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Mama, ich habe einen Fehler

Mama, ich habe einen Fehler, sagt das Kind und meint damit zum Glück nicht sich, sondern den Webrahmen, der sie gerade abwechselnd in tiefste Verzweiflung und höchste Begeisterung stürzt. Manchmal darf ich dann helfen, manchmal muss ich aber auch zusehen, wie das Kind sämtliche Webschiffchen (falls die so heißen) wild durch die Gegend wirft, dabei immer noch Mama, ich habe einen Fehler brüllt, aber wehe, ich nähere mich weiter als auf einen Meter. Wehe auch, ich gehe weiter weg als fünf Meter. Hilfreiche Ratschläge geben geht natürlich auch nicht, klar. Wer will schon hilfreiche Ratschläge hören, ich am allerwenigsten. Also manchmal schon, aber oft genug auch nicht.

Neuerdings gehe ich manchmal zu M., M. hält unter anderem Stimmseminare, für eins davon habe ich mich gleich zwei Mal angemeldet, wurde aber immer krank und konnte dann doch nicht teilnehmen. Was dazu führte, dass ich nun ab und zu ganz ohne Seminar zu M. gehe. Und dort in schöner Regelmäßigkeit auf das kleine Mädchen stoße, das völlig verschüchtert in der letzten Reihe steht (von ihr war hier schon mal die Rede).

Und ich habe da überhaupt keine Lust mehr drauf, wirklich nicht. Ich habe auch keine Lust mehr auf diesen Berg Traurigkeit und alles, was mich danieder drückt, aber natürlich ist es der Traurigkeit völlig egal, was ich will und dass ich keine Lust mehr auf sie habe, die kommt trotzdem.
Das Gute ist, dass ich neuerdings wütend werde und das Gute ist auch, dass ich nun ein gutes Vorbild habe und Ha!, irgendwann werde ich auch einfach mal losbrüllen, dass mich bitteschön alle in Ruhe lassen sollen und wenn sie das tun, werde ich weiterbrüllen, dass sie mich bitteschön in zwei Meter Entfernung und mit ausgestreckten Armen in Ruhe lassen sollen.

Das schlechte ist, dass M. mir Sachen vorschlägt, oder nein, es ist eher so, dass er mich dazu bringt, dass ich die Sachen selbst vorschlage, was natürlich ungleich geschickter ist. Sachen wie, ich könnte ja einfach mal B sagen, wenn alle anderen A sagen.

Und dann passiert es schon wieder, Situation xy, und ich merke, wie ich immer kleiner und unsichtbarer werde und natürlich nicht B sage, um Himmels willen.

T. sagt, ich müsse Geduld haben und T. hat natürlich recht, aber verdammt, kann das nicht einfach schneller gehen? Was kann denn schon passieren, schlimmstenfalls. Nichts.

durchhängen

Und wieder hänge ich an der Frage fest, ob mein Verhalten saublöd war oder ob ich mir nicht einfach nur viel zu viel Gedanken darum mache.
Und schon wieder rede ich natürlich nicht darüber.
Vielleicht geht sie dorthin, die Energie, ins nicht-reden. Vielleicht ist sie auch einfach nicht da.

Meine Hosen gehen entweder kaputt oder passen nicht mehr. Ich fühle mich nicht nur schwer, ich bin es auch.
Dieses schwer-sein, diese blöde Traurigkeit, das mich-einigeln-wollen, ich bin es so leid.
Beim darüber nachdenken aber doch wieder nur traurig werden.

Während des schwer-seins immerhin Musik hören. Melody Gardot und wenig überraschend ist Your Heart Is As Black As Night mein Lieblingslied aus My One And Only Thrill.

Zum ersten Mal dieses Jahr gegrillt, zum ersten Mal mit kurzen Hosen herumgelaufen, zum wiederholten Mal Eis gegessen. m hat das Eis am besten gefallen, noch besser als schaukeln.
Ich fand am besten, auf der Terrasse sitzen und A. und ihre Gäste auf der anderen Seite des Tals am Lachen zu erkennen. Woraufhin mir einfiel, dass es Geburtstagsgäste sein müssten. Woraufhin ich des MMMs Trompete holte und der MMM ein Geburtstagsständchen hinüber spielte. Woraufhin die Nachbarn links von uns klatschten.
Dann das Geburtstagskind angerufen, Habt ihr es gehört?, gefragt. Ja, hatten sie. Außerdem wäre die Vermutung laut geworden, wir hätten A. am Lachen erkannt. Daraufhin zusammen gelacht.

Jetzt schon wieder nicht mehr weiter wissen. Die paar Absätze waren schwer genug.

