Kategorie-Archiv: gehoertes

Was ich euch jetzt erzähle.

Heute den diesjährigen Lieblingssee besucht (aus der Reihe der nahegelegenen Seen (die allesamt immer noch viel zu weit weg sind)).

Am See über Musik gesprochen, genauer: über Konzerte der Toten Hosen. Deren neue Lieder lagen ein halbes Jahr im Wohnzimmer herum. Zuerst hatte ich keine Kopfhörer, dann keine Lust, dann irgendwas anderes. Nun hat mir aber B. ein Konzertticket geschenkt, für Anfang September, es wurde also doch langsam dringend, die neuen Lieder mitsingsicher parat zu haben. Ansonsten nämlich macht ein Konzert (dieser Art) nur halb so viel Spaß.
Die neuen Lieder also endlich angehört und gedacht, huch, die kenne ich doch. Und ein paar kannte ich auch, aus dem Radio, aber die anderen kannte ich, weil sie sich nun mal anhören wie Tote-Hosen-Lieder (was jetzt nichts schlechtes ist).
Eins meiner liebsten Lieder (nein, kein neues) (und ich werde es wohl leider auch nicht live hören) ist: Schwimmen.
Womit ich jetzt wieder beim See bin, aber zu dem ist eigentlich schon alles gesagt.
Was jetzt auch nicht ganz richtig ist, aber nun.

Schon wieder was gelesen, gleich beide Bücher von Celeste Ng (Kleine Feuer überall / Was ich euch nicht erzählte). Gleich mal Celeste Ng auf meine „alles von ihr lesen“-Liste gesetzt. Nur gibt es ja leider noch nicht mehr von ihr zu lesen. Vermutlich wird es auch gar nichts Neues je geben, denn ich vermute, mit Ngs Büchern verhält es sich genau wie mit Tote-Hosen-Songs, kennt man eins, kennt man alle (ja, das ist übertrieben). Aber das macht ja wiederum nichts.

Ngs Bücher passen wiederum prima (so ein Zufall, nech) zum sichtbar sein, zum Reden, beziehungsweise Schweigen, zu all dem, was ich nicht sage, zu dieser Ohnmacht, die sich einstellt, wenn ich doch mal was sage und keiner hört es (ja, auch das ist übertrieben) oder jemand hört es, aber er hört etwas ganz anderes.
Auch dazu, dass ich ein Problem damit habe, herauszufinden, was ich will, aber ganz oft weiß, was der andere (von mir) will.
Und noch siebentausend andere Sachen.

Und ich denke an die Leserunde in D., frage mich wieder einmal, ob es nicht auch eine Leserunde in H. geben könnte, denn beide Bücher wären genau das richtige für so eine Runde, aber im Endeffekt würde ich dann doch wieder nur in der Runde sitzen und mich fragen, von was die alle reden, warum dieses oder jenes denn so schwer zu verstehen ist und irgendwann würde ich dann doch etwas sagen (im dritten Anlauf) und die Wörter würden wieder gänzlich falsch herauskommen und ich würde mich unterbrechen lassen, obwohl ich doch noch gar nicht zu Ende geredet habe und jemand würde mir antworten und da wäre es dann wieder, dieses Gefühl, wie kann er denn etwas ganz anderes hören, als das, was ich gesagt habe, hat er mich überhaupt gehört?

Und nun ist es schon wieder passiert, alles hört sich ganz furchtbar und nicht zum Aushalten an, und so ist es ja auch, aber so ist es auch nicht.

Und dazu fallen mir jetzt all diese Übungen ein, abends aufschreiben, was gut lief, dem Guten mehr Gewicht verleihen, ich will ja immer schreiend weglaufen, wenn ich davon lese, aber es funktioniert natürlich und daher suche ich jetzt noch etwas Gutes abseits des Lieblingsseebesuchs.

Und da findet sich sogar etwas, denn der Text von vorgestern (den kennen Sie nicht), der ist beim heutigen Lesen immer noch brauchbar und vorhin beim Essen fanden sich sogar weitere Worte und ich konnte die sogar aufschreiben, denn m aß mit Begeisterung ungefähr drei Mal so viel Nudeln wie ich und m kann ganz wunderbar allein (allein wie: selbstständig) essen (wenn sie denn will).

