Der Doktor hilft

Heute das Zahnarztorakel ausgetrickst und einfach mal die Perspektive verändert. Na gut, stimmt nicht, es war wohl eher Zufall, mich mal auf einen anderen Stuhl zu setzen. Und dann nicht das Zeitschriftenregal, sondern die Wand mit den Bilder- und Kinderbüchern vor Augen zu haben.

Und da stand an prominenter Stelle: „Der Doktor hilft.“

Daran habe ich mich dann über eine Stunde lang festgehalten (gedanklich, im Behandlungszimmer), an diesem Spruch. und ja, es dauerte wirklich so lange, eher sogar noch länger. Bei der alten Zahnärztin wurde ich ihn solchen Fällen gefragt, ob ich einen Film sehen oder Musik hören will. Hier war die Frage, ob man vielleicht das Radio anmachen solle?
Ja klar und dann kommt wieder „An Tagen wie diesen.“ Nein, danke.

Immerhin habe ich dieses Mal vorher daran gedacht, zu sagen, man, also die Zahnärztin möge doch bitte ab und zu sagen, was sie gerade so tut und wie lange es noch dauert.

Das schlimmste ist ja immer diese Plastikfolie im/über dem Mund. Und das Warten, bis es endlich losgeht.

Nun ja, es ist (fast) überstanden und sie (die Zahnärztin) war recht zuversichtlich, dass dieses Mal höchstwahrscheinlich alles gut wird.

*

Auf dem Heimweg noch im Elektronikfachmarkt meines Vertrauens gewesen. Da ist immer jemand ansprechbar! Und alle so nett! Und können einem weiterhelfen! Ich bin total gern da, auch wenn ich selten Grund dazu habe.

Kürzlich aber beschlossen wir, dass es an der Zeit sei, unserem Staubsauger eine neue Bodendüse zu gönnen. Gesagt, getan, der MMM schaute stundenlang im Internet, meinte, man müsse dazu dies und das und jenes wissen, später schaute auch ich ins Internet und wirklich, was es da alles zu bedenken gibt, ich verliere da noch schneller die Geduld als sowieso schon. Ich dachte, man gibt einfach nur die Herstellnummer (oder wie immer das heißt) irgendwo ein und alles ist gut.

Im Elektronikfachmarkt ging das dann auch so (oder zumindest hatte ich diesen Eindruck). Ich aber fand viel zu viele Möglichkeiten und hätte bestimmt genau die bestellt, die dann doch nicht passt. Immerhin war ich aber somit höchst professionell vorbereitet, als der freundliche Mitarbeiter nach ebenjener Herstellnummer fragte.

*

Und jetzt habe ich Hunger. Dummerweise fühlt sich meine linke Gesichtshälfte immer noch total taub an, das mit dem Essen könnte noch ein bisschen dauern. Die Taubheit hat aber vielleicht auch ihr Gutes, die freundliche Zahnärztin meinte nämlich, das Wochenende könne eventuell nicht ganz so freundlich werden. Aber dann! Dann wird alles gut.

Kartoffelbrei und Geschichten von P.

Irgendwann habe ich schon einmal das Kartoffelbrei-Elend erwähnt. Ah ja, hier: *klick*
Kurzfassung: Er wollte einfach nicht gelingen, der Kartoffelbrei. Obwohl ich doch genau das gleiche tat wie H., deren Kartoffelbrei ganz vorzüglich gelingt.

Tja, nun, magische Dinge geschehen.
Vielmehr geschahen. Und seither klappt es. Heute auch wieder. Keine Ahnung, was jetzt anders ist, denn ich mache alles ganz genauso wie zuvor auch.

Von daher bin ich jetzt bereit für Stufe Zwei: Schupfnudeln.

Heute bei H. (H.s Schupfnudeln sind ähnlich vorzüglich wie H.s Kartoffelbrei) habe ich ein wenig assistiert, mir aufgeschrieben, was sich aufschreiben lässt und irgendwann demnächst werde ich noch einmal Schupfnudeln ausprobieren. Und noch einmal und noch einmal, vielleicht muss man einfach nur lang genug dranbleiben, vielleicht klappt das alles erst beim achtzigsten Versuch, weil isso.

Vielleicht könnte ich auch das Parkplatz-Wünschen darauf anwenden, denn – oh Wunder: es funktioniert (die Zahnarztsache, Sie erinnern sich). Ich habe hinterher tatsächlich kurz überlegt, mir doch wieder den nächsten Termin geben zu lassen, denn im Vergleich zum letzten Mal war das nun wirklich aushaltbar und es wäre doch auch viel bequemer, aber im Vergleich zu Frau M., tja nun. Da sind noch immer Welten dazwischen. Von daher, nein, lieber nicht.

Beim Schupfnudel-Essen wieder einmal gedacht, mir unbedingt P.s Geschichten merken zu wollen. Aufschreiben hatte ich schon probiert, aber es ist einfach nicht das gleiche. P.s Geschichten muss man erzählt bekommen, am besten von P.
Was aber, wenn das nicht mehr geht.

Heute gab es die eine, die eigentlich gar nicht P.s Geschichte ist, sondern die von H.

H. hat früher mitgeholfen, überall da, wo Hilfe gebraucht wurde, also im Grunde bei allem. Kartoffeln zusammen lesen, beispielsweise. H. half mit, genau wie die eigenen Kinder. Und als die Arbeit getan und zum Essen gerufen wurde, wollte sich H. vom Acker machen (buchstäblich, quasi). Du bleibst da, hieß es. Wo acht satt werden, ist für dich auch noch etwas da. Und so saß H. zwischen den anderen acht und ob tatsächlich alle satt wurden, man weiß es nicht, die Geschichte spielt zu einer Zeit, in der es noch nicht selbstverständlich war, satt zu werden oder überhaupt etwas zu essen zu haben. Aber egal, im Zweifelsfall wurden man eben gemeinsam nicht satt.