Hallo.

Mal eben den Staub vom Blog pusten.
Dann einfach weiterschreiben, als wäre nichts gewesen.

Ich dachte drei Jahre lang, ich wäre eher der Typ besorgte Mutter, neuerdings aber finde ich mich andauernd in Situation wieder, die mir das Gegenteil beweisen. Kommt wohl immer darauf an, mit wem man sich vergleicht. Und aufs Kind vermutlich auch.

Was sich hingegen immer wieder bestätigt, ist die Sache mit der sozialen Inkompetenz. Neuerdings sitze ich des öfteren auf dem Spielplatz herum und mei. Erstaunlich, dass es Leute gibt, die einfach so irgendein Thema aufs Tapet bringen, minutenlang darüber erzählen (unter Umständen ganz ohne, dass irgendein anderer etwas dazu beiträgt) und dann von diesem Thema übergangslos aufs nächste und übernächste übergehen.
Wie machen die das nur?
(Nein, das ist nicht unbedingt das, was ich unter sozialer Kompetenz verstehe, aber es hat seine Vorteile im Vergleich zu: sitzen und sich anschweigen.)

Frau Nessy hat einen Beitrag übers Weitwandern verlinkt, Weitwandern ist natürlich immer etwas, das mich auch interessiert, daher habe ich hineingeklickt und nun ja. Ich weiß jetzt wieder, warum Wandern in einer Gruppe für mich keinesfalls das Wandern ist, das ich gerne mache.
Gleichzeitiges Staunen darüber, wie es möglich war, auf dem Weg nach Venedig trotzdem zu einer spontanen Minigruppe von drei Menschen zusammenzufinden. Sich nicht ein Mal auf die Nerven zu gehen. Vermutlich ging das nur deshalb so gut, weil wir vor allem auch miteinander schweigen konnten.
Und wie immer, wenn ich an unsere Minigruppe denke, auch ein bisschen Wehmut. Weil es am Ende dann doch nicht geklappt hat, mit dem in Kontakt bleiben. Obwohl es doch so schön war.

Jetzt nicht weiter wissen.

Trotzdem weiter schreiben.

Die Stapelverarbeitung hat sich erledigt, es gibt keine Stapel mehr. Obwohl, es gibt jetzt Aussortiert Einsortiert und WoBekommeIchDasWohlNochUnter?
Jetzt alles noch dreihundert Mal lesen und umschreiben und Sachen herausfinden. Wie Vererben geht. Polizeizeug.
Auf dem Spielplatz schon sieben Mal die Hundefrau ansprechen wollen, wegen Hundezeug. Gescheitert. Ist das denn so schwer (ja). Es ebenso wenig geschafft, A. deswegen anzusprechen. Dabei kenne ich A., zumindest besser als die Spielplatzfrau. Und A. erzählt total gern über Hunde. Wo ist das Problem?
Auch eine Polizeifrau auf dem Spielplatz. Ebenfalls gescheitert.
Es aber immerhin (mit Anlauf) geschafft, Frau Einhorn etwas zu fragen. Frau Einhorn weiß alles. (Und natürlich hat auch Frau Einhorn einen Hund, aber ach. Es ist kompliziert. Also eigentlich nicht, aber ich bin gut darin, es mir einzureden.)

Jetzt und hier überhaupt nur schreiben, weil ich das ausgewürfelt habe. Wenn gar nichts mehr geht, fange ich manchmal an zu würfeln. 1, 2, 3, 4, 5, 6 – 4 war der Blog. 2 ist auch schon erledigt (duschen).

Wieder zu einer Preisverleihung eingeladen worden. Hurra!

Und mal wieder jemandem auf die Füße getreten, aus Unachtsamkeit. Darüber kann ich tagelang nachdenken. Mag die mich nun noch? Bin ich noch ok?
Aber lieber nicht darüber reden.
m ist auch schon ziemlich gut im nicht darüber reden. Tja. Lernen am (schlechten) Vorbild.

Osterzeug basteln. Und wieder bestätigt sich, dass Geduld in solchen Dingen nicht meine Stärke ist. Hauptsache fertig siegt immer über Perfektion. Und ganz schnell der Schwenk von „macht Spaß“ zu Frustration, weil es eben doch nicht so perfekt hübsch aussieht, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Leise Befürchtungen, das könnte bei der Stapelverarbeitung ebenfalls so sein.

Gestern im Regen durch den Wald gelaufen. Ganz ungeplant ist das passiert und wie so oft komme ich mit tausend drei Ideen aus dem Wald heraus. Kaum sitze ich am Schreibtisch, verpuffen sie. Landen auf dem jaja-später-Stapel und wenn später kommt, ist die Energie weg. Und das war es dann mit der Idee.