Hallo.

Kürzlich im Zuge von Serendipity auf dieses Buch aufmerksam geworden (ausgerechnet jetzt, das ist aus Gründen schon ziemlich merkwürdig): Auch alte Wunden können heilen, von Dami Charf. Hineingeschaut, vom Totstellreflex gelesen, Oha, das könnte was mit mir zu tun haben, gedacht und das Buch bestellt.
Nun.
Gestern drei Viertel des Buchs gelesen und mit jeder Seite mehr zum Überfliegen gewechselt. Weil: Ja, ich habe das jetzt verstanden. Ja, wenn dies und das passiert(e), dann führt das zu diesem und jenem. Ist jetzt nicht wirklich was Neues. Und die wichtigste Frage(n) wird nicht beantwortet, nämlich: Und was mache ich jetzt?

Dem Buch heute noch einmal eine Chance gegeben und ja, so nebenbei und zwischen den Zeilen gibt es dann doch ein paar Antworten, eine davon, wie könnte es anders sein: Meditation. Wobei, so konkret wird auch das nicht gesagt, mehr so hinsetzen, nichts tun, hören, was der Körper dann so zu sagen hat. Aber was ist das anderes als Meditation.

Wieder an T. gedacht, die doch tatsächlich sagt, Meditation, das ginge völlig an ihr vorbei. Kommt nicht bei ihr an, interessiert sie jetzt nicht so, will sie nicht andauernd als Gewohnheit in ihr Leben einbauen.
Wie kann Meditation an einem vorbeigehen.

Dann an Herrn K. gedacht, mit seinen elf Minuten. Zwei Mal elf Minuten am Tag meditieren. Warum gerade elf habe ich vergessen, können Sie aber bestimmt herausfinden.

Dann das Handy geholt, den Wecker auf elf Minuten gestellt. An Musik gedacht. Sofort aufspringen wollen, weil Musik jetzt genau das richtige wäre. Liegen geblieben.

Nach den elf Minuten gleich wieder zum Buch greifen wollen, aber Ha!, stattdessen zum Kopfhörer gegriffen. Seit langem mal wieder Nadeah gehört. Ziemlich gleich danach singend durchs Wohnzimmer getanzt. Vier neue drandenken-Zettel geschrieben, nämlich: herausfinden, ob und wann Nadeah mal wieder in die Nähe kommt, weil Nadeah live noch viel mehr Freude macht als aus Kopfhörern. Gleich auch noch Zettel für Chris Potter und Keren Ann geschrieben. Und fürs Enjoy-Jazz-Festival, denn ohne Enjoy Jazz hätte ich von zwei der drei Genannten noch nie etwas gehört (Keren Ann hat mir Inspektor Banks „empfohlen“).

Beim Musik hören fiel mir dann wieder ein, warum ich diese Blog-Idee irgendwann mal so überaus ansprechend fand, oder überhaupt die Idee des Schreiben und dann fiel mir Frau Einhorns Sichtbarkeits-Thema wieder ein (das ich jetzt leider nicht verlinken kann, weil es nicht mehr da ist, aber hier geht es zu Frau Einhorn) und dann fiel mir ein anderes Buch ein, in dem es auch ums gesehen werden ging, zumindest am Anfang, den Rest habe ich noch nicht gelesen, ich weiß auch gar nicht, um was es eigentlich geht, der Sichtbarkeitsabsatz allein gab den Ausschlag, auch dieses Buch zu kaufen*.

Außerdem kann man nie genug Bücher haben und wo ich gerade dabei bin, Matthew Quick, Schildkrötenwege, das habe ich heute auch gelesen und Hurra, endlich mal wieder ein lesenswertes Buch, ich bin versucht, unsere (gehäkelte) Schildkröte (erneuter Dank an Herrn F.!), die bisher noch keinen Namen hatte, nun Quick zu nennen.
Im Buch, also dem von Matthew Quick geht es ums normal-sein beziehungsweise eben nicht normal-sein, beziehungsweise um die Frage, was denn nun eigentlich normal sei und warum „die Masse“ oftmals völlig bekloppte Dinge gut findet und derjenige, der diese Beklopptheiten nicht mitmachen will, dann komischerweise der Bekloppte ist. Das ist jetzt auch alles nichts Neues, aber er hat das ganz wunderbar geschrieben.

