Kategorie-Archiv: gelesenes

Spuren von Schnee

Kürzlich Schnee von Maxence Fermine gelesen. Also na ja, angelesen. Dem Buch vorangestellt ist ein Zitat von Arthur Rimbaud: An nichts denken als an Weiß. Vielleicht habe ich das Buch überhaupt nur deshalb angefangen.
Jedenfalls, als ich es dann nicht mehr las, das Buch, wollte ich herausfinden, was es mit diesem Zitat auf sich hat. Das war ein bisschen schwierig, denn die Suche ergab nur den Verweis auf besagtes Buch von Fermine.
Irgendwann kam ich drauf, ins französische Original (von Fermine) hineinzulesen, dort das französische Originalzitat (rien que du blanc à songer) zu finden und nach diesem zu suchen.
Das war aus allerlei Gründen gar nicht so einfach, vor allem, weil ich natürlich nur französische Seiten gefunden habe, mein eigenes Französisch aber nicht allzu viel hergibt.
Irgendwann fand ich dann aber doch heraus, dass Rimbaud im November 1878 zu Fuß die Alpen überquert hat. Mit ziemlich viel Schnee drumherum. Wovon er in einem Brief nach Hause berichtete und aus ebendiesem Brief ist dieses Zitat.
Ich hatte ja eigentlich die Hoffnung, das Zitat-Drumherum gäbe noch mehr her, etwas derartiges, das ich mir ebenfalls sofort irgendwohin notieren will, so war das leider nicht, dafür habe ich noch ein bisschen über Rimbaud herumgelesen. Sehr viel mehr, als das er ein französischer Dichter ist, wusste ich bis dahin nämlich nicht über ihn.

Das schreibe ich, weil es so einen Spaß machte, diese Spurensuche. Und alles nur wegen dieses Buchs, das ich nie zu Ende lesen werde.
Eins der Dinge, die ich am Lesen mag. Man stößt völlig unverhofft auf etwas und ist plötzlich schlauer als zuvor. Oder hat ein neues Lieblingslied. Weiß, was man als nächstes lesen könnte. Oder wie das Wetter auf den Färöer-Inseln ist (das hätte man sich eventuell denken können).

Auch eins der Dinge, mit denen ich mich vor der Stapelverarbeitung drücken kann. Denn die Stapelverarbeitung hängt. Eventuell werde ich aber schon sehr bald wieder mit ihr anfangen, ich muss mir nämlich einen ausformulierten Lebenslauf ausdenken. Maximal 800 Zeichen. Von minimal steht da nichts. Eventuell bin ich also mit Name, wohnt in …, ist alt genug, schreibt schon fertig? Warum eigentlich nicht, das sind ja schon mindestens 41 Zeichen.
Den Lebenslauf brauche ich, weil ich nach Bayern eingeladen wurde. Nach Bayern! Hach. Und alles nur wegen der Stapelverarbeitung. Also einer Variation davon. Die würde nämlich für tendenziell preiswürdig gehalten, daher muss ich die dort vorlesen und zwar genau die. Obwohl ich doch mittlerweile noch siebzehntausend Sachen daran ändern würde. Darf ich aber nicht.
Vierzehn andere müssen auch etwas vorlesen, irgendeiner von uns gewinnt den Preis, dann fahre ich wieder nach Hause und werde drei Tage fort gewesen sein.
Damit kann ich schon Anfang Januar sechs Vorsätze abhaken: allein irgendwohin fahren, mit Übernachtung, mit anderen Schreibenden über Texte reden, in Bayern sein, neue Orte entdecken, neue Dinge tun (und vor lauter Angst zwölftausendmal aufs Klo rennen).
Ich fürchte, das werden alle Vorsätze sein, die ich nächstes Jahr abhake. Aber wer weiß. Außerdem habe ich ja gar keine Vorsätze, genausowenig wie To-Do-Listen.

Und apropos aufs Klo rennen: Der Zahn, von dem der Zahnarzt sagte, Nun, der eine Wurzelkanal ist FachausdruckDenIchVergessenHabe, eventuell geht das gut, vielleicht aber auch nicht – dreimal dürfen Sie raten. Von wegen bis nächstes Jahr.
Na ja, vielleicht geschehen am Wochenende noch wunderliche Dinge und alles wird gut.
Und vielleicht öffne ich auch gleich die Stapelverarbeitung.
Und vielleicht putzt irgendjemand das Bad.
Oder die Heizungsfrau ruft an.

Wahrscheinlicher ist, dass ich gleich Fotos auf buntes Papier klebe.

Noch wahrscheinlicher ist, dass ich irgendetwas lesen werde. Weil ich zurzeit aber ausschließlich auf leichte Unterhaltung Lust habe, diese allerdings am schwierigsten zu finden ist (zumindest wenn ich beim Lesen noch etwas anderes tun will, als die Augen zu verdrehen), habe ich beschlossen, die Frage „was lese ich als nächstes“ zu umgehen, indem ich einfach die vorhandenen Bücherstapel von oben nach unten abarbeite. Daher müsste ich als nächstes Von Beruf Schriftsteller von Haruki Murakami lesen. Das nur deshalb auf dem Stapel liegt, weil ich es mit einem anderen Murakami-Buch verwechselt habe (fragen Sie nicht).

Aber wer weiß, was sich darin nun wieder findet. Eventuell ist die nächste Spurensuche nur zwölf Seiten weit weg.

