Kategorie-Archiv: Lyrik

verkleinerung

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verkleinerung
stunden-weise, morgens
pensée matinale
(modèle réduit)

pendant ce temps juste en passant
elles ont piqué puis emporté quelques-unes
des rares cerises de lumière de mon petit
matin avant d’avoir gagné une bonne
longueur d’avance sur mes couleurs

du hingegen bleibst und klebst
fest in einen schlaf gewickelt scharf
bewacht (in solchen kuhlen kauerten
fellbewehrte tiere schon als schrift von krallen
rührte und wer lesen konnte
spürte sie dort auf)

je vois (ou est-ce que
je comprends tout
simplement depuis
ma chère obscurité
en tâtonnant?)

le pont

(se portant bien, du moins c’est ce qu’on raconte)
pourtant il semble tellement
loin de toute senteur (aucun vert n’y colle plus)

du siehst wie träumende sehen
wunderst dich nicht und schwebst
land unter
dir gilt der ruf
an dem du würgst
erwachst dann witterst du

possible que ce soient mes mains
– coupées du reste de ce corps
coupées d’un monde connu des langues –
qui ne sauraient distinguer
la forme d’une esquisse de son poids

es lohnt kein wiedersuchen mehr
weil du liebst wie du liegst
das nest und den bewohner gibst mir
dämmert nicht (wie dir) der tag
mich schlägt er
zerrt ins blau die letzten splitter lichts
aus fernen sonnen

en approchant ce pont trop pâle – un B couché
alors? – j’outre-passe un étrange voile de virgules
et en humant leur danse je crois
flairer le dessein de ce jour : muer mon
ciel ma terre en rivages boueux

schrumpft sie ein (und dich
und alle bahnen die ich flog) in das modell
worin pigmente einer strömung widerstehen (mir)
bleibt es vertagt
mit ihr zu rechnen
schon zu vieler unbekannter (farben) wegen

l’image se répète: l’espoir n’est qu’un
pinceau qui trempe dans une pâleur bleue
tendance gris clair et je me perds
(le temps d’une saute d’humeur)
à cause d’une chanson prétendue rose
qui vient à moi du fond de la vallée

cette brume d’en bas elle se prend (vrai-
ment) pour une transgression marine

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Rückkehr ist ein Abstelltraum

.

Rollladen rattert schon wieder ein Tag
am Ende sage ich mir wenigstens regnet’s
gegen mein Haus der Wolkenwand die Wut ab
zu fassen wäre kaum ein Glück so leicht
wie das gedörrte hinter mir im Schrank

unterm Stapel drücken sich Knisterlaute
weiter vorm Angriff auf die Stille mein
Erbe verwalte ich nachts steht die Tür
haargenau um den Spalt offen zuzugeben
Rückkehr ist ein Abstelltraum fehlte jetzt

gerade noch gelingt der rote Morgen
betet jeder Schmerz ein junger Vogel
runter und mir dämmert ich muss eingeknickt
sein Sprechgesang stopft den Geschmack
von Rache hinter meine Zunge leckt am Silber

Benommen noch das Haar zerzaust zum ersten
Kaffee in Versen gedacht beim zweiten begriffen
wie Klänge sich weigern einmal verzerrt die schwersten
der Träume in seichte zu fälschen Noldes Schiffen
ein Ufer zu lügen Stege Bohlen bersten
zu lassen wie Brandung Wogen über Riffen
Dem Schaum des dritten mag das Bild gelingen
Soll der dem trocknen Satz ein Rund entringen

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Anflug

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Der blasse Himmel zupft im Westen
Schwaden aus dem Wald und rührt
sich Wolkenwirbel damit an. Dein
Morgenmond, November, schaukelt
und taucht ab, bevor er noch den
Horizont berühren, mir von jenseits
Astwerk so beleuchten kann, dass
Silhouetten sich zu federfeinen
Zeichen formen, die erzählen, von
den Krähen im Dezember damals
an der Elbe: wie sie zum Abend hin
in ihren Schlafbäumen zusammenfanden

 

 

 

nach …

 