Da musste ich dann auch schon wieder an Frau Einhorn denken, denn Frau Einhorn sammelt manchmal Menschen um sich herum und einer dieser Menschen war ich und in Schildkrötenwege heißt es sinngemäß, dass es so unfassbar viele Menschen auf der Welt gibt und man nur einen Bruchteil dieser Menschen kennt und wenn die nun alle ganz anders sind, als man selbst, dann könnte man meinen, niemand ist wie man selbst, aber vielleicht hat man auch nur noch nicht die „passenden“ Menschen unter all diesen vielen gefunden.
Jedenfalls, als ich einer dieser Menschen bei Frau Einhorn war, da waren alle anderen auch irgendwie anders und gar nicht unbedingt wie ich, und doch war ist irgendwo darunter dieses Gefühl, auf eine Art Zuhause zu sein, die anderswo so nicht möglich ist. Dort ganz leicht ein ganz bestimmtes Ich sein zu können.
(Erneuten Dank an Frau Einhorn! Und alle „Beteiligten“)

Jetzt aber wieder zurück zum Sichtbarkeitsbuch, es heißt Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren, geschrieben hat es Ali Benjamin und die Stelle, die ich meine, geht so:

„In den ersten drei Wochen der siebten Klasse habe ich vor allem eins gelernt: Ein Mensch kann unsichtbar werden, indem er einfach schweigt.
Ich hatte immer angenommen, dass jemand wahrgenommen wird, weil die Menschen ihn mit ihren Augen sehen. Aber als wir mit der Schule unseren Herbstausflug ins Aquarium machten, war ich, Suzy M. Swanson, völlig unsichtbar. Gesehen zu werden, hat nämlich mehr mit den Ohren als mit den Augen zu tun.“

Auf bald.

 

* Außerdem ist es vom Hanser Verlag und ganz oft mag ich Bücher vom Hanser Verlag.

Was machen wir heute?

Heute morgen habe ich damit angefangen, Bachmannpreistexte nachzuhören. Und zwar mit Bov Bjergs Text SERPENTINEN.

Gerade habe ich den Text auch noch mal nachgelesen, um die Stelle zu finden, die ich gleich zitieren will. Beim Nachlesen habe ich dann aber zuallererst festgestellt, dass es (natürlich) etwas ganz anderes ist, einen Text vorgelesen zu bekommen und dann auch noch vom Autor. Das sollte ich eigentlich wissen, spätestens seit Saša Stanišić. Vor dem Fest habe ich ungefähr drei Mal angefangen zu lesen, drei Mal resigniert, dann hörte ich Saša Stanišić live lesen und sollten Sie Saša Stanišić jemals live lesen gehört haben, verstehen Sie, warum ich danach ein viertes Mal zu Vor dem Fest griff. Und siehe da, mit seiner Stimme im Ohr hatte ich den Roman an wenigen Abenden gelesen. Mit Genuss, übrigens.

Aber zurück zu Bov Bjerg. Bov Bjerg, weil gefühlt sämtliche BloggerInnen, die ich lese, von seinem Auerhaus schwärmten; Auerhaus, auch das habe ich gelesen, dazu reichte ein einziger Versuch, es las sich ganz geschwind und abgesehen davon, dass ich mit dem Ende nicht einverstanden war (warum, weiß ich heute allerdings nicht mehr), fand ich nichts daran auszusetzen. Die Begeisterung der besagten BloggerInnen konnte ich allerdings auch nicht nachvollziehen.

In der ersten Vorleseminute war ich kurz davor, wegzuklicken, hatte allerdings gerade keine Hand frei und manchmal ist es ganz gut, keine Hand frei zu haben, den Rest der Zeit war ich nämlich doch sehr angetan und als ich das morgendliche Yoga beendete, zum MMM und zu m hinunterging, hatte ich sogleich die passende Antwort für die Frage des MMMs nach meiner (Gefühls)Lage.
Das Präteritum, das Präsens und das Futur lastet auf mir, sagte ich.
Das war dann selbst für meine Verhältnisse eine merkwürdige Antwort, der MMM sah dementsprechend fragend drein.