Noch das Gute finden. Das Gute ist in den Menschen, in den Begegnungen. Manchmal klappt es dann doch mit der Sozialkompetenz.

Der Doktor hilft

Heute das Zahnarztorakel ausgetrickst und einfach mal die Perspektive verändert. Na gut, stimmt nicht, es war wohl eher Zufall, mich mal auf einen anderen Stuhl zu setzen. Und dann nicht das Zeitschriftenregal, sondern die Wand mit den Bilder- und Kinderbüchern vor Augen zu haben.

Und da stand an prominenter Stelle: „Der Doktor hilft.“

Daran habe ich mich dann über eine Stunde lang festgehalten (gedanklich, im Behandlungszimmer), an diesem Spruch. und ja, es dauerte wirklich so lange, eher sogar noch länger. Bei der alten Zahnärztin wurde ich ihn solchen Fällen gefragt, ob ich einen Film sehen oder Musik hören will. Hier war die Frage, ob man vielleicht das Radio anmachen solle?
Ja klar und dann kommt wieder „An Tagen wie diesen.“ Nein, danke.

Immerhin habe ich dieses Mal vorher daran gedacht, zu sagen, man, also die Zahnärztin möge doch bitte ab und zu sagen, was sie gerade so tut und wie lange es noch dauert.

Das schlimmste ist ja immer diese Plastikfolie im/über dem Mund. Und das Warten, bis es endlich losgeht.

Nun ja, es ist (fast) überstanden und sie (die Zahnärztin) war recht zuversichtlich, dass dieses Mal höchstwahrscheinlich alles gut wird.

*

Auf dem Heimweg noch im Elektronikfachmarkt meines Vertrauens gewesen. Da ist immer jemand ansprechbar! Und alle so nett! Und können einem weiterhelfen! Ich bin total gern da, auch wenn ich selten Grund dazu habe.

Kürzlich aber beschlossen wir, dass es an der Zeit sei, unserem Staubsauger eine neue Bodendüse zu gönnen. Gesagt, getan, der MMM schaute stundenlang im Internet, meinte, man müsse dazu dies und das und jenes wissen, später schaute auch ich ins Internet und wirklich, was es da alles zu bedenken gibt, ich verliere da noch schneller die Geduld als sowieso schon. Ich dachte, man gibt einfach nur die Herstellnummer (oder wie immer das heißt) irgendwo ein und alles ist gut.

Im Elektronikfachmarkt ging das dann auch so (oder zumindest hatte ich diesen Eindruck). Ich aber fand viel zu viele Möglichkeiten und hätte bestimmt genau die bestellt, die dann doch nicht passt. Immerhin war ich aber somit höchst professionell vorbereitet, als der freundliche Mitarbeiter nach ebenjener Herstellnummer fragte.

*

Und jetzt habe ich Hunger. Dummerweise fühlt sich meine linke Gesichtshälfte immer noch total taub an, das mit dem Essen könnte noch ein bisschen dauern. Die Taubheit hat aber vielleicht auch ihr Gutes, die freundliche Zahnärztin meinte nämlich, das Wochenende könne eventuell nicht ganz so freundlich werden. Aber dann! Dann wird alles gut.

Kartoffelbrei und Geschichten von P.

Irgendwann habe ich schon einmal das Kartoffelbrei-Elend erwähnt. Ah ja, hier: *klick*
Kurzfassung: Er wollte einfach nicht gelingen, der Kartoffelbrei. Obwohl ich doch genau das gleiche tat wie H., deren Kartoffelbrei ganz vorzüglich gelingt.

Tja, nun, magische Dinge geschehen.
Vielmehr geschahen. Und seither klappt es. Heute auch wieder. Keine Ahnung, was jetzt anders ist, denn ich mache alles ganz genauso wie zuvor auch.

Von daher bin ich jetzt bereit für Stufe Zwei: Schupfnudeln.

Heute bei H. (H.s Schupfnudeln sind ähnlich vorzüglich wie H.s Kartoffelbrei) habe ich ein wenig assistiert, mir aufgeschrieben, was sich aufschreiben lässt und irgendwann demnächst werde ich noch einmal Schupfnudeln ausprobieren. Und noch einmal und noch einmal, vielleicht muss man einfach nur lang genug dranbleiben, vielleicht klappt das alles erst beim achtzigsten Versuch, weil isso.