… dem verkauf der staffelei

reisen kann ich worthin nicht, um
eine deiner stimmen bitten. ab
dem randstrich zwischen uns, da herrscht ein
wicht, von langen wellen aufbereitet
die nicht zu fassen, formen, brechen

sind wir uns begegnet, hast
du dich nicht erkannt – so fremd
die farben jeder deiner fasern
ihre töne eine spur zu warm
und ihnen unverwandt der blick
aus nord, nord-ost. gegenwärtig:

zimt und eine wolke milch im tee
und dabei warte ich auf nichts; nur
als der sommer grollte, verse an
den falschen stellen schmolzen
hätte ich gewünscht, du fehltest doch

das motiv ins abbild zu verrenken
hieße ja, verrat zu üben unter schichten
die erst trocknen, später reißen? lernen
wie ein bild, seines gegenstands entbunden
dort bewegung zeugt, wo leere wohnte –

nein, ich will in einer wortschaft lieben
bleiben, wo mir stimmen körper werden
farben schon im dunkel wachen und ein
raunen über nacht zum tosen wachsen
darf. alles brandet hier: an meinen stufen

 

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Heizkraft

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Ein nie gerahmtes Bild lehnt schräg zur Wand,
dem alten Pinsel formt es Dach: Versteck.
Im Drunterwinkel nackter Stoß von Gips
an Bohlen, ungestört in Ritzen schläft
der Staub. Das Haar zur roten Masse hart
getrocknet, liegt der Pinsel nun als Stab,
der keinem Meister dient, ist ausrangiert.

Auf Leinen, halb gebannt: ein Augenpaar,
sein Blick. Ein Mund, skizziert; die Stirn
konturlos, Kinn und Nase fehlen. Bild
und Pinsel harren – nicht des Zaubers, nicht
der frischen Farben. Einen fremden Blick,
den harten Pinsel? Niemand braucht sie. Nur
ein Tritt … und Stäbe, Augen brechen. Bald
brennt Müll.

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sumpfgebiet, winter

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nicht alles schleimt was langsam in bewegung
rät nicht immer kriecht was aufwärts kommen
will wer weicht stößt krieger vor den kopf wenn


ich mich also ausgeschlagen gebe?
mit schatten vielleicht schein irgend-
einem weiteren verbrauchten

wort das mir erst zugeschnitten werden
muss ich darin eingewickelt trocknen
wegbereitet beiläufig zertreten ab-

gewogen für gefechte ausgesprochen
ungeeignet heißt es im befund nicht mal
geschichten ranken lässt man

hört das knacken nicht
zu fein ist hart gefrorenes knapp unter
oberflächen aderndes gezweig und … schnee?

du hast dick aufgetragen schmelze dürfte
einiges bewegen in der gegend wird
verräterisches schmatzen zu vernehmen sein

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du nimmst gestalt an

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verkleidet stehst du bleibst im rahmen
singe ich dich ab vom blatt jage vor mir
her was ich nicht fangen kann bevor die
müden hände einem schoß zurück

kann er noch lachen wäre eine frage die
der nie gebauten brücke gleich den lauf
des flusses auch nicht quert wenn diese
eine karte schon geschichte sich der wut

des sammlers wert erweisen wird sie alte
welt an eine kellerwand zu pinnen oberhalb
von fässern die in ihren dauben weiter
den geschmack von seegang bergen

bleibst mir bild und sehen kann ich
wenn es dunkelt und das land sich
weitet bis zum hafenbecken dort wo
schwarzes glitzert und kein lotse wacht

 

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4 (MögLichkeiten)

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Schilder nicht übersehen halte den Atem an die
Luft strömt zernetzt auch das Teilen du könntest in
Kategorien fallen wie nichts geht mehr oder weniger
Schluchten durch Echo der Warnrufe einfach zu orten wie


solltest du Schweigen betreten den Raum der sich
ausdehnen will wenn du abhängst und fieberst noch
siehst du denkst du deutlich die Grenzen dann
setzt ein Sterben der Sinne den Aufbau: Stufen


Weise warst du bist du sitzt an Kanten der
Nummern sechs auch sieben vergehen dir vor dem
Hoffen dem Hören und sehend taste dich durch
Öffnungen greife fester die echten


Zitterstifte ihr Bild von Schrift da wachsen
Stapel pressen letzter Tage Pläne pausen
durch und schon der Wunsch nach Funkenflug und
Stichen drehte sich die Walze doch


Wimpelwörter Ausreißer die Helden spielen und sich
tragen wehen lassen blieben sie hängen könnte das Segeln
dein Tuch ihrer Rettung dienen sie deuteten ihm die Flecke als
Muster würde zu Stoff oder du


Schenktest manchen ein Sickern in Wände sie trockneten
ließen nichts Gravierendes wissen wollten nichts sein als
Teile verdächtig genug dem Klang entlang verschlungen
tanzend vielleicht geliebt

 

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