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Spuren von Schnee

Kürzlich Schnee von Maxence Fermine gelesen. Also na ja, angelesen. Dem Buch vorangestellt ist ein Zitat von Arthur Rimbaud: An nichts denken als an Weiß. Vielleicht habe ich das Buch überhaupt nur deshalb angefangen.
Jedenfalls, als ich es dann nicht mehr las, das Buch, wollte ich herausfinden, was es mit diesem Zitat auf sich hat. Das war ein bisschen schwierig, denn die Suche ergab nur den Verweis auf besagtes Buch von Fermine.
Irgendwann kam ich drauf, ins französische Original (von Fermine) hineinzulesen, dort das französische Originalzitat (rien que du blanc à songer) zu finden und nach diesem zu suchen.
Das war aus allerlei Gründen gar nicht so einfach, vor allem, weil ich natürlich nur französische Seiten gefunden habe, mein eigenes Französisch aber nicht allzu viel hergibt.
Irgendwann fand ich dann aber doch heraus, dass Rimbaud im November 1878 zu Fuß die Alpen überquert hat. Mit ziemlich viel Schnee drumherum. Wovon er in einem Brief nach Hause berichtete und aus ebendiesem Brief ist dieses Zitat.
Ich hatte ja eigentlich die Hoffnung, das Zitat-Drumherum gäbe noch mehr her, etwas derartiges, das ich mir ebenfalls sofort irgendwohin notieren will, so war das leider nicht, dafür habe ich noch ein bisschen über Rimbaud herumgelesen. Sehr viel mehr, als das er ein französischer Dichter ist, wusste ich bis dahin nämlich nicht über ihn.

Das schreibe ich, weil es so einen Spaß machte, diese Spurensuche. Und alles nur wegen dieses Buchs, das ich nie zu Ende lesen werde.
Eins der Dinge, die ich am Lesen mag. Man stößt völlig unverhofft auf etwas und ist plötzlich schlauer als zuvor. Oder hat ein neues Lieblingslied. Weiß, was man als nächstes lesen könnte. Oder wie das Wetter auf den Färöer-Inseln ist (das hätte man sich eventuell denken können).

Auch eins der Dinge, mit denen ich mich vor der Stapelverarbeitung drücken kann. Denn die Stapelverarbeitung hängt. Eventuell werde ich aber schon sehr bald wieder mit ihr anfangen, ich muss mir nämlich einen ausformulierten Lebenslauf ausdenken. Maximal 800 Zeichen. Von minimal steht da nichts. Eventuell bin ich also mit Name, wohnt in …, ist alt genug, schreibt schon fertig? Warum eigentlich nicht, das sind ja schon mindestens 41 Zeichen.
Den Lebenslauf brauche ich, weil ich nach Bayern eingeladen wurde. Nach Bayern! Hach. Und alles nur wegen der Stapelverarbeitung. Also einer Variation davon. Die würde nämlich für tendenziell preiswürdig gehalten, daher muss ich die dort vorlesen und zwar genau die. Obwohl ich doch mittlerweile noch siebzehntausend Sachen daran ändern würde. Darf ich aber nicht.
Vierzehn andere müssen auch etwas vorlesen, irgendeiner von uns gewinnt den Preis, dann fahre ich wieder nach Hause und werde drei Tage fort gewesen sein.
Damit kann ich schon Anfang Januar sechs Vorsätze abhaken: allein irgendwohin fahren, mit Übernachtung, mit anderen Schreibenden über Texte reden, in Bayern sein, neue Orte entdecken, neue Dinge tun (und vor lauter Angst zwölftausendmal aufs Klo rennen).
Ich fürchte, das werden alle Vorsätze sein, die ich nächstes Jahr abhake. Aber wer weiß. Außerdem habe ich ja gar keine Vorsätze, genausowenig wie To-Do-Listen.

Und apropos aufs Klo rennen: Der Zahn, von dem der Zahnarzt sagte, Nun, der eine Wurzelkanal ist FachausdruckDenIchVergessenHabe, eventuell geht das gut, vielleicht aber auch nicht – dreimal dürfen Sie raten. Von wegen bis nächstes Jahr.
Na ja, vielleicht geschehen am Wochenende noch wunderliche Dinge und alles wird gut.
Und vielleicht öffne ich auch gleich die Stapelverarbeitung.
Und vielleicht putzt irgendjemand das Bad.
Oder die Heizungsfrau ruft an.

