Kategorie-Archiv: gelebtes

one in five

Heute heulend* durch den Wald gelaufen. Einen Jäger getroffen. Einen Jäger! Und ich gehe einfach an ihm vorbei. Statt die Gelegenheit zu ergreifen und ins Gespräch zu kommen (einen Jäger könnte ich in Sachen Stapelverarbeitung gut gebrachen). Der Jäger kam natürlich auch nicht mit mir ins Gespräch, die Leute kommen selten von selbst mit mir ins Gespräch, vermutlich vor allem dann nicht, wenn ich tendenziell verheult aussehe.
Den Jäger also vorbeilaufen lassen.

Dabei begann der Tag gar nicht so schlecht. Also eigentlich schon, ich hatte nämlich mal wieder einen Zahnarzttermin. Als ich dann aber beim Zahnarzt an der Anmeldung stand, schauten sie mich erst groß an und schickten mich dann wieder fort, ich war nämlich eine Stunde zu früh da.

Diese Gelegenheit Stunde dazu genutzt, die schlimmsten Prokrastinationsbrocken anzugehen. Unter anderem die Heizungsfrau, Sie erinnern sich vielleicht. Dieses Gespräch habe ich nun schon ein paar Mal geführt:
Um was geht es? Ah ja. Das muss ich noch mal absprechen. Wir melden uns dann bei Ihnen.
Tja nun, da glaube ich jetzt nicht mehr so dran. Aber was soll man machen.

Dann beim Garagenmann angerufen. Stellt sich raus, der Garagenmann war früher der Kellermann und als Kellermann schon einmal bei uns vor Ort. Das ist vor allem deshalb erwähnenswert, weil uns fortwährend die Garagenmänner abhanden kommen. Derart, dass ein Garagenmann zu uns kommt, Dinge erzählt und wenn wir ihm daraufhin noch eine E-Mail schreiben, weil wir siebentausend Fragen vergessen hatten zu stellen, bekommen wir die Antwort, dass der Garagenmann nicht mehr in diesem Betrieb arbeiten würde. So langsam keimte der Verdacht, auf unserer Garage läge ein Garagenmännerfluch.

Der Garagenmann, der mal der Kellermann gewesen war, hatte jedenfalls gute Neuigkeiten. Über diese habe ich mich so lange gefreut, bis ich später mit dem Gartenmann gesprochen habe, der nämlich zeigte sich höchst entsetzt darüber, dass wir bald eine Garage haben. Das sei nun wirklich ganz schlecht und er würde uns in jedem Fall davon abraten, um Himmels willen, niemals.
Endlich kommt mal einer und sagt uns, was wir alles falsch machen besser machen könnten, aber dummerweise gerade dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist.

Momente, an denen ich mich in eine Mietwohnung zurückwünsche.

Zwischen Garagenmann und Gartenmann war ich beim Zahnarzt. Das trug nicht eben zur Aufheiterung der Lage bei.
Liebe Natalie.
Ich vermisse Sie. Ich vermisse Sie ganz doll und natürlich hauptsächlich dann, wenn ich beim Zahnarzt bin. Ich fürchte, ich habe Ihnen das nie persönlich gesagt und hier werden Sie wohl leider auch nicht mitlesen. Aber wenn, dann wüssten Sie, wer ich bin, doch, ganz sicher, Sie sind so eine, die auch nach zwanzig Jahren noch die Namen ihrer Patientinnen kennt oder zumindest weiß, es mit einer Patientin zu tun zu haben. Eine, die freundlich „Frau K., wie geht es Ihnen denn?“ fragt und dann auch tatsächlich an einer Antwort interessiert ist. Und sollte ich Sie jemals verheult im Wald treffen, wüssten Sie mit Sicherheit etwas Aufmunterndes zu sagen. Sie würden auch nicht um mich herum räumen, säße ich im Behandlungsstuhl, zumindest nicht in der Form, dass ich mich wie ein störendes Objekt fühle. Sie würden nicht überhören, dass ich Sie etwas frage oder falls doch, hätte ich mit Sicherheit nicht den Eindruck, Sie hätten es überhören wollen. Und dann, wenn der Zahnarzt schon längst wieder weg ist, würden Sie noch so etwas wie „Jetzt haben Sie es überstanden“ sagen und dann würden wir zusammen lachen und Sie würden mir alles Gute wünschen und ich Ihnen auch und alles wäre allein deshalb halb so schlimm, weil es Sie gibt.
Liebe Natalie, ich vermisse Sie und hoffe, es geht Ihnen gut.

Im Wartezimmer traf (s)ich die Spezies: Ältere Herren aus der Gegend. Ich habe eine Schwäche für ältere Herren aus der Gegend. Also für diese spezielle Sorte, die auch in der Zahnarztpraxis so auftaucht, dass man meinen könnte, sie hätten ihren Traktor eben erst direkt vor der Praxistür abgestellt (und würden den Zahnarzt notfalls mit lebenden Hühnern bezahlen). Ältere Herren aus der Gegend fahren zwingend Traktor (zu dem sie natürlich Bulldog sagen, auch wenn es ein [beliebige Traktormarke hier einfügen] ist). Ältere Herren die gern auf Bänken vor ihrer Haustür herumsitzen oder sich anderweitig in ihrem Hof beschäftigen, dabei aber alles genau im Blick haben, vor allem, wer da vorbeikommt und für jeden haben sie einen passenden Spruch parat. Den sie natürlich in die Welt hinausrufen und natürlich reden sie auch kein Hochdeutsch und vielleicht liegt es hauptsächlich an diesem Dialekt, dass ich mich, sobald ich auf einen dieser älteren Herren treffe, sofort wie Zuhause fühle. Was ich dann ja meistens auch bin.

Vorhin darüber nachgedacht, warum dieses mich-Zuhause-fühlen nur für ältere Herren, nicht aber für ältere Damen gilt und dabei festgestellt, dass die älteren Damen einfach nicht sichtbar sind. Weil sie meist nicht auf einem Traktor herumfahren, keine Zeit dazu haben, auf einer Bank herumzusitzen und sich meistens auch eher drinnen als draußen beschäftigen und daher zwar vielleicht auch passende Sprüche parat hätten, aber viel seltener die Gelegenheit, diese auch anzubringen.

