Kategorie-Archiv: alles / nichts

Mama, ich habe einen Fehler

Mama, ich habe einen Fehler, sagt das Kind und meint damit zum Glück nicht sich, sondern den Webrahmen, der sie gerade abwechselnd in tiefste Verzweiflung und höchste Begeisterung stürzt. Manchmal darf ich dann helfen, manchmal muss ich aber auch zusehen, wie das Kind sämtliche Webschiffchen (falls die so heißen) wild durch die Gegend wirft, dabei immer noch Mama, ich habe einen Fehler brüllt, aber wehe, ich nähere mich weiter als auf einen Meter. Wehe auch, ich gehe weiter weg als fünf Meter. Hilfreiche Ratschläge geben geht natürlich auch nicht, klar. Wer will schon hilfreiche Ratschläge hören, ich am allerwenigsten. Also manchmal schon, aber oft genug auch nicht.

Neuerdings gehe ich manchmal zu M., M. hält unter anderem Stimmseminare, für eins davon habe ich mich gleich zwei Mal angemeldet, wurde aber immer krank und konnte dann doch nicht teilnehmen. Was dazu führte, dass ich nun ab und zu ganz ohne Seminar zu M. gehe. Und dort in schöner Regelmäßigkeit auf das kleine Mädchen stoße, das völlig verschüchtert in der letzten Reihe steht (von ihr war hier schon mal die Rede).

Und ich habe da überhaupt keine Lust mehr drauf, wirklich nicht. Ich habe auch keine Lust mehr auf diesen Berg Traurigkeit und alles, was mich danieder drückt, aber natürlich ist es der Traurigkeit völlig egal, was ich will und dass ich keine Lust mehr auf sie habe, die kommt trotzdem.
Das Gute ist, dass ich neuerdings wütend werde und das Gute ist auch, dass ich nun ein gutes Vorbild habe und Ha!, irgendwann werde ich auch einfach mal losbrüllen, dass mich bitteschön alle in Ruhe lassen sollen und wenn sie das tun, werde ich weiterbrüllen, dass sie mich bitteschön in zwei Meter Entfernung und mit ausgestreckten Armen in Ruhe lassen sollen.

Das schlechte ist, dass M. mir Sachen vorschlägt, oder nein, es ist eher so, dass er mich dazu bringt, dass ich die Sachen selbst vorschlage, was natürlich ungleich geschickter ist. Sachen wie, ich könnte ja einfach mal B sagen, wenn alle anderen A sagen.

Und dann passiert es schon wieder, Situation xy, und ich merke, wie ich immer kleiner und unsichtbarer werde und natürlich nicht B sage, um Himmels willen.

T. sagt, ich müsse Geduld haben und T. hat natürlich recht, aber verdammt, kann das nicht einfach schneller gehen? Was kann denn schon passieren, schlimmstenfalls. Nichts.

durchhängen

Und wieder hänge ich an der Frage fest, ob mein Verhalten saublöd war oder ob ich mir nicht einfach nur viel zu viel Gedanken darum mache.
Und schon wieder rede ich natürlich nicht darüber.
Vielleicht geht sie dorthin, die Energie, ins nicht-reden. Vielleicht ist sie auch einfach nicht da.

Meine Hosen gehen entweder kaputt oder passen nicht mehr. Ich fühle mich nicht nur schwer, ich bin es auch.
Dieses schwer-sein, diese blöde Traurigkeit, das mich-einigeln-wollen, ich bin es so leid.
Beim darüber nachdenken aber doch wieder nur traurig werden.

Während des schwer-seins immerhin Musik hören. Melody Gardot und wenig überraschend ist Your Heart Is As Black As Night mein Lieblingslied aus My One And Only Thrill.

Zum ersten Mal dieses Jahr gegrillt, zum ersten Mal mit kurzen Hosen herumgelaufen, zum wiederholten Mal Eis gegessen. m hat das Eis am besten gefallen, noch besser als schaukeln.
Ich fand am besten, auf der Terrasse sitzen und A. und ihre Gäste auf der anderen Seite des Tals am Lachen zu erkennen. Woraufhin mir einfiel, dass es Geburtstagsgäste sein müssten. Woraufhin ich des MMMs Trompete holte und der MMM ein Geburtstagsständchen hinüber spielte. Woraufhin die Nachbarn links von uns klatschten.
Dann das Geburtstagskind angerufen, Habt ihr es gehört?, gefragt. Ja, hatten sie. Außerdem wäre die Vermutung laut geworden, wir hätten A. am Lachen erkannt. Daraufhin zusammen gelacht.

