Mut-will-ich*.

Ich weiß nicht, wie wir das jemals wieder gut machen können, sagte Frau R. am Telefon.
Komisch, dachte ich und hatte mal wieder das Gefühl, in einer anderen Welt zu leben. Wieder gut machen, was gibt es da wieder gut zu machen. Es ist doch nichts kaputt. Zumindest nicht bei uns.

Und Frau K., die fast schon Angst vor mir hatte. Nur weil ich ein bisschen hochdeutscher spreche als sie. Ha! Sie sollten mich mal mit P. hören, habe ich ihr gesagt.
Und dann habe ich auch noch studiert, schlimm. Als würde das etwas bedeuten.
Überhaupt, noch so eine Sache, die ich nicht verstehe – die oft gehörte Aussage, das könne doch nicht sein, wie könne die so etwas sagen**, die habe doch studiert. Ja und? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
Jedenfalls, die Frau K.
Sie arbeiten hier doch schon x Jahre lang, habe ich zu ihr gesagt. Sie sind es, die Ahnung haben. Ich weiß gar nichts wenig darüber, wie es hier läuft, da hilft es auch nichts wenig, studiert zu haben.

Und wie oft mir schon mal jemand gesagt hat, ich sei mutig. Weil ich allein durch die Berge wandere, den Job hinwerfe, was weiß ich. Und dann wundere ich mich, weil ich das überhaupt nicht mutig finde, weil ich mich überhaupt nicht mutig finde, ganz oft nicht, gerade, wenn es darum geht, den Mund aufzumachen, weil irgendwer mal wieder saublöde Bemerkungen macht. Das wäre mutig. Aber allein in den Wald gehen? Das ist kein Mut, das ist eine Notwendigkeit.

Sie stünde in unserer Schuld, sagte Frau R. am Telefon dann noch und ich versuchte (vermutlich vergeblich) ihr das wieder auszureden.
Da stehe ich plötzlich da wie jemand, der etwas für andere tut, dabei tue ich alles doch nur für mich selbst und sei es, weil ich mich selbst nicht mehr leiden könnte, hätte ich es nicht getan.
A. fällt mir ein, A., die viel zu oft mit der Angst zu kämpfen hat, es würde irgendwann auffliegen, irgendwann würden alle merken, dass sie gar nicht der gute Mensch ist, für den sie alle halten.
Immerhin damit habe ich kein Problem. Sollen sie mich doch halten, für wen sie wollen.
Aber merkwürdig ist es doch.

 


* Geklaut Inspiriert von einem längst vergangenen Programmheft des Heidelberger Theaters.
** Mir fällt gerade kein Beispiel ein, meistens aber hat es etwas mit „die“ und „wir“ zu tun.

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