Das Sofa der unerwünschten Bücher

und vermutlich werde ich morgen von all dem schon wieder nichts wissen wollen
Morgen? Haha. So lange musste ich gar nicht erst warten. Was für eine bekloppte Idee, dachte ich schon gestern Abend, neben „das wird dann aber ein dünnes Bändchen“ und „wo soll eigentlich der ganze Inhalt herkommen?“
Die Stapelverarbeitung endete gestern eher unbefriedigend, nämlich darin, dass ich dachte, alles, was ich noch auf den Stapeln habe, sei doch längst schon geschrieben, alles weitere also auch nur ein Wiederholung dessen, was schon da war und alles, was keine Wiederholung ist, passt nicht dazu und muss aussortiert werden.
Nun ja, bei Licht betrachtet, ist es vielleicht nicht ganz so schlimm.
Aber muss das immer so ein hin und her sein?

Gestern mit m und der Oma Schuhe einkaufen gewesen, also für m. Im Schuhladen in der Rosa-Hellblau-Hölle gelandet. Und herrje, müssen wirklich überall Einhörner drauf sein (Verzeihung, Frau Einhorn)? Mit Glitzer? Und Puscheln? Und überall Filz, diesen Filz-Hype kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Sieht vielleicht hübsch aus, aber das will doch keiner anfassen, ich zumindest nicht.
Ein Glück hat das Kind noch keine eigene Meinung zu Schuhen, geht man mit dem Kind ins Schuhgeschäft ist das wichtigste, dass es dort eine Rutsche gibt, daher kann man ihm, dem Kind, problemlos die harmlosesten Schuhen von allen unterjubeln. Sofern man es von der Rutsche wegbekommt, um die Schuhe anzuprobieren.
Mädchen wollen nun mal pink mit Glitzer, sagt die Schuhverkäuferin. Ja klar, vor allem, wenn sie das von dir und siebentausend anderen Leuten eingeredet bekommen.
Und ja, ich weiß, irgendwann wird vielleicht auch m auf pink mit Glitzer bestehen, aber mei, ich fände es trotzdem schöner, gäbe es einfach Schuhe für Kinder und nicht solche für Jungs und Mädchen.

Dann natürlich die Gelegenheit genutzt, noch in der Bücherei vorbeizugehen. Die Oma ganz begeistert von Vom Glück zu zweit zu sein von Nadine Brun-Cosme und Olivier Tallec, also für m. Der MMM und ich eher nicht so. Erstens wegen der Holzhammer-Message, dann aber auch, weil: hat sich die Autorin das selbst mal vorgelesen? Spätestens beim hundertfünfzigstem „der kleine Wolf/der große Wolf“ war ich bereit, das Buch hinter Sofa verschwinden zu lassen. Oder im Sofa, denn ja, das geht bei uns. Oder vielmehr ging. Nachdem der MMM kürzlich eine halbe Stunde damit verbracht hat, sein Handy wieder aus dem Sofa herauszufriemeln, haben wir einen Lüftungsfilter im Sofa verbaut. Müssen wir unliebsame Bücher wohl anderweitig verschwinden lassen.

In der Bücherei lag auch total zufällig ein Buch über Messer herum, das kommt mir sehr gelegen, so in Sachen Stapelverarbeitung.

Und Mehr Schwarz als Lila von Lena Gorelik habe ich auch mitgenommen, also für mich. Und auch gleich gelesen. Hinterher im Internet nach Meinungen dazu geforscht, dabei auf einen Blog gestoßen, in dem die Bloggerin mit dem Buch auf einem Strandlaken posiert. Was soll das denn? Ich musste jedenfalls sogleich an Celeste Barber denken.
Im Internet habe ich nach Meinungen gesucht, weil ich etwas unentschlossen war, was ich von dem Buch halten soll. Nun ja, das weiß ich jetzt immer noch nicht, es fand sich keine passende Meinung. Muss ich mir wohl doch selbst eine machen.

Bei der Suche nach einem Link für das Wolfsbuch auf eine Meinung zu ebendiesem gestoßen. Geht das: Ein Bilderbuch über Freundschaft ohne einen Schatten von Kitsch? Ja, meint der Artikel. Nun. Rührselig wäre jetzt so ungefähr das erste Adjektiv, das mir zu diesem Buch eingefallen wäre.
Aber vielleicht habe ich heute auch einfach nur schlechte Laune.

Eins, zwei, drei Bücher

Gestern tatsächlich noch Punkt B erreicht. Weil, die Reihenfolge schien einigermaßen standzuhalten, eine Lücke ließ sich auch nicht mehr ausmachen, also los.
Danach allerdings gleich wieder vom Text losgesagt, dieses Mal aus Gründen der Blindheit gegenüber dem, was ich schon zig Mal geschrieben habe.
Daher auch heute morgen die Gelegenheit ergriffen, mich im Wald durchpusten zu lassen, ganz allein. Vom Wald habe ich allerdings nicht viel mitbekommen, wegen all der Gedanken. Die Schnipsel werden ein Buch. Ich muss das mal hierher schreiben, bevor ich es mir selbst wieder ausrede. Vorhin im Wald war das nämlich ganz klar, ganz eindeutig, dass das ein Buch wird und wenn es auch nur eine Ausgabe davon geben wird, für mich allein.
Das ist in meinem Fall ein ziemlich neues Gefühl, ich hatte noch nie den Drang, etwas, das ich geschrieben habe, zwingend hinter Buchdeckeln vorfinden zu müssen, aber in diesem Fall scheint es dazuzugehören.
Vermutlich werde ich auch die üblichen Wege gehen, Agenturen, Verlage anschreiben, was man eben so macht, aber vorher, vorher will ich mein eigenes Buch haben, das, von dem ich ganz genau weiß, wie es aussehen soll (und wie nicht). Passiert ja nicht oft, dass ich etwas ganz genau weiß und will (und vermutlich werde ich morgen von all dem schon wieder nichts wissen wollen).

Heute morgen ein Interview mit Christoph Niemann gehört, von Christoph Niemann habe ich mir Anfang des Jahres dieses ganz wunderbare Buch schenken lassen.

