Kategorie-Archiv: gelesenes

Was ich euch jetzt erzähle.

Heute den diesjährigen Lieblingssee besucht (aus der Reihe der nahegelegenen Seen (die allesamt immer noch viel zu weit weg sind)).

Am See über Musik gesprochen, genauer: über Konzerte der Toten Hosen. Deren neue Lieder lagen ein halbes Jahr im Wohnzimmer herum. Zuerst hatte ich keine Kopfhörer, dann keine Lust, dann irgendwas anderes. Nun hat mir aber B. ein Konzertticket geschenkt, für Anfang September, es wurde also doch langsam dringend, die neuen Lieder mitsingsicher parat zu haben. Ansonsten nämlich macht ein Konzert (dieser Art) nur halb so viel Spaß.
Die neuen Lieder also endlich angehört und gedacht, huch, die kenne ich doch. Und ein paar kannte ich auch, aus dem Radio, aber die anderen kannte ich, weil sie sich nun mal anhören wie Tote-Hosen-Lieder (was jetzt nichts schlechtes ist).
Eins meiner liebsten Lieder (nein, kein neues) (und ich werde es wohl leider auch nicht live hören) ist: Schwimmen.
Womit ich jetzt wieder beim See bin, aber zu dem ist eigentlich schon alles gesagt.
Was jetzt auch nicht ganz richtig ist, aber nun.

Schon wieder was gelesen, gleich beide Bücher von Celeste Ng (Kleine Feuer überall / Was ich euch nicht erzählte). Gleich mal Celeste Ng auf meine „alles von ihr lesen“-Liste gesetzt. Nur gibt es ja leider noch nicht mehr von ihr zu lesen. Vermutlich wird es auch gar nichts Neues je geben, denn ich vermute, mit Ngs Büchern verhält es sich genau wie mit Tote-Hosen-Songs, kennt man eins, kennt man alle (ja, das ist übertrieben). Aber das macht ja wiederum nichts.

Ngs Bücher passen wiederum prima (so ein Zufall, nech) zum sichtbar sein, zum Reden, beziehungsweise Schweigen, zu all dem, was ich nicht sage, zu dieser Ohnmacht, die sich einstellt, wenn ich doch mal was sage und keiner hört es (ja, auch das ist übertrieben) oder jemand hört es, aber er hört etwas ganz anderes.
Auch dazu, dass ich ein Problem damit habe, herauszufinden, was ich will, aber ganz oft weiß, was der andere (von mir) will.
Und noch siebentausend andere Sachen.

Und ich denke an die Leserunde in D., frage mich wieder einmal, ob es nicht auch eine Leserunde in H. geben könnte, denn beide Bücher wären genau das richtige für so eine Runde, aber im Endeffekt würde ich dann doch wieder nur in der Runde sitzen und mich fragen, von was die alle reden, warum dieses oder jenes denn so schwer zu verstehen ist und irgendwann würde ich dann doch etwas sagen (im dritten Anlauf) und die Wörter würden wieder gänzlich falsch herauskommen und ich würde mich unterbrechen lassen, obwohl ich doch noch gar nicht zu Ende geredet habe und jemand würde mir antworten und da wäre es dann wieder, dieses Gefühl, wie kann er denn etwas ganz anderes hören, als das, was ich gesagt habe, hat er mich überhaupt gehört?

Und nun ist es schon wieder passiert, alles hört sich ganz furchtbar und nicht zum Aushalten an, und so ist es ja auch, aber so ist es auch nicht.

Und dazu fallen mir jetzt all diese Übungen ein, abends aufschreiben, was gut lief, dem Guten mehr Gewicht verleihen, ich will ja immer schreiend weglaufen, wenn ich davon lese, aber es funktioniert natürlich und daher suche ich jetzt noch etwas Gutes abseits des Lieblingsseebesuchs.

Und da findet sich sogar etwas, denn der Text von vorgestern (den kennen Sie nicht), der ist beim heutigen Lesen immer noch brauchbar und vorhin beim Essen fanden sich sogar weitere Worte und ich konnte die sogar aufschreiben, denn m aß mit Begeisterung ungefähr drei Mal so viel Nudeln wie ich und m kann ganz wunderbar allein (allein wie: selbstständig) essen (wenn sie denn will).

Hallo.

Kürzlich im Zuge von Serendipity auf dieses Buch aufmerksam geworden (ausgerechnet jetzt, das ist aus Gründen schon ziemlich merkwürdig): Auch alte Wunden können heilen, von Dami Charf. Hineingeschaut, vom Totstellreflex gelesen, Oha, das könnte was mit mir zu tun haben, gedacht und das Buch bestellt.
Nun.
Gestern drei Viertel des Buchs gelesen und mit jeder Seite mehr zum Überfliegen gewechselt. Weil: Ja, ich habe das jetzt verstanden. Ja, wenn dies und das passiert(e), dann führt das zu diesem und jenem. Ist jetzt nicht wirklich was Neues. Und die wichtigste Frage(n) wird nicht beantwortet, nämlich: Und was mache ich jetzt?

Dem Buch heute noch einmal eine Chance gegeben und ja, so nebenbei und zwischen den Zeilen gibt es dann doch ein paar Antworten, eine davon, wie könnte es anders sein: Meditation. Wobei, so konkret wird auch das nicht gesagt, mehr so hinsetzen, nichts tun, hören, was der Körper dann so zu sagen hat. Aber was ist das anderes als Meditation.

Wieder an T. gedacht, die doch tatsächlich sagt, Meditation, das ginge völlig an ihr vorbei. Kommt nicht bei ihr an, interessiert sie jetzt nicht so, will sie nicht andauernd als Gewohnheit in ihr Leben einbauen.
Wie kann Meditation an einem vorbeigehen.

