Song der Pandora

Aus Erde und Wasser ward ich erschaffen vom herrlichen Künstler Hephaistos.
Athene lehrte mich Weisheit und die Kunst des Webens. Von Aphrodite
Erhielt ich die Anmut und holdseligen Liebreiz. Die Chariten legten güldnes
Geschmeide um mich. Dann kränzten die Horen mein Haupt mit Blumen.

Der Chor der guten Deutschen:
An allem sind die Griechen schuld!
Die Griechen sind an allem schuld!

Der Bote der Götter schenkte mir den betörenden Liebreiz
Und gab meinen Worten sanft einnehmende Kraft. So ward ich erschaffen
Auf den Befehl des höchsten der Götter, des Weltenbeherrschers Zeus.
Zu Epimetheus führte mich Hermes. Doch Epimetheus
Dachte nicht mehr an das Wort des Prometheus, nie ein Geschenk doch
Anzunehmen von Zeus dem Olympier. So schnell schon hatte ihn
Mein Antlitz verzaubert. Vom Munde herab lief ihm Geifer.
Und sein geiler Blick vermaß meine Schenkel.

Solo des Epimetheus:
Dein braunes Haar ist wunderbar!
Dein Straps am Strumpf ist Wahnsinn!
Süßes Kind, sag geschwind
Wer bist denn du?

Nicht nur zum Spiele zierte ich mich, wie vom Göttervater befohlen.
Denn als Geschenk zu unserer Hochzeit gaben die Götter mir mit
Einen Krug. Einen Krug voll gefüllt mit Krankheit und Leid.
Alles Üble was die Olympier sich erdachten, das füllten sie
In den Krug. Sie hießen mich ihn bald zu öffnen, noch bevor dieser Narr
Meine Unschuld befleckt.

Solo des Epimetheus:
Dein Widerstand hat Fuß und Hand!
Dein Hackenschuh ist scharf wie du!
Süßes Kind sag geschwind
Wer bist denn du?

Einst waren auf Erden die Stämme der Menschheit
Dem Leiden entrückt und entflohn der Arbeit,
Aber dann befreit‘ ich, wie von Zeus mir befohlen,
Alle Krankheit, alle Schmerzen und Sorgen aus meinem Gefäß.
Denn es ist keinem vergönnt, zu entfliehn Zeus‘ waltendem Willen.
Doch zur rechten Zeit, bevor das Leid sich ins Unermessliche steigert‘
Erbarmte ich mich und fest verschloss ich den Deckel.
Das größte der Übel, das süßeste Gift,
Die Hoffnung
Behielt ich zurück.

Der Chor der guten Deutschen:
An allem sind die Griechen schuld!
Die Griechen sind an allem schuld!

(Motive und Zitate aus: Hesiod: Werke und Tage; Nina Hagen: Auf’m Bahnhof Zoo)

Die Wahrheit über Sisyphos

Ein Dramolette für einen Pantomimen und zwei 3-Wege-Lautsprecherboxen

(Der linke Lautsprecher steht links, der rechte Lautsprecher steht rechts. Dazwischen ein Pantomime im an Marcel Marceau erinnernden Bip-Kostüm)

Die linke Box:
Dass der Stein sich runden würde, darüber schien Einigkeit zu bestehen. Zumindest unter den Denkern, welche sich näher mit diesem Aspekt beschäftigt hatten. Günter K., dieser ostdeutsche Dichter, sah den marmornen Stein sogar die Züge des Königs von Korinth annehmen.

(Der Pantomime wirft einen Felsbrocken aus Pappmaché in die Luft. Immer wieder, gleich der Prinzessin aus dem Froschkönig.)

Die rechte Box:
Like a rolling stone
Kurzes Knacken. (Früher gab es dieses knappe, trockene Knacken in der Leitung, wenn sich die Schlapphüte in die Telefonleitung einschalteten. Früher.
Genau dieses Knacken)
Leider ist dieser Text in Deutschland nicht verfügbar, da er Inhalte enthalten könnte, für die die GEMA die erforderlichen Rechte nicht eingeräumt hat. Das tut uns leid.

Die linke Box:
Der Stein also. Verliert Ecken und Kanten. Wird kleiner und notabene auch leichter.

Die rechte Box:
Wie lange wird es dauern, bis der Stein Tennisballgröße erreicht hat? Ping.

Die linke Box:
Pong!
(Pause)
Ball.

Die rechte Box:
Wie wird sich Sisyphos, Sohn des Aiolos, König von Theben, Erzeuger des Odysseus, Bezwinger des Thanatos, den, den die Alten den verschlagensten Menschen auf der Erde nannten, wie wird sich Sisyphos fühlen, wenn der Stein nur noch die Größe einer Erbse hat?

Die linke Box:
Können wir uns Sisyphos immer noch als glücklichen Menschen vorstellen?

Der Pantomime:
How does it feel?