Kategorie-Archiv: gekauftes

Wald und Bücher

Heute Urlaub gehabt. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als der MMM anrief und sagte, m und er stünden beim Getränkehändler und das Auto springe nicht mehr an.
Und dabei war ich morgens noch mit dem Gedanken losgefahren, was Ole wohl zu dieser Urlaubsfahrt meint und ob er mich auch wieder nach Hause bringen wird. Hat er doch kürzlich ganz plötzlich herumgepiepst und wollte kurz gar nicht mehr weiterfahren. Wirklich nur ganz kurz. Einen Moment innehalten, dann ging es wieder.

Immerhin war ich zu dem Zeitpunkt, als der MMM anrief, sowieso schon auf dem Heimweg oder zumindest in Richtung Heimat unterwegs, eventuell hätte ich noch irgendwo angehalten, aber so fuhr ich weiter und weiter und kam tatsächlich kurz vor dem Abschleppwagen beim Getränkehändler an.
(Der – natürlich – mal wieder nicht alles da hatte, was wir wollten. Aber so schlecht war das in diesem Fall gar nicht, mehr hätte auch gar nicht in Ole hineingepasst.)

Im Kofferraum stapelten sich nämlich schon Unmengen Tomaten (und anderes Gemüsezeug) vom morgendlichen Stopp beim Tomatenmann. Unmengen Brötchen vom lächelnden Bäcker.
Und Bücher, denn ich hatte auch bei der ehemaligen Lieblingsbuchhandlung Halt gemacht. Die immer noch Lieblingsbuchhandlung ist, aber tja, jetzt eben noch weniger um die Ecke liegt, als damals in D.
Ich entschied mich neben Unmengen an Postkarten für Takeshis Haut von Lucy Fricke und erst, als ich Töchter im Regal stehen sah (ebenfalls von Fricke), bemerkte ich, dass ich genau das schon zu Hause stehen habe, ungelesen. Na sowas.
Ich schmökerte gerade in einem Magellan-Buch herum, als mich schon die zweite Buchhändlerin ansprach, ob sie mir denn helfen könne. Nö, sagte ich und sie: Oh, ein Magellan-Buch, und schon lobten wir beide den Magellan Verlag in den höchsten Tönen. Ich zog Echt* von Christoph Scheuring aus dem Regal und sagte, das habe mir gefallen, daraufhin legte sie mir Halbe Helden von Erin Jade Lange ans Herz, das ich aber natürlich auch schon gelesen habe.
Daraufhin empfahl sie mir Der Märchenerzähler von Antonia Michaelis und nun, das hätte ich mir nie im Leben selbst ausgesucht, wegen Titel, Cover, Klappentext, Verlag, einfach allem, aber nachdem sie so begeistert davon war, habe ich es dann doch mitgenommen.

Ich fuhr weiter und eigentlich dachte ich, wenn ich diese eine Straße entlang fahre, komme ich dahin, ich kam dann allerdings woanders hin, das war nicht schlimm, machte die Sache nur etwas komplizierter, ich wollte ja noch in den Wald, genauer: auf die Tromm und deshalb hatte ich auch eine Wanderkarte mitgenommen, Problem war nur, dass die Tromm quasi am Rand der Karte liegt und ich jetzt von der falschen Seite kam.
Dann machte mich das Autofahren wahnsinnig und ich bog einfach links ab, wo es sinnvoll erschien und gerade, als ich dachte, diese Straße führt dann wohl doch ins Nichts, führte sie geradewegs auf einen Wanderparkplatz und nachdem ich kurz auf die Karte gesehen habe, hatte ich eine Vermutung, welcher Parkplatz das sein könnte. Ich stieg aus, guckte aufs Wanderparkplatz-Schild und Hurra, richtiger Parkplatz. Sehr praktisch, so ein gut funktionierender Orientierungssinn.

Ich ging also los, auf die Tromm, dort gibt es das Odenwald-Institut und das Odenwald-Institut hat eine Buchhandlung und drei Mal dürfen Sie raten, natürlich kaufte ich noch ein Buch (und Unmengen Postkarten), nämlich Allein in den Wäldern von Howard Axelrod. Und ein Eis, das kaufte ich auch.
Dann ging ich allein in die Wälder (Brüller, nicht wahr?).
Die Wälder waren sehr, sehr vertrocknet, viel mehr als bei uns. Viele braunhurzlige Blätterbäume und einige, die ihre braunhurzligen Blätter sogar schon abgeworfen hatten. Drei oder vier Mal blieb ich stehen, weil mir Schwaden warmer Orangenbaum**-Duft um die Nase wehten. Das habe ich noch nie erlebt, dass dieser Duft so richtig in der Luft liegt.

Auch ohne Duft blieb ich andauernd stehen, guckte Bäume an oder Aussichten und wenn ich nicht stehenblieb, freute ich mich, dass ich durch den Wald laufen konnte, ganz allein. Manchmal setze ich mich auch hin und guckte im Sitzen und manchmal fielen mir dann auch Wörter ein und Hurra, später, viel später, stellte ich fest, dass die Wörter sich nun endlich auf über 11.000 Zeichen angehäuft haben. Und das, wo ich dachte, es sei nun wirklich alles erzählt oder zumindest das Wichtige.

 


* Tja, Magellan, das ist jetzt nicht so doll, warum kann ich nicht direkt aufs Buch verlinken?
** Nein, natürlich keine echten Orangenbäume, aber diese Nadelbäume, deren Nadeln, wenn man sie zwischen den Fingern verreibt, nach Orangen duften.

Individualisierung, Exotische Früchte, Waffeln.