Dann an Herrn K. gedacht, mit seinen elf Minuten. Zwei Mal elf Minuten am Tag meditieren. Warum gerade elf habe ich vergessen, können Sie aber bestimmt herausfinden.

Dann das Handy geholt, den Wecker auf elf Minuten gestellt. An Musik gedacht. Sofort aufspringen wollen, weil Musik jetzt genau das richtige wäre. Liegen geblieben.

Nach den elf Minuten gleich wieder zum Buch greifen wollen, aber Ha!, stattdessen zum Kopfhörer gegriffen. Seit langem mal wieder Nadeah gehört. Ziemlich gleich danach singend durchs Wohnzimmer getanzt. Vier neue drandenken-Zettel geschrieben, nämlich: herausfinden, ob und wann Nadeah mal wieder in die Nähe kommt, weil Nadeah live noch viel mehr Freude macht als aus Kopfhörern. Gleich auch noch Zettel für Chris Potter und Keren Ann geschrieben. Und fürs Enjoy-Jazz-Festival, denn ohne Enjoy Jazz hätte ich von zwei der drei Genannten noch nie etwas gehört (Keren Ann hat mir Inspektor Banks „empfohlen“).

Beim Musik hören fiel mir dann wieder ein, warum ich diese Blog-Idee irgendwann mal so überaus ansprechend fand, oder überhaupt die Idee des Schreiben und dann fiel mir Frau Einhorns Sichtbarkeits-Thema wieder ein (das ich jetzt leider nicht verlinken kann, weil es nicht mehr da ist, aber hier geht es zu Frau Einhorn) und dann fiel mir ein anderes Buch ein, in dem es auch ums gesehen werden ging, zumindest am Anfang, den Rest habe ich noch nicht gelesen, ich weiß auch gar nicht, um was es eigentlich geht, der Sichtbarkeitsabsatz allein gab den Ausschlag, auch dieses Buch zu kaufen*.

Außerdem kann man nie genug Bücher haben und wo ich gerade dabei bin, Matthew Quick, Schildkrötenwege, das habe ich heute auch gelesen und Hurra, endlich mal wieder ein lesenswertes Buch, ich bin versucht, unsere (gehäkelte) Schildkröte (erneuter Dank an Herrn F.!), die bisher noch keinen Namen hatte, nun Quick zu nennen.
Im Buch, also dem von Matthew Quick geht es ums normal-sein beziehungsweise eben nicht normal-sein, beziehungsweise um die Frage, was denn nun eigentlich normal sei und warum „die Masse“ oftmals völlig bekloppte Dinge gut findet und derjenige, der diese Beklopptheiten nicht mitmachen will, dann komischerweise der Bekloppte ist. Das ist jetzt auch alles nichts Neues, aber er hat das ganz wunderbar geschrieben.

Da musste ich dann auch schon wieder an Frau Einhorn denken, denn Frau Einhorn sammelt manchmal Menschen um sich herum und einer dieser Menschen war ich und in Schildkrötenwege heißt es sinngemäß, dass es so unfassbar viele Menschen auf der Welt gibt und man nur einen Bruchteil dieser Menschen kennt und wenn die nun alle ganz anders sind, als man selbst, dann könnte man meinen, niemand ist wie man selbst, aber vielleicht hat man auch nur noch nicht die „passenden“ Menschen unter all diesen vielen gefunden.
Jedenfalls, als ich einer dieser Menschen bei Frau Einhorn war, da waren alle anderen auch irgendwie anders und gar nicht unbedingt wie ich, und doch war ist irgendwo darunter dieses Gefühl, auf eine Art Zuhause zu sein, die anderswo so nicht möglich ist. Dort ganz leicht ein ganz bestimmtes Ich sein zu können.
(Erneuten Dank an Frau Einhorn! Und alle „Beteiligten“)

Jetzt aber wieder zurück zum Sichtbarkeitsbuch, es heißt Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren, geschrieben hat es Ali Benjamin und die Stelle, die ich meine, geht so:

„In den ersten drei Wochen der siebten Klasse habe ich vor allem eins gelernt: Ein Mensch kann unsichtbar werden, indem er einfach schweigt.
Ich hatte immer angenommen, dass jemand wahrgenommen wird, weil die Menschen ihn mit ihren Augen sehen. Aber als wir mit der Schule unseren Herbstausflug ins Aquarium machten, war ich, Suzy M. Swanson, völlig unsichtbar. Gesehen zu werden, hat nämlich mehr mit den Ohren als mit den Augen zu tun.“

Auf bald.

 

* Außerdem ist es vom Hanser Verlag und ganz oft mag ich Bücher vom Hanser Verlag.

Was machen wir heute?

Heute morgen habe ich damit angefangen, Bachmannpreistexte nachzuhören. Und zwar mit Bov Bjergs Text SERPENTINEN.

Gerade habe ich den Text auch noch mal nachgelesen, um die Stelle zu finden, die ich gleich zitieren will. Beim Nachlesen habe ich dann aber zuallererst festgestellt, dass es (natürlich) etwas ganz anderes ist, einen Text vorgelesen zu bekommen und dann auch noch vom Autor. Das sollte ich eigentlich wissen, spätestens seit Saša Stanišić. Vor dem Fest habe ich ungefähr drei Mal angefangen zu lesen, drei Mal resigniert, dann hörte ich Saša Stanišić live lesen und sollten Sie Saša Stanišić jemals live lesen gehört haben, verstehen Sie, warum ich danach ein viertes Mal zu Vor dem Fest griff. Und siehe da, mit seiner Stimme im Ohr hatte ich den Roman an wenigen Abenden gelesen. Mit Genuss, übrigens.