Jetzt schon wieder nicht mehr weiter wissen. Die paar Absätze waren schwer genug.

Hallo.

Mal eben den Staub vom Blog pusten.
Dann einfach weiterschreiben, als wäre nichts gewesen.

Ich dachte drei Jahre lang, ich wäre eher der Typ besorgte Mutter, neuerdings aber finde ich mich andauernd in Situation wieder, die mir das Gegenteil beweisen. Kommt wohl immer darauf an, mit wem man sich vergleicht. Und aufs Kind vermutlich auch.

Was sich hingegen immer wieder bestätigt, ist die Sache mit der sozialen Inkompetenz. Neuerdings sitze ich des öfteren auf dem Spielplatz herum und mei. Erstaunlich, dass es Leute gibt, die einfach so irgendein Thema aufs Tapet bringen, minutenlang darüber erzählen (unter Umständen ganz ohne, dass irgendein anderer etwas dazu beiträgt) und dann von diesem Thema übergangslos aufs nächste und übernächste übergehen.
Wie machen die das nur?
(Nein, das ist nicht unbedingt das, was ich unter sozialer Kompetenz verstehe, aber es hat seine Vorteile im Vergleich zu: sitzen und sich anschweigen.)

Frau Nessy hat einen Beitrag übers Weitwandern verlinkt, Weitwandern ist natürlich immer etwas, das mich auch interessiert, daher habe ich hineingeklickt und nun ja. Ich weiß jetzt wieder, warum Wandern in einer Gruppe für mich keinesfalls das Wandern ist, das ich gerne mache.
Gleichzeitiges Staunen darüber, wie es möglich war, auf dem Weg nach Venedig trotzdem zu einer spontanen Minigruppe von drei Menschen zusammenzufinden. Sich nicht ein Mal auf die Nerven zu gehen. Vermutlich ging das nur deshalb so gut, weil wir vor allem auch miteinander schweigen konnten.
Und wie immer, wenn ich an unsere Minigruppe denke, auch ein bisschen Wehmut. Weil es am Ende dann doch nicht geklappt hat, mit dem in Kontakt bleiben. Obwohl es doch so schön war.

Jetzt nicht weiter wissen.

Trotzdem weiter schreiben.

Die Stapelverarbeitung hat sich erledigt, es gibt keine Stapel mehr. Obwohl, es gibt jetzt Aussortiert Einsortiert und WoBekommeIchDasWohlNochUnter?
Jetzt alles noch dreihundert Mal lesen und umschreiben und Sachen herausfinden. Wie Vererben geht. Polizeizeug.
Auf dem Spielplatz schon sieben Mal die Hundefrau ansprechen wollen, wegen Hundezeug. Gescheitert. Ist das denn so schwer (ja). Es ebenso wenig geschafft, A. deswegen anzusprechen. Dabei kenne ich A., zumindest besser als die Spielplatzfrau. Und A. erzählt total gern über Hunde. Wo ist das Problem?
Auch eine Polizeifrau auf dem Spielplatz. Ebenfalls gescheitert.
Es aber immerhin (mit Anlauf) geschafft, Frau Einhorn etwas zu fragen. Frau Einhorn weiß alles. (Und natürlich hat auch Frau Einhorn einen Hund, aber ach. Es ist kompliziert. Also eigentlich nicht, aber ich bin gut darin, es mir einzureden.)

Jetzt und hier überhaupt nur schreiben, weil ich das ausgewürfelt habe. Wenn gar nichts mehr geht, fange ich manchmal an zu würfeln. 1, 2, 3, 4, 5, 6 – 4 war der Blog. 2 ist auch schon erledigt (duschen).

Wieder zu einer Preisverleihung eingeladen worden. Hurra!

Und mal wieder jemandem auf die Füße getreten, aus Unachtsamkeit. Darüber kann ich tagelang nachdenken. Mag die mich nun noch? Bin ich noch ok?
Aber lieber nicht darüber reden.
m ist auch schon ziemlich gut im nicht darüber reden. Tja. Lernen am (schlechten) Vorbild.