Seit Tagen Wochen schon will ich etwas schreiben. Also hier, im Blog. Heute habe ich dann immerhin an Sam herumgeschrieben. Die unendliche Geschichte (also meine, beziehungsweise die von Sam). Und da sagt der Herr Fitte, man müsse Gedanken zu Ende denken (nun ja, so ähnlich sagt er das). Und ich, die ich immer weniger verstehe, was ich da eigentlich schreibe. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, ob überhaupt. Wo das alles hinführen soll, ob überhaupt.
Trotzdem fühlte es sich überraschend richtig an. Das Schreiben. Vorhin. Aber das ist auch nicht immer von Dauer, dieses Gefühl.

Zwischendurch aber etwas ganz Profanes, heute nämlich waren wir bei der Obst- und Gemüsehändlerin, alles dauerte ein bisschen länger, denn die Obst- und Gemüsehändlerin war gerade am Telefon und orderte Käsenachschub.
Sagen Sie, hatten Sie nicht auch schon mal Kochkäse?, fragte ich, als sie auflegte.
Gut, dass Sie fragen, sagte sie, da muss ich gleich noch mal anrufen. Und tat es.
(Kochkäse gibt es am Montag wieder.)
m sah derweil die Erdbeeren und wollte Erdbeeren, ich wollte ebenfalls Erdbeeren, wir kauften also (unter anderem) Erdbeeren. Wir wollten gerade gehen, da sah m die Steige mit den Johannis-, Heidel-, Him- und Brombeeren.
Und m wollte Johannisbeeren. Ich wollte keine Johannisbeeren, aber nun. Nehmen wir die auch noch mit. Den Kassenzettel nehmen wir auch mit, aus Gründen und er erweist sich noch dazu als recht vergnüglich, die Johannisbeeren tauchen da nämlich als Exotische Früchte auf.

Aber wieder zurück zum Schreiben. Frau Einhorn schreibt jetzt auch wieder, zwar unter anderem darüber, dass sie nicht schreibt, aber das gildet auch. Wie so oft, wenn Frau Einhorn etwas schreibt, führt es dazu, dass ich ebenfalls etwas schreiben will, dann aber verheddern sich meine Gedanken und alles ist schneller wieder gelöscht, als es geschrieben wurde.
Nichtsdestotrotz denke ich unter anderem wegen Frau Einhorn darüber nach, was das mit dem Schreiben eigentlich soll, ob ich tatsächlich nur für mich schreibe oder ob ich mir da etwas vormache, denn schriebe ich nur für mich, warum gebe ich es dann anderen zu lesen.

Damit die mir sagen, wie großartig das ist, natürlich.

Und – und deshalb kann ich das mit dem Schreiben sei Individualisierung (was ebenfalls der Herr Fitte sagte und/oder zitierte) nicht recht nachvollziehen, ist, oder war es für mich doch auch der Versuch, überhaupt etwas zu sagen, überhaupt irgendwie gehört, beziehungsweise gelesen zu werden und das widerspricht ja nun wieder dem, dass ich nur für mich schreibe, aber vielleicht meine ich damit auch einfach nur etwas anderes, dass ich nämlich noch nie irgendwelche Leserinnen im Sinn hatte, wenn ich etwas schreibe, ich verstehe auch nicht, wie das gehen kann, etwas für jemanden schreiben, ich schreibe einfach, was da ist und fürchte, das könnte der Grund sein, warum ich nicht schreiben, weil da nämlich nichts ist.
Frau Einhorn jedenfalls schreibt von einem Raum, in dem nichts, was sie sagte, gehört wurde und ganz spontan dachte ich, das kenne ich doch, dann aber fragte ich mich, ist das wirklich so und ich glaube, so ist es nicht, noch nie habe ich etwas in den Wind geschrien und wenn man nichts sagt, wer soll das dann hören (doch, ja, manche Leute können das, aber die sind noch seltener als diejenigen, die hören, was man sagt).
Wenn ich es schon nicht sage, schreibe ich es wenigstens auf und mache mich damit ein klein wenig sichtbarer. Dachte ich mal. Aber was soll ich schreiben, da ist nichts. Vielleicht klappt es deshalb nicht, die unendliche Geschichte aufzuschreiben, weil da nichts ist und wie soll man das in Worte fassen.
Das fühlt sich oft schlimm an, dieser Gedanke. Jetzt nicht, jetzt fühlt er sich mehr wie „nun, so ist es eben“ an, aber jetzt gerade schreibe ich ja auch, da ist alles viel leichter zu ertragen.

Nun aber wieder zurück zum Essen*. Heute morgen hatte ich nämlich Lust auf Waffeln, also gab es Waffeln. Mit Waffeln ist es ja so, spätestens nach drei Waffeln will man nie wieder etwas essen, zumindest keine Waffeln, allerhöchstens noch Leberwurstbrote.
Daher war noch Teig übrig, denn kalte Waffeln schmecken noch weniger als Bananen und der MMM sollte heute Abend auch seine frischen Waffeln bekommen. Doch dann, als der heutige Abend gekommen war und ich den Stecker des Waffeleisens in die Steckdose steckte, machte es Plopp! Was kein gutes Geräusch ist, wenn man Stecker in Steckdosen steckt, ich kenne es noch von den kaputten Steckdosen in D., hier immerhin ging das Licht noch, die Sicherung war also noch drin, nur roch es auch schon so verschmort, es qualmte aus dem Stecker und nun ja, eventuell ist es nur der Stecker und das Waffeleisen könnte man noch verwenden, aber das Waffeleisen ist älter als ich und so jung bin ich jetzt auch nicht mehr, es ist also vielleicht doch an der Zeit, dass wir uns ein neues Waffeleisen zulegen.
Neue Waffeleisen sind blöd, an denen hängen überhaupt keine Erinnerungen.
Aber nun, egal, zumindest fürs erste, die wichtige Frage jetzt erst mal, was machen wir mit dem Waffelteig? Man kann ja wohl keinen Waffelteig wegwerfen, man kann Waffelteig natürlich roh essen, aber das ist so ähnlich wie mit fertigen Waffeln, nach drei Löffeln will man nie wieder etwas essen, allerhöchstens Leberwurstbrote. Man könnte bei H. oder G. klingen, eine von beiden, wenn nicht gar beide werden doch wohl ein Waffeleisen haben, aber wegen drei Waffeln und dann muss man das Waffeleisen wieder sauber machen**.
Falls Sie schon immer mal wissen wollten, ob man Waffeln auch in der Pfanne backen kann: ja, das geht. Gut sogar. Sieht nicht ganz so hübsch aus, schmeckt aber.

