Danke.

Ohne Nachbarn wie euch wäre das gar nicht möglich, sagt P. immer, wenn mal wieder ein Zelt im Hof steht.

Unsere neuen Nachbarn sind ja etwas mehr als „nur“ Nachbarn, Familie nämlich, und auf ebenjene (Familie) wollte ich schon lange mal ein Loblied singen schreiben. Auf alle, nicht nur auf die von nebenan. Und überhaupt nehme ich es da nicht so genau, von wegen Familie, duden.de sagt, das sei die „Gruppe aller miteinander [bluts]verwandten Personen;“, ich zähle da noch andere hinzu, A. zum Beispiel*, die mit dem Akkordeon vor der Tür steht, vor der Nachbartür wohlgemerkt, denn dorthin habe ich uns zum Kaffeetrinken eingeladen.
Genaugenommen trinken wir den Kaffee sogar bei den Nachbarn, die von gar nichts wussten, zumindest ich hatte ihnen nichts gesagt, das war aber überhaupt kein Problem**; wie es fast nie ein ein Problem ist, womit ich jetzt wieder beim Loblied bin. Dabei war ich eigentlich bei A., die sich nach dem Ständchen spontan wieder ins Auto setzt, um P. abzuholen, womit ich eigentlich den MMM beauftragen wollte, nur, der hatte gerade anderes zu tun.

Später kommt noch B., der zuerst dachte, er hätte uns verpasst, aber weil der H. den H. abgesetzt hat (oder so ähnlich), kam er dann doch noch zu seinem Kuchen, also zu meinem, wobei er ja nicht wegen dem Kuchen kam, sondern wegen mir. Und ich vor lauter Trubel vergessen habe, noch ganz persönlich Alles Gute zu wünschen; vielleicht war das aber auch nur, weil der B. ausnahmsweise mal nicht am Wochenende Geburtstag hatte, da vergisst man sowas schon mal.

Jetzt fehlt noch mindestens die Hälfte (an Menschen, auf die ein Loblied zu singen wäre). P. und H. natürlich, dorthin hatte ich uns zum Mittagessen eingeladen, abermals. H. hat auch gleich noch einen Kuchen gebacken, einfach so.

Und A. isst auch mit und hat Luftballons aufgehängt. Das sind so Dinge. Ganz viele kleine Dinge, die einfach so getan werden. Ohne groß Aufhebens darum zu machen.

Und M. und R., die waren heute zwar überhaupt nicht da (weil sie in Urlaub sind. Schon wieder. Hihi.), haben aber sicherlich im schönen Österreich einen Kaiserschmarrn mit Bergblick (Hach!) gegessen und dabei fest an mich gedacht (Germknödel ginge notfalls auch).

Na ja, so ein richtiges Loblied wird das hier nicht, merke ich gerade. Ich weiß auch nicht. Gar nicht so einfach, die Sache mit den Lobliedern.

Jedenfalls, um mal wieder auf den Anfang zurückzukommen und gleichzeitig ein Ende zu finden: Ohne euch wäre das alles gar nicht möglich. Und auch gar nicht so schön. Ich freu mich so, dass ich euch habe, bitte bleibt mir noch ganz lange erhalten.

Und nun noch ein Bild für C. im fernen Irland (und natürlich auch noch ein Dank an G., die mich mit dem Motiv beschenkt hat):

Und auch noch ein Danke an D., für das Päckchen im Briefkasten. Möge es ein hundertstes Buch werden. Gute Besserung übrigens, falls das noch angebracht ist, ich komme auf anderem Weg gerade nicht dazu.

 

* Obwohl. Eventuell ist auch hier eine gewisse Blutsverwandtschaft vorhanden. Es ist kompliziert.
** Und H. (die Nachbarin, die nichts wusste) so: Ist denn noch ein Stuhl frei (für mich)?
Aber hallo, wir sitzen auf deiner Terrasse, ein freier Stuhl für dich ist ja wohl das mindeste.