Das Präteritum, das Präsens und das Futur – das war diese eine Stelle, die sich sofort bei mir festgesetzt hatte, spätestens mit diesem Vergleich hätte mich Bjerg für seinen Text begeistert, allein es war nicht mehr nötig, ich mochte ihn ja sowieso schon, den Text. Also was heißt mögen, kann man Texte mögen, er war bei mir angekommen, der Text.

Und jetzt hätte ich fast das Zitieren vergessen*, Bov Bjerg, SERPENTINEN:

Und dann kamen die Erdzeitalter und legten sich auf mich. Das Präteritum, das Präsens, das Futur. Diese Versteinerung da, im Präteritum, schau mal, das bin ich.

 


* Den Titel dieses Textes habe ich übrigens ebenfalls aus SERPENTINEN zitiert geklaut.

Leben, sterben.

Kürzlich mit T. über das Leben gesprochen. T. findet das Leben nicht anstrengend. Also doch, schon, aber anders. Ich finde das Leben grundsätzlich anstrengend. Und dabei habe ich noch nicht mal ein anstrengendes Leben.
Morgens aufstehen ist anstrengend. Zu entscheiden, was nach dem Aufstehen zu tun ist, ist anstrengend. Sich nicht zu entscheiden, noch viel anstrengender.
T. gefragt, wie sie das denn mache, sich für eine der Optionen zu entscheiden, also beispielsweise einkaufen, aufräumen, mit den Kindern im Garten herumtoben – wo anfangen, mit was? Ich kann schlimmstenfalls mit der Überlegung, was zu tun ist, eine ganze Stunde verbringen. T. sagt, sie tut es eben einfach. Aber was? Und warum?
Ich tue auch irgendwas, irgendwann. Abends habe ich meist dennoch das Gefühl, nichts getan haben, also nichts, was dieser ganzen Anstrengung ihre Berechtigung geben würde.
Sie würde ganz oft denken, wie schön das Leben ist. Sagt T. Ja. Durchaus. Jetzt kann ich hier sitzen und denken und fühlen, wie schön das ist, hier sitzen können, atmen, nichts tut mir weh, na ja, der Problemzahn vielleicht ein bisschen, aber egal, keine „wirklichen“ Sorgen und ja, Nachbars Baum ist so schön grün und der Himmel so blau und die Vögel und alles.

Komischerweise oder vielleicht hat das eine auch mit dem anderen zu tun, denn wenn nichts einen Sinn hat, dann ist es egal und wenn es egal ist, ist die Entscheidung, ob die Wandfarbe nun creme- oder doch eher eierschalenweiß sein soll, auch egal und somit schnell entschieden, schneller als bei T., die selbst nach der Entscheidung noch eine Weile darüber nachdenkt, ob eierschalenweiß nicht doch die bessere Wahl gewesen wäre.

*

Passend zum Thema Leben schon wieder auf einer Beerdigung gewesen. m mit einem Keks bestochen, so dass ich dieses Mal sogar etwas von der Andacht(? Oder wie sagt man da?) mitbekommen habe. Schwierig, die richtigen Worte zu finden, schwierig, überhaupt Worte zu finden. Das meistgefundene Wort in diesem Fall dankbar – man solle doch dankbar sein, für die Zeit, die man mit dem Verstorbenen hatte, man solle dankbar sein für all das, was man mit ihm erlebt habe, es wäre doch eine gute Zeit gewesen.
Dankbar, [zensiert zensiert zensiert].
Das ist nun wirklich nicht das, was ich in einem solchen Moment hören wollen würde. Wenn einer fort ist und fehlt, fehlt so sehr, dann will ich nicht gesagt bekommen, ich solle dankbar sein.

Nun denn.

