkten Artikel nachgedacht, genauer über das von ihr herausgenommene Zitat und wieder einmal völlig ratlos vor der Frage gestanden, wie man die eine von fünf aus diesem dem Zitat entnommenen Zitat sein kann:

Nearly one in five said anti-Semitism in their countries was a response to the everyday behavior of Jewish people.

Dann gedacht, dass ich weiter nicht Kluges dazu sagen kann, mich als nächstes aber daran erinnert, dass ich ja wenigstens öfter „ich bin anderer Meinung“ sagen wollte. Also in diesem Fall: Allein von der Religionszugehörigkeit darauf zu schließen, mit wem man es zu tun hat und dann noch so etwas wie „der hat es nicht anders verdient“ zu schlussfolgern – da fällt mir leider nichts dazu ein, abgesehen davon, dass das ja wohl völlig bekloppt ist.
Gleich weiter zu Fräulen Read On gedacht und ihrem Telefonat mit G. Auch dazu fällt mir leider nichts ein. Außer: Es tut mir so leid, dass so etwas passiert. Was geht es mich an, alles geht es dich an. Und mich auch.

*

Fast vergessen, die schönen Dinge des Tages zu erwähnen. Abgesehen von den üblichen (alle (soweit ich weiß) halbwegs gesund, Wald, Weihnachtsplätzchen, warmes Haus, Ole springt an und sogar auf Anhieb, …) bekam ich heute nämlich Bücherpost. Das Albgeräusch von Sven Koether. Kennen Sie natürlich, sofern Sie auch in der näheren Umgebung mitlesen.
Falls Sie es nicht kennen: Sollten Sie aber.

 


* aus keinen benennbaren Gründen

einfach mal

Einfach mal … jemanden anlächeln, steht auf der Postkarte, die im Biomarkt hinter dem durchsichtigen Kassenschalter lehnt. Es funktioniert, ich lächle sofort die Kassiererin an. Die allerdings interessiert das gerade wenig. Komisch, ist doch ein Biomarkt.
Hübsche Postkarte, will ich sagen und das zählte dann vielleicht sogar als Einfach mal … jemandem etwas Nettes sagen, was auf der zweiten Postkarte hinter dem Kassenschalter steht, aber irgendwie sage ich es dann doch nicht. Und auch die Frage, wo man diese Postkarten herbekommt, bleibt ungefragt, beantwortet sich aber wenig später von selbst, als nämlich im öffentlichen Bücherregal unzählige davon herumliegen.

Neben dem Bücherregal steht die Smalltalk-(Sitz)-Bank und da fällt es mir wieder ein, der Artikel in der Zeitung, feierliche Eröffnung dieser Bank, man möge doch einfach mal wieder mit jemandem reden, ob man den nun kennt oder nicht und jetzt gebe es genau dafür diese Bank, da setzt man sich hin und dann kommt jemand und tada, mit dem redet man (und alle haben sich lieb).

Auf der Bank sitzt keiner. Liegt vielleicht daran, dass die Bank in der Sonne steht und es neuerdings in der Sonne ziemlich heiß ist.
Ich setze mich ebenfalls nicht auf die Bank. Eine Smalltalk-Bank, nein, das ist nichts für mich, noch nicht mal im Schatten. Wenn ich auf einer Bank sitze, dann will ich gern in Ruhe gelassen werden. Meistens auch, wenn ich nicht auf einer Bank sitze.

Komischerweise bin ich trotzdem latent neidisch auf Leute wie T., die sich in den Zug setzen und zwei Minuten später die interessantesten Gespräche mit irgendwelchen fremden Leuten anfangen. Oder angefangen werden. Also wirklich interessante Gespräche, nicht nur dieses „herrje, diese Hitze“-Zeug. Frau Nessy nennt dieses Phänomen ihr Ansprechgesicht.
Das will ich auch, denke ich, aber dann sitze ich im Zug und im Zug habe ich natürlich immer ein Buch dabei (mindestens eins) und das will ich auch gern lesen oder wenn nicht, dann will ich einfach mal aus dem Fenster schauen, im Zug habe ich eine erstaunliche Ausdauer dafür, zu Hause klappt das dagegen überhaupt nicht. Im Zug aber könnte ich ziemlich lange einfach mal aus dem Fenster schauen und sehr glücklich dabei sein (vorausgesetzt die Klimaanlage funktioniert).