Osterzeug basteln. Und wieder bestätigt sich, dass Geduld in solchen Dingen nicht meine Stärke ist. Hauptsache fertig siegt immer über Perfektion. Und ganz schnell der Schwenk von „macht Spaß“ zu Frustration, weil es eben doch nicht so perfekt hübsch aussieht, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Leise Befürchtungen, das könnte bei der Stapelverarbeitung ebenfalls so sein.

Gestern im Regen durch den Wald gelaufen. Ganz ungeplant ist das passiert und wie so oft komme ich mit tausend drei Ideen aus dem Wald heraus. Kaum sitze ich am Schreibtisch, verpuffen sie. Landen auf dem jaja-später-Stapel und wenn später kommt, ist die Energie weg. Und das war es dann mit der Idee.

Noch das Gute finden. Das Gute ist in den Menschen, in den Begegnungen. Manchmal klappt es dann doch mit der Sozialkompetenz.

Der Doktor hilft

Heute das Zahnarztorakel ausgetrickst und einfach mal die Perspektive verändert. Na gut, stimmt nicht, es war wohl eher Zufall, mich mal auf einen anderen Stuhl zu setzen. Und dann nicht das Zeitschriftenregal, sondern die Wand mit den Bilder- und Kinderbüchern vor Augen zu haben.

Und da stand an prominenter Stelle: „Der Doktor hilft.“

Daran habe ich mich dann über eine Stunde lang festgehalten (gedanklich, im Behandlungszimmer), an diesem Spruch. und ja, es dauerte wirklich so lange, eher sogar noch länger. Bei der alten Zahnärztin wurde ich ihn solchen Fällen gefragt, ob ich einen Film sehen oder Musik hören will. Hier war die Frage, ob man vielleicht das Radio anmachen solle?
Ja klar und dann kommt wieder „An Tagen wie diesen.“ Nein, danke.

Immerhin habe ich dieses Mal vorher daran gedacht, zu sagen, man, also die Zahnärztin möge doch bitte ab und zu sagen, was sie gerade so tut und wie lange es noch dauert.

Das schlimmste ist ja immer diese Plastikfolie im/über dem Mund. Und das Warten, bis es endlich losgeht.

Nun ja, es ist (fast) überstanden und sie (die Zahnärztin) war recht zuversichtlich, dass dieses Mal höchstwahrscheinlich alles gut wird.

*

Auf dem Heimweg noch im Elektronikfachmarkt meines Vertrauens gewesen. Da ist immer jemand ansprechbar! Und alle so nett! Und können einem weiterhelfen! Ich bin total gern da, auch wenn ich selten Grund dazu habe.

Kürzlich aber beschlossen wir, dass es an der Zeit sei, unserem Staubsauger eine neue Bodendüse zu gönnen. Gesagt, getan, der MMM schaute stundenlang im Internet, meinte, man müsse dazu dies und das und jenes wissen, später schaute auch ich ins Internet und wirklich, was es da alles zu bedenken gibt, ich verliere da noch schneller die Geduld als sowieso schon. Ich dachte, man gibt einfach nur die Herstellnummer (oder wie immer das heißt) irgendwo ein und alles ist gut.

Im Elektronikfachmarkt ging das dann auch so (oder zumindest hatte ich diesen Eindruck). Ich aber fand viel zu viele Möglichkeiten und hätte bestimmt genau die bestellt, die dann doch nicht passt. Immerhin war ich aber somit höchst professionell vorbereitet, als der freundliche Mitarbeiter nach ebenjener Herstellnummer fragte.

*

Und jetzt habe ich Hunger. Dummerweise fühlt sich meine linke Gesichtshälfte immer noch total taub an, das mit dem Essen könnte noch ein bisschen dauern. Die Taubheit hat aber vielleicht auch ihr Gutes, die freundliche Zahnärztin meinte nämlich, das Wochenende könne eventuell nicht ganz so freundlich werden. Aber dann! Dann wird alles gut.

Platte Reifen mit Musik

Heute wollte ich die Fahrradsaison eröffnen, bin dann allerdings daran gescheitert, die Reifen aufzupumpen.

Später beim MMM beschwert, was das mit diesen neumodischen Ventilen soll und wie kommen die überhaupt auf einmal ans Fahrrad, die waren doch letztes Jahr noch nicht da. Waren sie aber doch, die waren sogar schon immer da. Upsi.

Jedenfalls weiß ich jetzt, wie das geht.