Wahrscheinlicher ist, dass ich gleich Fotos auf buntes Papier klebe.

Noch wahrscheinlicher ist, dass ich irgendetwas lesen werde. Weil ich zurzeit aber ausschließlich auf leichte Unterhaltung Lust habe, diese allerdings am schwierigsten zu finden ist (zumindest wenn ich beim Lesen noch etwas anderes tun will, als die Augen zu verdrehen), habe ich beschlossen, die Frage „was lese ich als nächstes“ zu umgehen, indem ich einfach die vorhandenen Bücherstapel von oben nach unten abarbeite. Daher müsste ich als nächstes Von Beruf Schriftsteller von Haruki Murakami lesen. Das nur deshalb auf dem Stapel liegt, weil ich es mit einem anderen Murakami-Buch verwechselt habe (fragen Sie nicht).

Aber wer weiß, was sich darin nun wieder findet. Eventuell ist die nächste Spurensuche nur zwölf Seiten weit weg.

BücherZen

Sie werden es kaum glauben, es ist wirklich höchst überraschend, mein Tag war heute schon wieder voller Bücher. Ich war nämlich auf einem Bücherflohmarkt, einem riesigen Bücherflohmarkt, so einem, der Spaß macht, weil die Bücher zum einen nach Kategorien sortiert und zum anderen so aufgestellt sind, dass man problemlos die Titel lesen kann. Und zwar ohne den Kopf andauernd von rechts nach links drehen zu müssen.
Es ist dementsprechend wenig überraschend, dass ich einen Rucksack voller Bücher nach Hause getragen habe. Da hätte sicherlich noch das eine oder andere hineingepasst, aber nach einer dreiviertel Stunde hatte m völlig überraschend keine Lust mehr.
Na ja, vielleicht schaffe ich es morgen, noch mal hinzugehen, ganz alleine, mit leeren Rucksack.

Apropos Rucksack. Den habe ich heute stehenlassen, es war die typische „ich lege das mal kurz aufs Autodach“-Situation, nur ohne Auto, ich stellte den Rucksack nämlich hinter den Fahrradanhänger, dann hatte m Hunger, dann rannten wir noch ein wenig hin und her und na ja, dann fuhr ich los und fuhr und fuhr und dachte auf einmal, Hm, mir fehlt doch irgendwas. Schnell umgedreht und tadaa, der Gemüseverkäufer hatte den Rucksack gesichert. Die Welt ist gut zu mir.

Aber zurück zu den Büchern, Frau Jademond hatte irgendwann von diesem Buch berichtet, Innehalten von Fleur Sakura Wöss, fast alles, auf dem Zen steht, trifft ja einen Nerv bei mir, daher habe ich mir das nun ausgeliehen, heute lese ich rein und denke mir so: Nö.
Alle Welt jagt von einem Termin zum nächsten, alle Welt hetzt sich und eilt sich und macht zwölf Dinge gleichzeitig.
Nö. Ich mache das nicht.
Beispielfrage: Wann saßen Sie zum letzten Mal vor dem Haus, einfach so, ohne etwas zu tun?
Antwort: Gestern.

Ich hatte ja nur drei Wünsche an unser neues Haus: einen Ofen, eine Badewanne direkt unterm Dachfenster und eine Bank vor dem Haus (wobei, das ist eigentlich noch nicht einmal ein Wunsch ans Haus selbst, aber egal).
Die Bank vor dem Haus, daraus wurde dann ein kleines Drama, die Bank vorm Haus bekamen wir nämlich geschenkt und das war einer der seltenen Momente, an dem mich ein Geschenk eher sauer als begeistert gestimmt hat, denn diese Bank wollte ich selbst aussuchen und nicht ausgesucht bekommen.
Nun. Aus diversen Gründen haben wir die Bank behalten und könnte ich es zugeben, könnte ich jetzt schreiben, dass das gar nicht so verkehrt war, denn vermutlich hätten wir noch immer keine passende Bank gefunden und all dieses „auf der Bank herumsitzen“ hätte gar nicht statt gefunden. Obwohl, vielleicht hätten wir andere Möglichkeiten gefunden, in D. saß ich schließlich auch oft genug vor dem Haus herum und dort gab es gar keine Bank.
Aber zurück zum Buch. Wenn ich nicht gerade denke, dass ich viel mehr oder einfach nur überhaupt irgendwas tun sollte, dann denke ich, dass ich viel mehr nichts tun sollte.
Jetzt, wo ich das Buch lese, habe ich zum allerersten Mal den Eindruck, vielleicht doch schon viel mehr nichts zu tun, als ich denke. Das zwar nicht gut genug, aber mei, sieht so aus, als ginge es noch viel schlechter.