Jedenfalls, so der P., erzähle H. die Geschichte heute noch. H. habe nämlich auch anderswo bei der Arbeit geholfen, auch anderswo gab es nach getaner Arbeit meist etwas zu essen, aber nicht unbedingt das, was alle anderen, was die „eigenen“ zu essen bekamen. Für den einen das Schnitzel, für den anderen das Butterbrot (sinngemäß). Bei euch war das nicht so, sage H. Und dass er das niemals vergessen werde.

Und schon bin ich wieder beim Karma Business (Sie erinnern sich auch daran?) und dem, was all die anderen Selbsthilfebücher erzählen.

Weil nämlich H. diese Geschichte nicht nur immer noch erzählt, sondern auch immer dann, wenn sich die Möglichkeit ergibt, dem P. Gutes zu tun, dem P. Gutes tut. Und alles nur, weil alle gemeinsam satt wurden (oder eben nicht).

Diese Geschichte führte natürlich gleich zur nächsten Geschichte, nämlich die, in der E. nach dem Mittagessen ein Schläfchen einlegt, direkt am Esstisch, mit dem Kopf auf den Armen.
Und sich nach dem Schläfchen umsieht, um ihn herum steht noch immer das Geschirr und die Töpfe vom Essen, und wie E. dann fragt, ob er das Geschirr spülen solle und R. sagt, von ihr aus könne er das gerne tun.
(Mit E = Familienvater und R = Tochter und das zu einer Zeit, in der die Möglichkeit, dass der Vater das Geschirr spült nun wirklich nicht vorgesehen war.)

Unweigerlich folgt vom Erzähler der Zusatz: „G. hätte das nicht sagen dürfen, da wäre was los gewesen.“

Um gleich zur nächsten Geschichte zu springen, in der E. ins Haus gehen wollte, mit dreckigen Schuhen, obwohl doch gerade aufgewischt worden war. Wie R. sagte, er möge noch eine halbe Stunde warten und E. genau das getan hat.

Und wie auch das nicht möglich gewesen wäre, hätte G. das gleiche gesagt. Weil G. zwar das gleiche gesagt hätte, aber sie hätte es eben anders gesagt.

Womit ich dann irgendwie wieder bei der Kartoffelbrei-Magie gelandet bin (das gleiche, nur anders), nur, dass bei der Kartoffelbrei-Magie völlig unklar ist, worin der Unterschied besteht. Im Gegensatz zu R. und G.

Bloß keine Umstände

Nachdem ich gestern Frau Nessys Link zu Katja Niedermeier gefolgt bin, habe ich nun doch etwas gelesen. Oder na ja, überflogen. Nämlich Gelassenheit im Job von – Überraschung! – Katja Niedermeier. Nun habe ich aktuell noch nicht mal einen Job und wenn ich einen hätte, wäre Gelassenheit vermutlich das letzte, was ich mir aneignen müsste. Aber nun, das gab es eben in der Onleihe, man liest, was man (umsonst) bekommen kann.

Was jetzt nicht ganz stimmt, denn ich habe mir nun auch noch Karma Business eingekauft. Von – Überraschung! – Katja Niedermeier.

Eigentlich kann ich ja keine Selbsthilfe-Bücher mehr sehen, geschweige denn lesen, die frustrieren mich eh nur und überall steht das gleiche drin. Was mit ein Grund für die Frustration ist, denn wenn ich etwas zum drölfzigsten Mal lese, sollte ich doch eigentlich längst in der Lage zu sein, dieses etwas auch umzusetzen.

Vermutlich tue ich das sogar, ganz sicher tue ich das, aber dann sehe ich eben doch wieder nur, was ich alles nicht tue und nun kommt der Titel dieses Beitrags ins Spiel, was ich nämlich überhaupt nicht kann, ist, anderen Umständen zu bereiten. I don’t want to waste anyone’s time, sagt Mikayla Jade in dem gestern verlinkten Video.

Jedenfalls las ich bei Katja Niedermeier mal wieder vom Parkplatz-Wünschen und da fiel mir ein, dass ich morgen ein wunderbares Anwendungsbeispiel für „was du denkst, passiert“ habe, da ich nämlich mal wieder beim Zahnarzt herumsitzen werden, genauer, bei einer seiner freundlichen Fachangestellten, es wird die freundlichste von allen sein, sie wird mich mit „Guten Morgen, wie geht es Ihnen“, begrüßen, sie wird sich meine Antwort anhören, mir mitfühlend zureden und mir fortwährend versichern, dass alles gut ist, meine Zähne sowieso und ich werde mit einem Gummibärchen nach Hause gehen und denken, dass ich mir gar keine andere freundliche Fachangestellte werde suchen müssen.

Und wenn es morgen wider Erwarten doch nicht klappen sollte, kann ich am Freitag gleich noch mal üben. Hurra!

Platte Reifen mit Musik

Heute wollte ich die Fahrradsaison eröffnen, bin dann allerdings daran gescheitert, die Reifen aufzupumpen.

Später beim MMM beschwert, was das mit diesen neumodischen Ventilen soll und wie kommen die überhaupt auf einmal ans Fahrrad, die waren doch letztes Jahr noch nicht da. Waren sie aber doch, die waren sogar schon immer da. Upsi.