Aber zurück zu Bov Bjerg. Bov Bjerg, weil gefühlt sämtliche BloggerInnen, die ich lese, von seinem Auerhaus schwärmten; Auerhaus, auch das habe ich gelesen, dazu reichte ein einziger Versuch, es las sich ganz geschwind und abgesehen davon, dass ich mit dem Ende nicht einverstanden war (warum, weiß ich heute allerdings nicht mehr), fand ich nichts daran auszusetzen. Die Begeisterung der besagten BloggerInnen konnte ich allerdings auch nicht nachvollziehen.

In der ersten Vorleseminute war ich kurz davor, wegzuklicken, hatte allerdings gerade keine Hand frei und manchmal ist es ganz gut, keine Hand frei zu haben, den Rest der Zeit war ich nämlich doch sehr angetan und als ich das morgendliche Yoga beendete, zum MMM und zu m hinunterging, hatte ich sogleich die passende Antwort für die Frage des MMMs nach meiner (Gefühls)Lage.
Das Präteritum, das Präsens und das Futur lastet auf mir, sagte ich.
Das war dann selbst für meine Verhältnisse eine merkwürdige Antwort, der MMM sah dementsprechend fragend drein.

Das Präteritum, das Präsens und das Futur – das war diese eine Stelle, die sich sofort bei mir festgesetzt hatte, spätestens mit diesem Vergleich hätte mich Bjerg für seinen Text begeistert, allein es war nicht mehr nötig, ich mochte ihn ja sowieso schon, den Text. Also was heißt mögen, kann man Texte mögen, er war bei mir angekommen, der Text.

Und jetzt hätte ich fast das Zitieren vergessen*, Bov Bjerg, SERPENTINEN:

Und dann kamen die Erdzeitalter und legten sich auf mich. Das Präteritum, das Präsens, das Futur. Diese Versteinerung da, im Präteritum, schau mal, das bin ich.

 


* Den Titel dieses Textes habe ich übrigens ebenfalls aus SERPENTINEN zitiert geklaut.

Individualisierung, Exotische Früchte, Waffeln.

Seit Tagen Wochen schon will ich etwas schreiben. Also hier, im Blog. Heute habe ich dann immerhin an Sam herumgeschrieben. Die unendliche Geschichte (also meine, beziehungsweise die von Sam). Und da sagt der Herr Fitte, man müsse Gedanken zu Ende denken (nun ja, so ähnlich sagt er das). Und ich, die ich immer weniger verstehe, was ich da eigentlich schreibe. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, ob überhaupt. Wo das alles hinführen soll, ob überhaupt.
Trotzdem fühlte es sich überraschend richtig an. Das Schreiben. Vorhin. Aber das ist auch nicht immer von Dauer, dieses Gefühl.

Zwischendurch aber etwas ganz Profanes, heute nämlich waren wir bei der Obst- und Gemüsehändlerin, alles dauerte ein bisschen länger, denn die Obst- und Gemüsehändlerin war gerade am Telefon und orderte Käsenachschub.
Sagen Sie, hatten Sie nicht auch schon mal Kochkäse?, fragte ich, als sie auflegte.
Gut, dass Sie fragen, sagte sie, da muss ich gleich noch mal anrufen. Und tat es.
(Kochkäse gibt es am Montag wieder.)
m sah derweil die Erdbeeren und wollte Erdbeeren, ich wollte ebenfalls Erdbeeren, wir kauften also (unter anderem) Erdbeeren. Wir wollten gerade gehen, da sah m die Steige mit den Johannis-, Heidel-, Him- und Brombeeren.
Und m wollte Johannisbeeren. Ich wollte keine Johannisbeeren, aber nun. Nehmen wir die auch noch mit. Den Kassenzettel nehmen wir auch mit, aus Gründen und er erweist sich noch dazu als recht vergnüglich, die Johannisbeeren tauchen da nämlich als Exotische Früchte auf.

Aber wieder zurück zum Schreiben. Frau Einhorn schreibt jetzt auch wieder, zwar unter anderem darüber, dass sie nicht schreibt, aber das gildet auch. Wie so oft, wenn Frau Einhorn etwas schreibt, führt es dazu, dass ich ebenfalls etwas schreiben will, dann aber verheddern sich meine Gedanken und alles ist schneller wieder gelöscht, als es geschrieben wurde.
Nichtsdestotrotz denke ich unter anderem wegen Frau Einhorn darüber nach, was das mit dem Schreiben eigentlich soll, ob ich tatsächlich nur für mich schreibe oder ob ich mir da etwas vormache, denn schriebe ich nur für mich, warum gebe ich es dann anderen zu lesen.

Damit die mir sagen, wie großartig das ist, natürlich.

Und – und deshalb kann ich das mit dem Schreiben sei Individualisierung (was ebenfalls der Herr Fitte sagte und/oder zitierte) nicht recht nachvollziehen, ist, oder war es für mich doch auch der Versuch, überhaupt etwas zu sagen, überhaupt irgendwie gehört, beziehungsweise gelesen zu werden und das widerspricht ja nun wieder dem, dass ich nur für mich schreibe, aber vielleicht meine ich damit auch einfach nur etwas anderes, dass ich nämlich noch nie irgendwelche Leserinnen im Sinn hatte, wenn ich etwas schreibe, ich verstehe auch nicht, wie das gehen kann, etwas für jemanden schreiben, ich schreibe einfach, was da ist und fürchte, das könnte der Grund sein, warum ich nicht schreiben, weil da nämlich nichts ist.
Frau Einhorn jedenfalls schreibt von einem Raum, in dem nichts, was sie sagte, gehört wurde und ganz spontan dachte ich, das kenne ich doch, dann aber fragte ich mich, ist das wirklich so und ich glaube, so ist es nicht, noch nie habe ich etwas in den Wind geschrien und wenn man nichts sagt, wer soll das dann hören (doch, ja, manche Leute können das, aber die sind noch seltener als diejenigen, die hören, was man sagt).
Wenn ich es schon nicht sage, schreibe ich es wenigstens auf und mache mich damit ein klein wenig sichtbarer. Dachte ich mal. Aber was soll ich schreiben, da ist nichts. Vielleicht klappt es deshalb nicht, die unendliche Geschichte aufzuschreiben, weil da nichts ist und wie soll man das in Worte fassen.
Das fühlt sich oft schlimm an, dieser Gedanke. Jetzt nicht, jetzt fühlt er sich mehr wie „nun, so ist es eben“ an, aber jetzt gerade schreibe ich ja auch, da ist alles viel leichter zu ertragen.