Kürzlich waren wir im Urlaub, am Weissensee, wir gehen da nun schon ziemlich lange hin und schon, als wir das zweite Mal dort waren, haben wir festgestellt, dass es anderen Leuten ganz ähnlich geht, dass die auch immer wieder dorthin zurückkommen, um Urlaub zu machen. Es ist aber auch einfach zu schön.
Dieses Mal war erstaunlicherweise keiner da, den wir schon mal gesehen hatten, viele andere hatten sich schon mal gesehen, aber es waren auch Leute da, die sich noch nie gesehen hatten, was man ihnen aber kaum anmerkte, denn bei jedem Abschied, denn für irgendeinen ist der Urlaub dann doch immer wieder zu Ende, gab es ausufernde Abschiedsszenen inklusive Adressentausch und der Vereinbarung auf ein Wiedersehen, im nächsten Jahr, zur gleichen Zeit, am gleichen Ort.

Als wir nach Hause fuhren, interessierte das keinen.

Dabei hatten wir doch dieses Mal ein Kind dabei, und, so heißt es doch immer, wenn du ein Kind dabei hast (noch dazu so eins wie m), lernst du auf jeden Fall Leute kennen, so ist das einfach (ein Hund ginge auch, heißt es).

Nun ist es so, dass m und ich auch schon eine Weile ins Eltern-Kind-Turnen gehen. Im Eltern-Kind-Turnen ist es so, dass sich alle Mamas (ja, Mamas, der jeweilige Quotenpapa ist normalerweise außen vor) miteinander unterhalten, nur ich rede kein Wort. Also kaum eins. Auch nach einem Jahr nicht.
Was jetzt kein Jammern sein soll, das macht nichts und wenn ich will, dann kann ich das auch ganz gut, dieses Unterhalten, es ist auch nicht so, dass mich überhaupt niemals nie jemand anspricht, aber wenn, gebe ich kurze Antworten oder renne schnell in die andere Ecke, auf der m gerade auf einer Bank herumbalanciert von einer Bank herunterfällt.

Jetzt weiß ich mal wieder nicht, was ich eigentlich schreiben wollte.
Ach ja, die Postkarte, jemanden anlächeln und so.
Ich habe gleich eine Handvoll von diesen Postkarten mitgenommen, denn jemandem schreiben, das kann ich ganz gut oder zumindest besser als mit jemandem reden und auch wenn die Postkarten nun schon eine Weile ungeschrieben hier herumliegen, bin ich doch ganz zuversichtlich, dass sie irgendwann mit den richtigen Worten beim richtigen Mensch ankommen.

 


Falls jemand wissen will, wie sie aussehen, die Postkarten: *klick*
Da geht es zwar um Plakate, aber das ist quasi das Gleiche in groß.

So schön, schön war der Tag.

Heute morgen war ich beim Zahnarzt. Danach kann der Tag eigentlich nur besser werden, dachte ich beim Hinfahren. Gleich nach diesem Gedanken dachte ich allerdings, dass sich so ein Gedanke meist rächt und dann alles noch viel schlimmer kommt.
Spoiler: Heute nicht.

Noch nicht mal beim Zahnarzt war es schlimm. Zumindest nicht so schlimm wie es hätte sein können.

Wollen Sie versuchen, es so auszuhalten, fragte er.
Um Himmels willen, sagte ich.

Die ehemalige freundliche Zahnreinigerin hatte mal erzählt, dass einer ihrer Patienten während einer Behandlung mal beinahe eingeschlafen wäre.

Einschlafen? Beim Zahnarzt?