Jedenfalls weiß ich jetzt, wie das geht.

Zuerst wusste ich es aber noch nicht und die platten Reifen, beziehungsweise mein Scheitern daran, die Luft aufzupumpen, warfen nicht nur meine Pläne über den Haufen, sondern auch ein Brot-Problem auf. Es war zwar noch ein Brotrest da, aber nun ja. Es gibt Brot und Brot und das Rest-Brot war von der Sorte, die man spätestens am zweiten Tag gegessen haben sollte. Dummerweise war heute aber schon der vierte Tag.

Und ich hatte die eröffnete Fahrradsaison für eine Fahrt zum Lieblingsbäcker nutzen wollen. Das Brot des Lieblingsbäckers ist nämlich das Weltbeste, man kann es auch nach einer Woche noch essen (falls dann überhaupt noch ein Rest da sein sollte, was eher unwahrscheinlich ist).

Tja nun. Kurz erwog ich, mit dem Auto zu fahren, aber nein, ich fahre sowieso andauernd Auto, auch wenn der Werkstattmeister meines Vertrauens das komischerweise immer anzweifelt. Bin ich also zu Fuß losgegangen, beim örtlichen Bäcker vorbei, dort habe ich das kleinste aller Brote gekauft und schon, als ich es vom Tresen heruntergenommen habe, wusste ich, diesen Einkauf hätte ich mir sparen können. Warum können die alle kein anständiges Brot backen (von Brötchen will ich gar nicht erst anfangen), was soll denn das. Besteht aus Luft und Kruste und spätestens an Tag zwei will das hier keiner mehr essen. In diesem Fall wollte es schon heute keiner essen.

Nun denn, gibt es halt bald mal wieder Knödel. Semmelknödel, versteht sich.

*

Heute Abend bei der Suche nach Prokrastinationsmöglichkeiten endlich mal wieder Musik gehört. We are young von Fun. Wenn ich irgendwann mal wieder mit einem Cabrio eine warme Sommernacht entlang fahren sollte, dann bitte mit diesem Lied. Genau meine Tonlage und derart gestaltet, dass beim Mitsingen überhaupt keine Zweifel daran aufkommen, was für eine grandiose Sängerin ich bin.

Dann fiel mir ein, dass ich in der Zeitung gelesen hatte, Alice Cooper habe heute Geburtstag. Habe ich also auch gleich noch Trash rauf und runter gehört. Und mitgesungen, natürlich (da wird es dann schon fraglicher).

Auf Bücher habe ich noch immer keine Lust. Letztens an einem Abend zehn angefangen, alle nach spätestens drei Seiten auf den Flohmarktstapel gelegt. Wer weiß, vielleicht hätte ich sie an anderen Tagen gelesen. Wenn ich auch im Internet nichts mehr zu lesen finde, fange ich manchmal an, mich durch YouTube zu klicken. Und dann entweder die Graham Norton Show zu sehen oder halt sonst irgendwo hängen zu bleiben.

Zum Beispiel bei Mikayla Jade. Mikayla Jade hat bei The Voice Australia mitgemacht, leider nur sehr kurz. Ich blieb bei diesem Video hängen und hätte mir dann gern noch stundenlang von Mikayla Jade vorsingen lassen, aber das ging leider nicht, aus Mangel an Videos.

Was ist das überhaupt für ein Lied, dachte ich und suchte nach dem Original, wurde auch fündig, stellte aber schnell fest, dass nun ja, das Original eher etwas für den Flohmarktstapel gewesen wäre.

*

So, schon wieder zehn Uhr vorbei, die Sache mit der Prokrastination hat prima funktioniert.

Hören, lesen, schreiben

Die ganze Zeit will ich schon etwas vom Keller Steff schreiben. Falls Sie aus Bayern hier mitlesen, wissen Sie vielleicht, wer das ist, ich hingegen habe erst kürzlich vom Keller Steff gehört, als nämlich Bin wieder frei bei Eins zu Eins. Der Talk gespielt wurde. Und ich dann eine Stunde lang dem Keller Steff zuhörte. Beim Singen und Gitarre spielen, aber auch beim Erzählen übers Singen, Gitarre spielen und alles andere. Ich hätte noch länger zuhören können, obwohl ich noch nicht mal alles verstanden habe (bayrisch halt), aber was macht das schon, in diesem Fall machte es überhaupt gar nichts.

Hach, dachte ich und wünschte mir mal wieder, ebenfalls von irgendetwas derart begeistert zu erzählen (eventuell tue ich das gerade?).

*

Und wo ich gerade bei Begeisterung bin, ich habe natürlich auch wieder etwas gelesen, ich habe heute nämlich Post von Peter Zimmermann bekommen, mit Peter Zimmermann (und anderen) habe ich das erste Januar-Wochenende in Irsee verbracht, das war wunderbar, dieser Ort, die Menschen und der Schnee!, der natürlich ganz besonders, auch wenn ich ihn hauptsächlich von drinnen bestaunen konnte.

Peter Zimmermann jedenfalls hat dieses Jahr den Irseer Pegasus gewonnen und das völlig zu recht. Mit dem Text Glanzmann muss gehen, einer Geschichte aus dem Zyklus der Totentänze.

Bis zum ersten Januar-Wochenende hatte ich nicht die leiseste Idee, was ein Totentanz ist. Jetzt kann ich es immer noch keinem erklären, stelle ich gerade fest. Oder vielleicht könnte ich, aber ich will nicht. Egal, das Internet weiß alles, Sie finden das schon. Wenn Sie es denn wissen wollen.