Nun aber wieder zurück zum Essen*. Heute morgen hatte ich nämlich Lust auf Waffeln, also gab es Waffeln. Mit Waffeln ist es ja so, spätestens nach drei Waffeln will man nie wieder etwas essen, zumindest keine Waffeln, allerhöchstens noch Leberwurstbrote.
Daher war noch Teig übrig, denn kalte Waffeln schmecken noch weniger als Bananen und der MMM sollte heute Abend auch seine frischen Waffeln bekommen. Doch dann, als der heutige Abend gekommen war und ich den Stecker des Waffeleisens in die Steckdose steckte, machte es Plopp! Was kein gutes Geräusch ist, wenn man Stecker in Steckdosen steckt, ich kenne es noch von den kaputten Steckdosen in D., hier immerhin ging das Licht noch, die Sicherung war also noch drin, nur roch es auch schon so verschmort, es qualmte aus dem Stecker und nun ja, eventuell ist es nur der Stecker und das Waffeleisen könnte man noch verwenden, aber das Waffeleisen ist älter als ich und so jung bin ich jetzt auch nicht mehr, es ist also vielleicht doch an der Zeit, dass wir uns ein neues Waffeleisen zulegen.
Neue Waffeleisen sind blöd, an denen hängen überhaupt keine Erinnerungen.
Aber nun, egal, zumindest fürs erste, die wichtige Frage jetzt erst mal, was machen wir mit dem Waffelteig? Man kann ja wohl keinen Waffelteig wegwerfen, man kann Waffelteig natürlich roh essen, aber das ist so ähnlich wie mit fertigen Waffeln, nach drei Löffeln will man nie wieder etwas essen, allerhöchstens Leberwurstbrote. Man könnte bei H. oder G. klingen, eine von beiden, wenn nicht gar beide werden doch wohl ein Waffeleisen haben, aber wegen drei Waffeln und dann muss man das Waffeleisen wieder sauber machen**.
Falls Sie schon immer mal wissen wollten, ob man Waffeln auch in der Pfanne backen kann: ja, das geht. Gut sogar. Sieht nicht ganz so hübsch aus, schmeckt aber.

Und jetzt noch mal zurück zum Schreiben? Nein, lieber nicht.

 


* Macht man nicht, solch völlig zusammenhanglosen Themenwechsel, nicht wahr? Ist mir aber gerade völlig egal. Außerdem schreibe ich ja sowieso nur für mich.
*hier bitte Augen verdrehen*

** Wenigstens der Punkt fällt weg, sollten wir das Waffeleisen entsorgen – wir müssen es immerhin nicht sauber machen.

*

„Ich kaufe mir eher selten Bücher mit Gedichten darin, (…)“
An dieser Stelle hatte ich schon einen * gemacht, dann aber dachte ich, das hätten die beiden nun wirklich nicht verdient, in kleiner Schrift hinten angehängt zu werden.

Es ist nämlich so, dass ich kürzlich gleich zwei Schnittbilder von Außerhalb geschenkt bekommen habe (zwei, weil Post-Adress-hin-und-her).
Was das ist, können Sie bei Christine Heine, der Autorin, selbst nachlesen, ich bin leider ziemlich schlecht darin, Worte für anderer Leute ihre Bücher zu finden.
Jedenfalls sind Gedichte darin und die will (und habe) ich sehr gern lesen.

Dann freue ich mich schon darauf, bald eine Ausgabe von was ein netz kann von Lorraine aus der Post zu holen, ich muss mich nur noch entscheiden, welche.
Auch da sind Gedichte drin, Illustrationen noch dazu.
Hier finden Sie mehr dazu.

Das war es jetzt erst mal mit Büchern.
Na ja, vielleicht.

Noch mehr Bücher.

Der Tag begann zäh. Die Tage beginnen fast immer zäh. Vielleicht liegt es daran, dass der Morgen einfach nicht meine Tageszeit ist. Vielleicht aber auch nicht.

Dabei konnte ich ausschlafen. Oder nein, weiterschlafen. Und dann tat sich auch noch freie Zeit auf, ein Zeitfenster, ich wünsche es mir herbei, dann ist es plötzlich da und ich weiß nichts mit ihm mir anzufangen.

Yoga habe ich angefangen, wieder einmal. Und dabei Christine Thürmer gehört. Eine Weitwandernde. Beim Zuhören fiel mir ein, dass ich schon einmal irgendwo von ihr gehört hatte, mich auch damals schon darüber wunderte, dass ich sie nicht auf Anhieb ins Herz schließen konnte. Als wäre das so einfach, als bräuchte es nur eine Gemeinsamkeit und schon hat man sich gern.
Oft stellt sich heraus, die Gemeinsamkeit ist gar keine – auch Wandern kann man auf verschiedene Arten.