Der Wust.

In meinem Kopf. Analog zu der Matheaufgabe (Mathe, Sie erinnern sich?) mit den Haaren, da musste man auch erst einmal die Hälfte der Informationen aussortieren, unnützer Ballast; oder wie die Horden an Bienen, die letztes Jahr die Lindenblüten auf dem Friedhof umschwärmten, apropos Friedhof, G. lächelt nicht mehr. Ich stehe an G.’s Grab, denke mir, das darf nicht sein, nur dieser eine, vor sich hinwelkende Blumenkranz, wie kann das sein, an allen anderen Gräbern überbordende Bepflanzung und hier, ich werde Blumen kaufen, nehme ich mir vor, dabei habe ich G. doch gar nicht gekannt, nur ihr Lächeln und da war sie vielleicht schon gar nicht mehr sie selbst oder gerade doch.
Frau R. ruft an, wegen K., ob wir schon wissen. Nur vom Hörensagen, antworte ich, aber das antworte ich nicht wirklich, das denke ich nur, jetzt, beim Aufschreiben, deswegen. Jedenfalls, es stimmt, das Gehörte, K. ist nicht mehr da, also nicht mehr in ihrer Wohnung und einerseits macht das alles leichter, endlich nicht mehr den ganzen Tag danach zu horchen, ob wenigstens mal die Klospülung zu hören ist, oder ob das Fenster vielleicht auf ist; vor zwei Tagen war es das, lange, sehr lange, zu lange vielleicht; vor dem offenen Fenster fragt mich Frau J., Sagen Sie, wohnt die Dame noch da?, ich weise dezent auf das offene Fenster hin, Frau J. aber macht sich nichts aus offenen Fenstern, das sei doch krank, fährt sie fort, immer den Rollladen unten, ob die Dame denn wenigstens einen Fernseher hätte.
Einen Fernseher.
(Nein, hat sie nicht.)
Jetzt ist K. weg und eine Sorge weniger oder auch nicht, aber dann ist das Haus plötzlich ganz leise und still; verlassen, obwohl, das war es vorher auch schon, ich wünsche ihr alles Gute, ja, möge es gut werden; viel Hoffnung habe ich allerdings nicht (mehr), und fair ist das alles auch nicht (aber was ist schon fair). Menschen, die über dem Wäscheaufhängen einen Lachanfall bekommen, der den ganzen Tag andauert, die sollten verdammt noch mal ihr Leben auf die Reihe kriegen; im Gegensatz dazu könnten doch ein paar von den anderen –
Dabei kriege ich mein Leben ja auch nicht auf die Reihe, mehr als K., das schon, aber ich fange schon wieder an, mir Bücher auszuleihen, solche, die mir angeblich dabei helfen, herauszufinden, was noch aus mir werden soll, wer weiß das schon, ich nicht, die Bücher bisher auch nicht, apropos Bücher, heute war Bücherkistentag, und in einer, das heißt, genaugenommen war es eine Spielekiste, fanden sich Karten der Kraft, die hätte ich nicht mitnehmen sollen, muss man nur umziehen, aber ich nahm sie eben doch mit und dann ziehe ich eine, Was soll nur aus mir werden, frage ich, und es ist der Schmetterling, zur Hölle, ausgerechnet, wer will schon einen Schmetterling, das ist viel zu sehr Frühling, eine Krähe, das wäre doch etwas gewesen; ich lese natürlich trotzdem die Beschreibung, wenig überraschend erzählt sie mir was von Transformation, ja klar, echt jetzt mal, Calvin fällt mir ein, es ist gerade Transmogrifier-Zeit, vielleicht wäre das eine Option, genug Kartons hätten wir ja, ich passe nur in keinen davon hinein, geht also doch nicht, m würde hineinpassen, aber m soll bitteschön bleiben, was und wer sie ist. m müsste man außerdem die Fingernägel schneiden, heute Morgen habe ich das versucht, nun ja, Erklären und Überzeugen, da kann man sich den Mund fusselig quatschen, Ablenkung, das geht schon eher, dummerweise ist die beste Ablenkung eine, nach der man mit Händen greifen kann, mit beiden, Sie bemerken das Problem. Später dann will m Zähneputzen, freiwillig, einfach so und wie sie da an ihrer Zahnbürste herumlutscht und ich mich frage, ob das wohl das Wahre ist, an Zahnbürsten herumzulutschen, da merke ich plötzlich, dass m gerade sehr abgelenkt ist, einhändig noch dazu und ich schaffe es, drei Fingernägel zu schneiden.
Der Schmetterling klärt den Denkprozeß, sagt das Buch zu den Karten der Kraft, nun ja, bisher ist davon noch nicht allzu viel zu merken.

