Archiv für den Monat: April 2017

Kurzprosa

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Das Überleben der Stimmbänder

 

Je suis mon oreille
Il se tend vers
cette profondeur
Un drôle de cadeau
Quelle idée de se
débarrasser dʼune cruche
Je vois. Au fond
brille du noir
Je ne la remplirai pas

 

Du hast ihn ausgespült und kopfüber abtropfen lassen, du reibst ihn ab und dann drehst du das Tuch hinein, bis er innen ganz trocken ist. Er glänzt, dein Krug, und trägt ein gutes Stück zu deiner Zufriedenheit bei – vielleicht denkst du, sie könnte eine Weile bei dir wohnen bleiben – und gleich wirst du ihn in einem Schrank verstauen.

Wer weiß, wo du wohnst. Im wievielten Stockwerk die Wohnung liegt. Gibt es einen Fahrstuhl, und wie sieht der Schrank aus, der entweder in der Küche hängt oder in dem Raum steht, wo der Hund liegen und den Kopf heben könnte, wenn du jetzt mit dem Krug in der Hand hereinkommst?

Vielleicht besitzt du keinen Krug. Möglicherweise war es ein Aschenbecher, den du gereinigt hast, den du wieder auf den Balkon hinaustragen wirst. Du bist Nichtraucher? Es könnte sein, dass der Aschenbecher für Besucher bereitstehen soll, die später am Abend noch absagen werden. Auf dem Weg zum Schreibtisch oder ins Badezimmer kommst du an der Stelle vorbei, wo an der Wand ein Platz für das Foto wäre, das dich mit dem Hund zeigt und du bleibst stehen. Man ruft dich, gleich beginnt der Film oder die Reportage oder das Fußballspiel.

Dir fällt auf, dass du heute keine Rückenschmerzen hattest. Morgen könntest du einen Rahmen besorgen, das Foto ausdrucken lassen, denkst du, als dir einfällt, dass Feiertag sein wird. Es war eine gute Idee, das Fernsehgerät abzuschaffen, da seid ihr euch einig. Nach dem Abendessen wird eingefroren, was übrig blieb. Du suchst ihr das Buch heraus, aus dem sie vorlesen wird. Sie schenkt den Rest aus der Flasche gleichmäßig in die beiden Weingläser. Du lächelst, das Rot des Traubensafts im dritten, kleinen Glas ist dasselbe.

In der Nacht gehst du den Weg durch den Garten bis zum Ende des Grundstücks, freust dich, im Herbst die Büsche gepflanzt zu haben, in einigen Jahren wird der Zaun nicht mehr zu sehen sein. Nach dem langen Wochenende – dem vorläufig letzten, an dem du frei nehmen konntest – werdet ihr in die Stadt zurückfahren. Du beachtest den Himmel nicht, obwohl nirgends so viele Sterne zu sehen wären, wie hier draußen auf dem Land. Du atmest tief ein und aus.

 

 

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Heizkraft

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Ein nie gerahmtes Bild lehnt schräg zur Wand,
dem alten Pinsel formt es Dach: Versteck.
Im Drunterwinkel nackter Stoß von Gips
an Bohlen, ungestört in Ritzen schläft
der Staub. Das Haar zur roten Masse hart
getrocknet, liegt der Pinsel nun als Stab,
der keinem Meister dient, ist ausrangiert.

Auf Leinen, halb gebannt: ein Augenpaar,
sein Blick. Ein Mund, skizziert; die Stirn
konturlos, Kinn und Nase fehlen. Bild
und Pinsel harren – nicht des Zaubers, nicht
der frischen Farben. Einen fremden Blick,
den harten Pinsel? Niemand braucht sie. Nur
ein Tritt … und Stäbe, Augen brechen. Bald
brennt Müll.

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