Jedenfalls habe ich heute Post von Peter bekommen und in der Post waren zwei weitere Totentanz-Texte, die habe ich gelesen, dann habe ich auch noch sämtlich Texte auf Peters Homepage gelesen und sowieso will ich jetzt bitte immer alles lesen, was Peter so schreibt.

*

Ich selbst schreibe tatsächlich auch wieder ein klein wenig, also an der Stapelverarbeitung. Heute morgen gab es sogar einen kleinen Erleuchtungsmoment, was den Anfang und das Ende der Geschichte betrifft. Ich fürchte zwar, es wird so dann doch nicht klappen oder einfach anders kommen, aber ein Erleuchtungsmoment, der schadet ja nicht, ganz im Gegenteil.

Versuch einer Antwort auf den Kommentar zum letzten Beitrag

Es ist kompliziert. Allein unterwegs sein, dafür muss ich mir nichts zutrauen, dafür brauche ich keinen Mut. Vielleicht war es mal so, vielleicht habe ich mal welchen gebraucht, aber das wäre dann so lange her, dass ich es längst vergessen habe. Und vielleicht habe ich mir das damals auch nicht zugetraut, dieses allein unterwegs sein, aber siehe da, es ging und was für ein Spaß das doch ist.

Vielleicht gibt es also gar keinen Widerspruch. Oder doch, aber vieles ist ein Widerspruch.

Zum Beispiel Entscheidungen. Man gebe mir eine Speisekarte, ich lese sie mir durch und Zack, weiß ich, was ich essen will (im Normalfall). Andererseits kann ich tagelang überlegen, ob ich jetzt oder morgen das Bad putze (im Normalfall eher morgen).

Oder diese Gruppensache.
Ich wundere mich ja des öfteren darüber, über was sich andere Leute so Gedanken machen. Dass die Fenster ordnungsgemäß geputzt sind. Was man alles sein und tun muss, um „eine gute Mutter“ zu sein. Oder überhaupt ein guter Mensch. Ob man einfach so den Seminarraum verlassen darf oder nicht. Ob man eine Putzhilfe in Anspruch nehmen darf.
Und vieles andere mehr, meist im Hinblick darauf, was „die Leute“ wohl von einem denken.

Ist mir das so egal, was die Leute von mir denken.

Ich war mal bei einem Seminar, da sagte eine Teilnehmerin, sie hätte sich vorher Sorgen darüber gemacht, ob die anderen Teilnehmerinnen sie wohl mögen würden.
Ich hingegen hatte mich gefragt, ob ich die anderen mögen würde.
Vielleicht liegt das daran, dass ich davon ausgehe, dass mich die anderen ja eh mögen. Warum sollten sie nicht, sie tun es doch bisher auch meistens. Und selbst wenn nicht, dann ist das deren ihr Problem und nicht meins.

Und nun kommt der Widerspruch, denn andererseits wundere ich mich dann auch darüber, dass mich jemand in seiner Gruppe dabei haben möchte. Mich? Echt jetzt? Nun denn. Ich freue mich, mache gegebenenfalls mit und sehe überall Zeichen, dass ich eigentlich doch nicht dazugehöre und die anderen sich nur nicht trauen, mich wieder rauszuwerfen. Ich neige dann dazu, mich auf die eine oder andere Art andauernd versichern zu müssen, tatsächlich dazuzugehören oder aber still und heimlich der Meinung zu sein, eben nicht dazuzugehören und mich mehr oder weniger ausgeschlossen zu fühlen, obwohl ich doch dabei bin und überhaupt keinen Grund habe, alles anzuzweifeln.

*

Was auch kompliziert ist:
Kürzlich fragte mich jemand, worum es in der Stapelverarbeitung denn eigentlich ginge.
Nichts schlimmeres als diese Frage.
Es soll ja Schreibende geben, die nichts lieber tun, als über ihre Geschichten und Figuren zu erzählen. Ich hingegen möchte jedem am liebsten nur „dann lies es halt selbst“ an den Kopf werfen.
In diesem Fall bot sich diese Antwort nicht unbedingt an, daher sagte ich erst einmal sehr lange Zeit gar nichts, bevor ich schließlich anfing, ähms und öhms aneinander zu reihen.
Der Fragende war da schon mehr auf Zack, fragte Sachen wie: Liebesgeschichte? Familiengeschichte? Historische Erzählung?
Ich verneinte munter drauflos und wusste noch immer nicht weiter.
Familiengeschichte – das vielleicht noch am ehesten. Kaputte Familie, versteht sich.

In Sachen Stapelverarbeitung tut sich momentan auch nichts. Das heißt, ich tue momentan nichts dafür. Weil es so viel anderes zu tun gibt.
Das ich allerdings auch nicht tue.
Aber hey, die Heizungsfrau hat sich gemeldet. Ganz von selbst.
(Sofern man das nach x Nachfragen noch so nennen kann.)

Märchen erzählen

Ich falle immer wieder darauf herein. Gestern kam ich mir unfassbar produktiv vor, wegen allerlei Dingen, vor allem aber, weil ich einen Termin bei der Frauenärztin hatte und somit vor Augen, endlich diesen unsäglich lange vor mir hergeschobenen Punkt abhaken zu können.
Nun ja.
Es fing schon gleich damit an, dass die freundliche Arzthelferin nach Entgegennahme meiner Krankenkassenkarte meinte, ich sei ja überhaupt nicht versichert.
Was nicht stimmt.
Auch hier wieder: jedes Jahr das gleiche Drama. Die Krankenkasse schickt Formulare zur Verlängerung der Familienversicherung. Ich schicke die zurück, dann bekomme ich entweder Post, dass ich noch dies und das und jenes vergessen habe. Irgendwann dann die Nachricht mit der Bestätigung der Verlängerung.
Tage Wochen später bekomme ich eine neue Krankenkassenkarte.
In der Zwischenzeit habe ich dummerweise zwölf Arzttermine und das geht dann zwar alles irgendwie, aber entweder muss ich weitere komplizierte Formulare ausfüllen und/oder nach Wochen, wenn die neue Karte endlich da ist, mit eben dieser noch einmal zu allen Ärztinnen gehen, um eben diese Karte noch einmal vorzuzeigen.
So auch jetzt.
Ein Punkt abgehakt, ein neuer dazu.
Plus drei weitere, denn die Ärztin so: Und dann empfehle ich Ihnen noch dies und das und jenes.