Gestern auch noch mit Sturmhöhe angefangen. Der Herr Buddenbohm erzählt ja andauernd davon, das ist schon ein klein wenig ansteckend. Nun hatte ich das Buch aber schon einige Male angefangen und ich glaube, ich breche tatsächlich immer an der gleichen Stelle ab, nämlich die, an der theoretisch aufgedröselt wird, wer jetzt eigentlich wer ist und wie die alle miteinander in Verbindung stehen. Der von Herrn Buddenbohm verlinkte Artikel bringt das schön auf den Punkt:

[…] aber durch Eheschließung und die entsprechenden Namensänderungen sowie den Umstand, dass drei der männlichen Hauptpersonen auch noch alliterierende Namen – Hindley, Heathcliff, Hareton – tragen, kann es schon passieren, dass man ein wenig den Überblick verliert.

Den Überblick verlieren, das würde ja bedeuten, man hätte einen solchen gehabt. Kann ich jetzt nicht behaupten und nun ja, ich hatte gestern dann auch nicht mehr so richtig Lust, mir einen zu verschaffen.

Dazu passt dann wiederum dieses Zitat aus dem oben genannten Niemann-Buch:

In dem verführerischen Meer der geschmeidigen Zwei-Sekunden-Lacher dürfen wir nicht vergessen, dass Kunst, die uns wirklich bewegt, oft langsam, seltsam und irritierend ist.

Vielleicht gebe ich der Sturmhöhe ja doch noch eine Chance. Dummerweise habe ich nicht die Ausgabe mit der „Genealogische Tafel der Familien Linton & Earnshaw“ von der im verlinkten Artikel die Rede ist, aber nun, die könnte ich mir ja selbst zusammenbasteln, diese Tafel. Und sobald ich das geschafft habe, sollte ich dann auch begriffen haben, wer wer ist.

BücherZen

Sie werden es kaum glauben, es ist wirklich höchst überraschend, mein Tag war heute schon wieder voller Bücher. Ich war nämlich auf einem Bücherflohmarkt, einem riesigen Bücherflohmarkt, so einem, der Spaß macht, weil die Bücher zum einen nach Kategorien sortiert und zum anderen so aufgestellt sind, dass man problemlos die Titel lesen kann. Und zwar ohne den Kopf andauernd von rechts nach links drehen zu müssen.
Es ist dementsprechend wenig überraschend, dass ich einen Rucksack voller Bücher nach Hause getragen habe. Da hätte sicherlich noch das eine oder andere hineingepasst, aber nach einer dreiviertel Stunde hatte m völlig überraschend keine Lust mehr.
Na ja, vielleicht schaffe ich es morgen, noch mal hinzugehen, ganz alleine, mit leeren Rucksack.

Apropos Rucksack. Den habe ich heute stehenlassen, es war die typische „ich lege das mal kurz aufs Autodach“-Situation, nur ohne Auto, ich stellte den Rucksack nämlich hinter den Fahrradanhänger, dann hatte m Hunger, dann rannten wir noch ein wenig hin und her und na ja, dann fuhr ich los und fuhr und fuhr und dachte auf einmal, Hm, mir fehlt doch irgendwas. Schnell umgedreht und tadaa, der Gemüseverkäufer hatte den Rucksack gesichert. Die Welt ist gut zu mir.

Aber zurück zu den Büchern, Frau Jademond hatte irgendwann von diesem Buch berichtet, Innehalten von Fleur Sakura Wöss, fast alles, auf dem Zen steht, trifft ja einen Nerv bei mir, daher habe ich mir das nun ausgeliehen, heute lese ich rein und denke mir so: Nö.
Alle Welt jagt von einem Termin zum nächsten, alle Welt hetzt sich und eilt sich und macht zwölf Dinge gleichzeitig.
Nö. Ich mache das nicht.
Beispielfrage: Wann saßen Sie zum letzten Mal vor dem Haus, einfach so, ohne etwas zu tun?
Antwort: Gestern.

Ich hatte ja nur drei Wünsche an unser neues Haus: einen Ofen, eine Badewanne direkt unterm Dachfenster und eine Bank vor dem Haus (wobei, das ist eigentlich noch nicht einmal ein Wunsch ans Haus selbst, aber egal).
Die Bank vor dem Haus, daraus wurde dann ein kleines Drama, die Bank vorm Haus bekamen wir nämlich geschenkt und das war einer der seltenen Momente, an dem mich ein Geschenk eher sauer als begeistert gestimmt hat, denn diese Bank wollte ich selbst aussuchen und nicht ausgesucht bekommen.
Nun. Aus diversen Gründen haben wir die Bank behalten und könnte ich es zugeben, könnte ich jetzt schreiben, dass das gar nicht so verkehrt war, denn vermutlich hätten wir noch immer keine passende Bank gefunden und all dieses „auf der Bank herumsitzen“ hätte gar nicht statt gefunden. Obwohl, vielleicht hätten wir andere Möglichkeiten gefunden, in D. saß ich schließlich auch oft genug vor dem Haus herum und dort gab es gar keine Bank.
Aber zurück zum Buch. Wenn ich nicht gerade denke, dass ich viel mehr oder einfach nur überhaupt irgendwas tun sollte, dann denke ich, dass ich viel mehr nichts tun sollte.
Jetzt, wo ich das Buch lese, habe ich zum allerersten Mal den Eindruck, vielleicht doch schon viel mehr nichts zu tun, als ich denke. Das zwar nicht gut genug, aber mei, sieht so aus, als ginge es noch viel schlechter.

Das wäre jetzt der ideale Zeitpunkt, mich mit einem „und nun setze mich ein weiteres Mal auf die Bank“ zu verabschieden, dummerweise ist es draußen mittlerweile dunkel und kalt und nein, lieber doch nicht.
Und – da hat das Buch sehr recht – drinnen geht es leider nicht ganz so gut, das nichts tun, denn drinnen sind überall Dinge, die „putz mich“, „trag mich nach da“, „erledige mich“ oder ähnliches sagen. Draußen ist das eigentlich auch so, aber draußen ist immer noch draußen und draußen ist einfacher als drinnen.