Gegen Mittag war der Tag noch immer zäh. Und dabei hatten wir einen Plan. Meist verschwindet die Zähigkeit leichter und schneller, wenn es einen Plan gibt. Heute aber dachte ich darüber nach, den Plan aufzugeben. Was auch nichts Neues ist, andauernd will ich Pläne aufgeben, weil sie so anstrengend sind.
Dieses Wort, anstrengend. Ich sollte es wirklich aus meinem Leben verbannen.
Wenn das so einfach wäre.

Nun denn, wir setzten den Plan um.
Daher war ich heute auf der Buchmesse, der kleinen. Und stellte fest, dass ich wohl zum Buchsnob werde. Die meisten Bücher nehme ich gar nicht erst in die Hand, weil ich sie hässlich finde. Oder ich nehme sie in die Hand, lege sie aber gleich wieder weg, weil ich die Schrift hässlich finde oder die Art, wie die Seitenzahlen formatiert sind. Die Art, wie das Buch in der Hand liegt, wie es sich umblättert. Dass der Klappentext kaum zu lesen ist, wegen dunkler Schrift auf dunklem Hintergrund.
Was man alles falsch machen kann.
Und da habe ich noch nicht einmal hineingelesen.

Aber man kann es auch richtig machen.
Drei Bücher habe ich mitgenommen. Eins, weil ich an diesem Satz hängenblieb: „Plötzlich fühlte er sich losgelassen.“
Der Satz macht hier nicht so viel her, auf der Seite aber – er füllt eine ganze, ansonsten leere Seite aus, das „losgelassen“ rechts oben, der Anfang des Satzes links unten – auf der Seite fühle ich mich selbst ganz losgelassen, ein angenehmes Gefühl, obwohl das Loslassen im Buch (wie ich später feststellte) ganz und gar nicht positiv besetzt ist.
„Die Kinder verzagten nicht.“ Noch so ein Satz. Verzagen, was für ein hübsches Wort, ich will es sofort benutzen.
Und hübsch ist das Buch auch, es sind Bilder darin, solche, die man eine Weile betrachten kann und dann immer noch etwas Neues entdeckt. Papierdrache heißt es, der Text ist von Seyyed-Ali Shodjaie, die Bilder von Christine Laube und Mehrdad Zaeri.

Das zweite Buch heißt InneHalt von Henning Sabo, darin sind Gedichte. Ich kaufe mir eher selten Bücher mit Gedichten darin, vielleicht, weil sie Zeit und Muße für sich beanspruchen, weil sie – tada! – anstrengend sind, will ich mich wirklich darauf einlassen. Anstrengender als Romane.
Aber nun ja, dieses war eben auch eins der hübschen Bücher, ich blätterte hinein, es stimmte alles und als ich dann auch noch zu jedem aufgeblätterten Gedicht nicken wollte, nahm ich es einfach mit.

Dann nahm ich noch einen Roman mit, Weg vom Festland von Frederike Frei, auch er hübsch gemacht, ich las hinein und traf eine Stelle, die mich ebenfalls spontan angesprochen hat, also kaufte ich auch dieses Buch.
Heute Abend las ich noch weiter hinein, und, nun ja, es ist anstrengend. Hätte ich mehr gelesen, hätte ich das Buch wohl doch nicht gekauft. Obwohl es mich immer noch anspricht, aber gleichwohl ist der Stil, in dem es geschrieben ist, überhaupt nicht der, den ich gern lese, in jedem Satz fünf Bilder und dann auch noch welche, die teilweise so seltsam sind, dass sie doch eher quer liegen, nichtsdestotrotz liegt das Lesebändchen(!) nun schon auf Seite 63, mal sehen, wie es mit uns noch weitergeht.

Nach dem Bücherkauf liefen wir noch am Fluss entlang. So ein Fluss, das ist eine feine Sache. Dieser zwar eher von der trägen Sorte, aber passend zum Sonntag hatte er ausnahmsweise ein grünes Kleid angezogen, anstatt das sonst übliche schlammbraune. Über und auf dem Fluss die Möwen, Möwen, da ist man doch sofort im Urlaub. Ein Kormoran auch, zuerst im Wasser, dann auf einem Baum, dem Baum, bei dem wir zuvor noch rätselten, warum er so halbseitig weiß ist (und ansonsten eben baumfarben). Wegen der Kormoranscheiße. Das hört sich jetzt wenig idyllisch an, war es aber ansonsten doch, die Sonne schien, die Leute lächelten, lächelten spätestens dann, wenn sie m ansahen, wir lächelten auch, wir saßen sogar auf einer Bank, ziemlich lange, so lange, wie m für eine kleine Banane und einen Prinzenrollenkeks braucht, vor uns der Fluss, an seinen Seiten die Berge (nun ja), auf den Bergen eine Burg und noch eine und noch eine. Ein richtiger Bilderbuch-Sonntagnachmittag.
Später bekam m sogar noch eine halbe Scheibe Toastbrot geschenkt, nicht, weil sie so hungrig aussah, sondern um die Möwen zu füttern, m fütterte also Möwen, die armen Möwen, vermutlich haben sie nun Bauchweh, man soll ja nicht und sowieso, aber wo es doch so einen Spaß macht und wenn man dann auch noch Toastbrot geschenkt bekommt, was will man da machen.

Dann fuhren wir wieder nach Hause und ich dachte schon wieder, wie anstrengend, wegen dem Abendessen, aber auch das ging leichter als gedacht und danach konnte ich sogar auf der Couch in meine neu gekauften Bücher hineinlesen.

Der Tag endet bisher also ganz ohne Zähigkeit, ich habe sie irgendwann abgestreift, auf der Buchmesse oder vielleicht hat sie auch der Fluss davongetragen, auf einmal war sie fort und da darf sie gern bleiben.

Begegnungen, ein Panini, Bücher.