Plus und Minus.

Diese Tage, an denen die Gedanken wild durcheinanderwirbeln. Ich müsste noch bei der Apotheke anrufen, wann war noch gleich der nächste Impftermin, ein Geschenk brauchen wir auch noch oder zumindest eine Karte, was soll man da schenken, warum ruft die mich jetzt an und erzählt mir das, sollen wir uns am Donnerstag nicht doch lieber woanders treffen, wie soll das überhaupt werden, was sollen wir eigentlich essen, ob wir R. direkt in der Stadt treffen sollen, nicht mit dem Fahrrad fahren, wie schafft man es eigentlich, dass sich das Kind mit den Schuhen anfreundet, …

Man sollte vermutlich meditieren.
Ich hätte sogar ein prima Meditationskissen, aber das ist wie mit dem Gärtnern – die Idee finde ich gut. Die praktische Umsetzung, nun ja. Und meditieren ist sowieso eher schwierig, wenn einem m am Bein hängt.
m schläft zwar gerade, aber das muss jetzt wirklich keiner wissen.

Durch den Wald laufen, na klar, aber da ist diese fünfundvierzig-Minuten-Begrenzung und fünfundvierzig Minuten durch den Wald laufen reichen üblicherweise nicht, um die Gedanken zur Ruhe zu bringen. Nichtsdestotrotz ist Wald ein guter Plan.

Was auch ein überraschend guter Plan ist: 222 Tests Mathematik.
Nachdem mich kürzlich mal wieder der Blackout überkam, als mir irgendwo eine äußerst simple Rechenaufgabe begegnete, hatte ich mir vorgenommen, 40 Tage mit Matheaufgaben zu verbringen.
Das ist eigentlich wider das Fastenprinzip, von wegen Verzicht und es soll ja schon ein bisschen weh tun und so. Vielleicht habe ich das mit dem Fasten auch noch nicht verstanden, egal, es war ein Anlass, Matheaufgaben zu machen und der Witz ist, dass ich völlig vergessen hatte, wie viel Spaß mir das macht. Das heißt, so richtig hatte ich es nicht vergessen, ich wusste schon noch, dass ich das immer gern gemacht habe. Was ich vergessen hatte, war das Gefühl. Wie es sich anfühlt, Matheaufgaben zu machen. Wunderbar, nämlich. Aufgaben, Lösungen, Struktur, Aha-Momente („Ach stimmt, so ging das“) und viele kleine Hurra-ich-kann-das-Momente. Die könnte ich mir natürlich leicht kleinreden, von wegen popelige Bruchrechnungen, addiere 5/6 mit 4/5, was soll denn daran schwer sein, aber hey. Ich kann das. Und es macht Spaß.
Daher: Entschuldigen Sie mich bitte, ich habe noch ein paar Brüche zu addieren und zu subtrahieren.

Autoerlebnisse mit m.

Oder: Eine Odyssee.

Neuerdings ist Autofahren mit m eine erstaunlich entspannte Sache. Vor allem, seit ich die spannenden Spiele „Wir zählen auf siebzehn“ und „Wie macht die Kuh|Schaf|Ziege|Hund|etc.“ erfunden habe.
Daher war ich heute fast schon etwas unvorbereitet, als das Elend seinen Lauf nahm.

