Archiv für den Monat: Juli 2015

Ɖrei Nächte sind es nur


Das größte Zimmer im nun lang verbrannten Haus
trug keine Nummer, auf seinem Schild stand Nacht
Wir alle fanden Platz darin: mein Schlaf, der eine
Traum und seine Brüder
Uns umfangen haltend und von Farben ungerührt
half mir das Dunkel, ein fernes Delta weiter
über den gedachten Punkt hinaus zu dehnen
während die Brüder neue Wörter bauten
alte Silben in Gesänge schmolzen

Drei Nächte sind es nur, die zählen 
Drei Nächte - weiter ist es nicht

1O
Entpacken wiederholen
am Morgen den Schlaf aufschlitzen
Versuchung: zu punkten
anzupacken; denke erobern?
(mich) zurück erhalten
auspacken, auf Grund
gehen, laufen, stoßen
Truhe, in der ich gewühlt
in der ich immer nur

9
Erster Ekel Faltenwurf Milchhaut über Mutters Finger
Heiß zu heiß zu schnell so weiß verdampfen Sommer
Pfeile zürnen Saiten härten
Fingerkuppen Wimpern Schwingen
Neigungswinkel Lichteinfall
Flaum noch kaum getrocknet und versteckt im Nest
entdecken Jagd beginnen wollen halt noch still

8
Dein Nähkästchen, das Nadelkissen, sein Klappmesser
alle weiten Wege schmelzen in eine
große Furchtwalz
ausgezogen erzählt eine von Kohlebecken
du glühst
bleibst
kannst Treten nicht erinnern, Drehen, Brechen
Kippen
viel zu kurz gekommen
ist es viel zu oft besungen viel zu laut geklungen
hat es und es ist ja nicht so, sagt sie, dass es nur einmal passiert

7
Wühl mit mir
Glattstreicheln
Zeige dein Zerknülltes

Drei Nächte sind es nur, die zählen
Und alle anderen davor, die
zwischen ihnen, jede folgende?
Bilden den Abguss, singen ihr 
Erahnen, seltener: ein Echo

Die erste dieser drei ist die
in deren Mitte ich erwache
Kern und Gehäuse,
was ich immer in mir tragen
soll – jetzt endlich kenne;
Gewicht und Schwerelosigkeit
als innerst zu mir zählend
anzunehmen, meine Häute
in mir, um mich schließen lerne

6
Natürlich, sagt sie, natürlich braucht es
Schwellen und Schienen
Körper, Köpfe die

dich weiter tragen, blicken
dich mal kosten
oder halt dich fest
wieder hängen
bleiben lassen
nicht mal das gedachte Netz einer Sternkarte glimme dort
Stromausfall … und nein,
erhebend sei es nicht
gewesen
gestorben worden zu sein
eingekellert, sagt sie, sei nicht
das Wort, das richtige, dennoch
Triebe sind meinen Augen entsprossen
Fangarmen gleich, also müsse es ja
Licht gegossen haben durch Gefallen
gesickert alles durch Gitter gefiltert
verdorben

5
Kühl mich
Komm runter
Lass ab von mir

Drei Nächte sind es nur, die zählen
Erzählt verschmelzen sie zu einem
Ganzen und umschlingen, würgen
späte Hälse, zerren an Gesichtern
spritzen unter Jubeln Maskengift

Die zweite ist die längste, ist
die allen Grund durchsetzen wird
und über Dächern wacht
Steine aus Mauern
lösen, Sanden Stein erpressen
kann – alles begleichen

4
Fühl mit mir
Vorausgefangenes

Hohlmaß Handbreit Muskelmasse
dein ist mein halber Mond
Zwischentöne stecken fest in Mauern wie auch wir
wo sind die Fugen
klangverschmiert
hast du noch Abstand übrig
Luken zu vergeben

Die dritte ist die letzte, ist
die vertraute Unbekannte
Sie lebt, sie atmet den Geruch
nach Warnung aus und
Kellern, Wartezimmern
wachsen Bäuche; Wände
saugen Saft, gepresst aus alten
Zitterblättern, schon vergoren

3
Wasser reichen will ich
dir Neugier schleudern auf gesuchtes Fressen du sollst
Hunger hören der dich wach hält dich
mit Kampf versorgt und Szenen eines Stummfilms du
wirst komponieren oder dazu
(üble Grabrede)
klimpern bis du ausfällst dann
wirst du erschlaffen in
mir bleiben bald vergessen was dir
kistenweise flimmerte

2
Das ist doch das
Verletzte

1

 

(6/2015)