Zwei Bücher und ein Konzert

Kürzlich Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne gelesen. Komisch, wie Bücher völlig an einem vorüber gehen können, obwohl sie doch wirklich überall zu finden sind (vielleicht genau deshalb?).
Jedenfalls habe ich das Buch nun auch gelesen und es ist das erste Buch in sehr langer Zeit, nach dessen Ende ich erst einmal gar nichts tun konnte. Nichts weiter als dasitzen und es nicht fassen können, wie irrsinnig das alles ist. Menschen, wie irre die sind. Wir.
(Das wusste ich natürlich vorher schon. Trotzdem.)

Dann hat Herr Buddenbohm von dem Buch Tagebuchschreiben von Olaf Georg Klein erzählt, das führte dazu, dass ich dieses Interview mit dem Autor gehört habe und danach ganz dringend und sofort Tagebuch schreiben wollte.
Nun.

Pläne ändern sich, gestern zum Beispiel wollten wir in die Bücherei, da rief der MMM an, tatsächlich hat er uns nur deshalb noch erreicht, weil m noch unbedingt dies und das und jenes tun musste, bevor wir das Haus verlassen konnten. Wir haben das Haus dann gar nicht mehr verlassen, denn der MMM sagte, er hätte jetzt endlich mal nach unseren Enjoy-Jazz-Terminen gesehen und der erste wäre heute Abend.
Oh.
Ich schaute, was das eigentlich für ein Konzert ist, dachte, ja, da will ich wirklich hingehen und rief bei T. an. T. wollte dann auch mitgehen und das hört sich jetzt so leicht und nach insgesamt fünf Minuten an, aber bis sich das alles geklärt hatte, war es plötzlich 16:30 Uhr und m und ich wären somit genau zu dem Zeitpunkt vor den Türen der Bücherei aufgetaucht, an dem die freundliche Büchereimitarbeiterin eben jene Türen mit einem bedauernden Lächeln gerade eben zugeschlossen hätte (das waren noch Zeiten in D., als die Bücherei gefühlt rund um die Uhr geöffnet hatte und nur drei Schritte um die Ecke lag).
Machten wir also noch dies und das und jenes (Blumen gießen, kochen, Küche aufräumen, Buch vorlesen, Uno spielen, Wäsche zusammenlegen, noch mehr Bücher vorlesen).

Später fuhren T. und ich durch dunkelsten Regen zum Karlstorbahnhof und warteten auf William Fitzsimmons. Der kam auch irgendwann und nach den ersten beiden Liedern dachte ich schon, er wäre einer von denen, die zu cool dafür sind, dem Publikum auch nur Hello zu sagen.
Natürlich sagte er aber genau das, kaum hatte ich diesen Gedanken zu Ende gedacht. Er entschuldigte sich bei allen, die von jemanden mitgeschleppt wurden, mit dem Versprechen „this will be fun.“ „No, it won’t.“ Depressing Shit würde er spielen. „That’s my superpower.“
Und so war das dann auch. Das ist dann ein ziemlich merkwürdiges sehr anderes Konzerterlebnis, üblicherweise ist einem ja – vor allem nach besonders gelungenen Liedern – nach lautem Jubel und frenetischem Beifall.
In diesem Fall war mir eher danach, den letzten Tönen hinterher zu lauschen, irgendwo auf einem kuscheligen Sofa zu sitzen und in ein Feuer zu starren.
Geklatscht habe ich natürlich trotzdem.

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