Kiki (33)

Wir können Kiki in diesem Moment nicht so sehen wie bislang. Er selbst, könnte er später sagen, war nicht anwesend; es ließe sich vielleicht widerlegen, wäre der Bahnhof bereits mit Überwachungskameras ausgestattet. Wir könnten ihn dann sehen, wie er einer Person gegenübersteht – zwischen ihnen die Stoffreste, der Koffer – die eine Waffe auf ihn richtet. Und da wir nicht hören können, was gesprochen wird, nicht einmal erkennen können, ob etwas gesprochen wird, könnten wir die völlige Reglosigkeit der Beteiligten für einen Fehler in der Wiedergabe halten. Und möglicherweise kämen wir zu dem Schluss, es müsse etwas im Ausdruck Kikis gewesen sein, etwas in seinem Blick, das den Anderen dazu bewogen habe, die Waffe zu senken, den eigenen Koffer wieder an sich zu nehmen und sich zum Gehen zu wenden; und es würde uns nicht einmal wundern, dass er genau in dem Moment, in dem Kiki aus seiner Starre erwacht, zu Boden fällt.

Halbwegs fachkundige Zeugen könnten die Waffe, die Mia in der Hand hält, als Revolver identifizieren; die Zyniker unter ihnen könnten sie niedlich nennen, die Art von Schusswaffe, die man seiner Frau zum Schutz vor Einbrechern schenkt. Tatsächlich hatte Mia sie am Morgen aus der Nachttischschublade genommen.

Jetzt nahm sie den Koffer mit dem Geld an sich. Es wunderte Kiki nicht einmal.

»Eins wollte ich dich noch fragen«, sagte er, als Mia, den Koffer in der einen, den Revolver in der anderen Hand, rückwärts in Richtung der Bahnhofshalle ging.

»Und das wäre?«

»Warum?«

Sie schien kurz nachdenken zu müssen, als wäre ihr etwas entfallen, das sie für genau diesen Moment vorbereitet hatte. Dann sagte sie: »Was kümmert es dich, wen ich liebe.«

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