Vielleicht könnte ich auch das Parkplatz-Wünschen darauf anwenden, denn – oh Wunder: es funktioniert (die Zahnarztsache, Sie erinnern sich). Ich habe hinterher tatsächlich kurz überlegt, mir doch wieder den nächsten Termin geben zu lassen, denn im Vergleich zum letzten Mal war das nun wirklich aushaltbar und es wäre doch auch viel bequemer, aber im Vergleich zu Frau M., tja nun. Da sind noch immer Welten dazwischen. Von daher, nein, lieber nicht.

Beim Schupfnudel-Essen wieder einmal gedacht, mir unbedingt P.s Geschichten merken zu wollen. Aufschreiben hatte ich schon probiert, aber es ist einfach nicht das gleiche. P.s Geschichten muss man erzählt bekommen, am besten von P.
Was aber, wenn das nicht mehr geht.

Heute gab es die eine, die eigentlich gar nicht P.s Geschichte ist, sondern die von H.

H. hat früher mitgeholfen, überall da, wo Hilfe gebraucht wurde, also im Grunde bei allem. Kartoffeln zusammen lesen, beispielsweise. H. half mit, genau wie die eigenen Kinder. Und als die Arbeit getan und zum Essen gerufen wurde, wollte sich H. vom Acker machen (buchstäblich, quasi). Du bleibst da, hieß es. Wo acht satt werden, ist für dich auch noch etwas da. Und so saß H. zwischen den anderen acht und ob tatsächlich alle satt wurden, man weiß es nicht, die Geschichte spielt zu einer Zeit, in der es noch nicht selbstverständlich war, satt zu werden oder überhaupt etwas zu essen zu haben. Aber egal, im Zweifelsfall wurden man eben gemeinsam nicht satt.

Jedenfalls, so der P., erzähle H. die Geschichte heute noch. H. habe nämlich auch anderswo bei der Arbeit geholfen, auch anderswo gab es nach getaner Arbeit meist etwas zu essen, aber nicht unbedingt das, was alle anderen, was die „eigenen“ zu essen bekamen. Für den einen das Schnitzel, für den anderen das Butterbrot (sinngemäß). Bei euch war das nicht so, sage H. Und dass er das niemals vergessen werde.

Und schon bin ich wieder beim Karma Business (Sie erinnern sich auch daran?) und dem, was all die anderen Selbsthilfebücher erzählen.

Weil nämlich H. diese Geschichte nicht nur immer noch erzählt, sondern auch immer dann, wenn sich die Möglichkeit ergibt, dem P. Gutes zu tun, dem P. Gutes tut. Und alles nur, weil alle gemeinsam satt wurden (oder eben nicht).

Diese Geschichte führte natürlich gleich zur nächsten Geschichte, nämlich die, in der E. nach dem Mittagessen ein Schläfchen einlegt, direkt am Esstisch, mit dem Kopf auf den Armen.
Und sich nach dem Schläfchen umsieht, um ihn herum steht noch immer das Geschirr und die Töpfe vom Essen, und wie E. dann fragt, ob er das Geschirr spülen solle und R. sagt, von ihr aus könne er das gerne tun.
(Mit E = Familienvater und R = Tochter und das zu einer Zeit, in der die Möglichkeit, dass der Vater das Geschirr spült nun wirklich nicht vorgesehen war.)

Unweigerlich folgt vom Erzähler der Zusatz: „G. hätte das nicht sagen dürfen, da wäre was los gewesen.“

Um gleich zur nächsten Geschichte zu springen, in der E. ins Haus gehen wollte, mit dreckigen Schuhen, obwohl doch gerade aufgewischt worden war. Wie R. sagte, er möge noch eine halbe Stunde warten und E. genau das getan hat.

Und wie auch das nicht möglich gewesen wäre, hätte G. das gleiche gesagt. Weil G. zwar das gleiche gesagt hätte, aber sie hätte es eben anders gesagt.

Womit ich dann irgendwie wieder bei der Kartoffelbrei-Magie gelandet bin (das gleiche, nur anders), nur, dass bei der Kartoffelbrei-Magie völlig unklar ist, worin der Unterschied besteht. Im Gegensatz zu R. und G.

Bloß keine Umstände

Nachdem ich gestern Frau Nessys Link zu Katja Niedermeier gefolgt bin, habe ich nun doch etwas gelesen. Oder na ja, überflogen. Nämlich Gelassenheit im Job von – Überraschung! – Katja Niedermeier. Nun habe ich aktuell noch nicht mal einen Job und wenn ich einen hätte, wäre Gelassenheit vermutlich das letzte, was ich mir aneignen müsste. Aber nun, das gab es eben in der Onleihe, man liest, was man (umsonst) bekommen kann.

Was jetzt nicht ganz stimmt, denn ich habe mir nun auch noch Karma Business eingekauft. Von – Überraschung! – Katja Niedermeier.

