Die Systemrelevanz von Katzen

„Pass auf“, sagt die Katze. „Unter Franz Josef damals …“

„Welchem?“, frage ich.

„Strauß“, sagt die Katze, und: „Wenn du mich mal ausreden lassen würdest, wäre das …“

„Verzeihung.“ Mein Benehmen fiktivem Viehzeugs gegenüber lässt offenbar zu wünschen übrig. So was.

„Unter Franz Josef jedenfalls hat noch jeder Grenzkreative, jeder Schreiberling und jeder Pinselschwinger einen Witz über ihn gerissen – nur damit klar war: ich bin Künstler, also bin ich systemkritisch.“

„Ahja.“

„Und heute? Motzt die Kreativgemeinde geschlossen rum, weil sie nicht als systemrelevant gilt. Systemrelevant! Wenn das der Franz Josef noch erleben müsste!“

„Das hab ich schon mal irgendwo gehört“, sage ich und gähne. Demonstrativ.

„Gut geklaut ist halb selber gedacht.“

„Und außerdem“, sage ich und denke stirnrunzelnd an meinen Kontostand, „versteh ich durchaus, dass man nicht unbedingt verhungern will, so als Künstler.“

„Wenn man satt sein will, muss man Unternehmensberater werden. Oder Virologe. Oder ein Bandit. Nimm die Narcos – jammern die rum, weil sie nicht systemrelevant sind? Nein, sie nehmen die Sache einfach selbst in die Hand …“

„Willst du damit sagen, die Künstler sollen jetzt alle Hanf anbauen?“

„Hanf, Wermut, Pilze, was auch immer … aber ich sag doch nur, dass es nicht das Ziel eines Künstler sein kann, systemrelevant zu sein. Wo sind wir denn?“

„2020 sind wir“, sage ich. „Und der Bachmannpreis, der Hort der modernen Literatur, überlegt noch, ob er so was Neumodisches wie Skype verkraftet.“

„Ja, ja, wechsle nicht das Thema. Sag mir lieber, was das sein soll: Systemrelevante Kunst.“

„Netflix?“

„Huh, ja“, sagt die Katze. „Wenn man es so sieht. Und ich wollte eh noch Narcos fertig schauen …“


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