Wieder einmal bemerkt, dass es bei Beerdigungen keine Kinder gibt. Vielleicht liegt es am Alter der Beerdigten, vielleicht auch daran, dass man die Kinder mit Keksen bestechen muss, um selbst tatsächlich dabei sein zu können, also etwas mitzubekommen. m wäre ja auch nicht dabei gewesen, hätte sich die Gelegenheit ergeben, sie anderswo unterzubringen. Gesucht habe ich sie aber nicht, die Gelegenheit.
Wäre ja auch zu anstrengend gewesen (jetzt bitte Augen verdrehen).

*

Und nun hinaus in diesen sonnigen Samstag, der Nachbar hat längst seine Arbeitshosen an, der Nachbar macht nicht den Eindruck, als müsse er je darüber nachdenken, was als nächstes zu tun ist, ob er das wirklich tun will und warum er das überhaupt tun sollte, aber nun ja, der Nachbar schlägt sich sicherlich auch mit irgendeinem Problem herum und denkt sich vielleicht, mei, die Nachbarin hat es gut, die kann da an ihrem Rechner sitzen und weißGottWasTun oder eben auch nicht.

Still.

Vermisst du es nicht?, wurde ich kürzlich gefragt. Das Wandern war gemeint, wandern wie: einen Rucksack packen, losgehen, Tage später irgendwo ankommen.
Wie so oft habe ich viel zu schnell irgendetwas geantwortet, ich weiß schon gar nicht mehr was.

Heute war ich allein unterwegs, ohne Rucksack zwar und es hat auch nur anderthalb Stunden gedauert, bis ich wieder zu Hause ankam, aber ich dachte an diese Frage, immer wieder.

Oh ja!, hätte ich antworten müssen.

Oh ja, ich vermisse es. Vermisse es, allein unterwegs zu sein. Einen Weg vor mir zu haben, keinen bestimmten, irgendeinen. Ihn zu gehen, herausfinden, was hinter der Kurve kommt, hinter dem Hügel, nach dem Wald. Die Stille bemerken und einfach nur gehen. Durch den Wind, über die Straße, durch den Wald, am Weizenfeld entlang, wieder durch den Wind, am Gerstenfeld entlang, zum Hochsitz hinunter, an den Pappeln Halt machen, sitzen, lauschen. Irgendwann aufstehen und weiter gehen, am Waldrand entlang, den nächsten Waldrand entlang, wieder durch den Wind, über die Straße, zurück ins Dorf.
Die Wege danach aussuchen, dass keiner oder zumindest kaum einer dort unterwegs ist.

Ich muss das öfter machen, denke ich und weiß doch, ich werde es so schnell nicht wieder tun.

Shake this world off my shoulders*

Durchs Wohnzimmer tanzen. Hüpfen, schreien, springen, singen. Jede Gelegenheit sollte ich nutzen, in denen das Haus und ich alleine sind. Oder mir endlich vernünftige Kopfhörer besorgen. Oder beides.

Komisch, wenn man nach langen Jahren mit einem Lied endlich doch mal genauer hinhört, sich wundert, was singt der da eigentlich, feststellen, es passt überhaupt nicht zu dem, von dem man dachte, er singe es.

Dann das andere Lied – das einzige, bei dem ich verlässlich eine Gänsehaut bekomme, jedes Mal.
Und immer, wenn ich es höre, denke ich an die Frage, nach dem Lieblingslied, eine Frage, die ich unmöglich beantworten kann, schließlich kommt es darauf an. Nach dem, was mir gerade ist.

Nicht mehr daran glauben, dass ich mich ans Hüpfen, Springen, Schreien erinnern sollte, wenn gerade gar nichts mehr geht.

*

Heute bei zwei Pferden halt gemacht. Ein Pippi-Langstrumpf-Pferd und ein ganz dunkles. Selten, dass Pferde so kommunikativ aufgelegt sind. Meistens sind sie ja lieber am anderen Ende der Koppel, fressend. Diese nicht.

Endlich mal wieder die Pferde-Sache angehen.