Da wird es wohl doch die Stapelverarbeitung werden (nicht zu fassen, was das immer für eine Überwindung kostet, obwohl es doch – einmal angefangen – meist gar nicht so schlimm ist).

Was ich euch jetzt erzähle.

Heute den diesjährigen Lieblingssee besucht (aus der Reihe der nahegelegenen Seen (die allesamt immer noch viel zu weit weg sind)).

Am See über Musik gesprochen, genauer: über Konzerte der Toten Hosen. Deren neue Lieder lagen ein halbes Jahr im Wohnzimmer herum. Zuerst hatte ich keine Kopfhörer, dann keine Lust, dann irgendwas anderes. Nun hat mir aber B. ein Konzertticket geschenkt, für Anfang September, es wurde also doch langsam dringend, die neuen Lieder mitsingsicher parat zu haben. Ansonsten nämlich macht ein Konzert (dieser Art) nur halb so viel Spaß.
Die neuen Lieder also endlich angehört und gedacht, huch, die kenne ich doch. Und ein paar kannte ich auch, aus dem Radio, aber die anderen kannte ich, weil sie sich nun mal anhören wie Tote-Hosen-Lieder (was jetzt nichts schlechtes ist).
Eins meiner liebsten Lieder (nein, kein neues) (und ich werde es wohl leider auch nicht live hören) ist: Schwimmen.
Womit ich jetzt wieder beim See bin, aber zu dem ist eigentlich schon alles gesagt.
Was jetzt auch nicht ganz richtig ist, aber nun.

Schon wieder was gelesen, gleich beide Bücher von Celeste Ng (Kleine Feuer überall / Was ich euch nicht erzählte). Gleich mal Celeste Ng auf meine „alles von ihr lesen“-Liste gesetzt. Nur gibt es ja leider noch nicht mehr von ihr zu lesen. Vermutlich wird es auch gar nichts Neues je geben, denn ich vermute, mit Ngs Büchern verhält es sich genau wie mit Tote-Hosen-Songs, kennt man eins, kennt man alle (ja, das ist übertrieben). Aber das macht ja wiederum nichts.

Ngs Bücher passen wiederum prima (so ein Zufall, nech) zum sichtbar sein, zum Reden, beziehungsweise Schweigen, zu all dem, was ich nicht sage, zu dieser Ohnmacht, die sich einstellt, wenn ich doch mal was sage und keiner hört es (ja, auch das ist übertrieben) oder jemand hört es, aber er hört etwas ganz anderes.
Auch dazu, dass ich ein Problem damit habe, herauszufinden, was ich will, aber ganz oft weiß, was der andere (von mir) will.
Und noch siebentausend andere Sachen.

Und ich denke an die Leserunde in D., frage mich wieder einmal, ob es nicht auch eine Leserunde in H. geben könnte, denn beide Bücher wären genau das richtige für so eine Runde, aber im Endeffekt würde ich dann doch wieder nur in der Runde sitzen und mich fragen, von was die alle reden, warum dieses oder jenes denn so schwer zu verstehen ist und irgendwann würde ich dann doch etwas sagen (im dritten Anlauf) und die Wörter würden wieder gänzlich falsch herauskommen und ich würde mich unterbrechen lassen, obwohl ich doch noch gar nicht zu Ende geredet habe und jemand würde mir antworten und da wäre es dann wieder, dieses Gefühl, wie kann er denn etwas ganz anderes hören, als das, was ich gesagt habe, hat er mich überhaupt gehört?

Und nun ist es schon wieder passiert, alles hört sich ganz furchtbar und nicht zum Aushalten an, und so ist es ja auch, aber so ist es auch nicht.

Und dazu fallen mir jetzt all diese Übungen ein, abends aufschreiben, was gut lief, dem Guten mehr Gewicht verleihen, ich will ja immer schreiend weglaufen, wenn ich davon lese, aber es funktioniert natürlich und daher suche ich jetzt noch etwas Gutes abseits des Lieblingsseebesuchs.

Und da findet sich sogar etwas, denn der Text von vorgestern (den kennen Sie nicht), der ist beim heutigen Lesen immer noch brauchbar und vorhin beim Essen fanden sich sogar weitere Worte und ich konnte die sogar aufschreiben, denn m aß mit Begeisterung ungefähr drei Mal so viel Nudeln wie ich und m kann ganz wunderbar allein (allein wie: selbstständig) essen (wenn sie denn will).

Hallo.

Kürzlich im Zuge von Serendipity auf dieses Buch aufmerksam geworden (ausgerechnet jetzt, das ist aus Gründen schon ziemlich merkwürdig): Auch alte Wunden können heilen, von Dami Charf. Hineingeschaut, vom Totstellreflex gelesen, Oha, das könnte was mit mir zu tun haben, gedacht und das Buch bestellt.
Nun.
Gestern drei Viertel des Buchs gelesen und mit jeder Seite mehr zum Überfliegen gewechselt. Weil: Ja, ich habe das jetzt verstanden. Ja, wenn dies und das passiert(e), dann führt das zu diesem und jenem. Ist jetzt nicht wirklich was Neues. Und die wichtigste Frage(n) wird nicht beantwortet, nämlich: Und was mache ich jetzt?

Dem Buch heute noch einmal eine Chance gegeben und ja, so nebenbei und zwischen den Zeilen gibt es dann doch ein paar Antworten, eine davon, wie könnte es anders sein: Meditation. Wobei, so konkret wird auch das nicht gesagt, mehr so hinsetzen, nichts tun, hören, was der Körper dann so zu sagen hat. Aber was ist das anderes als Meditation.