Eigentlich kann ich ja keine Selbsthilfe-Bücher mehr sehen, geschweige denn lesen, die frustrieren mich eh nur und überall steht das gleiche drin. Was mit ein Grund für die Frustration ist, denn wenn ich etwas zum drölfzigsten Mal lese, sollte ich doch eigentlich längst in der Lage zu sein, dieses etwas auch umzusetzen.

Vermutlich tue ich das sogar, ganz sicher tue ich das, aber dann sehe ich eben doch wieder nur, was ich alles nicht tue und nun kommt der Titel dieses Beitrags ins Spiel, was ich nämlich überhaupt nicht kann, ist, anderen Umständen zu bereiten. I don’t want to waste anyone’s time, sagt Mikayla Jade in dem gestern verlinkten Video.

Jedenfalls las ich bei Katja Niedermeier mal wieder vom Parkplatz-Wünschen und da fiel mir ein, dass ich morgen ein wunderbares Anwendungsbeispiel für „was du denkst, passiert“ habe, da ich nämlich mal wieder beim Zahnarzt herumsitzen werden, genauer, bei einer seiner freundlichen Fachangestellten, es wird die freundlichste von allen sein, sie wird mich mit „Guten Morgen, wie geht es Ihnen“, begrüßen, sie wird sich meine Antwort anhören, mir mitfühlend zureden und mir fortwährend versichern, dass alles gut ist, meine Zähne sowieso und ich werde mit einem Gummibärchen nach Hause gehen und denken, dass ich mir gar keine andere freundliche Fachangestellte werde suchen müssen.

Und wenn es morgen wider Erwarten doch nicht klappen sollte, kann ich am Freitag gleich noch mal üben. Hurra!

Platte Reifen mit Musik

Heute wollte ich die Fahrradsaison eröffnen, bin dann allerdings daran gescheitert, die Reifen aufzupumpen.

Später beim MMM beschwert, was das mit diesen neumodischen Ventilen soll und wie kommen die überhaupt auf einmal ans Fahrrad, die waren doch letztes Jahr noch nicht da. Waren sie aber doch, die waren sogar schon immer da. Upsi.

Jedenfalls weiß ich jetzt, wie das geht.

Zuerst wusste ich es aber noch nicht und die platten Reifen, beziehungsweise mein Scheitern daran, die Luft aufzupumpen, warfen nicht nur meine Pläne über den Haufen, sondern auch ein Brot-Problem auf. Es war zwar noch ein Brotrest da, aber nun ja. Es gibt Brot und Brot und das Rest-Brot war von der Sorte, die man spätestens am zweiten Tag gegessen haben sollte. Dummerweise war heute aber schon der vierte Tag.

Und ich hatte die eröffnete Fahrradsaison für eine Fahrt zum Lieblingsbäcker nutzen wollen. Das Brot des Lieblingsbäckers ist nämlich das Weltbeste, man kann es auch nach einer Woche noch essen (falls dann überhaupt noch ein Rest da sein sollte, was eher unwahrscheinlich ist).

Tja nun. Kurz erwog ich, mit dem Auto zu fahren, aber nein, ich fahre sowieso andauernd Auto, auch wenn der Werkstattmeister meines Vertrauens das komischerweise immer anzweifelt. Bin ich also zu Fuß losgegangen, beim örtlichen Bäcker vorbei, dort habe ich das kleinste aller Brote gekauft und schon, als ich es vom Tresen heruntergenommen habe, wusste ich, diesen Einkauf hätte ich mir sparen können. Warum können die alle kein anständiges Brot backen (von Brötchen will ich gar nicht erst anfangen), was soll denn das. Besteht aus Luft und Kruste und spätestens an Tag zwei will das hier keiner mehr essen. In diesem Fall wollte es schon heute keiner essen.

Nun denn, gibt es halt bald mal wieder Knödel. Semmelknödel, versteht sich.

*

Heute Abend bei der Suche nach Prokrastinationsmöglichkeiten endlich mal wieder Musik gehört. We are young von Fun. Wenn ich irgendwann mal wieder mit einem Cabrio eine warme Sommernacht entlang fahren sollte, dann bitte mit diesem Lied. Genau meine Tonlage und derart gestaltet, dass beim Mitsingen überhaupt keine Zweifel daran aufkommen, was für eine grandiose Sängerin ich bin.

Dann fiel mir ein, dass ich in der Zeitung gelesen hatte, Alice Cooper habe heute Geburtstag. Habe ich also auch gleich noch Trash rauf und runter gehört. Und mitgesungen, natürlich (da wird es dann schon fraglicher).

