Kiki (29)

Es war nicht das Hotel am Ende der Straße, sondern das gegenüber; absurd auch der Gedanke, sie hätten sich im selben Hotel über den Weg laufen können.

Erik richtete sich im Autositz auf und nahm einen Schluck Kaffee aus einem Pappbecher; die Frau am Kiosk hatte seltsam abwesend gewirkt, fast hätte Erik sie drauf angesprochen. Erik hasste Kaffee aus Pappbechern.

***

Es ist folgende Bemerkung vonnöten:

Während sich das Leben einiger Menschen in dieser Stadt dramatisch veränderte, veränderte sich in der Stadt im Großen und Ganzen nichts; die Stadt war bekannt dafür, sich ständig zu verändern: der Neue Bahnhof wurde umgebaut, man brauchte einen repräsentativen Hauptbahnhof.

Die Besitzer der Bars würden sich später über diesen Sommer beklagen, nicht zu erklärende Umsatzeinbußen feststellen; erst kürzlich war ein Buch erschienen, das sich auf dreihundert Seiten mit dem Nachtleben und den Bars der Stadt beschäftigte. Auf diesem Gebiet war die Literatur nicht mehr zu überblicken – manch einer überlegte sich, selbst ein solches Buch zu schreiben, blieb dann aber bei Lyriksammlungen.

Alles in allem war dieser Sommer ein ungewöhnlich heißer Sommer, aber keiner, an den man sich noch lang erinnern sollte.

***

Natürlich hatte er schon zuvor mit dem Gedanken gespielt, Kiki ins offene Messer laufen zu lassen; es wäre töricht, das zu leugnen, wie es auch töricht gewesen wäre, derlei Überlegungen nicht anzustellen.

Dennoch kam ihm diese Rechtfertigung gelegen. Andere hätten es einen Wink des Schicksals genannt, aber weder kannte Erik diese Redewendung noch hatte er sich je darum bemüht, den Begriff des Schicksals mit Inhalt zu füllen.

Mia war nicht zu Hause gewesen, als er von den Resten seiner Arbeit gekommen war. Den Zettel am Kühlschrank hatte er ignoriert – es stand darauf, sie sei eine Freundin besuchen – und stattdessen den Stimmen gelauscht, die von draußen in die Küche drangen; die Vögel wurden noch einmal munter, bevor die Nacht anbrach.

Erik fischte ein Glas aus der Spülmaschine.

Kiki, da war er sicher, hatte keinen Verdacht geschöpft vorhin, im ›Roter Oktober‹, als Erik ihm den falschen Koffer gegeben und ihm zum Abschied auf die Schulter geklopft hatte.

Als er in den Flur trat, schenkte er dem Garderobenspiegel ausnahmsweise keine Beachtung.

»Sie kommt wohl spät.« Es war Dimitri.

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