*

 


* Dancing in the Dark, Bruce Springsteen

Go your own way*

Ich sollte mehr Musik hören. Wie bei vielem finde ich natürlich auch hier tausend Gründe, die dagegen sprechen, allen voran: die Kopfhörer funktionieren nicht. Also der Adapter für das Kabel. Der wackelt und dann darf ich mich nicht bewegen, denn wenn ich mich bewege, dann höre ich plötzlich wieder nur auf einem Ohr und auf einem Ohr hören ist ziemlich blöd. Ohne Kopfhörer Musik hören geht auch nicht, denn unser schallisoliertes Zimmer ist noch reines Wunschdenken und daran wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern.
Und Musik muss nun mal laut sein, zumindest die, die ich gern höre.

Der kaputte Adapter liegt nun schon fast ein halbes Jahr an der Stelle, an der sich sämtliche Zettel sammeln mit all den Dingen, die ich irgendwann mal erledigen wollte. Und da liegt er und lässt sich von anderen Zetteln ins Abseits drängen.
Dann aber hatte ich die glorreiche Idee, mir kabellose Kopfhörer zu wünschen, wozu hat man schließlich Geburtstag, dummerweise hatte ich die glorreiche Idee erst zwei Tage vor dem Geburtstag und der MMM hatte in diesen zwei Tagen völlig überraschend zweitausend andere Dinge zu tun. Tja nun.

Jetzt bin ich aber gehörig abgeschweift, denn nach „Ich sollte mehr Musik“ hören, hätte eigentlich der Grund kommen sollen, warum ich das schreibe, der Grund ist nämlich die Party. Dank M. spielte bei der Party eine Band, Men go crazy, und die spielten richtig gut, es machte großen Spaß, ihnen zuzuhören. Fast ein bisschen zu laut spielten sie, aber das darf ich jetzt eigentlich nicht sagen, habe ich doch gerade noch geschrieben, Musik müsse laut sein.

Eigentlich wollte ich sowieso nicht über Musik schreiben, oder jedenfalls nicht nur, eigentlich wollte ich über Familie schreiben, es fiel mir bei der Gelegenheit nämlich mal wieder auf, was für einer großartigen Familie ich angehöre.
Irgendwann einmal habe ich einen Radiobeitrag über Geschwister gehört, über zerstrittene Geschwister; Streit unter Geschwistern scheint Standard zu sein in Deutschland, zumindest, wenn man dem Radio glaubt. Ein Glück, dachte ich, in eine Ausnahme aus diesem Standard hineingeraten zu sein. Bei Partys zeigt sich das normalerweise unter anderem darin, dass alle mithelfen, bei dem, was es eben zu tun gibt, Blümchendeko, Bier ausschenken, Gläser spülen, undsoweiter. Das gute an dieser Party war (unter anderem), dass alle einfach hinkommen, mitfeiern und wieder gehen konnten, ohne irgendetwas dafür tun zu müssen (abgesehen von denen, die einen Kuchen mitgebracht haben: Danke!).
Jedenfalls: Dass man miteinander feiern kann! Dass das so einen Spaß macht! Dass man sich noch nicht mal wegen der Rechnung zerstreitet!
Ich wiederhole mich, glaube ich, ich hatte das schon mal irgendwann geschrieben, aber das kann man ja gar nicht oft genug schreiben, ich hoffe wirklich, wir feiern noch viele Feste miteinander.

Es war natürlich nicht nur Familie da, auf der Party, auch mit allen anderen ließ sich famos feiern, auch mit allen anderen will ich noch viel öfter feiern, aber alle anderen, die kann man sich ja aussuchen, nicht wahr.

 


* Fleetwood Mac – Und dann hört man so ein Lied, man hat es schon tausendmal gehört, aber vielleicht hat man auch nur vorbeigehört, jedenfalls hört man jetzt diese eine Zeile und irgendwie bleibt sie hängen und man nimmt sie als Geschenk mit ins nächste Jahr hinein.

U7.