Jetzt das seltsame: Ich bin zwar nicht eingeschlafen, das wäre dann doch etwas übertrieben, aber wirklich zum allerersten Mal hatte ich das Gefühl, es wäre möglich. Das war wirklich sehr seltsam. Und ich habe keine Ahnung, warum das so war. Fast vermute ich den Zahnarzt dahinter, der war schließlich neu, ansonsten war (fast) alles wie immer.

Später, als die Betäubung langsam nachließ, ich aber immer noch auf dem Zahnarztstuhl lag, war es mit der Entspannung dann auch nicht mehr ganz so weit her, aber zumindest für die erste Stunde bewahrheitete sich erneut die Voraussage des Zeitschriftenregals im Wartezimmer: „Die Kraft der Meditation.“

Zahnarztwissen am Rande: Was für eine Füllung ich denn wolle, wurde ich gefragt, Amalgam oder Kunststoff?
Natürlich Kunststoff.
Während wir darauf warteten, dass die Spritze ihre Wirkung tat, fragte ich, ob es nicht endlich mal an der Zeit sei, dass die Krankenkassen vom Amalgam abkämen.
Ja nun, das sei kompliziert. Also eigentlich nicht, aber man kann ja so tun als ob. Sie (die Zahnarztpraxis) müssten jedenfalls, wenn sie eine Amalgam-Füllung entsorgen oder erneuern, alles, was aus dem Mund abgesaugt wird, in einen extra Behälter umleiten, damit das nicht ins Grundwasser kommt.
Aber im Zahn macht das natürlich gar nichts, ist klar.

Aber genug Zahnarzt-Content.

Die Heimfahrt mit Ole war derart sonnenbeschienen, dass ich spontan beschloss, zum ersten Mal in diesem Jahr das Fahrrad samt Anhänger aus dem Keller zu holen (genaugenommen beschloss ich, der MMM, der heute zu Hause war, könne diesen Part übernehmen).

Aber vor dem Fahrrad war das Paket. Ich kam nämlich nach Hause und da stand ein Paket an der Tür. Ein Paket! Für mich!
Und im Briefkasten war dann auch noch das Buch, das eigentlich schon Mitte Februar hätte ankommen sollen, dann aber im Post-Nirvana verloren ging.

An diese Post-Sache könnte ich mich gewöhnen. Kürzlich kamen nämlich auch schon dicke „Briefe“, einer war bestellt, deswegen aber nicht minder schön, der andere kam so überraschend wie das Paket und war dann noch schöneren Inhalts (als der erste „Brief“), obwohl doch eigentlich fast das Gleiche darin war. Aber eben nur fast.

Wie ich mich noch so über die Post freue, kommen der MMM und m nach Hause. Das war gut, denn wie sich herausstellte, war das Paket im Grunde gar nicht für mich, sondern für m.

m fand den Paketinhalt dann auch höchst überzeugend und so dauerte es ein bisschen länger als gedacht, bis wir die Fahrradsache umsetzen konnten.

Der Tag ging dann geradewegs so weiter, aber heute ist schließlich nicht WmdedgT und außerdem ist der Tag ja noch gar nicht zu Ende, ich habe noch ein bisschen was vor.

[Abruptes Ende des Textes.]

Verzeihung, schon wieder Bücher.

Heute habe ich die Gelegenheit sich auftuende freie Zeit dazu genutzt, einen Ausflug zu machen. Obwohl wirklich mal wieder jemand das Bad putzen sollte. Und schreiben wollte ich auch. Aber nein, ich mache einen Ausflug. In eine Buchhandlung, versteht sich. An der sind wir neulich vorbeigefahren und ich hatte so in Erinnerung, dass ich dort vor ewigen Zeiten schon mal gewesen war und es war großartig.

Nun ja.