Dann über den von der Kaltmamsell verlinkten Artikel nachgedacht, genauer über das von ihr herausgenommene Zitat und wieder einmal völlig ratlos vor der Frage gestanden, wie man die eine von fünf aus diesem dem Zitat entnommenen Zitat sein kann:

Nearly one in five said anti-Semitism in their countries was a response to the everyday behavior of Jewish people.

Dann gedacht, dass ich weiter nicht Kluges dazu sagen kann, mich als nächstes aber daran erinnert, dass ich ja wenigstens öfter „ich bin anderer Meinung“ sagen wollte. Also in diesem Fall: Allein von der Religionszugehörigkeit darauf zu schließen, mit wem man es zu tun hat und dann noch so etwas wie „der hat es nicht anders verdient“ zu schlussfolgern – da fällt mir leider nichts dazu ein, abgesehen davon, dass das ja wohl völlig bekloppt ist.
Gleich weiter zu Fräulen Read On gedacht und ihrem Telefonat mit G. Auch dazu fällt mir leider nichts ein. Außer: Es tut mir so leid, dass so etwas passiert. Was geht es mich an, alles geht es dich an. Und mich auch.

*

Fast vergessen, die schönen Dinge des Tages zu erwähnen. Abgesehen von den üblichen (alle (soweit ich weiß) halbwegs gesund, Wald, Weihnachtsplätzchen, warmes Haus, Ole springt an und sogar auf Anhieb, …) bekam ich heute nämlich Bücherpost. Das Albgeräusch von Sven Koether. Kennen Sie natürlich, sofern Sie auch in der näheren Umgebung mitlesen.
Falls Sie es nicht kennen: Sollten Sie aber.

 


* aus keinen benennbaren Gründen

Wald und Bücher

Heute Urlaub gehabt. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als der MMM anrief und sagte, m und er stünden beim Getränkehändler und das Auto springe nicht mehr an.
Und dabei war ich morgens noch mit dem Gedanken losgefahren, was Ole wohl zu dieser Urlaubsfahrt meint und ob er mich auch wieder nach Hause bringen wird. Hat er doch kürzlich ganz plötzlich herumgepiepst und wollte kurz gar nicht mehr weiterfahren. Wirklich nur ganz kurz. Einen Moment innehalten, dann ging es wieder.

Immerhin war ich zu dem Zeitpunkt, als der MMM anrief, sowieso schon auf dem Heimweg oder zumindest in Richtung Heimat unterwegs, eventuell hätte ich noch irgendwo angehalten, aber so fuhr ich weiter und weiter und kam tatsächlich kurz vor dem Abschleppwagen beim Getränkehändler an.
(Der – natürlich – mal wieder nicht alles da hatte, was wir wollten. Aber so schlecht war das in diesem Fall gar nicht, mehr hätte auch gar nicht in Ole hineingepasst.)

Im Kofferraum stapelten sich nämlich schon Unmengen Tomaten (und anderes Gemüsezeug) vom morgendlichen Stopp beim Tomatenmann. Unmengen Brötchen vom lächelnden Bäcker.
Und Bücher, denn ich hatte auch bei der ehemaligen Lieblingsbuchhandlung Halt gemacht. Die immer noch Lieblingsbuchhandlung ist, aber tja, jetzt eben noch weniger um die Ecke liegt, als damals in D.
Ich entschied mich neben Unmengen an Postkarten für Takeshis Haut von Lucy Fricke und erst, als ich Töchter im Regal stehen sah (ebenfalls von Fricke), bemerkte ich, dass ich genau das schon zu Hause stehen habe, ungelesen. Na sowas.
Ich schmökerte gerade in einem Magellan-Buch herum, als mich schon die zweite Buchhändlerin ansprach, ob sie mir denn helfen könne. Nö, sagte ich und sie: Oh, ein Magellan-Buch, und schon lobten wir beide den Magellan Verlag in den höchsten Tönen. Ich zog Echt* von Christoph Scheuring aus dem Regal und sagte, das habe mir gefallen, daraufhin legte sie mir Halbe Helden von Erin Jade Lange ans Herz, das ich aber natürlich auch schon gelesen habe.
Daraufhin empfahl sie mir Der Märchenerzähler von Antonia Michaelis und nun, das hätte ich mir nie im Leben selbst ausgesucht, wegen Titel, Cover, Klappentext, Verlag, einfach allem, aber nachdem sie so begeistert davon war, habe ich es dann doch mitgenommen.

Ich fuhr weiter und eigentlich dachte ich, wenn ich diese eine Straße entlang fahre, komme ich dahin, ich kam dann allerdings woanders hin, das war nicht schlimm, machte die Sache nur etwas komplizierter, ich wollte ja noch in den Wald, genauer: auf die Tromm und deshalb hatte ich auch eine Wanderkarte mitgenommen, Problem war nur, dass die Tromm quasi am Rand der Karte liegt und ich jetzt von der falschen Seite kam.
Dann machte mich das Autofahren wahnsinnig und ich bog einfach links ab, wo es sinnvoll erschien und gerade, als ich dachte, diese Straße führt dann wohl doch ins Nichts, führte sie geradewegs auf einen Wanderparkplatz und nachdem ich kurz auf die Karte gesehen habe, hatte ich eine Vermutung, welcher Parkplatz das sein könnte. Ich stieg aus, guckte aufs Wanderparkplatz-Schild und Hurra, richtiger Parkplatz. Sehr praktisch, so ein gut funktionierender Orientierungssinn.

Ich ging also los, auf die Tromm, dort gibt es das Odenwald-Institut und das Odenwald-Institut hat eine Buchhandlung und drei Mal dürfen Sie raten, natürlich kaufte ich noch ein Buch (und Unmengen Postkarten), nämlich Allein in den Wäldern von Howard Axelrod. Und ein Eis, das kaufte ich auch.
Dann ging ich allein in die Wälder (Brüller, nicht wahr?).
Die Wälder waren sehr, sehr vertrocknet, viel mehr als bei uns. Viele braunhurzlige Blätterbäume und einige, die ihre braunhurzligen Blätter sogar schon abgeworfen hatten. Drei oder vier Mal blieb ich stehen, weil mir Schwaden warmer Orangenbaum**-Duft um die Nase wehten. Das habe ich noch nie erlebt, dass dieser Duft so richtig in der Luft liegt.