Kürzlich las ich bei der notaufnahmeschwester davon, dass die (jungen) Leute heutzutage wegen jedem Pieps zur Ärztin in die Notaufnahme rennen. Ich bin ja in einer Familie groß geworden, in der man eher zu spät als zu früh zur Ärztin geht. Das ist auch nicht immer zu empfehlen. Aber egal, davon will ich gar nicht erzählen.
Sondern von der Kinderärztin, bei der wir heute mit m waren. m ist (toi, toi, toi und das werde ich doch hoffentlich schreiben können, ohne dass es sich ins Gegenteil verkehrt) piepsgesund, wir waren mit ihr bisher nur wegen der üblichen Vorsorge- und Impftermine bei Ärzten. So darf das gerne weitergehen.
Die Kinderärztin jedenfalls fragte dieses und erzählte jenes und ich dachte, dass es mich gar nicht so sehr wundert, wenn alle Welt von einer Ärztin zur nächsten rennt.
Außerdem dachte ich an die letzten schwangeren Wochen mit m.
Meine Ärztin damals so: Hm, hm, das ist jetzt nicht schlimm, machen Sie sich mal keine Sorgen, aber ich würde sie lieber zu X überweisen, dass der sich das auch mal ansieht.
X so: Hm, hm, machen Sie sich mal keine Sorgen, aber kommen Sie doch morgen noch mal.
X so: Hm, hm, machen Sie sich mal keine Sorgen, aber gehen Sie doch morgen mal zu Y.
Y so: Hm, hm, machen Sie sich mal keine Sorgen, aber blablabla.
Tatsächlich hatte ich mir die ganze Zeit über keinerlei Sorgen gemacht. Erst nachdem das zwei, drei Wochen so ging, von wegen machen-Sie-sich-mal-keine-Sorgen war ich kurz davor, jetzt doch mal damit anzufangen, mit dem Sorgen-machen. Aber dann sagte Y (oder X oder wer auch immer) auch schon, dass man m jetzt vielleicht doch lieber ein bisschen anschubsen sollte. So richtig begeistert waren wir von der Idee nicht, aber hätten wir Nein gesagt, hätten wir wohl tatsächlich angefangen, uns Sorgen zu machen.
(Und klar, die gehen lieber auf Nummer Sicher und klar hätte ich nicht gewollt, dass etwas übersehen wird, aber ein klein wenig übertrieben erschien es mir dann doch.)

Jedenfalls erlebten wir heute bei der Kinderärztin ähnliches.
Nein, das sei (in diesem Fall) überhaupt nicht bedenklich, wenn Kinder mit zwei Jahren noch nicht sprechen (also noch keine Wörter, jedenfalls keine, die man im Duden finden würde), aber, aber, aber und das müsse man im Auge behalten.
Und ach, Sie stillen noch, hm, hm, natürlich können Sie ihr Kind noch stillen, aber, aber, aber hinterher auf alle Fälle Zähne putzen (dem Kind).
Ja klar, nachts um drei.
(Aber nachts soll das Kind natürlich sowieso nur Wasser trinken (wie, es schläft noch nicht durch?))

Wenn ich mir das Leben selbst ein bisschen beschwerlicher gestalten wollte. Dann könnten wir zum Beispiel auch das Kinderbett ins Kinderzimmer stellen (statt es an unser Bett anzudocken) und nachts um drei hänge ich (oder der MMM) halb auf dem Kinderbett, halb auf dem Boden und das Kind schläft bestimmt auch gleich wieder ein, nicht wahr, oder wenn nicht, dann müssen Sie das eben mal drei Nächte durchhalten, spätestens dann ist Schluss.
Ja klar.

Bevor das jetzt einer falsch versteht, wobei, irgendeiner versteht es mit Sicherheit falsch, aber egal, jedenfalls will ich damit natürlich nicht sagen, unser Weg wäre der einzig richtige und wahre. Ich will damit nur sagen, dass es uns damit gut geht, uns allen und warum zur Hölle sollten wir dann etwas daran ändern?
Weiß ich jetzt auch nicht.

Aber natürlich stellen wir uns und unseren Weg in so einem Fall in Frage, mal mehr, mal weniger, je nach Grad der Unsicherheit und das eine oder andere Mal haben wir tatsächlich schon das Kinderbett ins Kinderzimmer gestellt (im übertragenen Sinn jetzt). Das verursachte dann jedes Mal ein Riesendrama, das uns allen gehörig auf die Laune schlug und klar, das hätten wir natürlich nur drei Tage/Nächte/wasAuchImmer durchhalten müssen und dann wäre alles gut gewesen (oder auch nicht), aber öhm, vorher war doch auch schon alles gut gewesen?