Wieder an T. gedacht, die doch tatsächlich sagt, Meditation, das ginge völlig an ihr vorbei. Kommt nicht bei ihr an, interessiert sie jetzt nicht so, will sie nicht andauernd als Gewohnheit in ihr Leben einbauen.
Wie kann Meditation an einem vorbeigehen.

Dann an Herrn K. gedacht, mit seinen elf Minuten. Zwei Mal elf Minuten am Tag meditieren. Warum gerade elf habe ich vergessen, können Sie aber bestimmt herausfinden.

Dann das Handy geholt, den Wecker auf elf Minuten gestellt. An Musik gedacht. Sofort aufspringen wollen, weil Musik jetzt genau das richtige wäre. Liegen geblieben.

Nach den elf Minuten gleich wieder zum Buch greifen wollen, aber Ha!, stattdessen zum Kopfhörer gegriffen. Seit langem mal wieder Nadeah gehört. Ziemlich gleich danach singend durchs Wohnzimmer getanzt. Vier neue drandenken-Zettel geschrieben, nämlich: herausfinden, ob und wann Nadeah mal wieder in die Nähe kommt, weil Nadeah live noch viel mehr Freude macht als aus Kopfhörern. Gleich auch noch Zettel für Chris Potter und Keren Ann geschrieben. Und fürs Enjoy-Jazz-Festival, denn ohne Enjoy Jazz hätte ich von zwei der drei Genannten noch nie etwas gehört (Keren Ann hat mir Inspektor Banks „empfohlen“).

Beim Musik hören fiel mir dann wieder ein, warum ich diese Blog-Idee irgendwann mal so überaus ansprechend fand, oder überhaupt die Idee des Schreiben und dann fiel mir Frau Einhorns Sichtbarkeits-Thema wieder ein (das ich jetzt leider nicht verlinken kann, weil es nicht mehr da ist, aber hier geht es zu Frau Einhorn) und dann fiel mir ein anderes Buch ein, in dem es auch ums gesehen werden ging, zumindest am Anfang, den Rest habe ich noch nicht gelesen, ich weiß auch gar nicht, um was es eigentlich geht, der Sichtbarkeitsabsatz allein gab den Ausschlag, auch dieses Buch zu kaufen*.

Außerdem kann man nie genug Bücher haben und wo ich gerade dabei bin, Matthew Quick, Schildkrötenwege, das habe ich heute auch gelesen und Hurra, endlich mal wieder ein lesenswertes Buch, ich bin versucht, unsere (gehäkelte) Schildkröte (erneuter Dank an Herrn F.!), die bisher noch keinen Namen hatte, nun Quick zu nennen.
Im Buch, also dem von Matthew Quick geht es ums normal-sein beziehungsweise eben nicht normal-sein, beziehungsweise um die Frage, was denn nun eigentlich normal sei und warum „die Masse“ oftmals völlig bekloppte Dinge gut findet und derjenige, der diese Beklopptheiten nicht mitmachen will, dann komischerweise der Bekloppte ist. Das ist jetzt auch alles nichts Neues, aber er hat das ganz wunderbar geschrieben.

Da musste ich dann auch schon wieder an Frau Einhorn denken, denn Frau Einhorn sammelt manchmal Menschen um sich herum und einer dieser Menschen war ich und in Schildkrötenwege heißt es sinngemäß, dass es so unfassbar viele Menschen auf der Welt gibt und man nur einen Bruchteil dieser Menschen kennt und wenn die nun alle ganz anders sind, als man selbst, dann könnte man meinen, niemand ist wie man selbst, aber vielleicht hat man auch nur noch nicht die „passenden“ Menschen unter all diesen vielen gefunden.
Jedenfalls, als ich einer dieser Menschen bei Frau Einhorn war, da waren alle anderen auch irgendwie anders und gar nicht unbedingt wie ich, und doch war ist irgendwo darunter dieses Gefühl, auf eine Art Zuhause zu sein, die anderswo so nicht möglich ist. Dort ganz leicht ein ganz bestimmtes Ich sein zu können.
(Erneuten Dank an Frau Einhorn! Und alle „Beteiligten“)

Jetzt aber wieder zurück zum Sichtbarkeitsbuch, es heißt Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren, geschrieben hat es Ali Benjamin und die Stelle, die ich meine, geht so:

„In den ersten drei Wochen der siebten Klasse habe ich vor allem eins gelernt: Ein Mensch kann unsichtbar werden, indem er einfach schweigt.
Ich hatte immer angenommen, dass jemand wahrgenommen wird, weil die Menschen ihn mit ihren Augen sehen. Aber als wir mit der Schule unseren Herbstausflug ins Aquarium machten, war ich, Suzy M. Swanson, völlig unsichtbar. Gesehen zu werden, hat nämlich mehr mit den Ohren als mit den Augen zu tun.“

Auf bald.

 

* Außerdem ist es vom Hanser Verlag und ganz oft mag ich Bücher vom Hanser Verlag.

Was machen wir heute?

Heute morgen habe ich damit angefangen, Bachmannpreistexte nachzuhören. Und zwar mit Bov Bjergs Text SERPENTINEN.

Gerade habe ich den Text auch noch mal nachgelesen, um die Stelle zu finden, die ich gleich zitieren will. Beim Nachlesen habe ich dann aber zuallererst festgestellt, dass es (natürlich) etwas ganz anderes ist, einen Text vorgelesen zu bekommen und dann auch noch vom Autor. Das sollte ich eigentlich wissen, spätestens seit Saša Stanišić. Vor dem Fest habe ich ungefähr drei Mal angefangen zu lesen, drei Mal resigniert, dann hörte ich Saša Stanišić live lesen und sollten Sie Saša Stanišić jemals live lesen gehört haben, verstehen Sie, warum ich danach ein viertes Mal zu Vor dem Fest griff. Und siehe da, mit seiner Stimme im Ohr hatte ich den Roman an wenigen Abenden gelesen. Mit Genuss, übrigens.