Auf Bücher habe ich noch immer keine Lust. Letztens an einem Abend zehn angefangen, alle nach spätestens drei Seiten auf den Flohmarktstapel gelegt. Wer weiß, vielleicht hätte ich sie an anderen Tagen gelesen. Wenn ich auch im Internet nichts mehr zu lesen finde, fange ich manchmal an, mich durch YouTube zu klicken. Und dann entweder die Graham Norton Show zu sehen oder halt sonst irgendwo hängen zu bleiben.

Zum Beispiel bei Mikayla Jade. Mikayla Jade hat bei The Voice Australia mitgemacht, leider nur sehr kurz. Ich blieb bei diesem Video hängen und hätte mir dann gern noch stundenlang von Mikayla Jade vorsingen lassen, aber das ging leider nicht, aus Mangel an Videos.

Was ist das überhaupt für ein Lied, dachte ich und suchte nach dem Original, wurde auch fündig, stellte aber schnell fest, dass nun ja, das Original eher etwas für den Flohmarktstapel gewesen wäre.

*

So, schon wieder zehn Uhr vorbei, die Sache mit der Prokrastination hat prima funktioniert.

Hören, lesen, schreiben

Die ganze Zeit will ich schon etwas vom Keller Steff schreiben. Falls Sie aus Bayern hier mitlesen, wissen Sie vielleicht, wer das ist, ich hingegen habe erst kürzlich vom Keller Steff gehört, als nämlich Bin wieder frei bei Eins zu Eins. Der Talk gespielt wurde. Und ich dann eine Stunde lang dem Keller Steff zuhörte. Beim Singen und Gitarre spielen, aber auch beim Erzählen übers Singen, Gitarre spielen und alles andere. Ich hätte noch länger zuhören können, obwohl ich noch nicht mal alles verstanden habe (bayrisch halt), aber was macht das schon, in diesem Fall machte es überhaupt gar nichts.

Hach, dachte ich und wünschte mir mal wieder, ebenfalls von irgendetwas derart begeistert zu erzählen (eventuell tue ich das gerade?).

*

Und wo ich gerade bei Begeisterung bin, ich habe natürlich auch wieder etwas gelesen, ich habe heute nämlich Post von Peter Zimmermann bekommen, mit Peter Zimmermann (und anderen) habe ich das erste Januar-Wochenende in Irsee verbracht, das war wunderbar, dieser Ort, die Menschen und der Schnee!, der natürlich ganz besonders, auch wenn ich ihn hauptsächlich von drinnen bestaunen konnte.

Peter Zimmermann jedenfalls hat dieses Jahr den Irseer Pegasus gewonnen und das völlig zu recht. Mit dem Text Glanzmann muss gehen, einer Geschichte aus dem Zyklus der Totentänze.

Bis zum ersten Januar-Wochenende hatte ich nicht die leiseste Idee, was ein Totentanz ist. Jetzt kann ich es immer noch keinem erklären, stelle ich gerade fest. Oder vielleicht könnte ich, aber ich will nicht. Egal, das Internet weiß alles, Sie finden das schon. Wenn Sie es denn wissen wollen.

Jedenfalls habe ich heute Post von Peter bekommen und in der Post waren zwei weitere Totentanz-Texte, die habe ich gelesen, dann habe ich auch noch sämtlich Texte auf Peters Homepage gelesen und sowieso will ich jetzt bitte immer alles lesen, was Peter so schreibt.

*

Ich selbst schreibe tatsächlich auch wieder ein klein wenig, also an der Stapelverarbeitung. Heute morgen gab es sogar einen kleinen Erleuchtungsmoment, was den Anfang und das Ende der Geschichte betrifft. Ich fürchte zwar, es wird so dann doch nicht klappen oder einfach anders kommen, aber ein Erleuchtungsmoment, der schadet ja nicht, ganz im Gegenteil.

Versuch einer Antwort auf den Kommentar zum letzten Beitrag

Es ist kompliziert. Allein unterwegs sein, dafür muss ich mir nichts zutrauen, dafür brauche ich keinen Mut. Vielleicht war es mal so, vielleicht habe ich mal welchen gebraucht, aber das wäre dann so lange her, dass ich es längst vergessen habe. Und vielleicht habe ich mir das damals auch nicht zugetraut, dieses allein unterwegs sein, aber siehe da, es ging und was für ein Spaß das doch ist.

Vielleicht gibt es also gar keinen Widerspruch. Oder doch, aber vieles ist ein Widerspruch.