Schwupp, schon war ich an dem Punkt, dass diese ganze Sachen-Abarbeiterei ja wohl überhaupt keinen Sinn macht und wenn das alles keinen Sinn macht, dann kann ich auch einfach nur auf dem Sofa herumsitzen und schlechte Bücher lesen.
Dummerweise hatte ich aber gerade keine schlechten Bücher parat, ich las mich stattdessen durchs Internet, landete irgendwann bei diesem Artikel und somit bei dieser Doku und dann guckte ich die, den ersten und dann auch gleich noch den zweiten Teil und das machte meine Laune auch nicht besser, denn so niedlich das einerseits ist, diese Kinder und was sie sagen, so sehr will ich gleichzeitig den Kopf auf die Tischplatte sinken lassen und „das darf ja wohl nicht wahr sein“ sagen.

Aber natürlich ist das wahr, das wusste ich ja vorher schon.

Ich will jetzt aber gar nicht über „ich wusste gar nicht, dass Mädchen auch Pilotin werden können“ reden, denn was bei mir hängen blieb, war besonders die eine Szene, in der ein Hau-den-Lukas aufgebaut war und die Kinder sich (eigenständig) in eine Reihe einsortieren sollten, ganz vorn diejenigen, die vermutlich am stärksten sind, ganz hinten die schwächsten.
Hinten standen natürlich die Mädchen und ganz hinten standen zwei besonders verschüchterte Mädchen, die sich kaum trauten, den Hammer überhaupt hochzuheben (was jetzt vielleicht klein wenig übertrieben ist. Aber auch nur ein klein wenig).

Jedenfalls, als ich mich vor dem Einschlafen drücken wollte, kam mir diese Szene wieder in den Sinn und ich fragte mich, wo ich mich wohl eingeordnet hätte, damals, vor langer, langer Zeit, als ich mal Zweitklässlerin gewesen war.
Vermutlich im vorderen Drittel der Mädchen, das aber nur, weil die anderen mir gesagt hätten, das sei der Platz, wo ich hingehöre. Und weil ich niemals das Mädchen ganz hinten sein wollte, das ging nicht, dann wäre es ja für alle total offensichtlich gewesen und niemand durfte das wissen, es hätte alles noch viel schlimmer gemacht.

Aber eigentlich war ich genau dieses völlig verschüchterte Mädchen ganz hinten.

Und dann fielen mir all die Momente ein, in denen ich etwas nicht getan habe, weil ich es mir nicht zugetraut habe und weil ich nicht wollte, dass alle sehen, dass ich das nicht kann und eigentlich habe ich mir andauernd nichts zugetraut und selbst wenn, kaum ging der erste Versuch schief, habe ich sofort aufgegeben, weil hey, ich wusste doch gleich, ich kann das nicht. Und im Grunde ist das alles noch immer so, ich bin noch immer das verschüchterte Mädchen ganz hinten und der noch größere Mist ist, dass mich das nicht einmal wütend, sondern einfach nur traurig macht.

Dann noch Collien Ulmen-Fernandes dazu, sie machte alles noch schlimmer, mit ihren großen Augen, ihrem Leuchtgesicht, ihrer „ich höre dir zu, nur dir und du liebe Zeit, ist das alles so interessant, was du sagst“-Ausstrahlung.
(Das ist jetzt vielleicht missverständlich, es hat rein gar nichts mit ihr selbst zu tun, also abgesehen davon, dass ich ihr diese interessierte Haltung total abnehme. Und die ist ja was Gutes, diese Haltung, aber das ist ja das Schlimme, falls Sie verstehen, was ich meine)

Außerdem dachte ich an den anderen Mist, von wegen, das innere Kind an die Hand nehmen. Dieses innere Kind Gerede, das ging mir seit jeher fürchterlich auf die Nerven, aber nun ja, jetzt weiß ich vielleicht auch wieso.

Irgendwann fiel mir ein, dass ich kürzlich von Imagery Rescripting gelesen hatte und hey, das wäre doch die Gelegenheit, es mal auszuprobieren, das Mädchen da hinten an die Hand nehmen, ihr sagen, komm, du schaffst das und wenn nicht beim ersten, dann eben beim achtunddreißigsten Mal.

Und dann wurde alles gut und ich lebte glücklich bis an mein Lebensende.

