Kiki (28)

Erik ließ die Waffe im Handschuhfach zurück und mühte sich die Treppe zur Haustür nach oben.

In der Glasscheibe der Haustür erschien Pelles Gesicht, bekam Risse, zersprang wie Eis, auf das man einen unvorsichtigen Schritt setzt. Im Hausflur herrschte Dunkelheit. Es musste gegen Morgen sein; eine Stunde hatte die Fahrt von der ›Scheune‹ hierher gedauert und unterwegs hatte Erik noch den Koffer an einem sicheren Ort unterbringen müssen.

Noch einmal prüfte er den Anrufbeantworter: keine neue Nachricht. Er hatte befürchtet, Pelle könnte im Lauf des Tages noch einmal angerufen haben, nachdem er die erste Nachricht – Pelle wisse etwas über ihn, das Dimitri nicht gefallen würde – gelöscht hatte.

An der Garderobe fehlte Mias Mantel. Erik war zu müde, um sich zu wundern.

Der Lichtschalter änderte nichts an der Stille im Haus. Erik trat ins Wohnzimmer. Auf dem Tisch standen: eine leere Flasche Rotwein und zwei Gläser. Erik kümmerte es nicht, und diese Tatsache hätte er gern geleugnet.

Stattdessen nahm er ein Buch aus dem Bücherregal – eine Tierschützerin und ein Fotograf kämpfen gegen Elfenbeinschmuggler; einer von Eriks Lieblingsromanen – warf es auf die Couch und stellte sich hinter den Fernsehsessel, die Unterarme auf der Rückenlehne.

***

Mia legte ihr Buch beiseite und löschte die Lampe auf ihrem Nachttisch.

Sie schien sofort eingeschlafen zu sein.

Wahrscheinlich hatte sie keinen Grund, nachts schlaflos im Bett zu liegen, dachte Erik. Außerdem dachte er an Nastassja und daran, dass er diesen Satz nie geglaubt hatte: die Zeit zerstört alles. Er glaubte ihn immer noch nicht.

Das Fenster war geschlossen, also hörte man keine Grillen – aber dieser Ort gehörte ohnehin nicht mehr zu Erik, und in der Nähe von Hotelzimmern gab es keine Grillen.

Die Nacht: geräuschlos, hier oben dunkler als unten in der Stadt. Neumond, klarer Himmel. Ein sonniger Tag würde folgen, so hatte es in der Wettervorhersage geheißen, und anders in diesen Tagen waren nur die Wettervorhersagen.

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