Und jetzt noch mal zurück zum Schreiben? Nein, lieber nicht.

 


* Macht man nicht, solch völlig zusammenhanglosen Themenwechsel, nicht wahr? Ist mir aber gerade völlig egal. Außerdem schreibe ich ja sowieso nur für mich.
*hier bitte Augen verdrehen*

** Wenigstens der Punkt fällt weg, sollten wir das Waffeleisen entsorgen – wir müssen es immerhin nicht sauber machen.

Verzeihung, schon wieder Bücher.

Heute habe ich die Gelegenheit sich auftuende freie Zeit dazu genutzt, einen Ausflug zu machen. Obwohl wirklich mal wieder jemand das Bad putzen sollte. Und schreiben wollte ich auch. Aber nein, ich mache einen Ausflug. In eine Buchhandlung, versteht sich. An der sind wir neulich vorbeigefahren und ich hatte so in Erinnerung, dass ich dort vor ewigen Zeiten schon mal gewesen war und es war großartig.

Nun ja.

Das war die erste Buchhandlung seit langem (oder vielleicht überhaupt?), in der ich mich ganz und gar unwohl fühlte. Dass es so etwas überhaupt gibt. Vielleicht lag es daran, dass mich die Frau hinter der Kasse ignorierte, aber nein, eigentlich ist mir das ganz recht, ignoriert zu werden (in diesem Fall), vielleicht war es auch eher so, dass sie mehr so die Ausstrahlung hatte, es sei eine Zumutung, dass ich oder überhaupt irgendwer zur Tür hereinkommt. Vielleicht hatte sie auch einfach nur einen schlechten Tag. Wer weiß.
Ist ja auch egal, bin ich doch wegen der Bücher dort. Aber die liegen kreuz und quer, sind von Paketen zugestellt, stehen in Zweierreihen und zwar nicht so, dass man meinen könnte, es gäbe einfach nicht genug Platz für alle, sondern mehr so, dass es so aussieht, als hätte auch hier seit Wochen keiner mehr aufgeräumt.
Und dann lag da eben das übliche. Das mit dem Spiegel-Bestseller-Aufkleber, das Herz-Schmerz-Zeugs und was eben immer geht.
Ich hätte vielleicht trotzdem ein Buch gekauft, Jordan Harper, Die Rache der Polly McClusky, aber nun ja, die Frau an der Kasse.

Auf dem Rückweg lief ich an einem Bäcker vorbei, mit Bäckern ist es ja so ähnlich wie mit Buchhandlungen, schwierig nämlich, aber dieser sah vielversprechend aus. Ich kaufte ein Nussschiffchen, von dem ich noch nicht weiß, wie es schmeckt und eine Brezel, von der ich schon enttäuscht war, als ich sie (in der Tüte) von der Theke genommen habe. So eine von der in-zwei-Stunden-bin-ich-Zwieback-Sorte.
Nun ja, vielleicht tue ich ihr Unrecht. Sie ist noch immer in der Tüte.

Ich lief mäßig gelaunt zu Ole zurück, dachte mir so, der Ausflug sei nun wirklich für die Katz gewesen, aber dann war da der Fluss und an einen Fluss muss ich natürlich hingehen, vor allem, wenn die Sonne scheint, und hinter dem Fluss war tatsächlich noch eine Buchhandlung. Na sowas.
Ich öffnete die Tür und sah direkt auf Castle Freeman, Männer mit Erfahrung. Unsere Leseempfehlung, stand da. Ha!, dachte ich. Hier bin ich richtig. Und so war es dann auch.

Zuerst nahm ich Rosalie mit, von Berni Mayer. Noch nie davon gehört. Aber der erste Satz klang vielversprechend:

„Und Abendfriede kehret ein, zieht wie ein altes Lied aus längst vergang’nen Zeiten dir gar heimlich ins Gemüt. ’s ist Feierabend“, singt der Chor der Kriegsveteranen, und ich wundere mich, dass es ihn noch gibt und wie seine Mitglieder so lange aufrecht stehen können, immerhin müsste ihr Durchschnittsalter ungefähr neunzig Jahre betragen.

Das andere Buch, das ich mitgenommen habe, Stille von Erling Kagge, überzeugte nicht durch seinen ersten Satz, den habe ich nämlich gar nicht gelesen, ich schlug es irgendwo auf, es ging um Stille, um Natur, um Berge, natürlich musste ich das mitnehmen.

Hurra! Ich habe ein neue Lieblingsbuchhandlung.

Noch mehr Bücher.

Der Tag begann zäh. Die Tage beginnen fast immer zäh. Vielleicht liegt es daran, dass der Morgen einfach nicht meine Tageszeit ist. Vielleicht aber auch nicht.

Dabei konnte ich ausschlafen. Oder nein, weiterschlafen. Und dann tat sich auch noch freie Zeit auf, ein Zeitfenster, ich wünsche es mir herbei, dann ist es plötzlich da und ich weiß nichts mit ihm mir anzufangen.

Yoga habe ich angefangen, wieder einmal. Und dabei Christine Thürmer gehört. Eine Weitwandernde. Beim Zuhören fiel mir ein, dass ich schon einmal irgendwo von ihr gehört hatte, mich auch damals schon darüber wunderte, dass ich sie nicht auf Anhieb ins Herz schließen konnte. Als wäre das so einfach, als bräuchte es nur eine Gemeinsamkeit und schon hat man sich gern.
Oft stellt sich heraus, die Gemeinsamkeit ist gar keine – auch Wandern kann man auf verschiedene Arten.