Das wäre jetzt der ideale Zeitpunkt, mich mit einem „und nun setze mich ein weiteres Mal auf die Bank“ zu verabschieden, dummerweise ist es draußen mittlerweile dunkel und kalt und nein, lieber doch nicht.
Und – da hat das Buch sehr recht – drinnen geht es leider nicht ganz so gut, das nichts tun, denn drinnen sind überall Dinge, die „putz mich“, „trag mich nach da“, „erledige mich“ oder ähnliches sagen. Draußen ist das eigentlich auch so, aber draußen ist immer noch draußen und draußen ist einfacher als drinnen.

Da wird es wohl doch die Stapelverarbeitung werden (nicht zu fassen, was das immer für eine Überwindung kostet, obwohl es doch – einmal angefangen – meist gar nicht so schlimm ist).

Betonrührer mit Aubergine

Heute versucht, Menschen, die mit dem Schreiben von Geschichten nichts am Hut haben, vom Schreiben eben jener zu erzählen.
Kläglich gescheitert.

Gestern dabei zugehört, wie andere vom Schreiben erzählen.
Dabei ähnlich kläglich gescheitert. So vom Gefühl her.

Beim heutigen Schreiben ebenfalls gescheitert. Vielleicht (vorerst) nicht ganz so kläglich. Angst davor bekommen, was der aktuelle Plan, das aktuelle Schreiben für eine (vermeintlich?) immense To-Do-Liste aufwirft. Das könnte doch tatsächlich in Arbeit ausarten (Ach). Und all die Dinge, die ich nicht weiß. Und all die Dinge, die zu tun wären.

Gestern endlich mal wieder Zug gefahren. Ein klein wenig den schraddeligen IC von früher vermisst (stattdessen war ich mit einem E mehr unterwegs).
Juli Zeh im Gepäckfach gefunden, genauer in der DB Mobil Zeitschrift.
Oh, Hurra! Gerade eben herausgefunden, dass diese doch online zu finden ist (gestern auch daran kläglich gescheitert). Seite 35 nämlich, Juli Zeh erzählt die Geschichte des vergessenen Betonrührers, sehr empfehlenswert. Die anderen fünf Personen im Abteil warfen mir jedenfalls irritierte Blicke zu, da ich beim Lesen andauernd losgelacht habe.
Zuvor warf ich dem Typen neben mir irritierte Blicke zu, er aber ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen, war zu sehr in seinen Finanzstatus vertieft, für den er sich zuvor bei seinem Online-Banking mit seiner PIN angemeldet hatte. Während ich ihm über die Schulter guckte. Also eigentlich guckte ich aus dem Fenster, aber Hallo, der Monitor ist unfassbar groß, ich hätte mich schon sehr anstrengen müssen, um daran vorbeizuschauen.

Gestern auch einen Strafzettel bekommen, weil: kläglich daran gescheitert, den Parkscheinautomaten wahrzunehmen. Auf dem Heimweg ging es dann plötzlich, aber da war es schon zu spät. Sie haben mit diesem Fahrzeug gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen. Ups.

Gestern urplötzlich und wirklich erst, als ich vor diesem Kochbuch stand, die Verknüpfung gemacht, dass das diesjährige Buchmessen-Gastland Georgien ja das Georgien mit den georgischen Walnuss-Auberginen ist.
Die Auberginen dann tatsächlich in eben jenem Kochbuch gefunden, aber da hieß es, man solle die Walnüsse einfach so lange häckseln, bis sie sich in eine zähe Paste verwandeln. Nur die Walnüsse, ansonsten erst einmal nichts dazutun, gar nichts.
Damit ist das nächste klägliche Scheitern doch vorprogrammiert, darauf falle ich nicht herein.

