Kiki (34)

»Harter Tag«, meinte der Typ mit den graumelierten Schläfen und dem Stoppelbart. Aus irgendeinem Grund war er der Meinung, Kiki noch einen Gefallen zu schulden, und hatte darauf bestanden, ihn auf ein Bier einzuladen; Kiki, der gedankenverloren vor dem Bahnhof gestanden hatte und noch nicht nach Hause wollte, war es ganz recht gewesen.

Jetzt saßen sie auf dem Bordstein vor einer Kneipe, die mit Dartspiel und Poolbillard warb und in der es keinen zu stören schien, wenn man seine Gläser mit nach draußen nahm.

»Gibt solche Tage«, fuhr der Typ fort, und es war immer noch nicht klar, ob er von seinem oder von Kikis Tag sprach.

Kiki zündete sich eine Zigarette an. »Hast du« – der Andere hatte auf dem Du bestanden – »manchmal das Gefühl, nicht du selbst zu sein?«

»Hm?«

»Na … als wärst du aus der Zeit gefallen.«

Der Andere überlegte, so lange, dass Kiki seine Frage beinahe erneut umformuliert hätte; dann schüttelte er lächelnd den Kopf und zeigte die Straße hinunter. »Da hinten«, sagte er, »haben sie kürzlich einen Film gedreht. Haben einen VW Käfer, himmelblau, an den Bordstein gestellt und eine dieser alten Telefonzellen aufgebaut; diese gelben, du weißt schon, die sie vor ein paar Jahren alle abgerissen haben.«

Kiki nickte.

»Ich biege also um die Ecke, und bevor ich mich wundern kann über den Käfer und die Telefonzelle und die Leute, die mit Perücken und Schlaghosen durch die Gegend laufen, kommt so ein Sonnenbrillenträger auf mich zu und fragt, ob ich nicht Lust hätte, als Statist beim Dreh dabeizusein.« Er machte eine dramatische Pause, die er damit füllte, einen Schluck aus seinem Glas zu nehmen. »Ich meine: Müsst ihr mich dafür nicht herrichten? – und soll ich dir sagen, was der macht?«

Kiki nickte.

»Guckt mich von Kopf bis Fuß an und sagt: Nö, das passt schon.« Daraufhin lachte er ein Tabaklachen, das ihm derart außer Kontrolle geriet, dass er auf die Straße spucken musste. Dann wurde er ernst und fasste Kiki ins Auge. »Also erzähl mir nix von: aus der Zeit gefallen, Junge.«

Kiki sah eine Weile auf das Straßenpflaster und stand dann mit einem Ruck auf, als hätte er einen Entschluss gefasst, der sich nur augenblicklich oder gar nicht in die Tat umsetzen ließ.

Der Andere schien zu verstehen und streckte ihm die Hand hin; als Kiki sie in seine schloss, sah er, dass ihm eine Fingerkuppe fehlte.

»Aus harten Tagen lernt man am besten«, hörte Kiki noch, als er um die Ecke bog.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.