Das kam nämlich so:
15:30 Uhr. P. winkt uns zum Abschied.
15:40 Uhr. Wir fahren auf die Autobahn.
15:45 Uhr. Das erste Autobahnkreuz kommt in Reichweite. Problem: Auf der rechten Spur ist Stau. Was vermutlich bedeutet, dass auf der Autobahn, auf die wir wechseln wollen, ebenfalls Stau ist.
Ach, denke ich. Da reihe ich mich jetzt nicht ein. Das geht kurz vor knapp auch noch.
Problem: Kurz vor knapp kann ich mich nicht entscheiden, ob ich mich tatsächlich einreihen soll, es staut sich nämlich immer noch und theoretisch könnte ich auch einfach weiterfahren, dadurch wird der Weg zwar länger, aber immerhin würden wir uns fortbewegen.
Als ich zu dem Schluss komme, dass der Stau hauptsächlich die andere Richtung betrifft, klappt es dann doch nicht mehr mit dem Einreihen.
16:00 Uhr. Ups. Blöd, wenn sich die Autos auch auf der Alternativroute stauen.
Immerhin staut es sich aber erst nach der Ausfahrt zum Autobahndreieck.
Nun denn, denke ich. Fahren wir halt kurz in die völlig falsche Richtung. Hauptsache wir fahren überhaupt. Es kommt ja gleich eine Ausfahrt.
Äh.
Wir fahren ziemlich lange in die falsche Richtung, bis die Ausfahrt tatsächlich kommt. Dann fahren wir wieder zurück und geradewegs in den vom Autobahnstau verursachten Landstraßenstau hinein. Hätte ich mir irgendwie denken können.
Bis dahin war die Lage auf dem Rücksitz noch leidlich entspannt. Nun zeigte sich aber die mangelnde Vorbereitung, die darin bestand, dass ich vier von fünf Taschen in den Kofferraum gepackt hatte, wegen: Ach, brauche ich nicht. Das war natürlich ein Fehler. Vor allem das mit der Essenstasche. Vor allem, da ich den Eindruck hatte, dass m so langsam wieder Hunger bekommt.
16:30 Uhr. Viele, viele rote Ampeln später nutze ich die erste Möglichkeit, am Straßenrand zu parken. Und tatsächlich, m hat Hunger. Nachdem der gestillt ist, muss ich auf die Toilette. Praktischerweise ist auf der anderen Straßenseite ein Hotel und der nette Rezeptionist winkt mich durch, als ich nach der Toilette frage.
16:35 Uhr. Der Versuch, m wieder in den Autositz zu verfrachten, schlägt fehl.
Nun ja. Laufen wir eben eine Runde um den Block.
16:50 Uhr. Der Versuch, m wieder in den Autositz zu verfrachten, schlägt fehl. Der Versuch, m den Ernst der Lage zu erklären, schlägt ebenfalls fehl. Na gut, spielen wir eben mit Sicherheitsgurten. Der eine ist praktischerweise hinter dem Kindersitz und als m Anstalten macht, in den Sitz zu klettern, um besagten Gurt zu erreichen, handle ich blitzschnell oder zumindest schnell genug.
16:59 Uhr. m steckt brüllend im Sitz.
17:00 Uhr. Wir fahren weiter. m beruhigt sich glücklicherweise schnell wieder (die siebzehn Kühe, Sie erinnern sich).
17:10 Uhr. Wir queren die Autobahn, die wir eigentlich entlanggefahren wären, wäre nicht alles anders gekommen. Da ist sogar eine Auffahrt. Theoretisch könnten wir da jetzt drauf fahren. Praktisch tun wir das aber nicht, denn, Sie ahnen es: Stau.
Fahren wir also durch die Stadt. Das ist nicht wirklich besser, aber wenn es ganz schlimm kommt, könnte ich das Auto irgendwo parken und mit der Straßenbahn weiterfahren (alles schon passiert). Erstaunlicherweise erwischen wir anfangs sogar eine grüne Welle (noch nie erlebt an dieser Stelle). Dieses Glück ist natürlich nicht von Dauer, doch als die grüne in eine rote Welle übergeht ist m – Hurra! – eingeschlafen.
17:30 Uhr. Zu Hause.
Puh.