Gegen Mittag war der Tag noch immer zäh. Und dabei hatten wir einen Plan. Meist verschwindet die Zähigkeit leichter und schneller, wenn es einen Plan gibt. Heute aber dachte ich darüber nach, den Plan aufzugeben. Was auch nichts Neues ist, andauernd will ich Pläne aufgeben, weil sie so anstrengend sind.
Dieses Wort, anstrengend. Ich sollte es wirklich aus meinem Leben verbannen.
Wenn das so einfach wäre.

Nun denn, wir setzten den Plan um.
Daher war ich heute auf der Buchmesse, der kleinen. Und stellte fest, dass ich wohl zum Buchsnob werde. Die meisten Bücher nehme ich gar nicht erst in die Hand, weil ich sie hässlich finde. Oder ich nehme sie in die Hand, lege sie aber gleich wieder weg, weil ich die Schrift hässlich finde oder die Art, wie die Seitenzahlen formatiert sind. Die Art, wie das Buch in der Hand liegt, wie es sich umblättert. Dass der Klappentext kaum zu lesen ist, wegen dunkler Schrift auf dunklem Hintergrund.
Was man alles falsch machen kann.
Und da habe ich noch nicht einmal hineingelesen.

Aber man kann es auch richtig machen.
Drei Bücher habe ich mitgenommen. Eins, weil ich an diesem Satz hängenblieb: „Plötzlich fühlte er sich losgelassen.“
Der Satz macht hier nicht so viel her, auf der Seite aber – er füllt eine ganze, ansonsten leere Seite aus, das „losgelassen“ rechts oben, der Anfang des Satzes links unten – auf der Seite fühle ich mich selbst ganz losgelassen, ein angenehmes Gefühl, obwohl das Loslassen im Buch (wie ich später feststellte) ganz und gar nicht positiv besetzt ist.
„Die Kinder verzagten nicht.“ Noch so ein Satz. Verzagen, was für ein hübsches Wort, ich will es sofort benutzen.
Und hübsch ist das Buch auch, es sind Bilder darin, solche, die man eine Weile betrachten kann und dann immer noch etwas Neues entdeckt. Papierdrache heißt es, der Text ist von Seyyed-Ali Shodjaie, die Bilder von Christine Laube und Mehrdad Zaeri.

Das zweite Buch heißt InneHalt von Henning Sabo, darin sind Gedichte. Ich kaufe mir eher selten Bücher mit Gedichten darin, vielleicht, weil sie Zeit und Muße für sich beanspruchen, weil sie – tada! – anstrengend sind, will ich mich wirklich darauf einlassen. Anstrengender als Romane.
Aber nun ja, dieses war eben auch eins der hübschen Bücher, ich blätterte hinein, es stimmte alles und als ich dann auch noch zu jedem aufgeblätterten Gedicht nicken wollte, nahm ich es einfach mit.

Dann nahm ich noch einen Roman mit, Weg vom Festland von Frederike Frei, auch er hübsch gemacht, ich las hinein und traf eine Stelle, die mich ebenfalls spontan angesprochen hat, also kaufte ich auch dieses Buch.
Heute Abend las ich noch weiter hinein, und, nun ja, es ist anstrengend. Hätte ich mehr gelesen, hätte ich das Buch wohl doch nicht gekauft. Obwohl es mich immer noch anspricht, aber gleichwohl ist der Stil, in dem es geschrieben ist, überhaupt nicht der, den ich gern lese, in jedem Satz fünf Bilder und dann auch noch welche, die teilweise so seltsam sind, dass sie doch eher quer liegen, nichtsdestotrotz liegt das Lesebändchen(!) nun schon auf Seite 63, mal sehen, wie es mit uns noch weitergeht.

Nach dem Bücherkauf liefen wir noch am Fluss entlang. So ein Fluss, das ist eine feine Sache. Dieser zwar eher von der trägen Sorte, aber passend zum Sonntag hatte er ausnahmsweise ein grünes Kleid angezogen, anstatt das sonst übliche schlammbraune. Über und auf dem Fluss die Möwen, Möwen, da ist man doch sofort im Urlaub. Ein Kormoran auch, zuerst im Wasser, dann auf einem Baum, dem Baum, bei dem wir zuvor noch rätselten, warum er so halbseitig weiß ist (und ansonsten eben baumfarben). Wegen der Kormoranscheiße. Das hört sich jetzt wenig idyllisch an, war es aber ansonsten doch, die Sonne schien, die Leute lächelten, lächelten spätestens dann, wenn sie m ansahen, wir lächelten auch, wir saßen sogar auf einer Bank, ziemlich lange, so lange, wie m für eine kleine Banane und einen Prinzenrollenkeks braucht, vor uns der Fluss, an seinen Seiten die Berge (nun ja), auf den Bergen eine Burg und noch eine und noch eine. Ein richtiger Bilderbuch-Sonntagnachmittag.
Später bekam m sogar noch eine halbe Scheibe Toastbrot geschenkt, nicht, weil sie so hungrig aussah, sondern um die Möwen zu füttern, m fütterte also Möwen, die armen Möwen, vermutlich haben sie nun Bauchweh, man soll ja nicht und sowieso, aber wo es doch so einen Spaß macht und wenn man dann auch noch Toastbrot geschenkt bekommt, was will man da machen.

Dann fuhren wir wieder nach Hause und ich dachte schon wieder, wie anstrengend, wegen dem Abendessen, aber auch das ging leichter als gedacht und danach konnte ich sogar auf der Couch in meine neu gekauften Bücher hineinlesen.

Der Tag endet bisher also ganz ohne Zähigkeit, ich habe sie irgendwann abgestreift, auf der Buchmesse oder vielleicht hat sie auch der Fluss davongetragen, auf einmal war sie fort und da darf sie gern bleiben.

Nein, dieser Eintrag handelt nicht von Agatha Christie.