Gestern waren m und ich ungefähr drei Minuten in der Bücherei. Dann wollte m einen Keks, in der Bücherei isst man aber keine Kekse, großes Geheul, dann saßen wir ungefähr zehn Minuten im Vorraum der Bücherei. Dort hatten sie extra für diesen Zweck (nun ja) einen Tisch und zwei Stühle aufgestellt. m aß Kekse und war glücklich. Ich hatte auf die Schnelle immerhin zwei Bücher ergattert, ob ich mit denen glücklich werde, wird sich zeigen.

Vorher hatten wir noch geparkt. Im Parkhaus war die Schranke oben, auf dem Display des Parkkartenautomaten stand „außer Betrieb“ und ich hatte ein klein wenig Angst, nie mehr aus diesem Parkhaus herauszukommen.
Zum ersten Mal in meinem Leben drückte ich später, beim Hinausfahren, die „Sprechtaste“ des Parkkartenautomaten (denn diese Schranke war natürlich unten). Es tutete. Tutete noch einmal. Und noch einmal. Dann rauschte es. Dann passierte einen sehr langen Moment nichts mehr, doch gerade, als ich erneut die Sprechtaste drücken wollten, öffnete sich die Schranke. Hurra.

Zuvor aber haben wir noch ein Panini gegessen. Das Wetter Die Kälte führte dazu, dass wir dieses Panini direkt vor Ort beim Bäcker gegessen haben und nicht wie sonst auf dem Weg zum Auto, im Auto oder sonstwohin. Die Kälte ist wirklich zu etwas nütze, denn komischerweise bin ich noch nie auf die Idee gekommen, mich zum Essen einfach mal hinzusetzen und dabei ist es wirklich sehr nett dort. Da ich für m aus der Bücherei, in der wir zu diesem Zeitpunkt schon gewesen waren, ebenfalls zwei Bücher mitgenommen hatte*, konnten wir in aller Ruhe sitzen und lesen. Und essen.

Neben uns saßen zwei ältere Frauen, frühstückten und ignorierten uns, wie ich dachte. Als sie aber gingen, fragte die eine, wie ich denn hieße und ob ich nicht in H. wohnen würde. Ich hätte doch damals mit ihr zusammen Spiralen gedreht, nicht wahr? Ich sei doch die Schwester von B., nicht wahr?
Äh, ja.
Ich erkannte sie noch nicht einmal wieder, nachdem sie das gesagt hatte. Vermutlich verdrängt, von der Zeit des Spiralendrehens hatte ich ja kürzlich erst berichtet. Unfassbar langweilig war das damals.
Da hätte ich doch eigentlich Zeit gehabt, meine Kolleginnen genauer anzusehen.
Nun ja.

Sowieso ist das irgendwie merkwürdig mit den Menschen. Warum erinnert man sich an den einen, an den anderen aber nicht? Warum bleibt man mit dem einen in Kontakt, mit dem anderen nicht? Oft ist das doch auch alles ein großer Zufall. Zumindest in meinem Fall.

Heute morgen waren wir im IKEA. Es soll Leute geben, die Spaß daran haben, zum IKEA zu gehen. Die nichts brauchen und am Ende trotzdem einen Einkaufswagen voll Zeug nach Hause fahren.
Nun ja.
Ich fahre zum IKEA, weil ich etwas brauche (und/oder weil M. fragt, ob wir vielleicht noch beim IKEA vorbeifahren wollen).
Am Ende haben ich dann kaum je das im Wagen, was ich eigentlich wollte, vielleicht, weil ich oft gar nicht so genau weiß, was ich will, was ich aber weiß ist, was ich nicht will und das ist so ziemlich das meiste, irgendwas aber habe ich dann meist doch im Wagen, vielleicht einen Kochlöffel oder Kerzen oder einen Stuhl für m, aber dann sehe ich die Schlangen an den Kassen und *unauffällig pfeif* was, ich hatte einen Einkaufswagen? Der ist mir irgendwie abhanden gekommen. Schnell weg hier.

Heute nachmittag waren wir erneut einkaufen, Milch, Butter, so Zeug, Brot auch, beim Duplo-Bäcker und Hurra, das Lieblingsbrot war da und das am Nachmittag um kurz nach vier. Die Welt meinte es gut mit uns.
Jedenfalls, wie ich da so vor dem Duplo-Bäcker parke, fällt mir zum allerersten Mal überhaupt das Schild auf, dass da steht. Auf dem steht, dass man an dieser Stelle nur fünfzehn Minuten parken darf. Ich parke dort sowieso kaum je länger, man muss auch keine Parkscheibe herauslegen und überhaupt noch nie habe ich dort jemanden Strafzettel verteilen sehen, das bestätigte auch die freundliche Duplo-Bäckerei-Verkäuferin, aber Sachen gibt es, dieses Schild steht da schon seit Jahren (sagt die Schäbigkeit des Schildes und bestätigt die Duplo-Bäckerei-Verkäuferin) und ich habe es noch nie bemerkt.

Dann noch einer dieser merkwürdigen Begebenheiten, kürzlich habe ich mit dem MMM Termine abgesprochen, genauer: des MMMs Termine in meinen Kalender aufgenommen und er so, xyter September, und ich so, Oh, da wird W. fünfzig Jahre alt. Der MMM so, hmpf, hmpf, ach, er wird schon nicht feiern und wenn, hätte er es eben früher sagen müssen (September! Nun ja).
Heute morgen M. so: Sag, haben sich W. und S. schon bei dir gemeldet, wegen der Feier (also unserer, M.s und meiner).
Ich so: Nein, ich habe mich auch schon gewundert, normalerweise melden sie sich doch immer recht fix.
Heute nachmittag dann fahre ich P. nach Hause und wie ich so in die Einfahrt einbiege, biegt ein Auto hinter mir ein, W. und S. steigen aus und zuallererst erzählen sie, warum sie sich nicht gemeldet hätten. Dann – und das ist das Wichtigste – sagen sie zu. Hurra!
Wir erzählen noch ein bisschen hin und her und irgendwann erzählt W., er würde dieses Jahr mit J. zusammen Geburtstag feiern und zwar an seinem Geburtstag, dem xyten September.
Tja nun. Wie sage ich es dem MMM.