Zum Beispiel Entscheidungen. Man gebe mir eine Speisekarte, ich lese sie mir durch und Zack, weiß ich, was ich essen will (im Normalfall). Andererseits kann ich tagelang überlegen, ob ich jetzt oder morgen das Bad putze (im Normalfall eher morgen).

Oder diese Gruppensache.
Ich wundere mich ja des öfteren darüber, über was sich andere Leute so Gedanken machen. Dass die Fenster ordnungsgemäß geputzt sind. Was man alles sein und tun muss, um „eine gute Mutter“ zu sein. Oder überhaupt ein guter Mensch. Ob man einfach so den Seminarraum verlassen darf oder nicht. Ob man eine Putzhilfe in Anspruch nehmen darf.
Und vieles andere mehr, meist im Hinblick darauf, was „die Leute“ wohl von einem denken.

Ist mir das so egal, was die Leute von mir denken.

Ich war mal bei einem Seminar, da sagte eine Teilnehmerin, sie hätte sich vorher Sorgen darüber gemacht, ob die anderen Teilnehmerinnen sie wohl mögen würden.
Ich hingegen hatte mich gefragt, ob ich die anderen mögen würde.
Vielleicht liegt das daran, dass ich davon ausgehe, dass mich die anderen ja eh mögen. Warum sollten sie nicht, sie tun es doch bisher auch meistens. Und selbst wenn nicht, dann ist das deren ihr Problem und nicht meins.

Und nun kommt der Widerspruch, denn andererseits wundere ich mich dann auch darüber, dass mich jemand in seiner Gruppe dabei haben möchte. Mich? Echt jetzt? Nun denn. Ich freue mich, mache gegebenenfalls mit und sehe überall Zeichen, dass ich eigentlich doch nicht dazugehöre und die anderen sich nur nicht trauen, mich wieder rauszuwerfen. Ich neige dann dazu, mich auf die eine oder andere Art andauernd versichern zu müssen, tatsächlich dazuzugehören oder aber still und heimlich der Meinung zu sein, eben nicht dazuzugehören und mich mehr oder weniger ausgeschlossen zu fühlen, obwohl ich doch dabei bin und überhaupt keinen Grund habe, alles anzuzweifeln.

*

Was auch kompliziert ist:
Kürzlich fragte mich jemand, worum es in der Stapelverarbeitung denn eigentlich ginge.
Nichts schlimmeres als diese Frage.
Es soll ja Schreibende geben, die nichts lieber tun, als über ihre Geschichten und Figuren zu erzählen. Ich hingegen möchte jedem am liebsten nur „dann lies es halt selbst“ an den Kopf werfen.
In diesem Fall bot sich diese Antwort nicht unbedingt an, daher sagte ich erst einmal sehr lange Zeit gar nichts, bevor ich schließlich anfing, ähms und öhms aneinander zu reihen.
Der Fragende war da schon mehr auf Zack, fragte Sachen wie: Liebesgeschichte? Familiengeschichte? Historische Erzählung?
Ich verneinte munter drauflos und wusste noch immer nicht weiter.
Familiengeschichte – das vielleicht noch am ehesten. Kaputte Familie, versteht sich.

In Sachen Stapelverarbeitung tut sich momentan auch nichts. Das heißt, ich tue momentan nichts dafür. Weil es so viel anderes zu tun gibt.
Das ich allerdings auch nicht tue.
Aber hey, die Heizungsfrau hat sich gemeldet. Ganz von selbst.
(Sofern man das nach x Nachfragen noch so nennen kann.)

Märchen erzählen

Ich falle immer wieder darauf herein. Gestern kam ich mir unfassbar produktiv vor, wegen allerlei Dingen, vor allem aber, weil ich einen Termin bei der Frauenärztin hatte und somit vor Augen, endlich diesen unsäglich lange vor mir hergeschobenen Punkt abhaken zu können.
Nun ja.
Es fing schon gleich damit an, dass die freundliche Arzthelferin nach Entgegennahme meiner Krankenkassenkarte meinte, ich sei ja überhaupt nicht versichert.
Was nicht stimmt.
Auch hier wieder: jedes Jahr das gleiche Drama. Die Krankenkasse schickt Formulare zur Verlängerung der Familienversicherung. Ich schicke die zurück, dann bekomme ich entweder Post, dass ich noch dies und das und jenes vergessen habe. Irgendwann dann die Nachricht mit der Bestätigung der Verlängerung.
Tage Wochen später bekomme ich eine neue Krankenkassenkarte.
In der Zwischenzeit habe ich dummerweise zwölf Arzttermine und das geht dann zwar alles irgendwie, aber entweder muss ich weitere komplizierte Formulare ausfüllen und/oder nach Wochen, wenn die neue Karte endlich da ist, mit eben dieser noch einmal zu allen Ärztinnen gehen, um eben diese Karte noch einmal vorzuzeigen.
So auch jetzt.
Ein Punkt abgehakt, ein neuer dazu.
Plus drei weitere, denn die Ärztin so: Und dann empfehle ich Ihnen noch dies und das und jenes.