Auch ohne Duft blieb ich andauernd stehen, guckte Bäume an oder Aussichten und wenn ich nicht stehenblieb, freute ich mich, dass ich durch den Wald laufen konnte, ganz allein. Manchmal setze ich mich auch hin und guckte im Sitzen und manchmal fielen mir dann auch Wörter ein und Hurra, später, viel später, stellte ich fest, dass die Wörter sich nun endlich auf über 11.000 Zeichen angehäuft haben. Und das, wo ich dachte, es sei nun wirklich alles erzählt oder zumindest das Wichtige.

 


* Tja, Magellan, das ist jetzt nicht so doll, warum kann ich nicht direkt aufs Buch verlinken?
** Nein, natürlich keine echten Orangenbäume, aber diese Nadelbäume, deren Nadeln, wenn man sie zwischen den Fingern verreibt, nach Orangen duften.

Wartezimmerorakel.

Beim Zahnarzt. Ja, schon wieder. Das heutige Orakel des Wartezimmerzeitschriftenregals weiß nicht so recht und hat gleich drei Vorhersagen für mich:

Im Rausch der Farbe
Das doppelte Ende
Das erfüllte Leben

Bevor ich mich für eine der drei entscheiden kann, werde ich auch schon aufgerufen. Stellt sich heraus, das Orakel hatte insofern recht, dass ich mich ja auch nicht entscheiden kann, wo es jetzt eigentlich genau weh tut. Vielleicht auch, weil es in dem Moment überhaupt nicht mehr weh tut.

Tja.

Frau Doktor würde von einer sofortigen Wurzelbehandlung abraten. Ich fürchte ja, nicht drumherum zu kommen, weil, wenn es denn weh tut, fühlt es sich ganz genau so an, wie es sich vor all den anderen Wurzelbehandlungen auch angefühlt hat.
Aber nun ja, wer besteht schon auf einer Wurzelbehandlung? Ich sicher nicht. Zumal überhaupt nicht klar ist, welcher Zahn nun eigentlich für den Ärger verantwortlich ist.

Vermutlich sind es gar nicht drei Vorhersagen, es ist eine einzige: (be)rauschendes Schmerzmittel, dann doch das dicke Ende und schließlich, endlich: erfülltes Leben, alles wieder gut.

*seufz*

WmdedgT, März 2018.

Gestern war WmdedgT (Sie wissen nicht, was das ist? Können Sie bei Frau Brüllen nachlesen) und eigentlich wollte ich da mal wieder mitmachen, aber dann war es kurz nach acht und ich dermaßen erledigt, dass ich mich zu m ins Bett gelegt habe. Obwohl sich das krank-sein nun doch (toi, toi, toi) fast gänzlich vom Acker gemacht hat, ist es immer noch so, dass ich maximal einen Abend durchhalte, nur, um am nächsten wieder gänzlich durchzuhängen.

WmdedgT von hinten nach vorn: Vor dem Schlafen haben wir noch etwas gegessen (diverse Reste von gestern und vorgestern). Also hauptsächlich ich. Dann haben wir, also hauptsächlich der MMM noch mal was gegessen, der kam nämlich später (als üblich) und kennen Sie das, wenn man sich an Essenszeiten gewöhnt hat? Ich hatte es keine halbe Stunde länger mehr ausgehalten, aber ich hatte auch allen Grund, denn vor dem Essen waren m und ich beim Kinderturnen. Wir waren da letztes Jahr zum ersten Mal, es waren ungefähr zehn Kindern (plus Eltern/Großeltern“teile“) da und zehn Kinder können richtig laut sein, wenn sie wollen (und natürlich wollen sie).
Anfang des Jahres geschah irgendetwas merkwürdiges, ich tippte ja zuerst auf gute Vorsätze, aber jetzt ist es Anfang März, so lange halten sich gute Vorsätze normalerweise nicht, jedenfalls hat sich seit Anfang des Jahres die Zahl der Kinder ungefähr verdreifacht.
Einmal fuhr ich mit dem Auto zum Kinderturnen, es regnete, aber so ein bisschen Regen, das ist künftig kein Grund mehr, mit dem Auto zu fahren, Regen ist besser als von drinnen (Turnhalle) nach drinnen (Auto) nach drinnen (Zuhause) zu wechseln.
Gestern hat es natürlich überhaupt nicht geregnet, gestern war allerschönstes Anfangsfrühlingswetter, sogar noch gegen halb sechs, als wir nach Hause liefen. Dieser Weg nach Hause, der nicht sonderlich lang ist, zumindest, wenn man die kürzeste Strecke geht, den brauche ich wirklich nach anderthalb Stunden Kinderturnen.
Ich wurde schon des öfteren gefragt, warum ich mir keinen Job mit Kindern suchen würde, ich könne doch so gut mit Kindern und ich hätte doch so viel Geduld und was weiß ich.
Nun ja.
Weil ich Kinder unfassbar anstrengend finde. Deswegen.
Natürlich nicht nur. Aber über zwanzig auf einem Haufen in jedem Fall.

Äh, wo war ich. Ach ja, Nachhauseweg. Kurz noch mit B. geredet, er sah uns vorbeilaufen und kam extra für uns noch vom Balkon runter.
Die Stare sitzen schon wieder in den Bäumen! Komischerweise mag ich Stare, obwohl die mindestens so geschwätzig sind wie dreißig Kinder in der Turnhalle.

Den Nachhauseweg trotz Hunger noch verlängert, wegen Nervenberuhigung, und am Bücherregal vorbeigelaufen. Nichts gefunden. Nur Bücher, die ich mit nach Hause genommen hätte, um sie dort in die Tonne zu werfen, weil völlig vergammelt (verstehe ich nicht, warum man sich die Mühe macht, so etwas zum Regal zu schleppen, denn Nein, das ist nicht mehr noch gut), ging aber nicht, weil kein Platz im Kinderwagen.

Vor dem Kinderturnen hat m geschlafen und ich weiß wirklich nicht mehr, was ich während der Zeit getan habe.