Aber zurück zu Bov Bjerg. Bov Bjerg, weil gefühlt sämtliche BloggerInnen, die ich lese, von seinem Auerhaus schwärmten; Auerhaus, auch das habe ich gelesen, dazu reichte ein einziger Versuch, es las sich ganz geschwind und abgesehen davon, dass ich mit dem Ende nicht einverstanden war (warum, weiß ich heute allerdings nicht mehr), fand ich nichts daran auszusetzen. Die Begeisterung der besagten BloggerInnen konnte ich allerdings auch nicht nachvollziehen.

In der ersten Vorleseminute war ich kurz davor, wegzuklicken, hatte allerdings gerade keine Hand frei und manchmal ist es ganz gut, keine Hand frei zu haben, den Rest der Zeit war ich nämlich doch sehr angetan und als ich das morgendliche Yoga beendete, zum MMM und zu m hinunterging, hatte ich sogleich die passende Antwort für die Frage des MMMs nach meiner (Gefühls)Lage.
Das Präteritum, das Präsens und das Futur lastet auf mir, sagte ich.
Das war dann selbst für meine Verhältnisse eine merkwürdige Antwort, der MMM sah dementsprechend fragend drein.

Das Präteritum, das Präsens und das Futur – das war diese eine Stelle, die sich sofort bei mir festgesetzt hatte, spätestens mit diesem Vergleich hätte mich Bjerg für seinen Text begeistert, allein es war nicht mehr nötig, ich mochte ihn ja sowieso schon, den Text. Also was heißt mögen, kann man Texte mögen, er war bei mir angekommen, der Text.

Und jetzt hätte ich fast das Zitieren vergessen*, Bov Bjerg, SERPENTINEN:

Und dann kamen die Erdzeitalter und legten sich auf mich. Das Präteritum, das Präsens, das Futur. Diese Versteinerung da, im Präteritum, schau mal, das bin ich.

 


* Den Titel dieses Textes habe ich übrigens ebenfalls aus SERPENTINEN zitiert geklaut.

Individualisierung, Exotische Früchte, Waffeln.

Seit Tagen Wochen schon will ich etwas schreiben. Also hier, im Blog. Heute habe ich dann immerhin an Sam herumgeschrieben. Die unendliche Geschichte (also meine, beziehungsweise die von Sam). Und da sagt der Herr Fitte, man müsse Gedanken zu Ende denken (nun ja, so ähnlich sagt er das). Und ich, die ich immer weniger verstehe, was ich da eigentlich schreibe. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, ob überhaupt. Wo das alles hinführen soll, ob überhaupt.
Trotzdem fühlte es sich überraschend richtig an. Das Schreiben. Vorhin. Aber das ist auch nicht immer von Dauer, dieses Gefühl.

Zwischendurch aber etwas ganz Profanes, heute nämlich waren wir bei der Obst- und Gemüsehändlerin, alles dauerte ein bisschen länger, denn die Obst- und Gemüsehändlerin war gerade am Telefon und orderte Käsenachschub.
Sagen Sie, hatten Sie nicht auch schon mal Kochkäse?, fragte ich, als sie auflegte.
Gut, dass Sie fragen, sagte sie, da muss ich gleich noch mal anrufen. Und tat es.
(Kochkäse gibt es am Montag wieder.)
m sah derweil die Erdbeeren und wollte Erdbeeren, ich wollte ebenfalls Erdbeeren, wir kauften also (unter anderem) Erdbeeren. Wir wollten gerade gehen, da sah m die Steige mit den Johannis-, Heidel-, Him- und Brombeeren.
Und m wollte Johannisbeeren. Ich wollte keine Johannisbeeren, aber nun. Nehmen wir die auch noch mit. Den Kassenzettel nehmen wir auch mit, aus Gründen und er erweist sich noch dazu als recht vergnüglich, die Johannisbeeren tauchen da nämlich als Exotische Früchte auf.

Aber wieder zurück zum Schreiben. Frau Einhorn schreibt jetzt auch wieder, zwar unter anderem darüber, dass sie nicht schreibt, aber das gildet auch. Wie so oft, wenn Frau Einhorn etwas schreibt, führt es dazu, dass ich ebenfalls etwas schreiben will, dann aber verheddern sich meine Gedanken und alles ist schneller wieder gelöscht, als es geschrieben wurde.
Nichtsdestotrotz denke ich unter anderem wegen Frau Einhorn darüber nach, was das mit dem Schreiben eigentlich soll, ob ich tatsächlich nur für mich schreibe oder ob ich mir da etwas vormache, denn schriebe ich nur für mich, warum gebe ich es dann anderen zu lesen.

Damit die mir sagen, wie großartig das ist, natürlich.