Kürzlich gab es in der nächstgelegenen Lieblingsbuchhandlung eine Büchervorstellung von Lieblingsbüchern der Buchhandelnden.
Bei dieser Büchervorstellung war ich natürlich nicht, wegen Abendtermine und ach ja.
Die örtliche Zeitung berichtete aber darüber und stellte in eben jenem Bericht auch einige der vorgestellten Bücher vor.
Bei dem einen, das mich ansprach, dachte ich, hm, Graham Norton, das hört sich doch gleich nach der Detektivgeschichte an, die es tatsächlich auch ist, also fast, eigentlich hört es sich mehr nach zwanziger Jahre an, nach Agatha Christie und weiß nicht mehr, wie die noch alle hießen.
Daher kenne ich den Namen, dachte ich, das ist einer von weiß-nicht-mehr-wie-die-noch-alle-hießen, aber dann stellte sich heraus, dass die Geschichte keineswegs zu Agatha-Christie-Zeiten spielt, sondern im Heute.
Name hin oder her, ich beschloss, mir das Buch bei Gelegenheit anzuschauen, diese Gelegenehit bot sich heute, habe ich doch heute die Buchhandlung aufgesucht, in der das Buch vorgestellt wurde.

Ich fand es aber zuerst nicht. Dafür fand ich Jan Seghers. Einen neuen Marthaler! Hurra! Den kann ich unbesehen mitnehmen, dachte ich und tat dies auch, dann aber sah ich die Tim Krohn Bücher herumliegen. Das erste (Herr Brechbühl sucht eine Katze) hatte ich über die Onleihe gelesen, fand es zunächst so naja, dann stellenweise sogar ziemlich widerwärtig* und hätten mich die Figuren nicht längst in ihren Bann gezogen, ich hätte wohl aufgehört, es zu lesen, aber es gibt so Bücher, die kann ich nicht weglegen. Üblicherweise ärgere ich mich am Schluss dann ganz fürchterlich darüber, denn üblicherweise werden diese Bücher nicht besser, eher noch schlimmer; bei Tim Krohn war das glücklicherweise nicht der Fall, das Buch wurde besser und besser. Ich beendete es schließlich und suchte sogleich nach dem zweiten Band, den hatte die Onleihe aber nicht und daher (denken Sie sich jetzt zurück in die Buchhandlung) stellte ich den Seghers wieder ins Regal (der sollte doch nun wirklich bald in der Onleihe zu finden sein) und griff stattdessen zu Band Zwei** der Menschlichen Regungen.

Ich ging weiter und auf einmal lag der irische Dorfpolizist direkt vor mir, natürlich in einer Reihe mit all den anderen vorgeschlagenen Büchern, für die wiederum hatte ich keine Zeit (m, Sie wissen schon), für den Dorfpolizisten auch nicht, ich nahm ihn daher auf Verdacht mit und beim Bezahlen dachte ich schon wieder über den Namen nach, Graham Norton, hm, hm, dann fiel mir ein, dass ich noch etwas bestellen wollte, ich bestellte Federleicht von Barbara Pachl-Eberhart (Schreibmotivation und so)***, überschritt somit mein Bücherbudget schon wieder um ungefähr 200 Prozent, aber nun ja, ich komme sowieso nicht mehr so oft in eine Buchhandlung und überhaupt komme ich nirgends hin, für irgendwas muss man sein Geld ja ausgeben.

Zuhause jedenfalls packe ich den irischen Dorfpolizisten**** aus der Plastikfolie, denke erneut über den Namen nach, Graham Norton, woher kenne ich den nur, dann fällt es mir ein, na klar, Graham Norton, die Graham-Norton-Show (so lange nicht mehr gesehen, warum eigentlich nicht, ach ja, keine Zeit), so ein Zufall, aber ich glaube immer noch an den Agatha-Christie-Autor, zumindest solange, bis ich das Autorenfoto sehe und Graham Norton natürlich Graham Norton ist.

Da das jetzt ein (für mich) ziemlich überraschender Bücherblogpost geworden ist, darf R. auch nicht fehlen, R., den ich getrost Ralf nennen kann, schließlich verlinke ich gleich sein Buch, Ich schenke dir den Tod heißt es und ich fand es die Tage völlig überraschend in meinem Briefkasten. Lieber Ralf, ich weiß immer noch nicht, wie ich das verdient habe, aber ich freue mich sehr und werde es (hoffentlich) gern lesen*****.

Bücherblogpost also. Passt ja. Es ist Herbst, es ist November, es ist dunkel, es regnet, ich fände das alles noch großartiger, wenn ich auf der Couch herumliegen und lesen, lesen, lesen könnte, aber das ist ein bisschen schwierig und nicht nur, aber vor allem auch deshalb, weil wir immer noch keine Leselampe haben.

Morgen aber wird alles besser, morgen regnet es immer noch und den ganzen Tag über und deshalb gehen wir endlich ins Einrichtungshaus und in den Baumarkt und finden alle Lampen******, die wir brauchen, aber vor allem diese eine und endlich kann ich lesen, lesen, lesen.

Und im Lotto gewinne ich auch. Doch, doch.

 


* Komischerweise nicht das Kapitel Widerwärtigkeit, sondern Rauheit. -> Menschliche Regungen
** Erich Wyss übt den freien Fall
*** Davon hatte ich bei Jademond gelesen. Außerdem kannte ich Barbara Pachl-Eberhart schon von Vier minus drei, das fand ich sehr berührend.
**** Der heißt wirklich so. Ein irischer Dorfpolizist. Was für ein bescheuerter Titel. Auf irisch, beziehungsweise englisch heißt er Holding. Ob das bescheuert ist, weiß ich noch nicht, dazu muss ich es erst lesen. Apropos, da fällt mir ein, dass ich kürzlich Regenteufel von Sonja Silberhorn gelesen habe, mich am Ende des Buches fragte, was der Titel nun eigentlich mit dem Buch zu tun hat und von der Autorin zu hören bekam, das müsse ich den Verlag fragen.
Also lieber Emons-Verlag, der du hier nicht mitliest: Was soll das, einen Titel zu vergeben, der mit dem Inhalt des Buches rein gar nichts zu tun hat? Na?
(Ich mochte ihn übrigens, den Regenteufel)
***** Was du lieber Ralf wiederum nicht lesen wirst, nicht hier auf diesem Blog, so vermute ich jedenfalls. Aber egal.
****** Warum gibt es eigentlich in Buchhandlungen keine Leselampen?