Im Grunde auch an diesem Post kläglich gescheitert, aber nun.

Heute so.

Wenn man mit der Liste im Kopf (Sparkasse, Briefkasten, Apotheke, Schraube) losgeht und plötzlich Meerschweinchen findet.
Dann ist das auf einmal ein guter Tag, in jedem Fall ein besserer als zuvor. m findet das auch, vor allem, nachdem die Meerschweinchen uns nach einigen Minuten als halbwegs vertrauenswürdig eingestuft haben und anfangen, hin und her zu flitzen. Hui!, sagt m und befiehlt den Meerschweinchen eine weitere Runde. An der Kommunikation m <–> Meerschweinchen hapert es allerdings. Vielleicht machen es die Meerschweinchen auch wie O. und verstehen nur das, was sie verstehen wollen.
Irgendwann gehen wir weiter. Tschüss Schweinchen, wir kommen wieder.

An Punkt 2 (Briefkasten) fährt L. an uns vorbei, winkt. Wenig später biegt ein Notarztauto um die Ecke. Dann ein Rettungswagen.
Kurz darauf verstummt die Sirene.
Oje, denke ich. Irgendwo hier im Ort.

Drei Traubenzucker später (Apotheke: check) biegen wir schließlich wegen Punkt 4 im Hof ein. Hinten im Hof stehen Notarzt und Rettungswagen. Oh Mist, denke ich und gucke erst mal, wo P. ist. Ich bin hier, ruft P. Ein Glück.

Später dann, sämtliche Punkte erledigt, dreht m eine Dreiradrunde auf dem Hof, gerade, als sich Notarzt und Rettungswagen wieder auf den Weg machen. Wir fahren an die Seite, m sieht ihnen hinterher. Wie in deinem Buch, sage ich. Die fahren jetzt ins Krankenhaus.
Auf der Treppe sitzt L., daneben steht C. Ach verdammt, denke ich und will etwas sagen, aber was sagt man da. Wieder das Herz, ruft C. noch, dann gehen sie hinein.
Alles Gute, lieber A. Möge es noch lange für dich schlagen, das Herz.

Wir sitzen auf der Bank. Schön ist es, auf der Bank zu sitzen. Wollt ihr Pfannkuchen, fragt H., als wir gerade gehen wollen. m sagt niemals Nein zu Pfannkuchen. Warum auch.

Lachen und Weinen.

Heute in einen der Fünf-Zentimeter-Dornen aus Nachbars heimtückischer Berberitzenhecke getreten. Es erwischte exakt den Zeh, wegen dem ich aus Gründen eh schon latent unrund herumlaufe.
Nun, so eine Fünf-Zentimeter-Dorne hat den positiven Effekt, dass die anderen Gründe höchst verblassend in den Hintergrund rücken.

Und jetzt das wirklich Positive: Frau Kaltmamsell verlinkte heute mit den völlig zutreffenden Worten „James Corben, der auf großartigste Weise einen an der Waffel hat, (…)“ auf Crosswalk Musical Videos von und mit James Corben. Ich sah mir das hier an und musste derart lachen, dass ich sogar den MMM aus dem Keller hervorgelockt habe (m hingegen ließ sich in ihrem Mittagsschlaf nicht stören. Ein Glück).

Der MMM, Sie müssen sich keine Sorgen machen, war nur zufällig im Keller, sein eigentlicher Job bestand nämlich darin, unsere Süd-Terrasse aus dem Nichts auferstehen zu lassen. Das klappte derart gut, dass wir heute Abend schon mal darauf* herumsitzen und -stehen konnten und es ist wirklich erstaunlich, wie anders sich das anfühlt (als auf der Nord-Terrasse). Denn obwohl in unserer Straße nur ungefähr zwei Autos in der Stunde vorbeifahren und Fußgänger (üblicherweise mit Hund) sind es auch nicht viel mehr, zeigt sich dann doch der eine oder andere Nachbar, man fühlt sich quasi wie mitten in der Großstadt *hust*, vor allem, da das bunte Heckendickicht, das wir uns an dieser Stelle so vorstellen, noch nicht mal ansatzweise existiert.