Zuerst wusste ich es aber noch nicht und die platten Reifen, beziehungsweise mein Scheitern daran, die Luft aufzupumpen, warfen nicht nur meine Pläne über den Haufen, sondern auch ein Brot-Problem auf. Es war zwar noch ein Brotrest da, aber nun ja. Es gibt Brot und Brot und das Rest-Brot war von der Sorte, die man spätestens am zweiten Tag gegessen haben sollte. Dummerweise war heute aber schon der vierte Tag.

Und ich hatte die eröffnete Fahrradsaison für eine Fahrt zum Lieblingsbäcker nutzen wollen. Das Brot des Lieblingsbäckers ist nämlich das Weltbeste, man kann es auch nach einer Woche noch essen (falls dann überhaupt noch ein Rest da sein sollte, was eher unwahrscheinlich ist).

Tja nun. Kurz erwog ich, mit dem Auto zu fahren, aber nein, ich fahre sowieso andauernd Auto, auch wenn der Werkstattmeister meines Vertrauens das komischerweise immer anzweifelt. Bin ich also zu Fuß losgegangen, beim örtlichen Bäcker vorbei, dort habe ich das kleinste aller Brote gekauft und schon, als ich es vom Tresen heruntergenommen habe, wusste ich, diesen Einkauf hätte ich mir sparen können. Warum können die alle kein anständiges Brot backen (von Brötchen will ich gar nicht erst anfangen), was soll denn das. Besteht aus Luft und Kruste und spätestens an Tag zwei will das hier keiner mehr essen. In diesem Fall wollte es schon heute keiner essen.

Nun denn, gibt es halt bald mal wieder Knödel. Semmelknödel, versteht sich.

*

Heute Abend bei der Suche nach Prokrastinationsmöglichkeiten endlich mal wieder Musik gehört. We are young von Fun. Wenn ich irgendwann mal wieder mit einem Cabrio eine warme Sommernacht entlang fahren sollte, dann bitte mit diesem Lied. Genau meine Tonlage und derart gestaltet, dass beim Mitsingen überhaupt keine Zweifel daran aufkommen, was für eine grandiose Sängerin ich bin.

Dann fiel mir ein, dass ich in der Zeitung gelesen hatte, Alice Cooper habe heute Geburtstag. Habe ich also auch gleich noch Trash rauf und runter gehört. Und mitgesungen, natürlich (da wird es dann schon fraglicher).

Auf Bücher habe ich noch immer keine Lust. Letztens an einem Abend zehn angefangen, alle nach spätestens drei Seiten auf den Flohmarktstapel gelegt. Wer weiß, vielleicht hätte ich sie an anderen Tagen gelesen. Wenn ich auch im Internet nichts mehr zu lesen finde, fange ich manchmal an, mich durch YouTube zu klicken. Und dann entweder die Graham Norton Show zu sehen oder halt sonst irgendwo hängen zu bleiben.

Zum Beispiel bei Mikayla Jade. Mikayla Jade hat bei The Voice Australia mitgemacht, leider nur sehr kurz. Ich blieb bei diesem Video hängen und hätte mir dann gern noch stundenlang von Mikayla Jade vorsingen lassen, aber das ging leider nicht, aus Mangel an Videos.

Was ist das überhaupt für ein Lied, dachte ich und suchte nach dem Original, wurde auch fündig, stellte aber schnell fest, dass nun ja, das Original eher etwas für den Flohmarktstapel gewesen wäre.

*

So, schon wieder zehn Uhr vorbei, die Sache mit der Prokrastination hat prima funktioniert.

Versuch einer Antwort auf den Kommentar zum letzten Beitrag

Es ist kompliziert. Allein unterwegs sein, dafür muss ich mir nichts zutrauen, dafür brauche ich keinen Mut. Vielleicht war es mal so, vielleicht habe ich mal welchen gebraucht, aber das wäre dann so lange her, dass ich es längst vergessen habe. Und vielleicht habe ich mir das damals auch nicht zugetraut, dieses allein unterwegs sein, aber siehe da, es ging und was für ein Spaß das doch ist.

Vielleicht gibt es also gar keinen Widerspruch. Oder doch, aber vieles ist ein Widerspruch.

Zum Beispiel Entscheidungen. Man gebe mir eine Speisekarte, ich lese sie mir durch und Zack, weiß ich, was ich essen will (im Normalfall). Andererseits kann ich tagelang überlegen, ob ich jetzt oder morgen das Bad putze (im Normalfall eher morgen).