Menschen! Hier sind überall Menschen!*

Kürzlich waren wir mal wieder in D. und einer unserer Wege führte zum lächelnden Bäcker. Wo wir ungefähr zweiundsiebzig Brötchen und Brezeln und Hefeknoten einkauften. Der Plan war, das Gefrierfach damit aufzufüllen, aber drei Tage später war nichts mehr zum Einfrieren übrig und ja! man kann diese Brötchen tatsächlich drei Tage später noch essen. Mit Genuss.

Die Brötchenlage hier vor Ort ist, also, nun ja. Und die Brezellage erst. A. hat kürzlich eine der Verkäuferinnen gefragt, ob sie sich nicht schämt, diese Dinger als Brezeln zu verkaufen. (Nun ja, genauso hat A. das wohl eher nicht gefragt, obwohl, warum eigentlich nicht.)

Die Brote hier in der Gegend sind dagegen durchaus in Ordnung.
(Oder liegt das daran, dass der lächelnde Bäcker keine Brote backt? (Der lächelnde Bäcker ist genaugenommen kein Bäcker, sondern Konditor.))

Aber das weltbeste Brot macht sowieso der Duplo-Bäcker. (Bei dem ich neuerdings jedes Mal ein Duplo oder ähnliches bekomme, das heißt, genau genommen bekommt m das Duplo. *hust*)
Die Brotversorgungslage ist also wunderbar, doch die Brötchen – auweia. Der lächelnde Bäcker hätte viel zu lachen.
Natürlich, die kleinen Roggenbrötchen vom Duplo-Bäcker, die sind sensationell, aber der Duplo-Bäcker ist nun mal nicht um die Ecke, zu dem muss man hinfahren und das auch noch zum richtigen Zeitpunkt, sonst ist das weltbeste Brot und die weltbeste Roggenbrötchen entweder noch gar nicht zu haben oder aber längst weg, beziehungsweise nicht längst, sondern „das letzte habe ich gerade eben verkauft.“

Direkt vor Ort ist die Brötchenlage dagegen eher desaströs; wäre man A., könnte man an Samstagen fragen, ob sie sich nicht schämen, so ein Brötchen zu verschenken, samstags bekommt man nämlich ein Samstagsbrötchen geschenkt und ich bitte Sie, man kann es wirklich nicht essen, es zerfällt schon in Brösel, wenn man es nur aus der Tüte holt (und wandert daher umgehend von der Bäcker- in die Knödelbrottüte).

Aber ich komme vom Thema ab, Thema war D. und einer unserer Wege dort. Wege nämlich geht man in D. zu Fuß.
Ich daher so zum MMM: Woah! Hier sind Menschen auf der Straße! Sooo viele Menschen!
Und der MMM später zu mir: Woah! Hier sind Menschen auf der Straße! Sooo viele Menschen!

Das hört sich vielleicht ein bisschen merkwürdig an und natürlich wussten wir, was auf uns zukommt und alles hat Vor- und Nachteile und überhaupt, aber das mit den Menschen fiel uns tatsächlich erst auf, als wir kürzlich wieder in D. waren.
Dort geht man, hier fährt man.
(In D. fährt man natürlich auch, in D. gibt es sogar Car-Sharing. Car-Sharing, haha. Lustige Idee. Ich hoffe, Ole hält noch eine sehr lange Weile durch.)

Hier jedenfalls ist kaum einer auf der Straße, zumindest nicht zu Fuß, wo soll man auch hingehen, zur Apotheke, zur Sparkasse, zum Bäcker, aber da kann man genauso gut mit dem Auto fahren, man muss ja sowieso nach XYZ, weil man dort Getränke einkauft, den Sohn vom Fußball abholt, die Tochter zum Fußball hinbringt, selbst zum Zahnarzt geht, es gibt zwei Millionen Gründe, mit dem Auto unterwegs zu sein.

Daher ist es auch völlig logisch, dass die Nachbarin, die mit dem Hund im Wald unterwegs ist, mit dem Auto zum Wald gefahren ist. Den Hund scheißen fahren, würde P. sagen und den Kopf schütteln.
Es kann natürlich zwei Millionen Gründe geben, den Hund mit dem Auto zum Wald zu fahren, Fußball, Zahnarzt (na gut, in diesem Fall eher unwahrscheinlich), Sie wissen schon. Und man soll sich nicht über Dinge auslassen, die dann vielleicht doch ganz anders sind, kürzlich nämlich liefen wir an einem leeren Auto mit laufendem Motor vorbei, mokierten uns ganz fürchterlich, Umweltverschmutzung und was soll das, schlimm, diese Leute. Wir überlegten, das Auto einfach wegzufahren, doch da kam schon der J., sagte, dies sei sein Auto und wir hätten gern damit wegfahren können, er hätte das Auto gerade erst überbrückt und müsse es jetzt noch ein wenig herumfahren, damit es dann auch wieder angeht, nachdem es ausgeht. Sprach’s und fuhr auf und davon.
Kaum war er fort, sagte die A., der J. solle besser gar nicht mehr Auto fahren, er sehe doch nichts mehr.

Ups.

Da ist man besser nicht zu Fuß unterwegs, nicht wahr.

 


* Frei nach den Fantastischen Vier und meinem Dauerohrwurm: „Lauschgift! Hiel ist übelall Lauschgift!“

Und noch einer (Tag).