Dreierlei Schnipsel.

Mit m zur Bahn gelaufen. Nicht zur üblichen Haltestelle, sondern eine weiter – weil noch so viel Zeit war. Dann aber:
Kladatsch! Ich drehe mich um – die ältere Frau, die wir zwanzig Schritte zuvor überholt haben, liegt jetzt der Länge nach auf der Straße. Auweia. Gar nicht gut.
Die Welt aber, die ist dann doch nicht so schlecht, wie einem gern mal weisgemacht wird. Zahlreiche Helfer versammeln sich, rufen Krankenwagen, bringen eine Decke, fragen, ob sie gebraucht werden. Und nur eine Frau, die sich ihren Kommentar hätte sparen können.

m und ich werden schließlich auch nicht mehr gebraucht und setzen unseren Weg fort. Von weitem ist schon der Krankenwagen zu hören.

*

Am Nachmittag laufen m und ich an der blauvioletten Krokuswiese vorbei. Ich denke an K. und daran, dass ich die blauviolette Krokuswiese ohne sie vielleicht nie bemerkt hätte.
Mittlerweile ist es so, dass K. nichts mehr bemerkt.
Ich denke an Palermo Shooting, die Szene, als Finn auf sein Handy sieht, X Anrufe in Abwesenheit, liest er vor und fragt sich, wann und ob er überhaupt jemals anwesend war.
So ziemlich die einzige Szene, die mir vom Film in Erinnerung geblieben ist. Ja, dachte ich. Wann war ich eigentlich anwesend?
Aber jetzt, mit K., da hat sich diese Frage erledigt. Das ist Abwesenheit.
Später treffen wir noch Frau B.
Ich habe geklingelt, sagt Frau B., aber sie hat nicht aufgemacht. Da kann ich leider nichts machen.
Ja, da kann man wohl nichts machen. Und K. verschwindet noch ein bisschen mehr.

*

Mit Zuhause telefoniert. Telefonieren, das ist nicht gerade das, was wir am liebsten tun, daher sind die Telefonate meist ziemlich kurz. Aber immer mit dabei: Diese Freude, dass man da ist. Dass der andere noch da ist. So schön.

Im Wald, da gibt es Bäume.

Ich fürchte, ich wiederhole mich, aber eventuell sind Sie ja ähnlich vergesslich wie ich. Jedenfalls: Wald.
Ich war heute im Wald. Endlich. Ungefähr ein Jahr lang dachte ich, das ginge nicht. Jetzt gehöre ich zu denen, die mit dem Auto in den Wald fahren. Nun ja. Man muss Prioritäten setzen, noch dazu lese ich gerade ein Buch über Flow, das heißt, lesen tue ich es eher nicht, mehr so hineingucken, jedenfalls, darin steht, man solle dafür sorgen, ausreichend Flow-Erlebnisse zu haben und schwimmen ist ja nun noch schwieriger als Wald und alles andere, ach, ist ja auch egal, noch dazu war heute Freitag, da sollte man sowieso tun, was einem Spaß macht, ich war also im Wald und Wald! Wald ist toll.

Und funktioniert. Wenn das Leben gerade nicht in die Kategorie „Was schön war“ einzuordnen ist (also eigentlich doch, vor allem vergleichsweise, aber ach, egal), wenn einen noch nicht einmal die Zahnärztin lobt, dann sollte man in den Wald gehen, oder fahren, in meinem Fall. Das funktioniert prima, ich steige aus dem Auto, denke: Wald! Wald! Wald! und dann denke ich erst mal überhaupt nicht mehr.