Oder diese Gruppensache.
Ich wundere mich ja des öfteren darüber, über was sich andere Leute so Gedanken machen. Dass die Fenster ordnungsgemäß geputzt sind. Was man alles sein und tun muss, um „eine gute Mutter“ zu sein. Oder überhaupt ein guter Mensch. Ob man einfach so den Seminarraum verlassen darf oder nicht. Ob man eine Putzhilfe in Anspruch nehmen darf.
Und vieles andere mehr, meist im Hinblick darauf, was „die Leute“ wohl von einem denken.

Ist mir das so egal, was die Leute von mir denken.

Ich war mal bei einem Seminar, da sagte eine Teilnehmerin, sie hätte sich vorher Sorgen darüber gemacht, ob die anderen Teilnehmerinnen sie wohl mögen würden.
Ich hingegen hatte mich gefragt, ob ich die anderen mögen würde.
Vielleicht liegt das daran, dass ich davon ausgehe, dass mich die anderen ja eh mögen. Warum sollten sie nicht, sie tun es doch bisher auch meistens. Und selbst wenn nicht, dann ist das deren ihr Problem und nicht meins.

Und nun kommt der Widerspruch, denn andererseits wundere ich mich dann auch darüber, dass mich jemand in seiner Gruppe dabei haben möchte. Mich? Echt jetzt? Nun denn. Ich freue mich, mache gegebenenfalls mit und sehe überall Zeichen, dass ich eigentlich doch nicht dazugehöre und die anderen sich nur nicht trauen, mich wieder rauszuwerfen. Ich neige dann dazu, mich auf die eine oder andere Art andauernd versichern zu müssen, tatsächlich dazuzugehören oder aber still und heimlich der Meinung zu sein, eben nicht dazuzugehören und mich mehr oder weniger ausgeschlossen zu fühlen, obwohl ich doch dabei bin und überhaupt keinen Grund habe, alles anzuzweifeln.

*

Was auch kompliziert ist:
Kürzlich fragte mich jemand, worum es in der Stapelverarbeitung denn eigentlich ginge.
Nichts schlimmeres als diese Frage.
Es soll ja Schreibende geben, die nichts lieber tun, als über ihre Geschichten und Figuren zu erzählen. Ich hingegen möchte jedem am liebsten nur „dann lies es halt selbst“ an den Kopf werfen.
In diesem Fall bot sich diese Antwort nicht unbedingt an, daher sagte ich erst einmal sehr lange Zeit gar nichts, bevor ich schließlich anfing, ähms und öhms aneinander zu reihen.
Der Fragende war da schon mehr auf Zack, fragte Sachen wie: Liebesgeschichte? Familiengeschichte? Historische Erzählung?
Ich verneinte munter drauflos und wusste noch immer nicht weiter.
Familiengeschichte – das vielleicht noch am ehesten. Kaputte Familie, versteht sich.

In Sachen Stapelverarbeitung tut sich momentan auch nichts. Das heißt, ich tue momentan nichts dafür. Weil es so viel anderes zu tun gibt.
Das ich allerdings auch nicht tue.
Aber hey, die Heizungsfrau hat sich gemeldet. Ganz von selbst.
(Sofern man das nach x Nachfragen noch so nennen kann.)

Black Thursday Night

Nachdem ich gestern Abend derart müde war, dass ich schon gegen zehn Uhr im Bett lag (was in meinem Fall ziemlich früh ist), konnte ich natürlich überhaupt nicht schlafen, also zuerst schon, dann aber nicht mehr, dann doch wieder, dann nicht mehr, undsoweiter. m ging das wohl ähnlich, denn auf einmal hatte ich zu allem Elend viel weniger Platz als vorher, das vereinfachte die Sache nicht unbedingt.

Heute morgen wollte ich dann überhaupt gar nicht aufstehen. Was nicht wirklich etwas Neues ist, im Grunde ist es sogar eher ein Dauerzustand. Dann stand ich aber doch auf, ging ja nicht anders und so gegen zwölf wurde alles wieder einigermaßen erträglich, das ist jetzt auch nicht sonderlich überraschend. Überraschend ist auch nicht, dass es half, nach draußen zu gehen.