Und noch eine Begebenheit, M. erzählte nämlich, sie habe dem R. ein Buch von Karl May geschenkt, eins dieser ledergebundenen Ausgaben. Tja nun. Wegen M. habe ich gerade zahlreiche Bücherkartons hier herumstehen, M. erzählte nämlich B. vom Bücherflohmarkt (mit dem ich nach dem Umzug nun leider viel weniger zu tun habe, als ich gern hätte, aber nichtsdestotrotz), B. hatte gerade ein Haus auszuräumen und nun werde ich zum nächsten Bücherflohmarkt auf jeden Fall weniger Bücherkartons mit nach Hause nehmen, als ich hingebracht habe. Hurra!
Die Bücherkartons hatte ich natürlich durchgesehen (und nun ja, ungefähr einen davon zur Seite gelegt), daher wusste ich, dass zwei ledergebundene Karl Mays drin waren, eins, wie sich herausstellte, dummerweise genau das, welches M. dem R. schon geschenkt hatte. Aber das andere, das hat sie mitgenommen.

So. Jetzt noch ein Leseabend vor dem Schein des Feuers. Und draußen Schnee. Sehr schön. Das Buch passt auch dazu, ich lese gerade Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens von Oliver Bottini.
Ich mochte Oliver Bottinis Krimis bisher eigentlich immer und dieser fängt auch sehr vielversprechend an, mit der ihm eigenen Trost- und Gnadenlosigkeit, und Figuren, die mit der Dunkelheit kämpfen und die ich trotzdem oder gerade deswegen ins Herz schließe oder zumindest fange ich an, für sie zu hoffen, auch wenn ich weiß, dass es sicherlich kein gutes Ende nehmen wird.

 


* Früher so: Immer ein Buch dabei haben, falls ich irgendwo warten muss oder auf die Idee komme, mich einfach so auf eine Bank in die Sonne zu setzen und zu lesen.
Heute so: Immer ein Buch für m dabei haben. Und Kekse.

Lesen und schreiben.

Heute wieder so ein Tag, an dem ich abends, also jetzt, der Meinung bin, überhaupt nichts getan zu haben, nichts für mich und auch nichts von der unendlichen Liste der zu erledigenden Dinge.

Das stimmt so natürlich nicht, ich habe mindestens zwei Telefonate geführt, Telefonate geben in meinem Fall bekanntlich Sonderpunkte, ich habe Dinge aus dem Haus fort geschafft und andere Dinge wieder ins Haus geholt, ich habe Ole Bewegung verschafft (kaum ist es kalt, zickt er wieder rum), mir einen Stempel abgeholt und bestimmt noch siebentausend andere Sachen erledigt.

In einer der überraschenden Pausen, in denen ich tatsächlich für mich und nur für mich sein konnte, habe ich in Flugschnee von Birgit Müller-Wieland* hineingelesen, und ich lese zwei Sätze und denke: „Ah! Das könnte vielleicht auch gehen**“ und ich schreibe mir auf, was vielleicht gehen könnte und dann schreibe ich gleich weiter und schreibe immerhin knappe drei Seiten, bevor schon wieder etwas anderes dazwischen kommt.

Dann geht mir immer noch Lize Spit im Kopf herum, also ihr Buch, Und es schmilzt, ich wollte es eigentlich gar nicht lesen, dann habe ich es doch gelesen und natürlich, ich hätte es besser nicht gelesen, schon gar nicht, bevor ich mich ins Bett lege und eigentlich schlafen will, das mit dem Schlafen konnte ich erst mal knicken, weil ich – obwohl ich das Buch eher großzügig überflogen hatte – die Wörter und Bilder nicht mehr aus dem Kopf bekommen habe. Vorhin dann habe ich im Netz dazu herum gelesen und irgendwo stand, diese fragliche Szene, die eine, bei der sich einige fragen, muss die so brutal sein, muss die so ausführlich und gnadenlos geschildert werden, also die Szene, die ich versuchte, zu überfliegen (mehr noch als ich das Buch sowieso schon nur überflogen hatte), aber eben nicht überflogen genug, es blieb doch zu viel hängen, jedenfalls, diese Szene, irgendeiner schrieb irgendwo, das sei doch nun wirklich äußerst unwahrscheinlich, dass so etwas*** auf diese Weise geschehe. Und ich fühlte mich an Literaturkreisabende erinnert, an denen ich es auch kaum je verstanden hatte, wenn andere sagten, das sei doch nun wirklich unwahrscheinlich, unrealistisch, nicht nachvollziehbar, das würde doch niemals so stattfinden, im „echten“ Leben.
Doch, genauso würde das stattfinden. Das ist ja unter anderem das Unaushaltbare daran.

Und dann frage ich mich gleich als nächstes, ob das nicht auch eins der Dinge ist, die ich bewirken will, als Autorin, oder was heißt bewirken, ich glaube ja nicht so recht daran, dass es überhaupt möglich ist, etwas (bestimmtes) zu bewirken und ich will auch gar nichts bewirken, aber wenn es passiert, wenn ich weiß, jetzt „muss“ ich das so schreiben und es ist nicht schön, überhaupt nicht und dann doch diese Freude daran, das nicht-schöne tun zu dürfen, es anderen**** zuzumuten.