 

* nun, auf einem Drittel davon

in der fremde


(heute alles klein)
(weil mir danach ist)
(vermutlich halte ich das eh nicht durch)

die fremde ist gar keine fremde, eigentlich. aber ich bin nun mal nicht zu Hause (oha. schon passiert).
wohlmeinende menschen um mich herum, die b verstehen, wenn ich a sage. wohlmeinende menschen haben immer so viel mehr energie als ich, überhaupt haben eigentlich alle mehr energie als ich, vor allem bei über dreißig grad.
nein, nein, ich meine a, sage ich.
ja, sicher, habe ich verstanden, b, du meinst b, sagt der wohlmeinende mensch.
eher früher als später gebe ich auf.
mir doch egal
(nein)

in der fremde auf mich selbst zuürckgeworfen. kann nicht rausgehen, will nicht rausgehen, viel zu warm. mitgenommene bücher erweisen sich als nicht lesbar. selbst wenn sie lesbar wären, am ende hängt m dann doch wieder an meinem bein. so kann ich nicht lesen. so kann ich nicht denken, so kann ich eigentlich überhaupt nichts.

außer die lego-kiste sortieren. m mag das auch, zumindest, wenn ich ein event draus mache. diese event-sache. das ist das schlimmste. ein großer spaß, aber nur, wenn es nicht sein muss. wenn es sein muss, dann nicht.
(bin ich gut drin)
(aber ich kann ja auch smalltalk)
(wenn es sein muss)
(und dann brauche ich einen wald)
(zur genesung)
lego-kiste sortieren: gelb zu gelb, rot zu rot, räder zu rädern, dach zu dächern, fenster zu fenstern.
kann ich, kann ich gut.
ui, ein kopf! der passt zum legomännchen-oberkörper. eine halbe stunde später finden sich auch die beine.
nachdem die hälfte der kiste sortiert ist, merke ich, wie das zu einer sache wird, die ich zu ende bringen will. tue ich dann erst mal doch nicht, aber wer weiß, morgen ist auch noch ein tag. in der fremde.
[an früher denken, früher hatte ich auch eine lego-kiste, meine lego-kiste hatte ein dutzend fächer, meine lego-kiste war immer sortiert.
außer der s. kam zu besuch. ich mochte den s. nicht sonderlich.]

später dann sind wir auf dem fest. essen etwas. leute kommen, reden. ich setze mein smalltalkgesicht auf und finde fast alles fürchterlich anstrengend. gehe mit m den bach entlang, werfe steine hinein.
dann wieder zurück aufs fest. ich muss da bleiben.
(nein, muss ich nicht. aber – egal)

dann gehe ich auch. gehe durch den wald und mache einen umweg und hätte gern etwas zu trinken dabei, aber sonst ist alles gut. abgesehen von der temperatur. im wald sehe ich einen hasen.
was ich mag: hasen, die auf wegen davonhoppeln.
dann sieht mich ein reh. das reh hüpft davon, ich sehe ihm nach.
ich lege mich auf die weiße bank, sehe in den waldhimmel. könnte ewig so liegen, hätte ich etwas zu trinken dabei.
gehe weiter.
denke gerade, dass ich es nicht verstehe, warum leute angst davor haben, allein im wald unterwegs zu sein, als es links von mir raschelt und röchelt. upsi, denke ich und: hoffentlich keine wildsau. eine wildsau so ziemlich der einzige grund, warum ich angst vor dem wald haben könnte.
war dann aber keine, war irgendein wieseltier, das geräusche machte, als hätte es gegen eine flasche wasser und eine eistonne auch nichts einzuwenden. sprang nichtsdestotrotz äußerst behände einen baum hinauf.

ich klopfe ans lego-kisten-haus. werde eingelassen.

Shake this world off my shoulders*

Durchs Wohnzimmer tanzen. Hüpfen, schreien, springen, singen. Jede Gelegenheit sollte ich nutzen, in denen das Haus und ich alleine sind. Oder mir endlich vernünftige Kopfhörer besorgen. Oder beides.

Komisch, wenn man nach langen Jahren mit einem Lied endlich doch mal genauer hinhört, sich wundert, was singt der da eigentlich, feststellen, es passt überhaupt nicht zu dem, von dem man dachte, er singe es.

Dann das andere Lied – das einzige, bei dem ich verlässlich eine Gänsehaut bekomme, jedes Mal.
Und immer, wenn ich es höre, denke ich an die Frage, nach dem Lieblingslied, eine Frage, die ich unmöglich beantworten kann, schließlich kommt es darauf an. Nach dem, was mir gerade ist.