Spuren von Schnee

Kürzlich Schnee von Maxence Fermine gelesen. Also na ja, angelesen. Dem Buch vorangestellt ist ein Zitat von Arthur Rimbaud: An nichts denken als an Weiß. Vielleicht habe ich das Buch überhaupt nur deshalb angefangen.
Jedenfalls, als ich es dann nicht mehr las, das Buch, wollte ich herausfinden, was es mit diesem Zitat auf sich hat. Das war ein bisschen schwierig, denn die Suche ergab nur den Verweis auf besagtes Buch von Fermine.
Irgendwann kam ich drauf, ins französische Original (von Fermine) hineinzulesen, dort das französische Originalzitat (rien que du blanc à songer) zu finden und nach diesem zu suchen.
Das war aus allerlei Gründen gar nicht so einfach, vor allem, weil ich natürlich nur französische Seiten gefunden habe, mein eigenes Französisch aber nicht allzu viel hergibt.
Irgendwann fand ich dann aber doch heraus, dass Rimbaud im November 1878 zu Fuß die Alpen überquert hat. Mit ziemlich viel Schnee drumherum. Wovon er in einem Brief nach Hause berichtete und aus ebendiesem Brief ist dieses Zitat.
Ich hatte ja eigentlich die Hoffnung, das Zitat-Drumherum gäbe noch mehr her, etwas derartiges, das ich mir ebenfalls sofort irgendwohin notieren will, so war das leider nicht, dafür habe ich noch ein bisschen über Rimbaud herumgelesen. Sehr viel mehr, als das er ein französischer Dichter ist, wusste ich bis dahin nämlich nicht über ihn.

Das schreibe ich, weil es so einen Spaß machte, diese Spurensuche. Und alles nur wegen dieses Buchs, das ich nie zu Ende lesen werde.
Eins der Dinge, die ich am Lesen mag. Man stößt völlig unverhofft auf etwas und ist plötzlich schlauer als zuvor. Oder hat ein neues Lieblingslied. Weiß, was man als nächstes lesen könnte. Oder wie das Wetter auf den Färöer-Inseln ist (das hätte man sich eventuell denken können).

Auch eins der Dinge, mit denen ich mich vor der Stapelverarbeitung drücken kann. Denn die Stapelverarbeitung hängt. Eventuell werde ich aber schon sehr bald wieder mit ihr anfangen, ich muss mir nämlich einen ausformulierten Lebenslauf ausdenken. Maximal 800 Zeichen. Von minimal steht da nichts. Eventuell bin ich also mit Name, wohnt in …, ist alt genug, schreibt schon fertig? Warum eigentlich nicht, das sind ja schon mindestens 41 Zeichen.
Den Lebenslauf brauche ich, weil ich nach Bayern eingeladen wurde. Nach Bayern! Hach. Und alles nur wegen der Stapelverarbeitung. Also einer Variation davon. Die würde nämlich für tendenziell preiswürdig gehalten, daher muss ich die dort vorlesen und zwar genau die. Obwohl ich doch mittlerweile noch siebzehntausend Sachen daran ändern würde. Darf ich aber nicht.
Vierzehn andere müssen auch etwas vorlesen, irgendeiner von uns gewinnt den Preis, dann fahre ich wieder nach Hause und werde drei Tage fort gewesen sein.
Damit kann ich schon Anfang Januar sechs Vorsätze abhaken: allein irgendwohin fahren, mit Übernachtung, mit anderen Schreibenden über Texte reden, in Bayern sein, neue Orte entdecken, neue Dinge tun (und vor lauter Angst zwölftausendmal aufs Klo rennen).
Ich fürchte, das werden alle Vorsätze sein, die ich nächstes Jahr abhake. Aber wer weiß. Außerdem habe ich ja gar keine Vorsätze, genausowenig wie To-Do-Listen.

Und apropos aufs Klo rennen: Der Zahn, von dem der Zahnarzt sagte, Nun, der eine Wurzelkanal ist FachausdruckDenIchVergessenHabe, eventuell geht das gut, vielleicht aber auch nicht – dreimal dürfen Sie raten. Von wegen bis nächstes Jahr.
Na ja, vielleicht geschehen am Wochenende noch wunderliche Dinge und alles wird gut.
Und vielleicht öffne ich auch gleich die Stapelverarbeitung.
Und vielleicht putzt irgendjemand das Bad.
Oder die Heizungsfrau ruft an.

Wahrscheinlicher ist, dass ich gleich Fotos auf buntes Papier klebe.

Noch wahrscheinlicher ist, dass ich irgendetwas lesen werde. Weil ich zurzeit aber ausschließlich auf leichte Unterhaltung Lust habe, diese allerdings am schwierigsten zu finden ist (zumindest wenn ich beim Lesen noch etwas anderes tun will, als die Augen zu verdrehen), habe ich beschlossen, die Frage „was lese ich als nächstes“ zu umgehen, indem ich einfach die vorhandenen Bücherstapel von oben nach unten abarbeite. Daher müsste ich als nächstes Von Beruf Schriftsteller von Haruki Murakami lesen. Das nur deshalb auf dem Stapel liegt, weil ich es mit einem anderen Murakami-Buch verwechselt habe (fragen Sie nicht).

Aber wer weiß, was sich darin nun wieder findet. Eventuell ist die nächste Spurensuche nur zwölf Seiten weit weg.

one in five

Heute heulend* durch den Wald gelaufen. Einen Jäger getroffen. Einen Jäger! Und ich gehe einfach an ihm vorbei. Statt die Gelegenheit zu ergreifen und ins Gespräch zu kommen (einen Jäger könnte ich in Sachen Stapelverarbeitung gut gebrachen). Der Jäger kam natürlich auch nicht mit mir ins Gespräch, die Leute kommen selten von selbst mit mir ins Gespräch, vermutlich vor allem dann nicht, wenn ich tendenziell verheult aussehe.
Den Jäger also vorbeilaufen lassen.

Dabei begann der Tag gar nicht so schlecht. Also eigentlich schon, ich hatte nämlich mal wieder einen Zahnarzttermin. Als ich dann aber beim Zahnarzt an der Anmeldung stand, schauten sie mich erst groß an und schickten mich dann wieder fort, ich war nämlich eine Stunde zu früh da.