Und dort (draußen) einen Eimer (im übertragenen Sinn) voll Spinat zu kaufen. Spinat und ich, das ist eine späte Liebe. Jahrelang dachte ich, dass ich Spinat nun wirklich nicht ausstehen kann, jahrelang machte der MMM nur dann Spinat, wenn ich gerade nicht da war. Ich weiß nicht mehr, wann ich feststellte, dass Spinat nicht nur viel weniger schlimm war als befürchtet, sondern ganz im Gegenteil sogar überaus erfreulich.
Ähnliches übrigens mit Tomaten und Kiwi. Na gut, Kiwis hatten jetzt nicht den durchschlagenden Erfolg, aber vermutlich nur deshalb, weil Obst und ich sich einfach nicht anfreunden können. Abgesehen von Himbeeren, versteht sich.

Im Draußen hätte ich auch beinahe eine Spirituose gekauft, aber dann wusste keiner, was die kostet, beziehungsweise der es wusste, war gerade auf einer Beerdigung. Tja nun. War trotzdem lustig in diesem Laden. m fand das auch, sie hat Gummibärchen bekommen. Ich nicht, Frechheit.

Und ich konnte endlich den Abfallvermeidungsregal* Punkt von der Liste streichen. Da habe ich nämlich die Schwimmwindeln hingebracht und mir im Gegenzug eine Vase mitgenommen. Was jetzt nicht geplant gewesen war, also das mitnehmen (all dieses Zeug!), aber sie war so schön gelb.

Morgen wird alles gut, morgen machen wir Holz. Ich liebe Holz machen. Ich habe nur ein bisschen Angst, mich darauf zu freuen, denn üblicherweise kommt es dann so, dass es aus Eimern regnet oder m am Rad dreht oder mir kotzübel ist oder wasweißich.
Aber Holz machen! Hach.
Holz machen ist auch ein bisschen wie Spinat. Früher fand ich das doof. Aber kaum muss man nicht mehr jeden zweiten Samstag an der Säge stehen und Holzscheite herumwerfen, schon ist es ein großer Spaß.
Also vielleicht hoffentlich.

Gestern und heute passierte natürlich rein gar nichts in Sachen Stapelverarbeitung.

Gestern habe ich immerhin ein Buch gelesen, 36 Fragen an dich von Vicki Grant (Jugendbuch). Das war genau das richtige Buch zur richtigen Zeit, angenehme Unterhaltung, nicht besonders anstrengend, nicht besonders mitnehmend, eben einfach schön unterhaltend, dabei auch nicht völlig banal, vorhersehbar und meine-Güte-so-redet-doch-niemand-miteinander-was-sind-das-für-Vollpfosten-Figuren.
Heute lese ich dann bei Frau Nessy diesen Eintrag und denke kurz, sie hat das gleiche Buch gelesen wie ich, stimmt aber nicht (also nicht dass ich wüsste), nichtsdestotrotz ist das, also ihr Link zu diesem Artikel, mal wieder einer dieser lustigen Zufälle, denn in diesem Artikel geht es um genau die gleichen 36 Fragen.

 


* das heißt wirklich so!

Hopp, hopp

Eigentlich wollte ich gestern zum Niemann-Interview noch etwas dazuschreiben, so in der Art, warum ich mir das anhöre und warum alle anderen das auch tun sollten. Dann fiel mir aber nichts ein. Heute morgen habe ich das mittlere Drittel des Interviews erneut gehört, das letzte Drittel überhaupt zum ersten Mal und da fiel mir auf, dass ich gestern hätte schreiben können, dass er sagt, man müsse reduzieren. Er hätte das im Laufe der Jahre gelernt. Reduktion ist quasi immer gut, weil sie bewirkt, dass derjenige, der seine Sachen „konsumiert“ gleichzeitig auch etwas „produziert“, also etwas in die Bilder hineintut, von sich selbst, und das könne er nicht, wenn alles schon da wäre.
Na, das höre ich gern.
Dann sagte er noch, man solle dem Prozess vertrauen. Wenn man Arbeit reinsteckt, wird schon irgendetwas dabei herauskommen. Was jetzt natürlich sehr vereinfacht und wie obiges in meinen eigenen Worten, wie ich es verstanden habe, hier steht.

Die Sache mit „dem Prozess vertrauen“, die habe ich auch schon in einem ganz anderen Umfeld zu hören bekommen, schon da fand ich das ziemlich schlüssig.

Vertraue ich also dem Prozess. Und sobald alle Schnipsel auf den Stapeln „aussortiert“ oder „verarbeitet“ gelandet sind, kann ich immer noch herumjammern.
Nun ja, erinnern Sie mich bei Gelegenheit daran.

