Verzeihung, schon wieder Bücher.

Heute habe ich die Gelegenheit sich auftuende freie Zeit dazu genutzt, einen Ausflug zu machen. Obwohl wirklich mal wieder jemand das Bad putzen sollte. Und schreiben wollte ich auch. Aber nein, ich mache einen Ausflug. In eine Buchhandlung, versteht sich. An der sind wir neulich vorbeigefahren und ich hatte so in Erinnerung, dass ich dort vor ewigen Zeiten schon mal gewesen war und es war großartig.

Nun ja.

Das war die erste Buchhandlung seit langem (oder vielleicht überhaupt?), in der ich mich ganz und gar unwohl fühlte. Dass es so etwas überhaupt gibt. Vielleicht lag es daran, dass mich die Frau hinter der Kasse ignorierte, aber nein, eigentlich ist mir das ganz recht, ignoriert zu werden (in diesem Fall), vielleicht war es auch eher so, dass sie mehr so die Ausstrahlung hatte, es sei eine Zumutung, dass ich oder überhaupt irgendwer zur Tür hereinkommt. Vielleicht hatte sie auch einfach nur einen schlechten Tag. Wer weiß.
Ist ja auch egal, bin ich doch wegen der Bücher dort. Aber die liegen kreuz und quer, sind von Paketen zugestellt, stehen in Zweierreihen und zwar nicht so, dass man meinen könnte, es gäbe einfach nicht genug Platz für alle, sondern mehr so, dass es so aussieht, als hätte auch hier seit Wochen keiner mehr aufgeräumt.
Und dann lag da eben das übliche. Das mit dem Spiegel-Bestseller-Aufkleber, das Herz-Schmerz-Zeugs und was eben immer geht.
Ich hätte vielleicht trotzdem ein Buch gekauft, Jordan Harper, Die Rache der Polly McClusky, aber nun ja, die Frau an der Kasse.

Auf dem Rückweg lief ich an einem Bäcker vorbei, mit Bäckern ist es ja so ähnlich wie mit Buchhandlungen, schwierig nämlich, aber dieser sah vielversprechend aus. Ich kaufte ein Nussschiffchen, von dem ich noch nicht weiß, wie es schmeckt und eine Brezel, von der ich schon enttäuscht war, als ich sie (in der Tüte) von der Theke genommen habe. So eine von der in-zwei-Stunden-bin-ich-Zwieback-Sorte.
Nun ja, vielleicht tue ich ihr Unrecht. Sie ist noch immer in der Tüte.

Ich lief mäßig gelaunt zu Ole zurück, dachte mir so, der Ausflug sei nun wirklich für die Katz gewesen, aber dann war da der Fluss und an einen Fluss muss ich natürlich hingehen, vor allem, wenn die Sonne scheint, und hinter dem Fluss war tatsächlich noch eine Buchhandlung. Na sowas.
Ich öffnete die Tür und sah direkt auf Castle Freeman, Männer mit Erfahrung. Unsere Leseempfehlung, stand da. Ha!, dachte ich. Hier bin ich richtig. Und so war es dann auch.

Zuerst nahm ich Rosalie mit, von Berni Mayer. Noch nie davon gehört. Aber der erste Satz klang vielversprechend:

„Und Abendfriede kehret ein, zieht wie ein altes Lied aus längst vergang’nen Zeiten dir gar heimlich ins Gemüt. ’s ist Feierabend“, singt der Chor der Kriegsveteranen, und ich wundere mich, dass es ihn noch gibt und wie seine Mitglieder so lange aufrecht stehen können, immerhin müsste ihr Durchschnittsalter ungefähr neunzig Jahre betragen.

Das andere Buch, das ich mitgenommen habe, Stille von Erling Kagge, überzeugte nicht durch seinen ersten Satz, den habe ich nämlich gar nicht gelesen, ich schlug es irgendwo auf, es ging um Stille, um Natur, um Berge, natürlich musste ich das mitnehmen.

Hurra! Ich habe ein neue Lieblingsbuchhandlung.

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