Schwupp, schon war ich an dem Punkt, dass diese ganze Sachen-Abarbeiterei ja wohl überhaupt keinen Sinn macht und wenn das alles keinen Sinn macht, dann kann ich auch einfach nur auf dem Sofa herumsitzen und schlechte Bücher lesen.
Dummerweise hatte ich aber gerade keine schlechten Bücher parat, ich las mich stattdessen durchs Internet, landete irgendwann bei diesem Artikel und somit bei dieser Doku und dann guckte ich die, den ersten und dann auch gleich noch den zweiten Teil und das machte meine Laune auch nicht besser, denn so niedlich das einerseits ist, diese Kinder und was sie sagen, so sehr will ich gleichzeitig den Kopf auf die Tischplatte sinken lassen und „das darf ja wohl nicht wahr sein“ sagen.

Aber natürlich ist das wahr, das wusste ich ja vorher schon.

Ich will jetzt aber gar nicht über „ich wusste gar nicht, dass Mädchen auch Pilotin werden können“ reden, denn was bei mir hängen blieb, war besonders die eine Szene, in der ein Hau-den-Lukas aufgebaut war und die Kinder sich (eigenständig) in eine Reihe einsortieren sollten, ganz vorn diejenigen, die vermutlich am stärksten sind, ganz hinten die schwächsten.
Hinten standen natürlich die Mädchen und ganz hinten standen zwei besonders verschüchterte Mädchen, die sich kaum trauten, den Hammer überhaupt hochzuheben (was jetzt vielleicht klein wenig übertrieben ist. Aber auch nur ein klein wenig).

Jedenfalls, als ich mich vor dem Einschlafen drücken wollte, kam mir diese Szene wieder in den Sinn und ich fragte mich, wo ich mich wohl eingeordnet hätte, damals, vor langer, langer Zeit, als ich mal Zweitklässlerin gewesen war.
Vermutlich im vorderen Drittel der Mädchen, das aber nur, weil die anderen mir gesagt hätten, das sei der Platz, wo ich hingehöre. Und weil ich niemals das Mädchen ganz hinten sein wollte, das ging nicht, dann wäre es ja für alle total offensichtlich gewesen und niemand durfte das wissen, es hätte alles noch viel schlimmer gemacht.

Aber eigentlich war ich genau dieses völlig verschüchterte Mädchen ganz hinten.

Und dann fielen mir all die Momente ein, in denen ich etwas nicht getan habe, weil ich es mir nicht zugetraut habe und weil ich nicht wollte, dass alle sehen, dass ich das nicht kann und eigentlich habe ich mir andauernd nichts zugetraut und selbst wenn, kaum ging der erste Versuch schief, habe ich sofort aufgegeben, weil hey, ich wusste doch gleich, ich kann das nicht. Und im Grunde ist das alles noch immer so, ich bin noch immer das verschüchterte Mädchen ganz hinten und der noch größere Mist ist, dass mich das nicht einmal wütend, sondern einfach nur traurig macht.

Dann noch Collien Ulmen-Fernandes dazu, sie machte alles noch schlimmer, mit ihren großen Augen, ihrem Leuchtgesicht, ihrer „ich höre dir zu, nur dir und du liebe Zeit, ist das alles so interessant, was du sagst“-Ausstrahlung.
(Das ist jetzt vielleicht missverständlich, es hat rein gar nichts mit ihr selbst zu tun, also abgesehen davon, dass ich ihr diese interessierte Haltung total abnehme. Und die ist ja was Gutes, diese Haltung, aber das ist ja das Schlimme, falls Sie verstehen, was ich meine)

Außerdem dachte ich an den anderen Mist, von wegen, das innere Kind an die Hand nehmen. Dieses innere Kind Gerede, das ging mir seit jeher fürchterlich auf die Nerven, aber nun ja, jetzt weiß ich vielleicht auch wieso.

Irgendwann fiel mir ein, dass ich kürzlich von Imagery Rescripting gelesen hatte und hey, das wäre doch die Gelegenheit, es mal auszuprobieren, das Mädchen da hinten an die Hand nehmen, ihr sagen, komm, du schaffst das und wenn nicht beim ersten, dann eben beim achtunddreißigsten Mal.

Und dann wurde alles gut und ich lebte glücklich bis an mein Lebensende.