U7.

Kürzlich las ich bei der notaufnahmeschwester davon, dass die (jungen) Leute heutzutage wegen jedem Pieps zur Ärztin in die Notaufnahme rennen. Ich bin ja in einer Familie groß geworden, in der man eher zu spät als zu früh zur Ärztin geht. Das ist auch nicht immer zu empfehlen. Aber egal, davon will ich gar nicht erzählen.
Sondern von der Kinderärztin, bei der wir heute mit m waren. m ist (toi, toi, toi und das werde ich doch hoffentlich schreiben können, ohne dass es sich ins Gegenteil verkehrt) piepsgesund, wir waren mit ihr bisher nur wegen der üblichen Vorsorge- und Impftermine bei Ärzten. So darf das gerne weitergehen.
Die Kinderärztin jedenfalls fragte dieses und erzählte jenes und ich dachte, dass es mich gar nicht so sehr wundert, wenn alle Welt von einer Ärztin zur nächsten rennt.
Außerdem dachte ich an die letzten schwangeren Wochen mit m.
Meine Ärztin damals so: Hm, hm, das ist jetzt nicht schlimm, machen Sie sich mal keine Sorgen, aber ich würde sie lieber zu X überweisen, dass der sich das auch mal ansieht.
X so: Hm, hm, machen Sie sich mal keine Sorgen, aber kommen Sie doch morgen noch mal.
X so: Hm, hm, machen Sie sich mal keine Sorgen, aber gehen Sie doch morgen mal zu Y.
Y so: Hm, hm, machen Sie sich mal keine Sorgen, aber blablabla.
Tatsächlich hatte ich mir die ganze Zeit über keinerlei Sorgen gemacht. Erst nachdem das zwei, drei Wochen so ging, von wegen machen-Sie-sich-mal-keine-Sorgen war ich kurz davor, jetzt doch mal damit anzufangen, mit dem Sorgen-machen. Aber dann sagte Y (oder X oder wer auch immer) auch schon, dass man m jetzt vielleicht doch lieber ein bisschen anschubsen sollte. So richtig begeistert waren wir von der Idee nicht, aber hätten wir Nein gesagt, hätten wir wohl tatsächlich angefangen, uns Sorgen zu machen.
(Und klar, die gehen lieber auf Nummer Sicher und klar hätte ich nicht gewollt, dass etwas übersehen wird, aber ein klein wenig übertrieben erschien es mir dann doch.)

Jedenfalls erlebten wir heute bei der Kinderärztin ähnliches.
Nein, das sei (in diesem Fall) überhaupt nicht bedenklich, wenn Kinder mit zwei Jahren noch nicht sprechen (also noch keine Wörter, jedenfalls keine, die man im Duden finden würde), aber, aber, aber und das müsse man im Auge behalten.
Und ach, Sie stillen noch, hm, hm, natürlich können Sie ihr Kind noch stillen, aber, aber, aber hinterher auf alle Fälle Zähne putzen (dem Kind).
Ja klar, nachts um drei.
(Aber nachts soll das Kind natürlich sowieso nur Wasser trinken (wie, es schläft noch nicht durch?))

Wenn ich mir das Leben selbst ein bisschen beschwerlicher gestalten wollte. Dann könnten wir zum Beispiel auch das Kinderbett ins Kinderzimmer stellen (statt es an unser Bett anzudocken) und nachts um drei hänge ich (oder der MMM) halb auf dem Kinderbett, halb auf dem Boden und das Kind schläft bestimmt auch gleich wieder ein, nicht wahr, oder wenn nicht, dann müssen Sie das eben mal drei Nächte durchhalten, spätestens dann ist Schluss.
Ja klar.

Bevor das jetzt einer falsch versteht, wobei, irgendeiner versteht es mit Sicherheit falsch, aber egal, jedenfalls will ich damit natürlich nicht sagen, unser Weg wäre der einzig richtige und wahre. Ich will damit nur sagen, dass es uns damit gut geht, uns allen und warum zur Hölle sollten wir dann etwas daran ändern?
Weiß ich jetzt auch nicht.

Aber natürlich stellen wir uns und unseren Weg in so einem Fall in Frage, mal mehr, mal weniger, je nach Grad der Unsicherheit und das eine oder andere Mal haben wir tatsächlich schon das Kinderbett ins Kinderzimmer gestellt (im übertragenen Sinn jetzt). Das verursachte dann jedes Mal ein Riesendrama, das uns allen gehörig auf die Laune schlug und klar, das hätten wir natürlich nur drei Tage/Nächte/wasAuchImmer durchhalten müssen und dann wäre alles gut gewesen (oder auch nicht), aber öhm, vorher war doch auch schon alles gut gewesen?

R. erzählte mir gestern von einer Geschichte, die sie kürzlich gehört hatte, genaugenommen erzählte sie mir die Geschichte, es stellte sich heraus, dass ich sie schon kenne, der Fischer, der auf den Businesstypen trifft, der Businesstyp erzählt dem Fischer, was er an seinem Leben alles optimieren könne, um dadurch Zeit für die guten Sachen zu haben und der Fischer so: Aber das habe ich doch jetzt schon?*

Es wird schon klappen, diese Kinder-Sache, nicht wahr. Machen Sie sich mal keine Sorgen.

 


* Das ist jetzt natürlich sehr verkürzt und überhaupt nacherzählt. Ich weiß leider nicht (und habe es auf die Schnelle auch nicht herausgefunden), von wem die Geschichte ursprünglich ist.

2 Gedanken zu „U7.

  1. Nicole

    Womöglich entpuppt sich der Sprössling als ebenso ein Wunderkind wie eins meiner Nannykinder. Das hat nämlich auch sehr spät mit dem Sprechen angefangen, grunzte und wippte und zeigte nur. Bis es sich dann eines Tages plötzlich in kompletten Sätzen ausdrückte, im Anschluss sofort das ABC und Lesen lernte, und sich insgesamt als hyperintelligent entpuppte.
    Der kleine Michael ist inzwischen 24 und Mediziner, arbeitet gerade an seinem PhD.

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