Das war die erste Buchhandlung seit langem (oder vielleicht überhaupt?), in der ich mich ganz und gar unwohl fühlte. Dass es so etwas überhaupt gibt. Vielleicht lag es daran, dass mich die Frau hinter der Kasse ignorierte, aber nein, eigentlich ist mir das ganz recht, ignoriert zu werden (in diesem Fall), vielleicht war es auch eher so, dass sie mehr so die Ausstrahlung hatte, es sei eine Zumutung, dass ich oder überhaupt irgendwer zur Tür hereinkommt. Vielleicht hatte sie auch einfach nur einen schlechten Tag. Wer weiß.
Ist ja auch egal, bin ich doch wegen der Bücher dort. Aber die liegen kreuz und quer, sind von Paketen zugestellt, stehen in Zweierreihen und zwar nicht so, dass man meinen könnte, es gäbe einfach nicht genug Platz für alle, sondern mehr so, dass es so aussieht, als hätte auch hier seit Wochen keiner mehr aufgeräumt.
Und dann lag da eben das übliche. Das mit dem Spiegel-Bestseller-Aufkleber, das Herz-Schmerz-Zeugs und was eben immer geht.
Ich hätte vielleicht trotzdem ein Buch gekauft, Jordan Harper, Die Rache der Polly McClusky, aber nun ja, die Frau an der Kasse.

Auf dem Rückweg lief ich an einem Bäcker vorbei, mit Bäckern ist es ja so ähnlich wie mit Buchhandlungen, schwierig nämlich, aber dieser sah vielversprechend aus. Ich kaufte ein Nussschiffchen, von dem ich noch nicht weiß, wie es schmeckt und eine Brezel, von der ich schon enttäuscht war, als ich sie (in der Tüte) von der Theke genommen habe. So eine von der in-zwei-Stunden-bin-ich-Zwieback-Sorte.
Nun ja, vielleicht tue ich ihr Unrecht. Sie ist noch immer in der Tüte.

Ich lief mäßig gelaunt zu Ole zurück, dachte mir so, der Ausflug sei nun wirklich für die Katz gewesen, aber dann war da der Fluss und an einen Fluss muss ich natürlich hingehen, vor allem, wenn die Sonne scheint, und hinter dem Fluss war tatsächlich noch eine Buchhandlung. Na sowas.
Ich öffnete die Tür und sah direkt auf Castle Freeman, Männer mit Erfahrung. Unsere Leseempfehlung, stand da. Ha!, dachte ich. Hier bin ich richtig. Und so war es dann auch.

Zuerst nahm ich Rosalie mit, von Berni Mayer. Noch nie davon gehört. Aber der erste Satz klang vielversprechend:

„Und Abendfriede kehret ein, zieht wie ein altes Lied aus längst vergang’nen Zeiten dir gar heimlich ins Gemüt. ’s ist Feierabend“, singt der Chor der Kriegsveteranen, und ich wundere mich, dass es ihn noch gibt und wie seine Mitglieder so lange aufrecht stehen können, immerhin müsste ihr Durchschnittsalter ungefähr neunzig Jahre betragen.

Das andere Buch, das ich mitgenommen habe, Stille von Erling Kagge, überzeugte nicht durch seinen ersten Satz, den habe ich nämlich gar nicht gelesen, ich schlug es irgendwo auf, es ging um Stille, um Natur, um Berge, natürlich musste ich das mitnehmen.

Hurra! Ich habe ein neue Lieblingsbuchhandlung.

*

„Ich kaufe mir eher selten Bücher mit Gedichten darin, (…)“
An dieser Stelle hatte ich schon einen * gemacht, dann aber dachte ich, das hätten die beiden nun wirklich nicht verdient, in kleiner Schrift hinten angehängt zu werden.

Es ist nämlich so, dass ich kürzlich gleich zwei Schnittbilder von Außerhalb geschenkt bekommen habe (zwei, weil Post-Adress-hin-und-her).
Was das ist, können Sie bei Christine Heine, der Autorin, selbst nachlesen, ich bin leider ziemlich schlecht darin, Worte für anderer Leute ihre Bücher zu finden.
Jedenfalls sind Gedichte darin und die will (und habe) ich sehr gern lesen.

