Von Namen und Figuren

Kürzlich stieß ich – wie und wo, ist hier nicht von Interesse – auf ein Romanprojekt, bei dem die Autorin dazu aufrief, auf ihrer Homepage über diverse Aspekte abzustimmen; unter anderem über die Namen der Charaktere. ‚Lesereinbindung‘ nennt man das wohl.

Wäre das für mich ein gangbarer Weg (gewesen)? Für mich steht und fällt eine Geschichte mit den Namen, oder anders: ich habe nichts anderes als Namen, die ich an eine bestimmte Stelle in der Geschichte setze. Wenn ich in feindfrau und Kiki großteils mit den gleichen Namen arbeite, dann liegt das nicht daran, dass mir keine anderen einfallen würden. Auch nicht daran, dass es sich um dieselben Figuren handeln würde – vielmehr: ein Name ist die körperliche Hülle, distinguiert, mit einem gewissen Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten ausgestattet, aber doch variabel einsetzbar; wie ein Schauspieler, der in unterschiedliche Rollen schlüpft und sie zugleich verändert, weil er ein Individuum ist, weil sein Gesicht eine Form hat, Unebenheiten, eine Mimik, und somit mehr ist als eine Projektionsfläche. Frieder, Dimitri, Nastassja und wer sich sonst noch eine Existenz in feindfrau und Kiki teilt – sie sind die gleichen Personen, nur verkörpern sie unterschiedliche Figuren; Figuren, denen sie mit ihrer Körperlichkeit eine Nuancierung im Ausdruck verleihen oder die durch sie zum Archetyp einer Charaktereigenschaft werden.

Die Frage, wo und in welcher Gestalt mir Frieder, Dimitri und Nastassja wieder begegnen werden, ist die Frage, welche Geschichte ich erzählen kann. Wenn überhaupt.

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