Heute war ich seit langem mal wieder in der Zivilisation im Buchladen. Das liest sich jetzt so einfach, aber diesem Vorhaben ging eine ungefähr halbstündige Überlegung voran. Soll ich, soll ich wirklich, was wäre denn die Alternative, fahre ich mit dem Fahrrad oder mit dem Auto, ist das nicht zu viel Aufwand für zu wenig Ertrag, undalleswiedervonvorn. Früher musste ich nicht so lange überlegen, um die Frage „Buchladen Ja oder Nein“ zu klären, aber früher konnte ich mich im Buchladen auch noch in aller Ruhe nach Büchern umsehen.

Wir fuhren (mit dem Auto). Was sollten wir auch sonst tun. Dass ich mich fürs Auto entschieden hatte, führte denn auch zu einer seltsamen Begebenheit, denn in der Nähe unseres Parkplatzes parkte ein silbernes Altherrenauto mit dem passenden alten Herrn darin auf der (quasi unbefahrenen) Straße. In der prallen Sonne.
Das allein wäre noch keine Begebenheit, auch nicht, dass der Motor lief, nun ja, ein Umweltsünder, die gibt es, und die lassen den Motor auch mal die Viertelstunde laufen, die es dauert, den Kinderwagen auszuladen, aufzuklappen und das Kind darin zu verstauen, beziehungsweise die Viertelstunde, die es dauert, bis Hannelore der Inge die Kiste Erdbeeren aus dem Altherrenkofferraum gebracht hat.
Als m und ich aber nach ungefähr einer Stunde zurückkamen, parkte das Auto immer noch an der Straße. Noch immer lief der Motor. Die Sonne schien praller als je zuvor auf den alten Herrn, der immer noch im Auto saß. Von Hannelore weit und breit nichts zu sehen.

Im Buchladen aber kaufte ich gleich zwei Bücher. Genaugenommen waren m und ich sogar in zwei Buchläden, aber im zweiten ging einem von uns die Puste aus, der zählt daher nicht.
Es ist andererseits auch wieder recht spannend, Buchkauf mit Kind. Man weiß nie so recht, was man da eigentlich eingekauft hat, kann man doch maximal zwei Sätze lesen (und ich kann sehr, sehr schnell lesen), bevor man das Kind davon abhalten muss, den Postkartenständer auszuräumen. Und sogar die dicken Aufkleber auf dem Cover entgehen einem; BestBestseller steht darauf, was soll das denn, hätte ich es bemerkt, ich hätte das Buch nie gekauft.
Zum Lesen habe ich eigentlich auch keine Zeit, jedenfalls nicht zum Lesen von „echten“ Büchern.
Was schade ist, denn das andere eingekaufte Buch ist von Castle Freeman und da musste ich gar nicht hineinlesen (wäre auch nicht möglich gewesen, also schon, aber dann hätte ich fragen oder unauffällig die Folie herunterreißen müssen).
Castle Freeman, von dem hatte ich in der Onleihe Männer mit Erfahrung gelesen und war derart angetan, dass ich mir das Buch hinterher gekauft habe. Was ich in einem von zwei Millionen Fällen mache.

Um den heutigen Tag des Bücherkaufs krönend abzuschließen, hat mich dann noch eine Mail dazu verleitet, auch das Tablet mit Büchern zu befüllen, ebenfalls zwei an der Zahl, über die breite ich aber lieber den Mantel des Schweigens. Üblicherweise kaufe ich beim großen bösen A keine Bücher, üblicherweise kaufe ich auch keine eBooks, nun steht aber momentan alles einiges, was bisher üblich war, auf dem Prüfstand, die Zivilisation der nächste Buchladen ist zwar in erreichbarer, aber aufwändiger Ferne und gerade die Bücher, die sowieso nur der Unterhaltung dienen, der leichten, womöglich sogar der schlechten, da ist der Aufwand dann vielleicht doch zu groß.

Zwischen all dem Bücherkauf haben m und ich auch noch einen Lebensmittelkauf getätigt, in diesem Fall ohne halbstündige vorangehende Überlegung, genaugenommen habe ich mich gerade gefragt, was zur Hölle wir nur mit diesem Tag noch anfangen sollen (denn auf dem Sofa herumliegen, Bücher lesen, das ist natürlich auch nicht mehr üblich), da ruft P. an.
P. sorgt nicht nur zuverlässig dafür, dass es einen Ort gibt, an dem man willkommen ist und allzeit etwas zu essen bekommt, P. findet auch zuverlässig etwas für einen zu tun. Früher, viel früher, war das eher lästig, da hätte ich das Sofa mit dem Buch dem [beliebigen Auftrag hier einfügen] vorgezogen, aber heutzutage, wo ich sowieso nichts mit uns anzufangen weiß, da ist so ein Auftrag höchst willkommen.

Wir kauften neben den Büchern also noch Zutaten für zwei Millionen Kuchen – Kuchen, die wie so oft völlig überraschend gebacken werden mussten, Kuchen, die ich gestern noch prophezeit hatte (allerdings nicht P. gegenüber).

Im Gegensatz dazu versagen meine Prophezeiungen bei den Lottozahlen üblicherweise ziemlich zuverlässig.
Aber vielleicht sollte ich auch dieses üblich auf den Prüfstand stellen.

Es werde Licht.

Ich bin ja so ein einerseits-andererseits-Mensch. Das zeigt sich auch beim Lampenkauf. Einerseits habe ich nämlich eine schier unendliche Geduld. Mit Kindern und Senioren zum Beispiel. Andererseits habe ich überhaupt keine Geduld, mit Lampen unter anderem.

Die letzten vierzehn Jahre sind wir ohne (Lampen) ausgekommen, es gab zwar welche, aber die waren entweder schon vor uns dagewesen (und hässlich) oder wir haben sie geschenkt bekommen (nicht ganz so hässlich schon schöner), und eine, die habe ich mir tatsächlich selbst ausgesucht, über die gibt es allerdings auch geteilte Meinungen im Haushalt, ich finde sie natürlich wunderhübsch.
Dann gab es auch noch Glühbirnen, die in Fassungen baumeln.