Davor haben wir gegessen und zwar bei P. m rennt momentan gern ums Küchenkarree, sobald es darum geht, dass sie sich anziehen soll, damit wir rausgehen können. Wenn man ihr aber sagt, wir gehen zu P., Suppe essen, huch, so schnell geht das also auch.

Vor dem Essen waren wir einkaufen. Ole bis obenhin mit Getränkekisten vollgestapelt (immerhin fünf) und zum Lieblingsraffaisenmarkt gefahren. Schokolade bekommen (m). Leere Getränkekisten gegen volle eingetauscht (ich).

Dann noch zu dm. Bei dm gibt es diese kleinen Kindereinkaufswagen, m findet die toll und bekam natürlich einen. Wir laufen so durch die Gänge, packen Zeug in den Einkaufswagen, finden auf einmal zwei weitere Kindereinkaufswagen, die anscheinend kinderlos herumstehen oder stehen gelassen wurden, wer weiß das schon. Konnte m mit Mühe und Not davon abhalten, die unbedingt sofort aufräumen zu müssen, weil, da gehören die nicht hin, das ist nicht deren Platz.
Hihi.

Vor dem Einkaufen war der Morgen. Keine Ahnung, was wir da gemacht haben. Rest-Geburtstagskuchen gegessen, vermutlich. Die Küche aufgeräumt. All dieses unspektakuläre Zeug.

Begegnungen, ein Panini, Bücher.

Gestern waren m und ich ungefähr drei Minuten in der Bücherei. Dann wollte m einen Keks, in der Bücherei isst man aber keine Kekse, großes Geheul, dann saßen wir ungefähr zehn Minuten im Vorraum der Bücherei. Dort hatten sie extra für diesen Zweck (nun ja) einen Tisch und zwei Stühle aufgestellt. m aß Kekse und war glücklich. Ich hatte auf die Schnelle immerhin zwei Bücher ergattert, ob ich mit denen glücklich werde, wird sich zeigen.

Vorher hatten wir noch geparkt. Im Parkhaus war die Schranke oben, auf dem Display des Parkkartenautomaten stand „außer Betrieb“ und ich hatte ein klein wenig Angst, nie mehr aus diesem Parkhaus herauszukommen.
Zum ersten Mal in meinem Leben drückte ich später, beim Hinausfahren, die „Sprechtaste“ des Parkkartenautomaten (denn diese Schranke war natürlich unten). Es tutete. Tutete noch einmal. Und noch einmal. Dann rauschte es. Dann passierte einen sehr langen Moment nichts mehr, doch gerade, als ich erneut die Sprechtaste drücken wollten, öffnete sich die Schranke. Hurra.

Zuvor aber haben wir noch ein Panini gegessen. Das Wetter Die Kälte führte dazu, dass wir dieses Panini direkt vor Ort beim Bäcker gegessen haben und nicht wie sonst auf dem Weg zum Auto, im Auto oder sonstwohin. Die Kälte ist wirklich zu etwas nütze, denn komischerweise bin ich noch nie auf die Idee gekommen, mich zum Essen einfach mal hinzusetzen und dabei ist es wirklich sehr nett dort. Da ich für m aus der Bücherei, in der wir zu diesem Zeitpunkt schon gewesen waren, ebenfalls zwei Bücher mitgenommen hatte*, konnten wir in aller Ruhe sitzen und lesen. Und essen.

Neben uns saßen zwei ältere Frauen, frühstückten und ignorierten uns, wie ich dachte. Als sie aber gingen, fragte die eine, wie ich denn hieße und ob ich nicht in H. wohnen würde. Ich hätte doch damals mit ihr zusammen Spiralen gedreht, nicht wahr? Ich sei doch die Schwester von B., nicht wahr?
Äh, ja.
Ich erkannte sie noch nicht einmal wieder, nachdem sie das gesagt hatte. Vermutlich verdrängt, von der Zeit des Spiralendrehens hatte ich ja kürzlich erst berichtet. Unfassbar langweilig war das damals.
Da hätte ich doch eigentlich Zeit gehabt, meine Kolleginnen genauer anzusehen.
Nun ja.

Sowieso ist das irgendwie merkwürdig mit den Menschen. Warum erinnert man sich an den einen, an den anderen aber nicht? Warum bleibt man mit dem einen in Kontakt, mit dem anderen nicht? Oft ist das doch auch alles ein großer Zufall. Zumindest in meinem Fall.

Heute morgen waren wir im IKEA. Es soll Leute geben, die Spaß daran haben, zum IKEA zu gehen. Die nichts brauchen und am Ende trotzdem einen Einkaufswagen voll Zeug nach Hause fahren.
Nun ja.
Ich fahre zum IKEA, weil ich etwas brauche (und/oder weil M. fragt, ob wir vielleicht noch beim IKEA vorbeifahren wollen).
Am Ende haben ich dann kaum je das im Wagen, was ich eigentlich wollte, vielleicht, weil ich oft gar nicht so genau weiß, was ich will, was ich aber weiß ist, was ich nicht will und das ist so ziemlich das meiste, irgendwas aber habe ich dann meist doch im Wagen, vielleicht einen Kochlöffel oder Kerzen oder einen Stuhl für m, aber dann sehe ich die Schlangen an den Kassen und *unauffällig pfeif* was, ich hatte einen Einkaufswagen? Der ist mir irgendwie abhanden gekommen. Schnell weg hier.

Heute nachmittag waren wir erneut einkaufen, Milch, Butter, so Zeug, Brot auch, beim Duplo-Bäcker und Hurra, das Lieblingsbrot war da und das am Nachmittag um kurz nach vier. Die Welt meinte es gut mit uns.
Jedenfalls, wie ich da so vor dem Duplo-Bäcker parke, fällt mir zum allerersten Mal überhaupt das Schild auf, dass da steht. Auf dem steht, dass man an dieser Stelle nur fünfzehn Minuten parken darf. Ich parke dort sowieso kaum je länger, man muss auch keine Parkscheibe herauslegen und überhaupt noch nie habe ich dort jemanden Strafzettel verteilen sehen, das bestätigte auch die freundliche Duplo-Bäckerei-Verkäuferin, aber Sachen gibt es, dieses Schild steht da schon seit Jahren (sagt die Schäbigkeit des Schildes und bestätigt die Duplo-Bäckerei-Verkäuferin) und ich habe es noch nie bemerkt.

