Blogbuster? – Eine Geschichte aus vergangenen Zeiten I

Wisst ihr noch? Damals? Als man sich einfach getroffen hat, wenn man meinte, man sollte sich mal treffen?

Narf.

Mir schlägt Corona aufs Gemüt. Zum einen, ja, dieses Festhängen mit dem Teenager im Homeoffice, die tausend Absagen – aber mehr noch, nicht in die Zukunft sehen zu können. So, wie sich die Leute meiner Blase in Whatsapp-Gruppen verabreden und Wodarg zitieren (meistens durch Hörensagen verwässert) wird das hier noch eine Weile dauern.

An sich habe ich nichts dagegen, wenn sich jemand entspannt aus dem Gen-Pool der Menschheit entfernen möchte. Ich finde nicht, jeder müsse als Lebensziel 85 Jahre haben, ich mag Lebemenschen, mag die, die rauchen meist lieber als die, die Sport machen usw.

Der Unterschied ist, dass jene Form von solidarischem Verhalten, wie sie jetzt für die Herde sinnvoll wäre – null selbst belohnend, aber extrem fremdgefährdend ist. Es ist eben nicht egal, ob du nun mit den Nachbarn noch bissl grillst, die Bärbel aus Chemnitz einlädst oder jedem erzählst, Corona hätte es schon immer gegeben und sterben täten die alte Säcke auch jedes Jahr, und man soll die Hysterie … Der Schaden tritt mit Verzögerung ein, aber er tritt ein. Wir wissen noch nicht, welche Auswirkungen eine Durchseuchung mit SARS CoV2 haben wird – aber wir bekommen nicht mal den Probelauf mit ‚Gott sei Dank weitgehend harmlos für ein mutiertes Viecher-Sars-Virus‘ auf die Reihe und der Belehrton, mit dem auf Twitter da gerade jeder seinen Pandemic Footprint falsch ausrechnet, hilft btw. auch nicht.

Ja, nee, ich weiß auch nicht, was hilft. Leute anbrüllen jedenfalls nicht, wobei es irgendwie trotzdem besser ist, als nix sagen und ‚weil man ja eh nichts machen kann‘.

… aber ich wollte ja von den Zeiten erzählen, als man sich noch treffen durfte.

Ihr erinnert euch? Das Thema ist eigentlich: Blogbuster. Literaturwettbewerb, Buchblogger, Literarische Neuentdeckung usw. usf.

Meinereiner hatte Ende Dezember heldenhaft das Exposee und die Leseprobe über die Einreichungskante geschubst – und normalerweise geht dann das große Warten los. Bei mir nicht so, weil mein Kiefer sich nämlich spontan über Weihnachten entschlossen hatte, eine mörderische Entzündung auszubrüten und ich sage es mal so: Liebe Nachwuchsautoren, wenn ihr die Leidenszeit des Wartens auf Agenturrückmeldungen, Verlagsanfragen und Wettbewerbseinreichungen überbrücken wollt – nehmt Zahnweh.

Es war so Mitte Januar, meine Kiefernhöhle machte sich langsam daran wieder zuzuwachsen, der Zahnarzt sagte beruhigende Dinge wie ‚Also DAFÜR sieht es doch ganz gut aus‘ und ‚Sieht nicht so aus, als ob der Knochen zusammenfällt‘, fiel mir auf, dass es vielleicht ganz nett wäre, wenn der Text fertig wäre, also mindestens grundkorrigiert und überarbeitet, wenn denn der Blogger das Gesamt-MS haben wolle.

Ach so, ja, weil nicht jeder die Feinheiten weiß: der Ablauf ist: Leseprobe einschicken, Blogger schaut, welche ihm davon taugt und dann holt er sich das Gesamt-MS. Und wenn er dann alles in allem alles gelesen hat, entscheidet er sich, welcher Text auf Longlist und damit zur Jury Nr. 2 darf. So. Watt?

Ok, es war also Mitte/Ende Januar, und ich hörte: Nix.

Naja, dachte ich mir, hm, ok, das war es dann wohl. Da aber eine Person, die nicht genannt werden darf (oder doch?) ebenfalls einen Text – bei einem anderen Blogger und es war ein sehr, sehr guter Text – eingereicht und auch nichts gehört hatte, goss ich noch bisschen Öl aufs Hoffnungspflänzchen – aber dann war Februar und ich hakte es mit dem üblichen Mauljammernarfallesdoofwussteichjavorherwettberwerbesinddoof ab.

Allen Optimisten sei an dieser Stelle gesagt: Ihr immer mit eurem *muss man positiv sehen* – pff. Was glaubt ihr, wie ihr euch freut, wenn ihr schon so dramatisch leidend hingesunken seid und dann völlig unerwartet eine Mail kommt, die das Gesamt-MS anfragt? (Und ihr erst mal panisch suchen müsst, wo ihr die richtige Version abgelegt habt.)

Jedenfalls: es war Anfang Februar, Corona noch ein Problem der Chinesen und ich in Runde 2.

tbc.



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