Ansonsten warten wir auf den Winter

(Prosa aus einfachen Sätzen)

Der Winter war wieder viel zu warm. Im Januar beobachteten wir Wespen. Manche sprachen schon vom Ende einer Jahreszeit. Alles verschwindet. Nur das Loch im Himmel vergr”ößert sich. Und im Frühling gab es viel zu viele Insekten. Im Sommer war es abwechselnd zu warm und zu nass. Am Regen interessiert wieder mehr der Säuregehalt. Die Becquerel der vergangenen Jahre sind schon wieder vergessen.

Früher stritten wir noch über Widerstand. šÜber strukturelle Gewalt und dann doch nicht geworfene Steine. Heute interessiert uns das Wachsen der Gurken. Die Bohnen kö”nnten noch etwas Regen gebrauchen. Die Zwiebeln müssten es trockener haben. Ernsthaft diskutieren wir die Vorteile des Mulchens. Wir schwö”ren auf Rindenmulch, wir nehmen Stroh, wir versuchen es mit abgemähtem Gras. Wenn das alles so weitergeht, werden wir unseren Tabak selbst anbauen. Wir drehen unsere Zigaretten selbst. Oder wir haben das Rauchen sowieso aufgegeben. Das beste Gras wächst in unzugänglichen, längst aufgegebenen Weinbergecken. Und auch den Schnaps kö”nnte man selber brennen. So bauen wir Barrikaden in den eigenen Gärten und führen Rückzugsgefechte gegen Universitäten und Arbeitsämter. Im Herbst wundern wir uns über den viel zu kurzen Sommer. Und während wir auf den Winter warten, sammeln wir ŽÄpfel auf Streuobstwiesen. Weiterlesen