Dann noch einer dieser merkwürdigen Begebenheiten, kürzlich habe ich mit dem MMM Termine abgesprochen, genauer: des MMMs Termine in meinen Kalender aufgenommen und er so, xyter September, und ich so, Oh, da wird W. fünfzig Jahre alt. Der MMM so, hmpf, hmpf, ach, er wird schon nicht feiern und wenn, hätte er es eben früher sagen müssen (September! Nun ja).
Heute morgen M. so: Sag, haben sich W. und S. schon bei dir gemeldet, wegen der Feier (also unserer, M.s und meiner).
Ich so: Nein, ich habe mich auch schon gewundert, normalerweise melden sie sich doch immer recht fix.
Heute nachmittag dann fahre ich P. nach Hause und wie ich so in die Einfahrt einbiege, biegt ein Auto hinter mir ein, W. und S. steigen aus und zuallererst erzählen sie, warum sie sich nicht gemeldet hätten. Dann – und das ist das Wichtigste – sagen sie zu. Hurra!
Wir erzählen noch ein bisschen hin und her und irgendwann erzählt W., er würde dieses Jahr mit J. zusammen Geburtstag feiern und zwar an seinem Geburtstag, dem xyten September.
Tja nun. Wie sage ich es dem MMM.

Und noch eine Begebenheit, M. erzählte nämlich, sie habe dem R. ein Buch von Karl May geschenkt, eins dieser ledergebundenen Ausgaben. Tja nun. Wegen M. habe ich gerade zahlreiche Bücherkartons hier herumstehen, M. erzählte nämlich B. vom Bücherflohmarkt (mit dem ich nach dem Umzug nun leider viel weniger zu tun habe, als ich gern hätte, aber nichtsdestotrotz), B. hatte gerade ein Haus auszuräumen und nun werde ich zum nächsten Bücherflohmarkt auf jeden Fall weniger Bücherkartons mit nach Hause nehmen, als ich hingebracht habe. Hurra!
Die Bücherkartons hatte ich natürlich durchgesehen (und nun ja, ungefähr einen davon zur Seite gelegt), daher wusste ich, dass zwei ledergebundene Karl Mays drin waren, eins, wie sich herausstellte, dummerweise genau das, welches M. dem R. schon geschenkt hatte. Aber das andere, das hat sie mitgenommen.

So. Jetzt noch ein Leseabend vor dem Schein des Feuers. Und draußen Schnee. Sehr schön. Das Buch passt auch dazu, ich lese gerade Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens von Oliver Bottini.
Ich mochte Oliver Bottinis Krimis bisher eigentlich immer und dieser fängt auch sehr vielversprechend an, mit der ihm eigenen Trost- und Gnadenlosigkeit, und Figuren, die mit der Dunkelheit kämpfen und die ich trotzdem oder gerade deswegen ins Herz schließe oder zumindest fange ich an, für sie zu hoffen, auch wenn ich weiß, dass es sicherlich kein gutes Ende nehmen wird.

 


* Früher so: Immer ein Buch dabei haben, falls ich irgendwo warten muss oder auf die Idee komme, mich einfach so auf eine Bank in die Sonne zu setzen und zu lesen.
Heute so: Immer ein Buch für m dabei haben. Und Kekse.

Noch drei Stunden.

Schon wieder. Hänge ich fest, in einem dieser Tage, an denen ich auf die Uhr sehe, ohNeinOhNein, noch drei Stunden, denke und dann, als ich gefühlt eine Stunde später erneut auf die Uhr sehe, sind doch nur fünf Minuten vergangen*.
Ich weiß es, kenne es leider nur zu gut, zögere den Blick auf die Uhr daher immer wieder hinaus, sehe vielleicht sogar gar nicht mehr auf die Uhr, allein, es ändert ja nichts, der Tag ist trotzdem zäher als Kaugummi.

Früher hatte ich mal einen unfassbar öden Ferienjob, fünf Stunden lang und noch das immer gleiche tun, noch einmal und noch einmal – und wirklich ganz genau das gleiche und nur aufstehen, um aufs Klo zu gehen oder etwas zu trinken. Ich glaube, zu dieser Zeit kam er in mein Leben, der Uhrenblick.
Obwohl. Schulstunden waren auch nicht immer spannend. Genau genommen sogar eher selten. Aber nun ja, da hatte man doch eher die eine oder andere Möglichkeit, sich anderweitig zu beschäftigen.

Später hatte ich dann einen „echten“ Job. Leider gab es nichts zu tun, nicht für mich, die Tage waren schon wieder unfassbar öde, ein Ende dummerweise nicht abzusehen, weder vom Tag, noch vom Job an sich, das spannendste in diesen Zeiten war der Mailwechsel mit dem MMM, der aber hatte viel mehr zu tun als ich, was schlecht war, zumindest für mich, musste ich doch immer viel zu lange auf Antwort warten.
Dort bleibe ich nicht, beschloss ich und suchte mir einen anderen Job.

Nun ja. Alles wurde besser oder auch nicht, denn immer wieder und gar nicht mal so selten kam einer dieser Tage, an denen die Zeiger der Uhr so gar nicht voranschreiten wollten, außer natürlich, es war gerade Mittagspause. Komischerweise war ich schon wieder die einzige, die nichts zu tun hatte, zumindest hatte ich diesen Eindruck. Andere hatten in Leerlaufphasen zweiundneunzig jobbezogene Ideen und Projekte, die sie schon immer mal angehen wollten, ich wollte in Leerlaufphasen eigentlich immer nur ein Buch lesen, am liebsten aber eins, das mit meinem Job nichts zu tun hatte, das ließ sich dann eher nicht umsetzen.
Das muss ein Ende haben, beschloss ich und irgendwann hatte es auch eins.

