Blogbuster? – Proper Planning Prevents Poor Performance

Schulschließung und LockDown in Berlin – Tag 2.

Ich bin noch ein ‚Man muss ja nicht hysterisch sein!‘ und ‚Wir treffen uns dann alle …‘ davon entfernt, den Leuten Schaubilder von Infektionsketten zu malen und sie ihnen anschließend auf den Kopf zu hauen.

Das letzte mache ich natürlich nicht, denn dafür müsste ich ja näher als zwei Meter an die Leute ran.

Sonst läuft es super hier. Ganz toll. Wirklich Klasse. Traumhaft. Alle meine Pläne gehen gerade so was von den Bach runter – von Reisen bis Veranstaltungen, von Projekten ganz zu schweigen -, der Teenager muss bis jetzt vier Lernplakate basteln (und der Teenager bastelt nicht, also nicht, ohne dabei Szenarien aus Dante Alighieris Commedia nachzustellen) und die Katze trägt einen Schlips.

„Du hast da was am Hals“, sage ich zur Katze.

Die Katze nickt. Huldvoll.

Der Schlips ist hellblau, mit kleinen weißen Mäusen darauf, gebunden mit einem doppelten Windsor und reicht exakt bis zur Hälfte der Vorderpfoten.

„Warum?“, fragte ich. „WARUM?“

„Damit du in die richtige Stimmung kommst.“

„Für was? Zombieapokalypse? Zwangseinweisung? Den Versuch Klopapier zu erwerben?“

„Pfff. Nein. Alles völlig unwichtig – du musst an deiner Körpersprache, deiner Ausstrahlung und deiner Kommunikation arbeiten. Du kannst nicht mehr wie ein Schluck Wasser in der Kurve rumlungern und einfach vor dich hinplappern, was dir in den Sinn kommt!“

„Warum nicht?“

„Weil ich das sage!“

Zugegeben, eine Katze mit Schlips hat eine gewisse Autorität, also füge ich mich und setze mich aufrecht ihr gegenüber. Die Katze fährt sich mit der Pfote über die Schnauzhaar, nickt und erklärt mir, sie würde jetzt mal mit den Interviewtraining anfangen.

„Dem was?“, entfährt es mir, aber die Katze schaut mich nur vorwurfsvoll an.

„Das Schreiben“, sagt die Katze gewichtig, „betrachten Sie das als Beruf oder als Berufung?“

„Äh …“

„Ääääähhh“, äfft mich die Katze nach. „Äääähhh! Das war eine ganz einfach Frage!“

„Äh …“

„Gut, bitte, dann was anderes! Haben Sie denn schon mal versucht einen Verlag zu finden?“

„Ja.“

„Und?“

„War einfach. Die verstecken sich ja nicht gerade. Da gibst du einfach bei google maps die Adresse ein und ‚zack‘ …“

„Ah. Humor“, sagt die Katze. „Großartig. Damit kommt man ja auch sehr weit heutzutage. Vor allem als Autor, da freut sich der Literaturmarkt, wenn die einen auf …“

Zum Glück werden wir in dem Augenblick vom Mail-Ankündigungs-Piepen unterbrochen – die Schule schickt noch zwei weitere Lernplakatsanweisungen. Jetzt muss ich nur noch jemanden finden, der sich in das Zimmer des Teenagers traut und ihm das übermittelt. Ehrlich, ich habe Schule weniger gehasst, als ich da noch selbst hin musste.

„Du nimmst das nicht ernst!“, schimpft die Katze. „Proper Planning Prevents Poor Performance! Was ist, wenn du Witzbold morgen wirklich ein Interview geben muss? Hm? Was soll das werden? Eine Inszenierung will geübt sein!“

„Und wenn ich mich gar nicht inzenieren will?“

Die Katze starrt mich an und schüttelt dann in tiefer Verzweiflung den Kopf. Dann gibt sie mir eine letzte Chance:

„Man sagt: Tanze, als ob niemand zusieht. Gilt das auch fürs Schreiben?“

„Schreiben, als ob niemand zusieht?“

„Nein, verdammt: Schreiben, als ob es niemand lesen würde. Kannst du das für dich als Leitsatz verbuchen?“

„Ähm, ja, ja, doch, irgendwie …“

„Tja“, sagt die Katze, „das erklärt zumindest die Rechtschreibfehler.“

… ich fasse das folgende mal so zusammen: die Katze trägt jetzt keinen Schlips mehr, ich hab größere Mengen an Polyvidonjod verbraucht und ob das Interviewtraining was gebracht hat, könnt ihr *hier* nachlesen.


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