Muss natürlich ein echter Wald sein. Heißt: da begegnet einem niemand. Außer die obligatorische Frau mit Hund. Und irgendwo dröhnt eine Motorsäge. Vögel natürlich. Der Wind raschelt mit irgendetwas, das noch vom letzten Jahr in den Bäumen hängt, aber sonst: nix.

Hach.

Alles gut also, abgesehen von dem Gedanken, weitergehen zu wollen, weiter und weiter und weiter und noch weiter. Was nicht geht, oder vielleicht doch, aber dazu ist mir noch keine Lösung eingefallen. Knappe fünfundvierzig Minuten müssen daher reichen. Fürs erste.

Das habe ich ganz toll gemacht.

Heute habe ich mal wieder meinen Zahnarztball geknetet.Und das neue Album von Adele gehört. Als ich das letzte Mal eine längere Zahnarztsitzung hatte, haben sie mir noch einen CD-Hefter in die Hand gedrückt. Dieses Mal bekam ich einen I-Pod. Bis ich heraushatte, wie man den bedient*, ging es auch schon los. Doch die SpontanPanikwahl Adele haute ganz gut hin, Adele hat eine sehr tröstliche Stimme.

Überhaupt Trösten. Vor mir war ein kleiner Junge in Behandlung, hatte sich ein Stück Zahn abgebrochen. Das machst du ganz toll, bekam der mindestens zehn Mal gesagt (so hörte ich im Wartezimmer).
Das mit dem „toll gemacht“ können Sie zu mir auch sagen, sagte ich der freundlichen ZFA, als sie mich zum Stuhl des Grauens führte. Sie lachte, dabei hatte ich das durchaus ernst gemeint.
Ich bekam folglich kein einziges „Das machen Sie ganz toll“ zu hören, obwohl ich meiner Meinung nach ziemlich tapfer war, vor allem, als die freundliche ZFA gleich zwei Mal einen Abdruck aus mir heraushebeln musste. Man braucht ordentliche Armmuskeln als ZFA.

Die freundliche Zahnärztin fragte, ob ich eine Betäubung wolle. Aber hallo, natürlich will ich eine Betäubung.
Blöd nur, dass ich jetzt, wo alles überstanden ist, Hunger habe, meine rechte untere Gesichtshälfte sich allerdings noch nicht wieder so anfühlt, als würde sie zu mir gehören.
Die Belohnungsbrötchen, die ich mir vom lustigen Bäcker mitgebracht habe, müssen also noch warten.

Und in zwei Wochen wieder.
„I miss you“, sang Adele. Nun ja. Eher nicht.

 

* Ist ja eigentlich ganz einfach. Aber hey, ich war gerade bei der Zahnärztin und in Panik.

32.202*

Wir reden mit P. über Farben.
„Diese Baumarktfarben“, sagt P., „die gehen gar nicht. Kann ich Ihnen jedenfalls nicht empfehlen, da müssen Sie drei Mal streichen, bis das deckt, bei kräftigen Farben vielleicht sogar noch öfter.“
Ich denke an unsere Schlafzimmerwand. Mit etwas viel gutem Willen könnte man das als Wischtechnik verkaufen. P. gegenüber wohl eher nicht.
„Weiß“, sagt P., „Weiß ist ideal, gerade mit Kindern. An der Treppe und an den Lichtschaltern, da werden Sie immer Flecken haben. Mit Weiß können Sie einfach drüber streichen, über die Flecken. Bei Farbe müssen Sie die ganze Wand streichen, sonst haben Sie unterschiedliche Farbtöne, auch wenn sie genau die gleiche Farbe verwenden, das sieht einfach nicht gut aus.“
Niemals P. in unsere Wohnung lassen, denke ich. Überhaupt niemanden, der etwas von Farbe versteht.