Dann freue ich mich schon darauf, bald eine Ausgabe von was ein netz kann von Lorraine aus der Post zu holen, ich muss mich nur noch entscheiden, welche.
Auch da sind Gedichte drin, Illustrationen noch dazu.
Hier finden Sie mehr dazu.

Das war es jetzt erst mal mit Büchern.
Na ja, vielleicht.

Post-Serendipity, die Zweite.

Kürzlich nämlich an K. gedacht, das würde jetzt nicht zählen, weil ich ganz oft an K. denke, wenn ich nach W. fahre, wenn es Pfannkuchen gibt, wenn ich mein Lieblingskochbuch aufschlage, wenn ich K.s Pflanzen gieße und und und.
Kürzlich aber an K. gedacht und mich abgesehen von was-sie-jetzt-wohl-macht-wie-es-ihr-wohl-geht auch gefragt, ob wir uns nicht doch noch mal bei ihr melden sollten. Beschlossen, am Geburtstag, zu dem es nicht mehr lange hin ist, eine SMS zu schreiben. SMS schreiben ist natürlich doof, aber was will man machen, wenn man keine Adresse hat und telefonieren doof findet.

Heute dann eine absolut und völlig überraschende Postkarte von K. im Briefkasten gehabt von der Briefträgerin in die Hand gedrückt bekommen.
Das war schön.

Sie schreiben uns, sie schreiben uns nicht, sie schreiben uns, …

Heute hat sich wieder einer dieser seltsamen Zufälle ereignet. Gestern Abend nämlich lag ich im Bett und dachte so hin und her konnte mal wieder nicht einschlafen, da fiel mir ein, dass wir heuer noch gar keine Weihnachtspost vom Juffing bekommen haben.
Zu blöd, dachte ich, da ist sicher was mit der neuen Adresse schief gegangen. Obwohl ich die natürlich extra weitergegeben hatte, ich hatte hier schon mal davon geschrieben, die Juffing-Weihnachts-Post beinhaltet natürlich auch Preislisten und unser-Hotel-ist-das-tollste (Recht haben sie!), aber Juffing-Post ist trotzdem keine Werbung, Juffing-Post, das ist etwas für ein mehrere Weihnachtsplätzchen, die man vor dem Feuer auf der Couch genießt. Während man durch Das Magazin zum Hotel schmökert (bei ausreichendem Licht, denn Hurra! heute ist endlich unsere Couch-Leselampe eingetroffen).

Zu blöd, dachte ich also gestern oder vielleicht war auch schon heute. Zu blöd, heuer keine Juffing-Post für uns.

Aber ungefähr zwölf Stunden später öffnete ich den Briefkasten und jetzt dürfen Sie ein Mal raten, was ich da herausgeholt habe.

Ich bin dann mal auf der Couch.

Hach.

Über das Schöne schreibt sich so schlecht.

Schreibe ich so schlecht. Ich wollte das zum Beispiel am Sonntagabend tun, über das Schöne schreiben. Tat ich dann aber nicht. Dann eben am Montag. Kam auch irgendwas dazwischen. Heute wollte ich dann schon nicht mehr so, aber dann holte ich eine Postkarte aus dem Briefkasten. Eine schöne.
(Die allerdings hauptsächlich deshalb da landete, weil ich so schlecht über das Schöne schreiben kann. Was somit auch wieder gut ist, denn ansonsten hätte es ja überhaupt keine Postkarte gegeben.)

Und vor allem wegen der Postkarte schreibe ich jetzt doch noch (über das Schöne vom Sonntag).