Jetzt ziehen wir hoffentlich bald um und der MMM ist der Ansicht, im neuen Haus sollten keine Glühbirnen in Fassungen herumbaumeln, höchstens im Keller, aber für den Keller hätten wir ja auch noch all die hässlichen Lampen, die wir jetzt schon haben.

Es müssen also Lampen her und deshalb waren wir heute im Baumarkt. Genaugenommen waren wir in zwei Baumärkten, nachdem sich der erste als Pleite herausgestellt hatte. Noch nicht einmal der versprochene Zoo war den Besuch wert. Wir hatten uns schon überlegt, in ebenjenem mit m unsere nächsten Samstage zu verbringen, doch dann schwammen da nur ein paar Fische umher, ziemlich kleine noch dazu. Was ist aus all den Meerschweinchen, Hamstern, Mäusen und Ratten geworden? Vermutlich moralisch fragwürdig, die aus dem Baumarkt zu holen.
Immerhin war in einem der Gänge ein Hund zu finden (nicht zu verkaufen).

Wir gingen daher noch in einen zweiten Baumarkt, meine Geduld war trotz der Kürze des ersten Besuchs aber schon ein klein wenig strapaziert, man ich kann mir nur eine gewisse, sehr überschaubare Menge an Lampen, Briefkästen und Spiegelschränken ansehen, ohne die Krise zu bekommen. Außerdem neige ich dazu, schnellen Schrittes durch die Gänge zu gehen und nur dann stehenzubleiben, wenn mir etwas gefällt (was nicht allzu oft vorkommt). Der MMM dagegen ist in diesem Fall eher der Tasse-halb-voll-Typ, der daran glaubt, inmitten all der Hässlichkeiten doch noch irgendetwas brauchbares zu finden. Wenn man sich nur genug Zeit lässt.

Erstaunlicherweise haben wir uns dennoch schon wieder nicht verkracht, vermutlich nur deshalb, weil der MMM nicht nur äußerst geduldig (ganz ohne andererseits), sondern auch sehr weise ist und den Baumarkt verlässt, sobald ich ihm etwas vom Overflow erzähle.

Noch erstaunlicher: Wir haben sogar zwei Lampen gekauft, eine hässlich, die andere nicht so.

 

Bemerknis am Rande: m ist auf der Heimfahrt im Auto eingeschlafen. Im Auto! Der MMM träumt schon von einer Fahrt ins Hinterland in die Pfalz.

Mehl in Fünf-Kilo-Tüten.

Heute war ich im Raiffeisen. Hach. Raiffeisenmärkte kommen gleich nach Buch- und Schreibwarenläden.
Rasensaat, Gummistiefel, Einweckgläser – toll.

Am besten ist der Raiffeisen in M., im dortigen Getränkelager (das nicht nur Getränke beherbergt) riecht es immer so schön nach Hasenfutter.
Ich habe vielleicht etwas seltsame Geruchsvorlieben, ich mag zum Beispiel Chlor, beziehungsweise den Geruch der Haut nach dem Schwimmbadbesuch, ich mag Beton, also diesen typischen Beton-Baustellengeruch, ich laufe immer extra langsam durch Wasch- und Spülmittelgänge im Einkaufsmarkt – da ist Hasenfutter doch vergleichsweise harmlos.

Der Raiffeisen in M. ist also der Beste, das liegt auch an den Leuten dort, die sind nämlich absolut tiefenentspannt. Und hilfsbereit. Freundlich sowieso. Und überhaupt. Das sind sie zwar in allen Raiffeisen, die ich bisher betreten habe, aber die in M. setzen dem die Krone auf.

Interessanterweise sind die Einkaufenden auch tiefenentspannt, da fragt man sich, ob es an den Verkaufenden liegt oder daran, dass die Tiefenentspannten eben zum Raiffeisen gehen, statt in den Futternapf.

Irgendwann habe ich die bisher unbewiesene Theorie aufgestellt, dass man Menschen zu ihren Städten zuordnen kann. Man braucht natürlich eine gewisse Anzahl (an Menschen), einer allein ist vielleicht nicht ganz so aussagekräftig.
Obwohl.
In New York hatte ich mit K. gewettet, dass dieser Mann da vor uns ein Deutscher ist.
Der arme, ich hatte den Eindruck, er fand es nicht so gut, als Deutscher erkannt zu werden (er war natürlich einer).
Da sollte es doch ein leichtes sein, dreißig Heidelberger von dreißig Mannheimern zu unterscheiden.

Jedenfalls dachte ich auf dem Nachhauseweg vom Raiffeisen, dass sich diese Theorie sicher auch auf Einkaufsmarktbesucher übertragen lässt. Raiffeiseneinkäufer versus Kaufländer zum Beispiel. Im Kaufland war ich nämlich gestern und puh, voll der Stress. Also Gestresste (Menschen). Und meine Tiefenentspannung verabschiedete sich auch so langsam, weil ich zwei Kilometer Kinderwagen-Slalom durch den Markt laufen musste, um zu der Milch zu gelangen, wegen der ich da war. Dann standen zweiundneunzig Leute an der Kasse und alle hatten ihren Einkaufswagen voll bis obenhin. m fand es auch nicht so doll, dass es nicht voranging. Und noch nicht mal jemand mit ihr Quatsch machte (abgesehen von mir).

In der alten neuen Heimat, das wird spannend. Da gibt es neuerdings auch einen Einkaufsmarkt, einem, zu dem ich bisher eher nicht gehe. Vielleicht muss ich meine neu aufgestellte Theorie dann doch wieder über den Haufen werfen.

Bis zum Umzug genießen wir jedenfalls noch unser Lieblings-“nah und gut“, in dem wir sogar namentlich begrüßt werden. m zumindest.
„Aber Sie lachen auch immer so schön mit mir!“