Gestern auch noch das ebenfalls gestern erwähnte Messer-Buch gelesen durchgeblättert. Wieder einmal gedacht, dass ich das selber machen müsste. Also ein Messer schleifen, beispielsweise.
Tja nun.
Davon abgesehen aber doch einige brauchbare Dinge aus dem Buch gelernt und mindestens zwei Ideen gehabt, die eventuell zu weiteren Schnipseln werden.

Heute dann einen dieser Tage erwischt, an denen man siebentausend drei Sachen erledigt und sich unglaublich produktiv vorkommt. Nämlich Lebensmittel einkaufen (schon wieder), diverse andere Dinge einkaufen, Schuhe für m kaufen (schon wieder). Dieses Mal in dem anderen Schuhladen gewesen. Und schon wieder gedacht, dass ich nächstes Mal nur noch in diesen Laden gehe. Weil da so ein netter Verkäufer ist, der dafür sorgt, dass ich mir nicht vorkomme, als würde ich stören.

Genau das gleiche dann auch in der Bücherei erlebt, in der anderen. Die freuen sich darüber, dass wir da sind! Na gut, vor allem freuen sie sich über m, wer will es ihnen verdenken.
m wollte natürlich gerade heute, als wir gar nicht so viel Zeit zum Vertrödeln hatten, ihre Bücher selbst aussuchen und zwar ohne mich. Ich hätte also in aller Ruhe durch die Regale stöbern können, aber nein, ich stehe neben ihr und sage Hopp, Hopp.

So jemanden bräuchte ich jetzt auch, eine, die sich neben mich stellt und Hopp, Hopp sagt. An die Arbeit, Stapelverarbeitung, los, los.

Das Sofa der unerwünschten Bücher

und vermutlich werde ich morgen von all dem schon wieder nichts wissen wollen
Morgen? Haha. So lange musste ich gar nicht erst warten. Was für eine bekloppte Idee, dachte ich schon gestern Abend, neben „das wird dann aber ein dünnes Bändchen“ und „wo soll eigentlich der ganze Inhalt herkommen?“
Die Stapelverarbeitung endete gestern eher unbefriedigend, nämlich darin, dass ich dachte, alles, was ich noch auf den Stapeln habe, sei doch längst schon geschrieben, alles weitere also auch nur ein Wiederholung dessen, was schon da war und alles, was keine Wiederholung ist, passt nicht dazu und muss aussortiert werden.
Nun ja, bei Licht betrachtet, ist es vielleicht nicht ganz so schlimm.
Aber muss das immer so ein hin und her sein?

Gestern mit m und der Oma Schuhe einkaufen gewesen, also für m. Im Schuhladen in der Rosa-Hellblau-Hölle gelandet. Und herrje, müssen wirklich überall Einhörner drauf sein (Verzeihung, Frau Einhorn)? Mit Glitzer? Und Puscheln? Und überall Filz, diesen Filz-Hype kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Sieht vielleicht hübsch aus, aber das will doch keiner anfassen, ich zumindest nicht.
Ein Glück hat das Kind noch keine eigene Meinung zu Schuhen, geht man mit dem Kind ins Schuhgeschäft ist das wichtigste, dass es dort eine Rutsche gibt, daher kann man ihm, dem Kind, problemlos die harmlosesten Schuhen von allen unterjubeln. Sofern man es von der Rutsche wegbekommt, um die Schuhe anzuprobieren.
Mädchen wollen nun mal pink mit Glitzer, sagt die Schuhverkäuferin. Ja klar, vor allem, wenn sie das von dir und siebentausend anderen Leuten eingeredet bekommen.
Und ja, ich weiß, irgendwann wird vielleicht auch m auf pink mit Glitzer bestehen, aber mei, ich fände es trotzdem schöner, gäbe es einfach Schuhe für Kinder und nicht solche für Jungs und Mädchen.

Dann natürlich die Gelegenheit genutzt, noch in der Bücherei vorbeizugehen. Die Oma ganz begeistert von Vom Glück zu zweit zu sein von Nadine Brun-Cosme und Olivier Tallec, also für m. Der MMM und ich eher nicht so. Erstens wegen der Holzhammer-Message, dann aber auch, weil: hat sich die Autorin das selbst mal vorgelesen? Spätestens beim hundertfünfzigstem „der kleine Wolf/der große Wolf“ war ich bereit, das Buch hinter Sofa verschwinden zu lassen. Oder im Sofa, denn ja, das geht bei uns. Oder vielmehr ging. Nachdem der MMM kürzlich eine halbe Stunde damit verbracht hat, sein Handy wieder aus dem Sofa herauszufriemeln, haben wir einen Lüftungsfilter im Sofa verbaut. Müssen wir unliebsame Bücher wohl anderweitig verschwinden lassen.

