Brömmelböh

Wenn Sie zu den Mitmenschen gehören, die die Zeit der Kontaktbegrenzung nutzen, um die Wohnung frühlingsfit zu machen, mit den Kindern, die ihre Schulaufgaben alle schon um 10 Uhr morgens freiwillig erledigt haben, spontan Chinesisch lernen und nach dem Joggen (alleine, aber mit Fitnessarmband) noch eine Stunde entspannt Yoga machen: Gehen Sie weg. Ich kann Sie nicht leiden.

Pfrm.

Kennen Sie diese Schriftsteller, die davon erzählen, wie sie jeden Morgen um 5 Uhr an ihren Schreibtischen sitzen und schreiben? Und auch sonst so voll strukturierte Tagespläne haben? Ja, die kann ich auch nicht leiden.

Wenn ich Zeit bzw. zeitlichen Spielraum habe – dann lese ich hornsalte Habeck-Interviews, schaue heimlich ein oder zwei Folgen American Horror Story und verschiebe die Arbeit auf ‚Nachmittags‘, nur um dann nachmittags zu jammern, dass ich arbeiten muss. Zwischendrin rufe ich dem Teenager zu, er soll Socken anziehen. Dann rechne ich nach, wie oft ich den Satz ‚zieh deine Socken an‘ in den letzten 13 Jahren gerufen habe und frage mich, warum eigentlich. Es ist ja nicht so, als würde das Kind sich deswegen Socken anziehen. Schaue kurz in den Kühlschrank, stelle fest, dass ich nie etwas einkaufe, das ich auch essen möchte, rufe dem Teenager zu, er soll sich bitte endlich Socken anziehen, setze mich an den Rechner, erwäge kurz zu arbeiten, denke aber, das kann ich wie gesagt auch nachmittags machen, jetzt könnte ich ja z.B. was schreiben. Wobei ich mich dann nicht direkt entscheiden kann, welches Projekt, weil ich mir denke, vielleicht ist doch was im Kühlschrank und wenn ich gleich arbeite, dann muss ich heute Nachmittag nicht und könnte dann wirklich mal Yoga UND WENN DAS KIND JETZT NICHT GLEICH SOCKEN …

Auch sonst kann ich sehr gut mit der aktuellen Situation umgehen. Fragen Sie mal die Zimmerpflanzen. Also die, die noch leben.

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