 


* Alles nur wegen der Juffing-Post und der Juffing-Literaturabende, auf einem von ihnen wird nämlich die Autorin zu Gast sein.
** Eine mögliche Antwort auf diese Frage(n).
*** Um jetzt nicht auch genau das zu machen, was mich anderswo genervt hat und was mit einer der Gründe war, warum ich das Buch dann doch gelesen habe, nämlich herausfinden, was da jetzt eigentlich so schreckliches passiert – es passiert (unter anderem) folgendes – Achtung Spoiler: Anhängselfreundin Eva wird von ihren beiden „Freunden“ im Auftrag einer weiteren „Freundin“ mit Gartengerät(en?) vergewaltigt und das wird, wie schon gesagt, äußerst ausführlich und detailgetreu beschrieben.
**** Nun ja, was heißt anderen. Das meiste bekommt sowieso (noch?) keiner zu lesen.

Frage – Antwort.

Ich lese gerade Herztöne von Martin Schleske. Martin Schleske, Geigenbauer, steht auf dem Buchrücken. Trotzdem es um Geigenbau geht, geht es auch ums Schreiben oder zumindest lese ich das für mich heraus.
Dieses Lesen führte dazu, dass ich heute Abend nach weiteren, „richtigen“ Büchern übers Schreiben gesucht habe, nach Kursen gar.

Gefunden habe ich nichts, jedenfalls nicht das Richtige, was logisch ist, da ich nicht recht in Worte fassen konnte, was ich eigentlich suche. Eine Lösung für Sam, eine Antwort auf die Frage, wie ich eine Geschichte, diese Geschichte erzählen kann. Bisher habe ich hauptsächlich Wege gefunden, wie es nicht geht. Linear, zum Beispiel, also von Anfang bis Ende. Fragmentarisch, Puzzlestücke sammelnd, „funktionierte“ genauso wenig, führte aber tatsächlich zu einer Annäherung. Wie eigentlich alle Versuche zu irgendwas führten. Nur eben nicht zu einem Abschluss.

Vermutlich, weil ich noch gar nicht so recht weiß, was ich eigentlich erzählen will. Angefangen hat es mit einem Mord, einer Toten vielmehr, dann stellte sich allerdings heraus, die Tote interessiert eigentlich nur peripher, wenn überhaupt und wie kann das sein, das ist doch schon eine Frechheit, da stirbt jemand und es interessiert keinen? Also es interessiert schon, aber für das, was ich erzählen will, interessiert es nicht. Das immerhin weiß ich, obwohl ich doch gar nicht weiß, was ich erzählen will. Vielleicht entsetzt mich das deshalb so, weil mir dieser Mord von Nutzen ist, in dem Sinn, dass er zeigt, was keinen interessiert.
Hä?
Tja nun.
Ich könnte die Geschichte doch auch einfach nicht erzählen.
Das habe ich auch schon ausprobiert.
Oder aus einer anderen Perspektive erzählen.
*gähn*

Im Zuge der heutigen, abendlichen Suche stieß ich auch auf Terezia Moras Nicht sterben und in der Leseprobe stand etwas davon, einen Adressaten zu finden.
Ich weiß nicht nur nicht, was ich erzählen will. Genauso wenig weiß ich, wem ich es erzählen will.
Mir selbst, im Zweifelsfall, aber ich weiß es ja nun schon. So irgendwie. Ich könnte noch zweitausend weitere Fragmente sammeln, schon wieder die gleiche Geschichte ein klein wenig anders erzählen, aber das macht keinen Sinn mehr. Sie ist jetzt da, die Geschichte, vielleicht noch nicht ganz, aber das, was fehlt, es findet sich nicht mehr mit planlosem Herumschreiben, zumindest fühlt es sich nicht so an.

Zumal es noch nicht einmal eine Geschichte ist, also keine, die den üblichen Mustern folgt, was vielleicht die Ursache dessen ist, dass ich keine Ahnung habe, wie sie zu erzählen ist. Denn am Ende ist nichts besser als am Anfang. Vielleicht ist noch nicht einmal etwas anders als am Anfang.

Und warum schreibe ich das jetzt hier? Weil ich mich damit beschäftigen möchte, weil irgendwann doch auch mal gut sein muss, weil ich die Geschichte zu einem Ende bringen will. Also stelle ich die Frage in den Raum. Vielleicht, wenn da eine Frage ist, wird auch irgendwoher eine Antwort kommen, irgendwann.

Dann muss ich nur noch hinhören.

Sie schreiben uns, sie schreiben uns nicht, sie schreiben uns, …

Heute hat sich wieder einer dieser seltsamen Zufälle ereignet. Gestern Abend nämlich lag ich im Bett und dachte so hin und her konnte mal wieder nicht einschlafen, da fiel mir ein, dass wir heuer noch gar keine Weihnachtspost vom Juffing bekommen haben.
Zu blöd, dachte ich, da ist sicher was mit der neuen Adresse schief gegangen. Obwohl ich die natürlich extra weitergegeben hatte, ich hatte hier schon mal davon geschrieben, die Juffing-Weihnachts-Post beinhaltet natürlich auch Preislisten und unser-Hotel-ist-das-tollste (Recht haben sie!), aber Juffing-Post ist trotzdem keine Werbung, Juffing-Post, das ist etwas für ein mehrere Weihnachtsplätzchen, die man vor dem Feuer auf der Couch genießt. Während man durch Das Magazin zum Hotel schmökert (bei ausreichendem Licht, denn Hurra! heute ist endlich unsere Couch-Leselampe eingetroffen).

Zu blöd, dachte ich also gestern oder vielleicht war auch schon heute. Zu blöd, heuer keine Juffing-Post für uns.

Aber ungefähr zwölf Stunden später öffnete ich den Briefkasten und jetzt dürfen Sie ein Mal raten, was ich da herausgeholt habe.

Ich bin dann mal auf der Couch.

Hach.