In der Bücherei lag auch total zufällig ein Buch über Messer herum, das kommt mir sehr gelegen, so in Sachen Stapelverarbeitung.

Und Mehr Schwarz als Lila von Lena Gorelik habe ich auch mitgenommen, also für mich. Und auch gleich gelesen. Hinterher im Internet nach Meinungen dazu geforscht, dabei auf einen Blog gestoßen, in dem die Bloggerin mit dem Buch auf einem Strandlaken posiert. Was soll das denn? Ich musste jedenfalls sogleich an Celeste Barber denken.
Im Internet habe ich nach Meinungen gesucht, weil ich etwas unentschlossen war, was ich von dem Buch halten soll. Nun ja, das weiß ich jetzt immer noch nicht, es fand sich keine passende Meinung. Muss ich mir wohl doch selbst eine machen.

Bei der Suche nach einem Link für das Wolfsbuch auf eine Meinung zu ebendiesem gestoßen. Geht das: Ein Bilderbuch über Freundschaft ohne einen Schatten von Kitsch? Ja, meint der Artikel. Nun. Rührselig wäre jetzt so ungefähr das erste Adjektiv, das mir zu diesem Buch eingefallen wäre.
Aber vielleicht habe ich heute auch einfach nur schlechte Laune.

Von A nach B

Die Stapelverarbeitung stockt. Befindet sich an Punkt A, in naher Ferne ist Punkt B abzusehen, an den ich mich aber noch nicht herantraue, der auch noch keinen Sinn macht, denn dazwischen klafft eine Lücke, was da hinein soll, weiß der Geier, ich hingegen weiß noch nicht einmal, in welchem Stapel ich nach dem Lückenfüller suchen könnte.
Interessanterweise fällt es mit diesem Status leichter, die Datei zu öffnen. Weil sich ja eh nichts tut. Ich klicke hinein, lese herum, ändere da einen Satz, füge hier was hinzu, lösche dort etwas weg und dann, auf einmal fällt mir auf, dass genau das passiert ist, was einem (unter anderem) angedroht wird, wenn man ohne Plan Schnipsel aneinanderreiht: Die Reihenfolge stimmt nicht. Stimmt nicht bedeutet zum Beispiel, dass auf Seite 48 jemand tot ist, der auf Seite 54 noch am Leben sein sollte.
Das ist natürlich eher schlecht.
Eher gut ist, dass ich zufällig herausgefunden habe, wie ich im Dokument ganz einfach Kapitel hin- und herschieben kann. Obwohl das vielleicht auch wieder schlecht ist, denn nun schiebe ich lustig Kapitel hin und her, weil das so schön einfach ist, anstatt in aller Ruhe zu überlegen, was denn nun genau wohin gehört.
Eher gut ist natürlich auch, dass ich jetzt wieder etwas zu tun habe, die richtige Reihenfolge finden nämlich und wer weiß, vielleicht gibt es gar keine Lücke mehr, wenn diese Aufgabe vollbracht ist.

Zwischendurch suche ich verzweifelt nach Ablenkung, nur, zum Lesen habe ich noch immer keine rechte Lust.
Ich lese natürlich trotzdem, was soll man auch sonst machen.
Zuletzt Mein Leben von Marcel Reich-Ranicki. Was ich hier vor allem deshalb schreibe, weil ich dieses Buch vor allem aus dem Grund gelesen habe, dass andere Leute mir andauernd Zitate daraus vor die Füße geworfen haben, na ja, nicht so direkt, aber irgendwie eben doch und ja, lesen Sie das Buch, es lohnt sich. Sage ich, obwohl ich einiges davon nur überflogen haben.
Die Alternative (zum Lesen), nämlich die Heizungsfrau anzurufen, die muss natürlich unter allen Umständen prokrastiniert werden, daher habe ich heute schon Rauchmelder-Batterien getauscht, Wäsche aufgehängt, Daten gebackupt, fast die Fliege erwischt, die mich seit Tagen in den Wahnsinn treibt und des Kindes Spielzeugnudeln neu eingetütet.
Was man halt so macht.