Und – und deshalb kann ich das mit dem Schreiben sei Individualisierung (was ebenfalls der Herr Fitte sagte und/oder zitierte) nicht recht nachvollziehen, ist, oder war es für mich doch auch der Versuch, überhaupt etwas zu sagen, überhaupt irgendwie gehört, beziehungsweise gelesen zu werden und das widerspricht ja nun wieder dem, dass ich nur für mich schreibe, aber vielleicht meine ich damit auch einfach nur etwas anderes, dass ich nämlich noch nie irgendwelche Leserinnen im Sinn hatte, wenn ich etwas schreibe, ich verstehe auch nicht, wie das gehen kann, etwas für jemanden schreiben, ich schreibe einfach, was da ist und fürchte, das könnte der Grund sein, warum ich nicht schreiben, weil da nämlich nichts ist.
Frau Einhorn jedenfalls schreibt von einem Raum, in dem nichts, was sie sagte, gehört wurde und ganz spontan dachte ich, das kenne ich doch, dann aber fragte ich mich, ist das wirklich so und ich glaube, so ist es nicht, noch nie habe ich etwas in den Wind geschrien und wenn man nichts sagt, wer soll das dann hören (doch, ja, manche Leute können das, aber die sind noch seltener als diejenigen, die hören, was man sagt).
Wenn ich es schon nicht sage, schreibe ich es wenigstens auf und mache mich damit ein klein wenig sichtbarer. Dachte ich mal. Aber was soll ich schreiben, da ist nichts. Vielleicht klappt es deshalb nicht, die unendliche Geschichte aufzuschreiben, weil da nichts ist und wie soll man das in Worte fassen.
Das fühlt sich oft schlimm an, dieser Gedanke. Jetzt nicht, jetzt fühlt er sich mehr wie „nun, so ist es eben“ an, aber jetzt gerade schreibe ich ja auch, da ist alles viel leichter zu ertragen.

Nun aber wieder zurück zum Essen*. Heute morgen hatte ich nämlich Lust auf Waffeln, also gab es Waffeln. Mit Waffeln ist es ja so, spätestens nach drei Waffeln will man nie wieder etwas essen, zumindest keine Waffeln, allerhöchstens noch Leberwurstbrote.
Daher war noch Teig übrig, denn kalte Waffeln schmecken noch weniger als Bananen und der MMM sollte heute Abend auch seine frischen Waffeln bekommen. Doch dann, als der heutige Abend gekommen war und ich den Stecker des Waffeleisens in die Steckdose steckte, machte es Plopp! Was kein gutes Geräusch ist, wenn man Stecker in Steckdosen steckt, ich kenne es noch von den kaputten Steckdosen in D., hier immerhin ging das Licht noch, die Sicherung war also noch drin, nur roch es auch schon so verschmort, es qualmte aus dem Stecker und nun ja, eventuell ist es nur der Stecker und das Waffeleisen könnte man noch verwenden, aber das Waffeleisen ist älter als ich und so jung bin ich jetzt auch nicht mehr, es ist also vielleicht doch an der Zeit, dass wir uns ein neues Waffeleisen zulegen.
Neue Waffeleisen sind blöd, an denen hängen überhaupt keine Erinnerungen.
Aber nun, egal, zumindest fürs erste, die wichtige Frage jetzt erst mal, was machen wir mit dem Waffelteig? Man kann ja wohl keinen Waffelteig wegwerfen, man kann Waffelteig natürlich roh essen, aber das ist so ähnlich wie mit fertigen Waffeln, nach drei Löffeln will man nie wieder etwas essen, allerhöchstens Leberwurstbrote. Man könnte bei H. oder G. klingen, eine von beiden, wenn nicht gar beide werden doch wohl ein Waffeleisen haben, aber wegen drei Waffeln und dann muss man das Waffeleisen wieder sauber machen**.
Falls Sie schon immer mal wissen wollten, ob man Waffeln auch in der Pfanne backen kann: ja, das geht. Gut sogar. Sieht nicht ganz so hübsch aus, schmeckt aber.

Und jetzt noch mal zurück zum Schreiben? Nein, lieber nicht.

 


* Macht man nicht, solch völlig zusammenhanglosen Themenwechsel, nicht wahr? Ist mir aber gerade völlig egal. Außerdem schreibe ich ja sowieso nur für mich.
*hier bitte Augen verdrehen*

** Wenigstens der Punkt fällt weg, sollten wir das Waffeleisen entsorgen – wir müssen es immerhin nicht sauber machen.

*

„Ich kaufe mir eher selten Bücher mit Gedichten darin, (…)“
An dieser Stelle hatte ich schon einen * gemacht, dann aber dachte ich, das hätten die beiden nun wirklich nicht verdient, in kleiner Schrift hinten angehängt zu werden.

Es ist nämlich so, dass ich kürzlich gleich zwei Schnittbilder von Außerhalb geschenkt bekommen habe (zwei, weil Post-Adress-hin-und-her).
Was das ist, können Sie bei Christine Heine, der Autorin, selbst nachlesen, ich bin leider ziemlich schlecht darin, Worte für anderer Leute ihre Bücher zu finden.
Jedenfalls sind Gedichte darin und die will (und habe) ich sehr gern lesen.

Dann freue ich mich schon darauf, bald eine Ausgabe von was ein netz kann von Lorraine aus der Post zu holen, ich muss mich nur noch entscheiden, welche.
Auch da sind Gedichte drin, Illustrationen noch dazu.
Hier finden Sie mehr dazu.

Das war es jetzt erst mal mit Büchern.
Na ja, vielleicht.

Noch mehr Bücher.

Der Tag begann zäh. Die Tage beginnen fast immer zäh. Vielleicht liegt es daran, dass der Morgen einfach nicht meine Tageszeit ist. Vielleicht aber auch nicht.

Dabei konnte ich ausschlafen. Oder nein, weiterschlafen. Und dann tat sich auch noch freie Zeit auf, ein Zeitfenster, ich wünsche es mir herbei, dann ist es plötzlich da und ich weiß nichts mit ihm mir anzufangen.

Yoga habe ich angefangen, wieder einmal. Und dabei Christine Thürmer gehört. Eine Weitwandernde. Beim Zuhören fiel mir ein, dass ich schon einmal irgendwo von ihr gehört hatte, mich auch damals schon darüber wunderte, dass ich sie nicht auf Anhieb ins Herz schließen konnte. Als wäre das so einfach, als bräuchte es nur eine Gemeinsamkeit und schon hat man sich gern.
Oft stellt sich heraus, die Gemeinsamkeit ist gar keine – auch Wandern kann man auf verschiedene Arten.