Am Sonntag nämlich hat unser Wohnzimmer seine erste große Bewährungsprobe überstanden, nämlich: Wie feiert es sich darin, mit ungefähr zwanzig Menschen?
Antwort: Ganz großartig.
Was natürlich an den Menschen lag. So viel kann das Wohnzimmer dann doch nicht dazu beitragen, außer natürlich den Platz bereitzustellen und hey, haben wir Platz.
Das ist auch schön (Platz haben).
Noch schöner aber und jetzt wird es schwierig, ist dieses wohlig-warme Gefühl. Ich bin ja in vielerlei Hinsicht ein wobei-obwohl-vielleicht-Mensch. Vor Jahren war ich mal auf einem Seminar und sollte jemand anderem sagen, was er denn werden solle, Innenarchitekt oder Schreiner. Einfach so, aus dem Bauch heraus. Und ich eierte herum, sagte, das könne ich mir beides vorstellen und überhaupt (das dachte ich dann allerdings nur noch), warum soll ich ihm sagen, was er werden soll, das muss er doch selbst wissen. Und die Seminarleiterin so: Nun legen Sie sich doch endlich mal fest!

Will sagen: Ich lege mich immer noch nicht gern fest. Hat doch fast immer alles seine Vor- und Nachteile.

Jetzt bin ich allerdings vom Weg abgekommen. Ach ja, wohlig-warm. Schrieb ich doch erst kürzlich vermehrt darüber, dass wirklich alles dunkel ist und nie versteht mich einer und nie interessiert sich einer für mich und mimimi und das stimmt ja auch alles, will sagen, das fühlt sich wirklich so an, mal mehr, mal weniger, und gleichzeitig ist das natürlich überhaupt nicht so, gleichzeitig weiß ich auch, dass ich zu Hause bin, geborgen, aufgehoben, dass da ein Miteinander ist, ein ganz wunderbares und am Sonntag, da war es sehr präsent, dieses Miteinander und viele, viele Stunden lang hatte ich nicht einen mimimi-Gedanken, viele Stunden lang freute ich mich, dass diese Menschen gekommen waren und dass wir alle zusammen in unserem Wohnzimmer sitzen und feiern und es ist gut.

(Und jetzt denke ich schon wieder, dass diese Worte, also meine, überhaupt nicht mit dem Sonntag mithalten können und somit würde dieser Blogeintrag vermutlich gar nicht erst erscheinen, aber jetzt eben doch.)

Denn es ist gut so wie es ist. Steht unter anderem auf der Postkarte aus dem Briefkasten.
Und das stimmt ja auch.
[Obwohl Wobei Vielleicht]
[mimimi]

Danke!

Geschenke!

Es gibt dann doch eine Sache, die mich begeistert. Abgesehen vom Schreiben, wobei Schreiben begeistert mich im Grunde nicht wirklich, das ist mehr eine Notwendigkeit, was jetzt auch wieder nicht stimmt, aber ach, es ist kompliziert.

Die andere Sache fängt damit an, dass ein Geschenk benötigt wird. Das ist erst einmal wenig begeisternd, außer, es tritt einer dieser seltenen Fälle ein und mir fällt sofort etwas ein, sogar etwas, das sich drei Tage später immer noch genauso richtig anfühlt wie in dem Moment, als es mir eingefallen ist.

Es kann natürlich auch sein, dass überhaupt kein Geschenk benötigt wird, mir aber trotzdem eins einfällt. Das ist am allerbesten.

Normalerweise ist es aber so, dass mir nichts einfällt. Und allen anderen, die sich eventuell am Geschenk beteiligen könnten, fällt sogar noch weniger ein.

Dann finde ich die Geschenke-Sache total doof.

Zumindest so lange, bis mir eben doch etwas einfällt.

Dann wird es allerdings wieder blöd, denn nun gilt es, die Idee umzusetzen, beziehungsweise alles mögliche dafür zu tun, die Idee umsetzen zu können. Beispielsweise das Buch bestellen (schon wieder), einen Wasserzerstäuber besorgen und eine Fliegenklatsche (ja, wirklich).

Das mit dem Buch ist natürlich einfach. Und macht sogar noch Spaß. Schließlich muss ich dafür in eine Buchhandlung (also nein, müsste ich theoretisch nicht, mache ich aber) und da finde ich vielleicht sogar noch ein Buch, das ich mir selbst schenken kann.
Aber dann gibt es nirgends Wasserzerstäuber und die Saison für Fliegenklatschen ist auch längst vorbei und ach, die Idee war vielleicht doch nicht so gut.