Als nächstes reden wir über Tapeten**.
„Das gute an der groben Raufaser“, sagt P., „da können Sie in fünfzehn Jahren fünf Mal drüber streichen. Eher noch öfter. Überhaupt kein Problem.“
Im Stillen rechne ich nach. Fünfzehn Jahre, das haut ungefähr hin, in etwa so lange wohnen wir in unserer jetzigen Wohnung. Gestrichen haben wir genau ein Mal. Beim Einzug.

Am Abend sitzen der MMM und ich in eben dieser Wohnung und betrachten Wände.
„P. würde uns wohl eher nicht einstellen“, sage ich.
„Ach was“, sagt der MMM. „Das sind nur die Baumarktfarben.“

 

* Farbtonnummer
** Leider. Wir hätten lieber über Putz geredet, aber das hätte unser Budget gesprengt.

Menschen.

Gerade las ich Hausbesuche von Stephanie Quitterer. Ziemlich vereinfacht zusammengefasst geht es in dem Buch darum, bei Fremden an der Tür zu klingeln und um Einlass zu bitten.
Irgendwo auf den letzten Seiten fällt das Wort Herzwärme (oder war es herzwarm?) und ich dachte, ja genau, so ist das mit diesem Buch, fast hätte ich es augenrollend aussortiert, aber dann wurde mir so warm ums Herz, so die-Welt-ist-gut-und-die-Menschen-auch.
Wobei das für mich jetzt nicht so die Neuigkeit ist, ich glaube da eigentlich schon länger dran (ans Gute), aber es schadet auch nichts, das ab und an von anderen bestätigt zu bekommen.

Neuerdings, also seit m, komme ich ja auch mit den Leuten ins Gespräch, oder was heißt ins Gespräch, die Leute sagen so etwas wie „Wie süß! Meine [Tochter|Kinder|Enkel|…] …“ und dann reden sie und reden und ich sage „Hm“ oder „Ach ja?“ – das ist manchmal ein bisschen ermüdend, aber meistens auch ziemlich interessant, da sitzt einem zum Beispiel in der Straßenbahn eine ältere Frau gegenüber und die sieht total harmlos und normal aus und dann erzählt sie von ihrer Tochter, die sei nämlich gerade in den USA, würde dort wohnen und arbeiten und ich wundere mich, weil die Frau so normal aussah. Nicht, dass es so außergewöhnlich wäre, eine Zeitlang in den USA zu leben, aber die Frau sah eben mehr so nach „und die Tochter arbeitet irgendwo im öffentlichen Dienst und zwar schon seit zwanzig Jahren und die nächsten zwanzig auch“ aus.

Auch so ein Ding, das Frau Quitterer in ihrem Buch anspricht, das Schubladendenken und „der sieht doch so und so aus.“ Und wie man sich täuschen kann.

Auf den letzten Seiten schreibt sie, dass sie das Projekt „an Türen klingeln“ mit der Fremde-Hereinlass-Übung ablöst oder zumindest mit dem Hereinlassen von Freunden.
Da musste ich dann spontan an eine mir bekannte Berliner Dachterrasse* denken, aber das nur nebenbei, hauptsächlich dachte ich an 2017 und dass ich mich schon seit einem Monat bei diversen Leuten melden will und das einfach nicht auf die Reihe bekomme, unter anderem natürlich, weil ich Menschen des öfteren tendenziell anstrengend finde.
Keine Menschen ist allerdings auch nicht so das Wahre**.
Heute Abend!, nahm ich mir also vor, aber wie das nun mal so ist, zuerst kam alles mögliche dazwischen, dann wollte m nicht mehr alleine schlafen und jetzt bin ich müdemüdemüde oder zumindest wäre es schlau, schlafen zu gehen.

Aber morgen. Morgen klingle ich an Türen.

Beim rM und dann finde ich endlich heraus, wie die alle zusammengehören und was es mit den bodentiefen Fenstern auf sich hat.

Äh.
Vielleicht auch nicht.