Nicht mehr daran glauben, dass ich mich ans Hüpfen, Springen, Schreien erinnern sollte, wenn gerade gar nichts mehr geht.

*

Heute bei zwei Pferden halt gemacht. Ein Pippi-Langstrumpf-Pferd und ein ganz dunkles. Selten, dass Pferde so kommunikativ aufgelegt sind. Meistens sind sie ja lieber am anderen Ende der Koppel, fressend. Diese nicht.

Endlich mal wieder die Pferde-Sache angehen.

*

 


* Dancing in the Dark, Bruce Springsteen

Noch mehr Bücher.

Der Tag begann zäh. Die Tage beginnen fast immer zäh. Vielleicht liegt es daran, dass der Morgen einfach nicht meine Tageszeit ist. Vielleicht aber auch nicht.

Dabei konnte ich ausschlafen. Oder nein, weiterschlafen. Und dann tat sich auch noch freie Zeit auf, ein Zeitfenster, ich wünsche es mir herbei, dann ist es plötzlich da und ich weiß nichts mit ihm mir anzufangen.

Yoga habe ich angefangen, wieder einmal. Und dabei Christine Thürmer gehört. Eine Weitwandernde. Beim Zuhören fiel mir ein, dass ich schon einmal irgendwo von ihr gehört hatte, mich auch damals schon darüber wunderte, dass ich sie nicht auf Anhieb ins Herz schließen konnte. Als wäre das so einfach, als bräuchte es nur eine Gemeinsamkeit und schon hat man sich gern.
Oft stellt sich heraus, die Gemeinsamkeit ist gar keine – auch Wandern kann man auf verschiedene Arten.

Gegen Mittag war der Tag noch immer zäh. Und dabei hatten wir einen Plan. Meist verschwindet die Zähigkeit leichter und schneller, wenn es einen Plan gibt. Heute aber dachte ich darüber nach, den Plan aufzugeben. Was auch nichts Neues ist, andauernd will ich Pläne aufgeben, weil sie so anstrengend sind.
Dieses Wort, anstrengend. Ich sollte es wirklich aus meinem Leben verbannen.
Wenn das so einfach wäre.

Nun denn, wir setzten den Plan um.
Daher war ich heute auf der Buchmesse, der kleinen. Und stellte fest, dass ich wohl zum Buchsnob werde. Die meisten Bücher nehme ich gar nicht erst in die Hand, weil ich sie hässlich finde. Oder ich nehme sie in die Hand, lege sie aber gleich wieder weg, weil ich die Schrift hässlich finde oder die Art, wie die Seitenzahlen formatiert sind. Die Art, wie das Buch in der Hand liegt, wie es sich umblättert. Dass der Klappentext kaum zu lesen ist, wegen dunkler Schrift auf dunklem Hintergrund.
Was man alles falsch machen kann.
Und da habe ich noch nicht einmal hineingelesen.

Aber man kann es auch richtig machen.
Drei Bücher habe ich mitgenommen. Eins, weil ich an diesem Satz hängenblieb: „Plötzlich fühlte er sich losgelassen.“
Der Satz macht hier nicht so viel her, auf der Seite aber – er füllt eine ganze, ansonsten leere Seite aus, das „losgelassen“ rechts oben, der Anfang des Satzes links unten – auf der Seite fühle ich mich selbst ganz losgelassen, ein angenehmes Gefühl, obwohl das Loslassen im Buch (wie ich später feststellte) ganz und gar nicht positiv besetzt ist.
„Die Kinder verzagten nicht.“ Noch so ein Satz. Verzagen, was für ein hübsches Wort, ich will es sofort benutzen.
Und hübsch ist das Buch auch, es sind Bilder darin, solche, die man eine Weile betrachten kann und dann immer noch etwas Neues entdeckt. Papierdrache heißt es, der Text ist von Seyyed-Ali Shodjaie, die Bilder von Christine Laube und Mehrdad Zaeri.