Gegen Mittag war der Tag noch immer zäh. Und dabei hatten wir einen Plan. Meist verschwindet die Zähigkeit leichter und schneller, wenn es einen Plan gibt. Heute aber dachte ich darüber nach, den Plan aufzugeben. Was auch nichts Neues ist, andauernd will ich Pläne aufgeben, weil sie so anstrengend sind.
Dieses Wort, anstrengend. Ich sollte es wirklich aus meinem Leben verbannen.
Wenn das so einfach wäre.

Nun denn, wir setzten den Plan um.
Daher war ich heute auf der Buchmesse, der kleinen. Und stellte fest, dass ich wohl zum Buchsnob werde. Die meisten Bücher nehme ich gar nicht erst in die Hand, weil ich sie hässlich finde. Oder ich nehme sie in die Hand, lege sie aber gleich wieder weg, weil ich die Schrift hässlich finde oder die Art, wie die Seitenzahlen formatiert sind. Die Art, wie das Buch in der Hand liegt, wie es sich umblättert. Dass der Klappentext kaum zu lesen ist, wegen dunkler Schrift auf dunklem Hintergrund.
Was man alles falsch machen kann.
Und da habe ich noch nicht einmal hineingelesen.

Aber man kann es auch richtig machen.
Drei Bücher habe ich mitgenommen. Eins, weil ich an diesem Satz hängenblieb: „Plötzlich fühlte er sich losgelassen.“
Der Satz macht hier nicht so viel her, auf der Seite aber – er füllt eine ganze, ansonsten leere Seite aus, das „losgelassen“ rechts oben, der Anfang des Satzes links unten – auf der Seite fühle ich mich selbst ganz losgelassen, ein angenehmes Gefühl, obwohl das Loslassen im Buch (wie ich später feststellte) ganz und gar nicht positiv besetzt ist.
„Die Kinder verzagten nicht.“ Noch so ein Satz. Verzagen, was für ein hübsches Wort, ich will es sofort benutzen.
Und hübsch ist das Buch auch, es sind Bilder darin, solche, die man eine Weile betrachten kann und dann immer noch etwas Neues entdeckt. Papierdrache heißt es, der Text ist von Seyyed-Ali Shodjaie, die Bilder von Christine Laube und Mehrdad Zaeri.

Das zweite Buch heißt InneHalt von Henning Sabo, darin sind Gedichte. Ich kaufe mir eher selten Bücher mit Gedichten darin, vielleicht, weil sie Zeit und Muße für sich beanspruchen, weil sie – tada! – anstrengend sind, will ich mich wirklich darauf einlassen. Anstrengender als Romane.
Aber nun ja, dieses war eben auch eins der hübschen Bücher, ich blätterte hinein, es stimmte alles und als ich dann auch noch zu jedem aufgeblätterten Gedicht nicken wollte, nahm ich es einfach mit.

Dann nahm ich noch einen Roman mit, Weg vom Festland von Frederike Frei, auch er hübsch gemacht, ich las hinein und traf eine Stelle, die mich ebenfalls spontan angesprochen hat, also kaufte ich auch dieses Buch.
Heute Abend las ich noch weiter hinein, und, nun ja, es ist anstrengend. Hätte ich mehr gelesen, hätte ich das Buch wohl doch nicht gekauft. Obwohl es mich immer noch anspricht, aber gleichwohl ist der Stil, in dem es geschrieben ist, überhaupt nicht der, den ich gern lese, in jedem Satz fünf Bilder und dann auch noch welche, die teilweise so seltsam sind, dass sie doch eher quer liegen, nichtsdestotrotz liegt das Lesebändchen(!) nun schon auf Seite 63, mal sehen, wie es mit uns noch weitergeht.

Nach dem Bücherkauf liefen wir noch am Fluss entlang. So ein Fluss, das ist eine feine Sache. Dieser zwar eher von der trägen Sorte, aber passend zum Sonntag hatte er ausnahmsweise ein grünes Kleid angezogen, anstatt das sonst übliche schlammbraune. Über und auf dem Fluss die Möwen, Möwen, da ist man doch sofort im Urlaub. Ein Kormoran auch, zuerst im Wasser, dann auf einem Baum, dem Baum, bei dem wir zuvor noch rätselten, warum er so halbseitig weiß ist (und ansonsten eben baumfarben). Wegen der Kormoranscheiße. Das hört sich jetzt wenig idyllisch an, war es aber ansonsten doch, die Sonne schien, die Leute lächelten, lächelten spätestens dann, wenn sie m ansahen, wir lächelten auch, wir saßen sogar auf einer Bank, ziemlich lange, so lange, wie m für eine kleine Banane und einen Prinzenrollenkeks braucht, vor uns der Fluss, an seinen Seiten die Berge (nun ja), auf den Bergen eine Burg und noch eine und noch eine. Ein richtiger Bilderbuch-Sonntagnachmittag.
Später bekam m sogar noch eine halbe Scheibe Toastbrot geschenkt, nicht, weil sie so hungrig aussah, sondern um die Möwen zu füttern, m fütterte also Möwen, die armen Möwen, vermutlich haben sie nun Bauchweh, man soll ja nicht und sowieso, aber wo es doch so einen Spaß macht und wenn man dann auch noch Toastbrot geschenkt bekommt, was will man da machen.

Dann fuhren wir wieder nach Hause und ich dachte schon wieder, wie anstrengend, wegen dem Abendessen, aber auch das ging leichter als gedacht und danach konnte ich sogar auf der Couch in meine neu gekauften Bücher hineinlesen.

Der Tag endet bisher also ganz ohne Zähigkeit, ich habe sie irgendwann abgestreift, auf der Buchmesse oder vielleicht hat sie auch der Fluss davongetragen, auf einmal war sie fort und da darf sie gern bleiben.