Dann wurde wieder alles anders, ich hatte zuerst gar keinen, dann andere Jobs, einen, bei dem ich überhaupt nicht dazu kam, auf die Uhr zu sehen, das war gut, aber der Job dann doch nicht. Einen, bei dem erstaunlicherweise nicht ich diejenige war, die auf die Uhr gesehen hat, der war gut, zumindest so gut ein Job dieser Art sein kann, dann aber meldete die Firma Insolvenz an und es gab keinen Job mehr.

Aber es kam sowieso schon wieder alles anders, auf einmal war nämlich m da und nebenbei (haha) galt es, ein Haus zu bauen, umzuziehen, anzukommen.

Vor ungefähr zwei Wochen überfiel mich dann dummerweise eine Krankheit, welche, weiß man (noch) nicht, eine hartnäckige in jedem Fall, ich dachte zuerst, ich hätte sie abgeschüttelt, das sah sie leider anders, jedenfalls hänge ich nun schon seit Tagen im Haus fest, ich habe noch nicht einmal Lust dazu, hinauszugehen, dummerweise habe ich aber auch keine Lust mehr, zum drei Millionsten Mal das Ritterburgen-Buch oder eins seiner Kollegen vorzulesen, genaugenommen habe ich zu gar nichts Lust, will ich überhaupt nichts vorlesen, will nur schlafen und schlafen und schlafen, ein Glück lässt sich das mitunter auch umsetzen, das eine oder andere Mal, wenn ich es dann doch schaffe, laut Hilfe! zu rufen oder aber ich rufe gar nicht und werde trotzdem gehört, wunderbar ist das und nichtsdestotrotz ist so ein Tag, wenn man ihn von morgens bis abends zu Hause und im Haus verbringt, unendlich oder in jedem Fall viel zu lang und selbst wenn ich mittags noch denke, Hurra, schon ein Uhr, das läuft doch ganz gut heute, kommt unweigerlich doch irgendwann der ohNeinOhNein, noch drei Stunden Blick zur Uhr.

 

Und dann kam wieder alles anders, aber ich weiß noch nicht wie.

 


* Immerhin muss ich dann auch wirklich immer an einen meiner Lieblings Calvin and Hobbes denken, ich finde leider gerade nur diesen eher suboptimalen Link, nun ja.

Menschen! Hier sind überall Menschen!*

Kürzlich waren wir mal wieder in D. und einer unserer Wege führte zum lächelnden Bäcker. Wo wir ungefähr zweiundsiebzig Brötchen und Brezeln und Hefeknoten einkauften. Der Plan war, das Gefrierfach damit aufzufüllen, aber drei Tage später war nichts mehr zum Einfrieren übrig und ja! man kann diese Brötchen tatsächlich drei Tage später noch essen. Mit Genuss.

Die Brötchenlage hier vor Ort ist, also, nun ja. Und die Brezellage erst. A. hat kürzlich eine der Verkäuferinnen gefragt, ob sie sich nicht schämt, diese Dinger als Brezeln zu verkaufen. (Nun ja, genauso hat A. das wohl eher nicht gefragt, obwohl, warum eigentlich nicht.)

Die Brote hier in der Gegend sind dagegen durchaus in Ordnung.
(Oder liegt das daran, dass der lächelnde Bäcker keine Brote backt? (Der lächelnde Bäcker ist genaugenommen kein Bäcker, sondern Konditor.))

Aber das weltbeste Brot macht sowieso der Duplo-Bäcker. (Bei dem ich neuerdings jedes Mal ein Duplo oder ähnliches bekomme, das heißt, genau genommen bekommt m das Duplo. *hust*)
Die Brotversorgungslage ist also wunderbar, doch die Brötchen – auweia. Der lächelnde Bäcker hätte viel zu lachen.
Natürlich, die kleinen Roggenbrötchen vom Duplo-Bäcker, die sind sensationell, aber der Duplo-Bäcker ist nun mal nicht um die Ecke, zu dem muss man hinfahren und das auch noch zum richtigen Zeitpunkt, sonst ist das weltbeste Brot und die weltbeste Roggenbrötchen entweder noch gar nicht zu haben oder aber längst weg, beziehungsweise nicht längst, sondern „das letzte habe ich gerade eben verkauft.“

Direkt vor Ort ist die Brötchenlage dagegen eher desaströs; wäre man A., könnte man an Samstagen fragen, ob sie sich nicht schämen, so ein Brötchen zu verschenken, samstags bekommt man nämlich ein Samstagsbrötchen geschenkt und ich bitte Sie, man kann es wirklich nicht essen, es zerfällt schon in Brösel, wenn man es nur aus der Tüte holt (und wandert daher umgehend von der Bäcker- in die Knödelbrottüte).

Aber ich komme vom Thema ab, Thema war D. und einer unserer Wege dort. Wege nämlich geht man in D. zu Fuß.
Ich daher so zum MMM: Woah! Hier sind Menschen auf der Straße! Sooo viele Menschen!
Und der MMM später zu mir: Woah! Hier sind Menschen auf der Straße! Sooo viele Menschen!

Das hört sich vielleicht ein bisschen merkwürdig an und natürlich wussten wir, was auf uns zukommt und alles hat Vor- und Nachteile und überhaupt, aber das mit den Menschen fiel uns tatsächlich erst auf, als wir kürzlich wieder in D. waren.
Dort geht man, hier fährt man.
(In D. fährt man natürlich auch, in D. gibt es sogar Car-Sharing. Car-Sharing, haha. Lustige Idee. Ich hoffe, Ole hält noch eine sehr lange Weile durch.)

Hier jedenfalls ist kaum einer auf der Straße, zumindest nicht zu Fuß, wo soll man auch hingehen, zur Apotheke, zur Sparkasse, zum Bäcker, aber da kann man genauso gut mit dem Auto fahren, man muss ja sowieso nach XYZ, weil man dort Getränke einkauft, den Sohn vom Fußball abholt, die Tochter zum Fußball hinbringt, selbst zum Zahnarzt geht, es gibt zwei Millionen Gründe, mit dem Auto unterwegs zu sein.