Irgendwann aber ist dann (hoffentlich) doch alles besorgt und hurra, jetzt kann ich zur Tat schreiten und die Idee umsetzen.

Das ist dann allerdings auch wieder blöd, denn es bedeutet, dass ich etwas tun muss, etwas jenseits von Couch+Lesen. Dazu habe ich im Normalfall recht wenig Lust, zumindest so lange nicht, bis ich angefangen habe und feststelle, dass Plan A zwar überhaupt nicht aufgeht, mir dafür aber Plan B einfällt, der sich erstaunlicherweise auch sofort umsetzen lässt (ohne weitere Besorgungen), der außerdem sogar noch besser ist als Plan A und hurra, es wird, aber warum habe ich eigentlich kein grünes Geschenkband, ach, egal, so hübsch wie B.s Geschenke wird es am Ende sowieso nie aussehen, und hurra, jetzt ist es fertig, das Geschenk und huch, hat das plötzlich einen Riesenspaß gemacht.

Was der Grund ist, warum ich das aufschreibe, also der Riesenspaß. Damit ich nicht wieder vergesse, dass ich mich eben doch für etwas begeistern kann, ja ich!, so richtig, mit Essen und Trinken vergessen und nicht ansprechbar sein, und ach, ich könnte noch zwölf weitere Geschenke zusammenbasteln, wenn ich nur wüsste, für wen was.

Was schön war: Blumenladenkekse.

Ich weiß gar nicht, wer mit diesem Was-schön-war angefangen hat, es ist im Grunde auch egal, aber nun ja, Ehre, wem Ehre gebührt und so. Ich habe jedenfalls bei hier und hier und hier und hier davon gelesen.

Und heute morgen geschah dann etwas, das unbedingt in diese Kategorie hineingehört.
Alles fing mit der Lampe an, die wir am Samstag natürlich nicht gefunden haben. Dafür haben wir Getränke und Milch eingekauft, das ist ja auch wesentlich einfacher einzukaufen als Lampen. Diesen Einkauf tätigten wir allerdings nicht dort, wo wir gewöhnlich einkaufen, weil, das lag natürlich nicht auf dem Weg. Macht aber nichts.
Macht dann aber doch was, wenn man, Stunden später und längst wieder zu Hause, den Pfandzettel in der Jacke findet. Über eine nicht unwesentliche Summe.

Blöd. Weil, liegt ja nicht auf dem Weg.

Vielleicht aber auch doch nicht so blöd, denn:
Fährt man, also m und ich, da halt doch noch mal hin, was solls. Wir brauchen sowieso schon wieder Milch. Und neben dem Milchladen ist der Blumenladen, dem wollte ich sowieso irgendwann einen Besuch abstatten, eigentlich erst zu Adventskranzkaufzeiten, aber ach, egal, diese Woche steht sowieso noch ein Geburtstag an, wer weiß, vielleicht finde ich dafür etwas.

Ich finde Weihnachtsplätzchen! Selbst, beziehungsweise vom Blumenladen-Team, gebackene Weihnachtsplätzchen. Die sind wunderhübsch anzusehen auf einer Theke am Eingang aufgebaut, sehen aus wie vom Bäcker, ich denke tatsächlich zuerst, irgendein Bäcker hat eine Marktlücke entdeckt und verkauft im Blumenladen 100-Gramm-weise Weihnachtsplätzchen.

Aber weit gefehlt.

Wollen Sie vielleicht ein Glas Sekt?, fragt mich die freundliche Blumenladenmitarbeiterin, die plötzlich hinter den Plätzchen auftaucht.
Stellt sich heraus, man bekommt das alles einfach so. Sekt. Plätzchen. Rezepte für die Plätzchen. Für die sehr leckeren Plätzchen.

m und ich probieren uns von Linzer Schnecken zum Schokoladenbrot durch und natürlich kaufen wir dann auch noch etwas, viel mehr, als wir eigentlich wollten.

Aber hach, war das schön lecker.