R. erzählte mir gestern von einer Geschichte, die sie kürzlich gehört hatte, genaugenommen erzählte sie mir die Geschichte, es stellte sich heraus, dass ich sie schon kenne, der Fischer, der auf den Businesstypen trifft, der Businesstyp erzählt dem Fischer, was er an seinem Leben alles optimieren könne, um dadurch Zeit für die guten Sachen zu haben und der Fischer so: Aber das habe ich doch jetzt schon?*

Es wird schon klappen, diese Kinder-Sache, nicht wahr. Machen Sie sich mal keine Sorgen.

 


* Das ist jetzt natürlich sehr verkürzt und überhaupt nacherzählt. Ich weiß leider nicht (und habe es auf die Schnelle auch nicht herausgefunden), von wem die Geschichte ursprünglich ist.

Pappel, die.

Seit die alte Heimat wieder zur Alltagsheimat geworden ist, bin ich nur noch am Staunen. Wie konnte ich über zwanzig Jahre hier leben und noch nie an diesem und jenem Ort gewesen sein?

Heute habe ich ein Pappelnest gefunden. Würde ich Liebeserklärungen schreiben und würde ich ebenjene an Bäume adressieren, die Pappel wäre die erste, die Post bekommt. Ich müsste mich natürlich zwischen Schwarz-Pappel und Zitter-Pappel entscheiden. Hm. Vielleicht doch nicht so einfach.

[…]

Nun habe ich gerade im Internet nach einem geeigneten Pappel-Link gesucht und was sehe ich an zweiter Stelle der Ergebnisliste?
„Die Pappel als Problembaum.“
Tss.

Einer der anderen Links sagt unter Wissenswertes:
„In der Antike galt die Pappel als Baum der Trauer und der Unterwelt.“
Ha! Das ist ja nun wieder ein höchst eigenartiger Zufall. Serendipity, Sie wissen schon.

Aber ist ja eigentlich auch egal. Der Link.

Pappelnest gefunden.
Dabei wollte ich eigentlich ganz woanders hin. Doch der Wald, in den ich wollte, er machte heute Abend nicht den allereinladensten Eindruck. Obwohl er kürzlich noch so nett zu mir war.
Ich fuhr also weiter. Dorthin, wo der Weg vermeintlich im Nichts endet und warum soll man dann überhaupt dort entlang fahren.
Tja, über zwanzig Jahre und dennoch keine Ahnung. Der Weg stellte sich als einer heraus, bei dem ich andauernd hätte stehen bleiben können, was ich aber nicht tat, was gut war, denn – huch! – plötzlich steht da eine Pappel. Und noch eine. Und noch eine. Und so weiter.
Der Weg ging dann übrigens immer noch weiter, von wegen Sackgasse, aber nun ja, ein andermal, jetzt musste ich tatsächlich anhalten. Denn das waren keine Miniwutzelpappeln, das waren ausgewachsene die-kriege-ich-nicht-mal-mehr-umarmt-Pappeln (was ich natürlich versucht habe).

Nicole hatte irgendwann geschrieben, wenn man am Stamm einer Pappel lausche, höre man das Wispern noch einmal mehr und ganz anders (oder so ähnlich).
Nun ja, Nicole scheint andere Pappeln zu kennen. Vielleicht diese hundsgemeinen Kanadapappeln (folgen Sie dem Problembaumlink).

Vielleicht habe ich das Wispern aber auch einfach nicht gehört, weil die Pappeln auch ohne Stammlauschen schon gehörig rauschten. Wie Pappeln das nun mal so tun. Bei Wind.
Hach, Pappelrauschen. Das ist das allerallerbeste. Da will ich sofort die Hängematte von hier nach da spannen, nach oben schauen und/oder einfach nur die Augen schließen und nie mehr fortgehen.

Nun ja, m wachte auf. m findet Pappelrauschen jetzt noch nicht so wahnsinnig spannend. Aber das wird vielleicht noch.