Daher ist es auch völlig logisch, dass die Nachbarin, die mit dem Hund im Wald unterwegs ist, mit dem Auto zum Wald gefahren ist. Den Hund scheißen fahren, würde P. sagen und den Kopf schütteln.
Es kann natürlich zwei Millionen Gründe geben, den Hund mit dem Auto zum Wald zu fahren, Fußball, Zahnarzt (na gut, in diesem Fall eher unwahrscheinlich), Sie wissen schon. Und man soll sich nicht über Dinge auslassen, die dann vielleicht doch ganz anders sind, kürzlich nämlich liefen wir an einem leeren Auto mit laufendem Motor vorbei, mokierten uns ganz fürchterlich, Umweltverschmutzung und was soll das, schlimm, diese Leute. Wir überlegten, das Auto einfach wegzufahren, doch da kam schon der J., sagte, dies sei sein Auto und wir hätten gern damit wegfahren können, er hätte das Auto gerade erst überbrückt und müsse es jetzt noch ein wenig herumfahren, damit es dann auch wieder angeht, nachdem es ausgeht. Sprach’s und fuhr auf und davon.
Kaum war er fort, sagte die A., der J. solle besser gar nicht mehr Auto fahren, er sehe doch nichts mehr.

Ups.

Da ist man besser nicht zu Fuß unterwegs, nicht wahr.

 


* Frei nach den Fantastischen Vier und meinem Dauerohrwurm: „Lauschgift! Hiel ist übelall Lauschgift!“

Was ich vergessen hatte.

Dass ich dann doch weiter lese und mit jeder Seite beschleicht mich das Gefühl, dass ich das Buch vielleicht doch besser gänzlich zur Seite legen sollte, denn was gerade noch ein Volltreffer war, entwickelt sich langsam aber unabsehbar zu etwas, das ich die Bücherkiste für den Flohmarkt packen werde. Statt in eine der Umzugskisten mit Büchern, die irgendwann irgendwo einen Platz im neuen Haus bekommen.

Menno. Dabei fing es so gut an.

Immerhin die Laune, also meine, hat sich stetig verbessert.
Zuerst noch mal ins Loch gefallen, hatte ich mich doch auf die Apfelernte gefreut und aufs Traktor fahren. Dann allerdings stellte sich heraus, dass m fürs Traktor fahren recht wenig übrig hat, alles war ganz schlimm, auch, nachdem wir sie längst vom Traktor herunter gerettet hatten. Ungefähr drei hauptsächlich vom MMM befüllte Apfelkisten später stellte sich heraus, dass der ebenfalls mitgebrachte Kinderwagen ein halbwegs sicherer Ort ist, ab dem Zeitpunkt ging es wieder aufwärts, nur mit dem MMM nicht, der wurde von einem Schnupfen befallen.
Auch der Backofen ist noch nicht sauber, der Küchenboden klebt ebenfalls, der Kuchen tropfte nämlich nicht nur in den Backofen, sondern auch auf den Boden und wenn man mit Küchenpapier mal eben schnell über die Fliesen wischt, ist das nicht sonderlich effektiv, ich habe das für Sie getestet. Einen Waschbären müsste man haben*.
Aber der Kuchen, der kam gut an und war gar nicht so falliert wie befürchtet, im Grunde überhaupt nicht. Kuchen backen könne ich, wurde mir bescheinigt. Immerhin etwas. Irgendwann einmal dachte ich darüber nach, Bäckerin zu werden, kurz nur, denn: die Arbeitszeiten! Nein, danke.

Morgen allerdings wird alles ganz schlimm und anstrengend, ganz bestimmt, denn wenn ich das befürchte, kommt alles ganz anders und m wird im Auto tief und fest schlafen oder zumindest höchst zufrieden aus dem Fenster schauen, wir werden Pommes bekommen, mit Ketchup, wir werden Steine ins Wasser werfen und das ganz großartig finden, später wird es Kuchen geben, alle sind guter Stimmung, total entspannt und haben sich lieb; der MMM wird eine seiner über-Nacht-genesen-Wunderheilungen erleben, mich nicht anstecken, m nicht anstecken, wir werden sogar an die Äpfel denken und ans Geschenk und ach ja, wählen. Wählen gehen wir auch noch.

Oh oh.

 

* Nein, das müssen Sie jetzt nicht verstehen.

HochTiefGehtSo.

Eigentlich sollte das ein ganz anderer Beitrag werden.

Tja.

Heute morgen, als ich so etwas wie „was für ein wunderbarer Tag“ dachte, dachte ich gleich noch ein „oh, oh“ hinterher. debruma hat darüber schon geschrieben, ich bin gerade zu faul zum Suchen, lesen Sie sich einfach durch, das schadet nichts.
Geschrieben darüber, dass die Laune unweigerlich wieder in den Keller sinken wird, wo sie gerade noch hoch oben ein Grinsen ins Gesicht zaubert (debruma hat das ungleich drastischer ausgedrückt).
Gleich nach dem „oh, oh“, fragte ich mich daher also, wie lange das Hoch wohl andauern würde. Und vermutete befürchtete: Gar nicht so lange.

Immerhin bis kurz nach Mittag.

Kurz nach Mittag passierte irgendetwas. Was, weiß ich gar nicht so genau, mangelnde Beachtung vielleicht, ich habe versucht, der Ursache hinterher zu denken, kam aber nicht so richtig drauf. War eben einfach so. Was will man da machen.
Vielleicht nicht unbedingt auch noch auf den Spielplatz gehen, vor allem dann nicht, wenn dort andere Menschen sind. Vor allem auch nicht trockenes Brot zu Knödelbrot zerschneiden, nebenher einen Hefeteig zubereiten und das Kind davon abhalten, den Hefeteig aufzuessen, das Knödelbrot auf dem Boden zu verteilen, usw.

Mittlerweile ist das Tief fast schon wieder vorbei (puh, das ging schnell). Jetzt nämlich, wo sich der missglückte Kuchen gerade im Backofen verteilt, das heißt nein, ich vermute hoffe, der Kuchen ist gar nicht so missglückt, er läuft nur einfach über (und morgen kann ich dann zwei Stunden lang Backofen putzen); jetzt aber kann ich schon fast wieder darüber lachen, war doch eigentlich klar, dass die Sache mit dem Kuchen in die Hose geht, hallo, die Füße hätte ich hochlegen sollen, laut Musik hören, irgendsowas, aber nein. Habe ich nicht getan.

