Kiki (19)

Erik war jemand, der anderen nur ungern etwas schuldete. Er wusste nicht, was er Dimitri schuldete. Einen ausreichend großen Gefallen; Dimitri konnte so etwas genau taxieren. Je länger Erik nachdachte, desto richtiger schien es ihm: Dimitri kannte er. Menschen, die für Banken oder Firmen arbeiteten und an ihn adressierte Briefe verschickten, kannte er nicht.

Von den Briefen hatte Mia nie etwas erfahren. Von dem Gefallen, den er Dimitri schuldete, würde sie auch nichts erfahren.

Erik saß in seinem Büro – größer als manch anderes Büro in diesem Gebäude; ein brauner Schreibtisch, der teurer wirkte als er war, zwei Bilder, Kunstdrucke, Blick auf die Baustelle am Neuen Bahnhof, ein Vorzimmer mit Sekretärin – und drehte einen Bleistift zwischen den Fingern. Was nicht zu leugnen war: er hatte, und das wurde ihm erst jetzt klar, die ganze Zeit auf Dimitri gewartet.

Der alten Zeiten wegen.

Vielleicht hatte Dimitri Ähnliches gespürt; hatte vielleicht – sie kannten sich schon lange – über unsichtbare Antennen Signale empfangen, Notiz genommen von Eriks Sehnsucht und seinem Frust, seiner Eifersucht und der plötzlichen Enge seines Lebens.

Am Morgen hatte ihm seine Sekretärin einen mehrfach gefalteten Zettel in die Hand gedrückt, mit den Worten: »Eine gewisse Nastassja hat das gestern für Sie abgegeben.«

»Ich kenne keine Nastassja«, hatte Erik erwidert.

»Sie meinte, Sie hätten sie im ›Nil‹ getroffen.«

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