Aber den Brief an B., den könnte ich wirklich endlich mal schreiben.

 

*
Hach.
*seufz*

** Das Gute ist ja, dass sich Menschen auch ohne mein Zutun bei mir melden. Ansonsten wäre ich sicher schon ziemlich vereinsamt, aber nein, auf einmal ruft jemand an und/oder kommt vorbei und wenn ich ganz viel Glück habe, bringt derjenige sogar Brötchen mit, wenn ich noch mehr Glück habe, Croissants; nur Käsekuchen, da muss ich noch daran arbeiten.

WmdedgT – Februar 2017

Huch, schon wieder der Fünfte. Frau Brüllen will wissen, was ich heute so getan habe.

Das war so: Ich habe ziemlich viel geschlafen. Erst gegen 5:30 Uhr meinte m, sie wolle jetzt wirklich nicht mehr allein in ihrem Bett liegen. Dann wurde es ein wenig eng, wir waren nämlich nicht zu Hause, komischerweise ist das Bett anderswo theoretisch genauso breit, aber praktisch und gefühlt dann eben doch nicht, ich lag also eine Weile im Halbdunkeln und habe mich bemitleidet, weil ich ob der Enge niemals nicht nochmals einschlafen würde, aber genau das tat ich dann wohl doch, denn als ich, beziehungsweise m, wieder aufwachte, war es überraschenderweise schon nach acht Uhr.
Da war es dann wiederum ganz praktisch, nicht zu Hause zu sein – der MMM brachte m nämlich ein Stockwerk höher und das große Ausschlafen ging weiter.

Nach dem großen Ausschlafen starteten wir das große Frühstücken und eine mittlere Spazierrunde. Nach so einer Spazierrunde hat man natürlich schon wieder Hunger, da ist es dann auch ganz praktisch, wenn am Abend zuvor Geburtstag gefeiert wurde, denn natürlich war von fast allem noch irgendwas da, sogar, als wir erneut davon gegessen hatten.

Dann verging eine dieser merkwürdigen Stunden, von denen ich hinterher nicht mehr weiß, was in ihnen eigentlich geschah, ziemlich sicher baute ich ein paar Türme mit m, räumte alles mögliche aus dem Weg und sah aus dem Fenster. Was ich nicht getan habe: darüber nachdenken, wie der Tag weitergehen sollte, das war ein Fehler, denn zack, wurde mir ein Plan vorgeschlagengegeben und dann begann der Teil des Tages, an dem ich nichts mehr mit mir anzufangen wusste, also ich wusste schon, aber gegen das, was ich wusste, sprachen allerlei Gründe, ich motzte also ein wenig herum, trug ein paar Stühle umher, motzte noch mehr herum, trug noch mehr Stühle umher, hätte gern noch mehr Stühle umher getragen, da war man wenigstens in Bewegung und wenn ich schon keinen Berg hochklettern oder schwimmen gehen konnte, dann wenigstens Stühle tragen. Nun ja. Wir gingen dann doch noch ein bisschen raus, passten auf, dass m nicht einschlief, kamen zurück, aßen schon wieder, räumten allerlei Zeug ins Auto, es gab eine Abschiedsszene und wir fuhren nach Hause.
Ich zählte nur ungefähr zwölf Mal auf siebzehn, dann war m eingeschlafen und blieb eingeschlafen, bis wir vor unserer Haustür das Auto parkten. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Während m schlief und der MMM sich über andere Autofahrer aufregte, nur ganz leise natürlich, währenddessen schrieb ich Sätze in mein Notizbuch, zwischendurch sah ich aus dem Fenster und dachte über die nächsten Sätze nach, sehr schön war das.

Zu Hause gab es natürlich wieder was zu essen, der MMM baute Türme mit m, ich durfte noch mehr schreiben, dann wieder essen, m einschlafen, mal eben ein schlechtes Buch überfliegen, noch mehr schreiben.

Doch, ich bin recht zufrieden mit diesem Fünften.