Herr Rübenach und die Tafel

 

Vor dem Betreten des Supermarktes war Herrr Rübenach von der dienstverpflichteten Caritaspraktikantin freundlich gebeten worden, einige Grundnahrungsmittel zu erwerben und diese anschließend für die „Tafel“ zu spenden. Sehr lange hatte er mit sich gekämpft, ob er dafür tatsächlich einen Karton Jabiko* kaufen solle, hatte er doch unlängst gelesen, dass sich unter den Kunden der Tafel überproportional viele alleinerziehende Mütter befänden. Dies bei seinen Überlegungen berücksichtigend, verzichtete er auf den Schnaps und erwarb statt dessen eine Kiste Asti Spumante. Unerklärlicherweise erwiderte die Praktikantin sein Lächeln nicht, als er ihr seine Spende übergab.

*Jabiko = rheinisches Kurzwort für „ganz billigen Korn“

Ein lesenswerter Aufsatz zum Problem der „Tafel“ findet sich hier:

http://www.labournet.de/politik/sopo/neue-armut/tafeln/abgespeist-uberflussig-gemachte-und-gemachtes-an-einer-tafel-von-gunther-salz/

google streetview

Back Haus SB Bäckerei Frankenheim Alt
Warsteiner Pils Jalousien heruntergezogen
Ein Sonnenschirm in blaugelb
Zeitschriften Tabakwaren Spirituosen

Täglich frische Brötchen belegt
Frankfurter Allgemeine Langnese
Mini Markt Einfahrt Freihalten
Jalousien heruntergezogen zwei

Haustüren ein Fahrrad noch ein
Fahrrad Card & Label absolutes
Halteverbot ein Stromkasten ein
Müllcontainer Einfahrt freihalten

Werden kostenpflichtig abgeschleppt
Copyright 2012 google Problem melden
Aufnahmedatum September 2008
Wohnhäuser mit Balkonen zur Straße

Ein Haus eingegraut unkenntlich gemacht
Mitsamt dem Baum davor morgen werde
Ich hinausgehen die Wohnung verlassen
Dann mach ich ein Bild von dem Haus

Ich werde alle unkenntlich gemachten
Gebäude dieser Stadt fotografieren
Stadtansichten eine Wanderausstellung
Gefördert mit Mitteln der Kunststiftung

NRW hier braucht sich keiner verstecken
Noch ein Baum immer wieder Bäume
Auf den Straßenbahnschienen kommt
Mir ein gelber LKW entgegen ich

Habe Angst ich bin ein kleiner Halma-
Kegel in gelborange auf grünem Grund
Ich bin ein kleiner Winkel auf einer
Straßenansicht auf meinem Notebook ich

Stehe unter dem Copyright von google 2012
Auf den Straßenbahnschienen kommt
Mir ein gelber LKW entgegen ich bin
Mutig ich gehe vorwärts der gelbe

LKW ist verschwunden ich bin gerettet
Links parkt ein Anhänger ein Haus ist blau
Eine rote Litfaßsäule schreit Liebe
Der gelbe LKW ist wieder da auf den

Straßenbahnschienen zweieinhalb Bäume
Von mir entfernt Schritt für Schritt verändert er
Seine Entfernung wenn ich den Schienen
Weiter folge erreiche ich das andere

Ende der Stadt wenn ich in der Spur bleibe
Ich kenne den Weg Zone 30 Haarmoden
Zubehör Hörgeräte Änderungsschneiderei
Schnell-Service Bild Sport-Bild Frankenheim

Netzer kam aus der Tiefe des Raumes

(Prosa mit Zeilenumbrüchen)

Tattoos gehören in der Innen
Verteidigung pflichtgemäß hinzu.
Wenn er herauskommt, muss er
Ihn haben. Der geht nur auf die

Knochen. Der hat schon gelb.
Er kann sich doch nicht in Luft
Auflösen. Schon wieder der Fünfer.
Das ist internationale Härte.

Sie bekommen keinen Zugriff
Aufs Mittelfeld. Die müssen in
Die Nahtstellen der Vierer-Kette
Spielen. Schnell vertikal in die Spitze.

Überhaupt kein Spiel ohne Ball.
Das hat sich schon lange angedeutet.
Fünfmeterraum gehört dem Torwart.
Wenn er herauskommt, muss er ihn haben.

Der Autor dieser Collage bedankt sich bei der 11-Freunde Redaktion (Leitfaden für Fußball-Klugscheißer), bei den Livereportern der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und einem Journalisten der FAZ.

Herr Rübenach geht frühstücken

„Einen Capucchino und ein Brötchen mit gekochtem Schinken, bitte!“
„Was hätten Sie gerne auf dem Schinkenbrötchen?“
„Schinken?“
„Nur Butter und Schinken? Oder zusätzlich noch Tomaten- oder Gurkenscheiben?“
„Ja, einige Tomatenscheiben sind okay.“
„Tomatenscheiben haben wir heute keine, dürfen es auch Gurken sein?“

Die Wahrheit über Sisyphos

Ein Dramolette für einen Pantomimen und zwei 3-Wege-Lautsprecherboxen

(Der linke Lautsprecher steht links, der rechte Lautsprecher steht rechts. Dazwischen ein Pantomime im an Marcel Marceau erinnernden Bip-Kostüm)

Die linke Box:
Dass der Stein sich runden würde, darüber schien Einigkeit zu bestehen. Zumindest unter den Denkern, welche sich näher mit diesem Aspekt beschäftigt hatten. Günter K., dieser ostdeutsche Dichter, sah den marmornen Stein sogar die Züge des Königs von Korinth annehmen.

(Der Pantomime wirft einen Felsbrocken aus Pappmaché in die Luft. Immer wieder, gleich der Prinzessin aus dem Froschkönig.)

Die rechte Box:
Like a rolling stone
Kurzes Knacken. (Früher gab es dieses knappe, trockene Knacken in der Leitung, wenn sich die Schlapphüte in die Telefonleitung einschalteten. Früher.
Genau dieses Knacken)
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Die linke Box:
Der Stein also. Verliert Ecken und Kanten. Wird kleiner und notabene auch leichter.

Die rechte Box:
Wie lange wird es dauern, bis der Stein Tennisballgröße erreicht hat? Ping.

Die linke Box:
Pong!
(Pause)
Ball.

Die rechte Box:
Wie wird sich Sisyphos, Sohn des Aiolos, König von Theben, Erzeuger des Odysseus, Bezwinger des Thanatos, den, den die Alten den verschlagensten Menschen auf der Erde nannten, wie wird sich Sisyphos fühlen, wenn der Stein nur noch die Größe einer Erbse hat?

Die linke Box:
Können wir uns Sisyphos immer noch als glücklichen Menschen vorstellen?

Der Pantomime:
How does it feel?