Diese Gelegenheit Stunde dazu genutzt, die schlimmsten Prokrastinationsbrocken anzugehen. Unter anderem die Heizungsfrau, Sie erinnern sich vielleicht. Dieses Gespräch habe ich nun schon ein paar Mal geführt:
Um was geht es? Ah ja. Das muss ich noch mal absprechen. Wir melden uns dann bei Ihnen.
Tja nun, da glaube ich jetzt nicht mehr so dran. Aber was soll man machen.

Dann beim Garagenmann angerufen. Stellt sich raus, der Garagenmann war früher der Kellermann und als Kellermann schon einmal bei uns vor Ort. Das ist vor allem deshalb erwähnenswert, weil uns fortwährend die Garagenmänner abhanden kommen. Derart, dass ein Garagenmann zu uns kommt, Dinge erzählt und wenn wir ihm daraufhin noch eine E-Mail schreiben, weil wir siebentausend Fragen vergessen hatten zu stellen, bekommen wir die Antwort, dass der Garagenmann nicht mehr in diesem Betrieb arbeiten würde. So langsam keimte der Verdacht, auf unserer Garage läge ein Garagenmännerfluch.

Der Garagenmann, der mal der Kellermann gewesen war, hatte jedenfalls gute Neuigkeiten. Über diese habe ich mich so lange gefreut, bis ich später mit dem Gartenmann gesprochen habe, der nämlich zeigte sich höchst entsetzt darüber, dass wir bald eine Garage haben. Das sei nun wirklich ganz schlecht und er würde uns in jedem Fall davon abraten, um Himmels willen, niemals.
Endlich kommt mal einer und sagt uns, was wir alles falsch machen besser machen könnten, aber dummerweise gerade dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist.

Momente, an denen ich mich in eine Mietwohnung zurückwünsche.

Zwischen Garagenmann und Gartenmann war ich beim Zahnarzt. Das trug nicht eben zur Aufheiterung der Lage bei.
Liebe Natalie.
Ich vermisse Sie. Ich vermisse Sie ganz doll und natürlich hauptsächlich dann, wenn ich beim Zahnarzt bin. Ich fürchte, ich habe Ihnen das nie persönlich gesagt und hier werden Sie wohl leider auch nicht mitlesen. Aber wenn, dann wüssten Sie, wer ich bin, doch, ganz sicher, Sie sind so eine, die auch nach zwanzig Jahren noch die Namen ihrer Patientinnen kennt oder zumindest weiß, es mit einer Patientin zu tun zu haben. Eine, die freundlich „Frau K., wie geht es Ihnen denn?“ fragt und dann auch tatsächlich an einer Antwort interessiert ist. Und sollte ich Sie jemals verheult im Wald treffen, wüssten Sie mit Sicherheit etwas Aufmunterndes zu sagen. Sie würden auch nicht um mich herum räumen, säße ich im Behandlungsstuhl, zumindest nicht in der Form, dass ich mich wie ein störendes Objekt fühle. Sie würden nicht überhören, dass ich Sie etwas frage oder falls doch, hätte ich mit Sicherheit nicht den Eindruck, Sie hätten es überhören wollen. Und dann, wenn der Zahnarzt schon längst wieder weg ist, würden Sie noch so etwas wie „Jetzt haben Sie es überstanden“ sagen und dann würden wir zusammen lachen und Sie würden mir alles Gute wünschen und ich Ihnen auch und alles wäre allein deshalb halb so schlimm, weil es Sie gibt.
Liebe Natalie, ich vermisse Sie und hoffe, es geht Ihnen gut.

Im Wartezimmer traf (s)ich die Spezies: Ältere Herren aus der Gegend. Ich habe eine Schwäche für ältere Herren aus der Gegend. Also für diese spezielle Sorte, die auch in der Zahnarztpraxis so auftaucht, dass man meinen könnte, sie hätten ihren Traktor eben erst direkt vor der Praxistür abgestellt (und würden den Zahnarzt notfalls mit lebenden Hühnern bezahlen). Ältere Herren aus der Gegend fahren zwingend Traktor (zu dem sie natürlich Bulldog sagen, auch wenn es ein [beliebige Traktormarke hier einfügen] ist). Ältere Herren die gern auf Bänken vor ihrer Haustür herumsitzen oder sich anderweitig in ihrem Hof beschäftigen, dabei aber alles genau im Blick haben, vor allem, wer da vorbeikommt und für jeden haben sie einen passenden Spruch parat. Den sie natürlich in die Welt hinausrufen und natürlich reden sie auch kein Hochdeutsch und vielleicht liegt es hauptsächlich an diesem Dialekt, dass ich mich, sobald ich auf einen dieser älteren Herren treffe, sofort wie Zuhause fühle. Was ich dann ja meistens auch bin.

Vorhin darüber nachgedacht, warum dieses mich-Zuhause-fühlen nur für ältere Herren, nicht aber für ältere Damen gilt und dabei festgestellt, dass die älteren Damen einfach nicht sichtbar sind. Weil sie meist nicht auf einem Traktor herumfahren, keine Zeit dazu haben, auf einer Bank herumzusitzen und sich meistens auch eher drinnen als draußen beschäftigen und daher zwar vielleicht auch passende Sprüche parat hätten, aber viel seltener die Gelegenheit, diese auch anzubringen.

