Die Katze und ich

Früher, als ich noch Schriftsteller werden wollte, oder ehrlicher: als ich noch daran glaubte, irgendwie und irgendwann würde mein Schreiben dahin führen, dass ich – nein anders: als ich noch glaubte, mein Schreiben würde zu irgendetwas führen, da hatte ich noch keine Katze.

Jetzt habe ich noch immer keine, denn die Katze gehört Fräulein Blau (wenn denn die Katze überhaupt jemanden gehört). Und das macht es unterm Strich nicht besser, denn ob sie mir nun gehört oder nicht: Die Katze sitzt mir gegenüber, puhlt sich Entrecôte aus den Zähnen und gibt mir Ratschläge.

„Hau ab“, sage ich zu der Katze.

Die interessiert das natürlich nicht weiter, sie schaut jetzt aus dem Fenster, putzt sich versonnen die Entrecôte-Krallen und sagt: „Also du willst kein Schriftsteller mehr werden.“

„Nein.“

„Aber wieso denn nicht?“

„Weil etwas werden zu wollen, was man nicht werden kann, zu anstrengend ist.“

Die Katze schaut, als wäre ich bescheuert.

„Nehmen wir an“, fahre ich fort, „du wolltest ein Hund werden …“

„Hallo?“, unterbricht mich die Katze. „Sonst noch was? Erstens ist das ein Klischee, also das mit Hund und Katz, zweitens ist Hund zu sein kein Beruf, sondern eine Entität und …“

„Entität? Wo hast du denn das Wort her?“

„KF.“

„Klar“, sage ich. „Wer sonst.“ (KF ist ein Freund von Fräulein Blau und jemand mit Bildung, wie die Katze sagt. Ich bin der festen Überzeugung, in ihren Worten schwingt ein Vorwurf mit, weil es bei mir immer nur Thunfisch gibt und keine Bildung. Aber da ich die Katze nicht mag, ist mit egal, was sie mir vorwirft.)

„… und drittens kann ich alles werden, was ich will – weil mein Wille deinen Willen bei weitem übersteigt.“

„Dann bell mal.“

Die Katze blickt mich an.

„Na gut“, sage ich, „nenn es einfach Einsicht. Oder Durchsicht. Oder Erwachsen werden. Aber das Schreiben wird nie zu irgendwas führen.“

„Das ist doch Blödsinn“, sagt die Katze und klingt dabei wie der zenbuddhistische Psychothreapeut, mit dem ich manchmal Rum trinke. „Du hast zwei Bücher herausgebracht, einen Literaturpreis gewonnen, unzählige Lesungen … du betreibst Stammtische und Blognetzwerke. Du machst das toll! Das ist doch großartig!“

„Du klingst wie der zenbuddhistische Psychothreapeut, mit dem ich manchmal Rum trinke.“

„Natürlich tue ich das“, sagt die Katze. „Sonst merkst du ja nicht, dass ich dich auf den Arm nehme.“

„Es soll Labore geben, die Katzen suchen … für Experimente.“

Für eine Weile schweigen wir. Dann sage ich: „Jedenfalls führt das Schreiben zu nichts. Und seitdem ich das erkannt habe, bin ich traurig. Und zu allem Überfluss bist du noch aufgetaucht.“

„Ja“, sagt die Katze. „Ich bin jetzt hier. Hast du noch Entrecôte?“

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.