Gleich gibt es Semmelknödel. Das ist zumindest der Plan. Vermutlich werden sie im heißen Wasser auseinanderfallen.

*

Taten sie nicht. Dafür waren allerdings die Pilze verschimmelt.

Auf die Ohren.

Kürzlich waren wir schwimmen. Schwimmen ist ein super Sache, blöd nur, wenn man Wasser in die Ohren bekommt (was ja nicht ausbleibt) und auf einmal nichts mehr hört. Na ja, weniger hört als zuvor.
Das war natürlich abzusehen, hatte ich doch vorher schon weniger gehört und dachte fürchtete, mal wieder zum Arzt zu müssen, Ohren ausspülen.

Nun hatte mir der Badesee die Entscheidung abgenommen.

Ging ich also zum Hausarzt, zum alten, jetzt wieder neuen. Der neue alte hatte das immer höchstselbst erledigt, mit einer antik anmutenden Riesenspritze. Der aktuelle sagte, das mache er man nicht mehr selbst, da müsse ich zum HNO-Arzt.

Bei dem man natürlich nicht einfach so vorbei gehen kann, da braucht man einen Termin. Den ich immerhin schon zwei Tage später bekam.
Einen Termin haben, heißt allerdings noch lange nicht, dass man auch zu eben diesem Termin drankommt. Wo käme man da hin. Immerhin musste ich nur eine dreiviertel Stunde warten, bis ich aufgerufen wurde.

In dieser dreiviertel Stunde funktionierten das gänzlich und das fast verstopfte Ohr dann doch noch gut genug, um Wartezimmergespräche mitanzuhören. Am liebsten wäre ich geflohen, eine andere Möglichkeit wäre gewesen, den Sprechenden die Zeitung überzuhauen, auf die ich mich nun nicht mehr konzentrieren konnte, ganz sicher hätte ich aber sagen sollen, dass ich hier nicht die schweigende Zustimmung vertrete, sondern im Gegenteil gänzlich anderer Meinung bin.
Es ging, man kann es sich vielleicht denken, darum, wie schlecht es uns allen doch geht, besonders den Rentnern. Die Jungen, die arbeiten ja nichts mehr, überhaupt arbeitet kaum einer mehr was, stattdessen bekommen alle Sozialhilfe und die da oben, die Politiker, furchtbar, die haben doch keine Ahnung, die lügen uns nur an. Und die Grenzen, die hätte man natürlich zumachen sollen, wer soll denn das alles bezahlen und auf die Straße kann man auch nicht mehr, da sind überall Ausländer, das ist nicht mehr sicher und dann schalten sie auch noch die Videoüberwachung ab. Aber man darf ja nichts sagen, sonst würde man gleich als Nazi, Antisemit, Rassist, was auch immer beschimpft. Nazi! Und das müssen wir uns bieten lassen, bin ich doch nach dem Krieg geboren. Sagte sie. Und ihren Vater, den hätte sie gefragt, der war bei der Wehrmacht, die hätten natürlich nichts, überhaupt nichts von dem gewusst, was in den Konzentrationslagern und überhaupt überall passiert ist.

Ja klar.

Es geht uns allen wirklich furchtbar schlecht. Dir vor allem, die du ein Haus hast (in dem du allerdings nicht schlafen kannst, weil die Mähdrescher bist kurz nach Mitternacht an deinem Schlafzimmerfenster vorbeifahren, schlimm), einen Mann hast du auch noch, der hat sogar noch Arbeit, beim Schwiegersohn, Familie also auch, wobei, das mit der Arbeit des Mannes ist vielleicht sogar eher schlecht, ist er doch eigentlich schon Rentner (aber was würde er mit all der freien Zeit nur machen?), du gehst andauernd zum Arzt, das ist natürlich nicht gut, aber hey, es gibt Ärzte und du kannst hingehen, einfach so, Krankenkasse sei Dank, natürlich hast du dafür bezahlt, ich weiß. Am Essen mangelt es dir augenscheinlich auch nicht, vermutlich kommt (warmes) (Trink)Wasser aus den Leitungen, wann immer du willst und ach, verdammt, am meisten ärgere ich mich ja doch über mich selbst, weil ich nichts dazu gesagt habe.

Meine dreiviertel Stunde war dann nämlich um, ich durfte ins Behandlungszimmer, eine nicht ganz so freundliche, eher nun ja, der halbe Tag ist schon vorbei, aber die andere Hälfte steht leider noch bevor Arzthelferin schaute mir ins Ohr, ging dann wieder, ich schaute mir Plakate an, Falten entfernen, stand da und ich staunte darüber, wo man überall Falten haben kann, die man lieber nicht hätte, nervte mich noch ein wenig darüber, dass ich womöglich wegen all den Faltenentfernern so lange warten muss.
Wenig später kam der Arzt ins Zimmer geweht. Mist, dachte ich, das ist so einer, der im Grunde gar nicht da ist. Hallo, sagte er, schaute mir ebenfalls kurz in die Ohren und verbrachte die meiste Zeit, also ungefähr zwei Minuten damit, Dinge in den PC einzutippen. Und schon war er wieder weg. Wünschte mir immerhin noch alles Gute.

Die Arzthelferin kam zurück, legte ein Handtuch auf meine Schulter, drückte mir eine Schale in die Hand, die ich unters Ohr halten sollte und machte im Grunde genau das gleiche wie mein alter Hausarzt, nur eben nicht mit der antiken Riesenspritze, sondern mit einem an eine Maschine angeschlossenen Schlauch. Beim ebenjenem Hausarzt fühlte ich mich dennoch aufgehobener, besonders, als die Arzthelferin mir dann noch mit einem Stäbchen(?) im Ohr herumfuhrwerkte.

Immerhin hörte ich jetzt aber wieder. Auf der einen Seite zumindest. Die andere bemängelte ich, aber da wäre nur Wasser drin, ich solle den Kopf mal zur Seite legen, tatsächlich, es wurde besser, aber irgendwie – hm. Sie sah sich die Seite noch einmal an und war zufrieden mit sich.

Am besten machen Sie das alle halbe Jahre, sagte sie zum Abschied.
Aber sicher nicht bei Ihnen, dachte ich.
Sagte aber schon wieder nichts.