Dann über den von der Kaltmamsell verlinkten Artikel nachgedacht, genauer über das von ihr herausgenommene Zitat und wieder einmal völlig ratlos vor der Frage gestanden, wie man die eine von fünf aus diesem dem Zitat entnommenen Zitat sein kann:

Nearly one in five said anti-Semitism in their countries was a response to the everyday behavior of Jewish people.

Dann gedacht, dass ich weiter nicht Kluges dazu sagen kann, mich als nächstes aber daran erinnert, dass ich ja wenigstens öfter „ich bin anderer Meinung“ sagen wollte. Also in diesem Fall: Allein von der Religionszugehörigkeit darauf zu schließen, mit wem man es zu tun hat und dann noch so etwas wie „der hat es nicht anders verdient“ zu schlussfolgern – da fällt mir leider nichts dazu ein, abgesehen davon, dass das ja wohl völlig bekloppt ist.
Gleich weiter zu Fräulen Read On gedacht und ihrem Telefonat mit G. Auch dazu fällt mir leider nichts ein. Außer: Es tut mir so leid, dass so etwas passiert. Was geht es mich an, alles geht es dich an. Und mich auch.

*

Fast vergessen, die schönen Dinge des Tages zu erwähnen. Abgesehen von den üblichen (alle (soweit ich weiß) halbwegs gesund, Wald, Weihnachtsplätzchen, warmes Haus, Ole springt an und sogar auf Anhieb, …) bekam ich heute nämlich Bücherpost. Das Albgeräusch von Sven Koether. Kennen Sie natürlich, sofern Sie auch in der näheren Umgebung mitlesen.
Falls Sie es nicht kennen: Sollten Sie aber.

 


* aus keinen benennbaren Gründen

Black Thursday Night

Nachdem ich gestern Abend derart müde war, dass ich schon gegen zehn Uhr im Bett lag (was in meinem Fall ziemlich früh ist), konnte ich natürlich überhaupt nicht schlafen, also zuerst schon, dann aber nicht mehr, dann doch wieder, dann nicht mehr, undsoweiter. m ging das wohl ähnlich, denn auf einmal hatte ich zu allem Elend viel weniger Platz als vorher, das vereinfachte die Sache nicht unbedingt.

Heute morgen wollte ich dann überhaupt gar nicht aufstehen. Was nicht wirklich etwas Neues ist, im Grunde ist es sogar eher ein Dauerzustand. Dann stand ich aber doch auf, ging ja nicht anders und so gegen zwölf wurde alles wieder einigermaßen erträglich, das ist jetzt auch nicht sonderlich überraschend. Überraschend ist auch nicht, dass es half, nach draußen zu gehen.

Und dort (draußen) einen Eimer (im übertragenen Sinn) voll Spinat zu kaufen. Spinat und ich, das ist eine späte Liebe. Jahrelang dachte ich, dass ich Spinat nun wirklich nicht ausstehen kann, jahrelang machte der MMM nur dann Spinat, wenn ich gerade nicht da war. Ich weiß nicht mehr, wann ich feststellte, dass Spinat nicht nur viel weniger schlimm war als befürchtet, sondern ganz im Gegenteil sogar überaus erfreulich.
Ähnliches übrigens mit Tomaten und Kiwi. Na gut, Kiwis hatten jetzt nicht den durchschlagenden Erfolg, aber vermutlich nur deshalb, weil Obst und ich sich einfach nicht anfreunden können. Abgesehen von Himbeeren, versteht sich.

Im Draußen hätte ich auch beinahe eine Spirituose gekauft, aber dann wusste keiner, was die kostet, beziehungsweise der es wusste, war gerade auf einer Beerdigung. Tja nun. War trotzdem lustig in diesem Laden. m fand das auch, sie hat Gummibärchen bekommen. Ich nicht, Frechheit.

Und ich konnte endlich den Abfallvermeidungsregal* Punkt von der Liste streichen. Da habe ich nämlich die Schwimmwindeln hingebracht und mir im Gegenzug eine Vase mitgenommen. Was jetzt nicht geplant gewesen war, also das mitnehmen (all dieses Zeug!), aber sie war so schön gelb.

Morgen wird alles gut, morgen machen wir Holz. Ich liebe Holz machen. Ich habe nur ein bisschen Angst, mich darauf zu freuen, denn üblicherweise kommt es dann so, dass es aus Eimern regnet oder m am Rad dreht oder mir kotzübel ist oder wasweißich.
Aber Holz machen! Hach.
Holz machen ist auch ein bisschen wie Spinat. Früher fand ich das doof. Aber kaum muss man nicht mehr jeden zweiten Samstag an der Säge stehen und Holzscheite herumwerfen, schon ist es ein großer Spaß.
Also vielleicht hoffentlich.

Gestern und heute passierte natürlich rein gar nichts in Sachen Stapelverarbeitung.

Gestern habe ich immerhin ein Buch gelesen, 36 Fragen an dich von Vicki Grant (Jugendbuch). Das war genau das richtige Buch zur richtigen Zeit, angenehme Unterhaltung, nicht besonders anstrengend, nicht besonders mitnehmend, eben einfach schön unterhaltend, dabei auch nicht völlig banal, vorhersehbar und meine-Güte-so-redet-doch-niemand-miteinander-was-sind-das-für-Vollpfosten-Figuren.
Heute lese ich dann bei Frau Nessy diesen Eintrag und denke kurz, sie hat das gleiche Buch gelesen wie ich, stimmt aber nicht (also nicht dass ich wüsste), nichtsdestotrotz ist das, also ihr Link zu diesem Artikel, mal wieder einer dieser lustigen Zufälle, denn in diesem Artikel geht es um genau die gleichen 36 Fragen.

 


* das heißt wirklich so!