Das zweite Buch heißt InneHalt von Henning Sabo, darin sind Gedichte. Ich kaufe mir eher selten Bücher mit Gedichten darin, vielleicht, weil sie Zeit und Muße für sich beanspruchen, weil sie – tada! – anstrengend sind, will ich mich wirklich darauf einlassen. Anstrengender als Romane.
Aber nun ja, dieses war eben auch eins der hübschen Bücher, ich blätterte hinein, es stimmte alles und als ich dann auch noch zu jedem aufgeblätterten Gedicht nicken wollte, nahm ich es einfach mit.

Dann nahm ich noch einen Roman mit, Weg vom Festland von Frederike Frei, auch er hübsch gemacht, ich las hinein und traf eine Stelle, die mich ebenfalls spontan angesprochen hat, also kaufte ich auch dieses Buch.
Heute Abend las ich noch weiter hinein, und, nun ja, es ist anstrengend. Hätte ich mehr gelesen, hätte ich das Buch wohl doch nicht gekauft. Obwohl es mich immer noch anspricht, aber gleichwohl ist der Stil, in dem es geschrieben ist, überhaupt nicht der, den ich gern lese, in jedem Satz fünf Bilder und dann auch noch welche, die teilweise so seltsam sind, dass sie doch eher quer liegen, nichtsdestotrotz liegt das Lesebändchen(!) nun schon auf Seite 63, mal sehen, wie es mit uns noch weitergeht.

Nach dem Bücherkauf liefen wir noch am Fluss entlang. So ein Fluss, das ist eine feine Sache. Dieser zwar eher von der trägen Sorte, aber passend zum Sonntag hatte er ausnahmsweise ein grünes Kleid angezogen, anstatt das sonst übliche schlammbraune. Über und auf dem Fluss die Möwen, Möwen, da ist man doch sofort im Urlaub. Ein Kormoran auch, zuerst im Wasser, dann auf einem Baum, dem Baum, bei dem wir zuvor noch rätselten, warum er so halbseitig weiß ist (und ansonsten eben baumfarben). Wegen der Kormoranscheiße. Das hört sich jetzt wenig idyllisch an, war es aber ansonsten doch, die Sonne schien, die Leute lächelten, lächelten spätestens dann, wenn sie m ansahen, wir lächelten auch, wir saßen sogar auf einer Bank, ziemlich lange, so lange, wie m für eine kleine Banane und einen Prinzenrollenkeks braucht, vor uns der Fluss, an seinen Seiten die Berge (nun ja), auf den Bergen eine Burg und noch eine und noch eine. Ein richtiger Bilderbuch-Sonntagnachmittag.
Später bekam m sogar noch eine halbe Scheibe Toastbrot geschenkt, nicht, weil sie so hungrig aussah, sondern um die Möwen zu füttern, m fütterte also Möwen, die armen Möwen, vermutlich haben sie nun Bauchweh, man soll ja nicht und sowieso, aber wo es doch so einen Spaß macht und wenn man dann auch noch Toastbrot geschenkt bekommt, was will man da machen.

Dann fuhren wir wieder nach Hause und ich dachte schon wieder, wie anstrengend, wegen dem Abendessen, aber auch das ging leichter als gedacht und danach konnte ich sogar auf der Couch in meine neu gekauften Bücher hineinlesen.

Der Tag endet bisher also ganz ohne Zähigkeit, ich habe sie irgendwann abgestreift, auf der Buchmesse oder vielleicht hat sie auch der Fluss davongetragen, auf einmal war sie fort und da darf sie gern bleiben.

Was schön war: Blumenladenkekse.

Ich weiß gar nicht, wer mit diesem Was-schön-war angefangen hat, es ist im Grunde auch egal, aber nun ja, Ehre, wem Ehre gebührt und so. Ich habe jedenfalls bei hier und hier und hier und hier davon gelesen.

Und heute morgen geschah dann etwas, das unbedingt in diese Kategorie hineingehört.
Alles fing mit der Lampe an, die wir am Samstag natürlich nicht gefunden haben. Dafür haben wir Getränke und Milch eingekauft, das ist ja auch wesentlich einfacher einzukaufen als Lampen. Diesen Einkauf tätigten wir allerdings nicht dort, wo wir gewöhnlich einkaufen, weil, das lag natürlich nicht auf dem Weg. Macht aber nichts.
Macht dann aber doch was, wenn man, Stunden später und längst wieder zu Hause, den Pfandzettel in der Jacke findet. Über eine nicht unwesentliche Summe.

Blöd. Weil, liegt ja nicht auf dem Weg.

Vielleicht aber auch doch nicht so blöd, denn:
Fährt man, also m und ich, da halt doch noch mal hin, was solls. Wir brauchen sowieso schon wieder Milch. Und neben dem Milchladen ist der Blumenladen, dem wollte ich sowieso irgendwann einen Besuch abstatten, eigentlich erst zu Adventskranzkaufzeiten, aber ach, egal, diese Woche steht sowieso noch ein Geburtstag an, wer weiß, vielleicht finde ich dafür etwas.

Ich finde Weihnachtsplätzchen! Selbst, beziehungsweise vom Blumenladen-Team, gebackene Weihnachtsplätzchen. Die sind wunderhübsch anzusehen auf einer Theke am Eingang aufgebaut, sehen aus wie vom Bäcker, ich denke tatsächlich zuerst, irgendein Bäcker hat eine Marktlücke entdeckt und verkauft im Blumenladen 100-Gramm-weise Weihnachtsplätzchen.

Aber weit gefehlt.

Wollen Sie vielleicht ein Glas Sekt?, fragt mich die freundliche Blumenladenmitarbeiterin, die plötzlich hinter den Plätzchen auftaucht.
Stellt sich heraus, man bekommt das alles einfach so. Sekt. Plätzchen. Rezepte für die Plätzchen. Für die sehr leckeren Plätzchen.

m und ich probieren uns von Linzer Schnecken zum Schokoladenbrot durch und natürlich kaufen wir dann auch noch etwas, viel mehr, als wir eigentlich wollten.

Aber hach, war das schön lecker.

Mut-will-ich*.

Ich weiß nicht, wie wir das jemals wieder gut machen können, sagte Frau R. am Telefon.
Komisch, dachte ich und hatte mal wieder das Gefühl, in einer anderen Welt zu leben. Wieder gut machen, was gibt es da wieder gut zu machen. Es ist doch nichts kaputt. Zumindest nicht bei uns.

Und Frau K., die fast schon Angst vor mir hatte. Nur weil ich ein bisschen hochdeutscher spreche als sie. Ha! Sie sollten mich mal mit P. hören, habe ich ihr gesagt.
Und dann habe ich auch noch studiert, schlimm. Als würde das etwas bedeuten.
Überhaupt, noch so eine Sache, die ich nicht verstehe – die oft gehörte Aussage, das könne doch nicht sein, wie könne die so etwas sagen**, die habe doch studiert. Ja und? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
Jedenfalls, die Frau K.
Sie arbeiten hier doch schon x Jahre lang, habe ich zu ihr gesagt. Sie sind es, die Ahnung haben. Ich weiß gar nichts wenig darüber, wie es hier läuft, da hilft es auch nichts wenig, studiert zu haben.

Und wie oft mir schon mal jemand gesagt hat, ich sei mutig. Weil ich allein durch die Berge wandere, den Job hinwerfe, was weiß ich. Und dann wundere ich mich, weil ich das überhaupt nicht mutig finde, weil ich mich überhaupt nicht mutig finde, ganz oft nicht, gerade, wenn es darum geht, den Mund aufzumachen, weil irgendwer mal wieder saublöde Bemerkungen macht. Das wäre mutig. Aber allein in den Wald gehen? Das ist kein Mut, das ist eine Notwendigkeit.

Sie stünde in unserer Schuld, sagte Frau R. am Telefon dann noch und ich versuchte (vermutlich vergeblich) ihr das wieder auszureden.
Da stehe ich plötzlich da wie jemand, der etwas für andere tut, dabei tue ich alles doch nur für mich selbst und sei es, weil ich mich selbst nicht mehr leiden könnte, hätte ich es nicht getan.
A. fällt mir ein, A., die viel zu oft mit der Angst zu kämpfen hat, es würde irgendwann auffliegen, irgendwann würden alle merken, dass sie gar nicht der gute Mensch ist, für den sie alle halten.
Immerhin damit habe ich kein Problem. Sollen sie mich doch halten, für wen sie wollen.
Aber merkwürdig ist es doch.

 


* Geklaut Inspiriert von einem längst vergangenen Programmheft des Heidelberger Theaters.
** Mir fällt gerade kein Beispiel ein, meistens aber hat es etwas mit „die“ und „wir“ zu tun.