Kiki (18)

Imbsweiler hatte keine Freundin und verbrachte nicht viel Zeit in seiner Wohnung. Mit diesem Fazit erhob sich Erik von der Couch und ging in Richtung Küche. Mia war vor einigen Minuten mit einem Glas Champagner in der Hand verschwunden; sie war schon deutlich angetrunkener als er.
In der Küche stand Magnus Imbsweiler und unterhielt sich mit Menschen, die Erik noch nie zuvor gesehen hatte. Seinen Gruß erwiderte Erik nur zögernd. Eine Party, bei der alle ihre Hintern gegen die Küchenzeile drückten und hofften, die Zeitspanne schadlos zu überbrücken, bis man – ohne unhöflich zu wirken – gehen konnte.
Erik trat zurück auf den Flur; er beschloss, so zu tun, als würde er sich die Wohnung ansehen.
Im Flur kam ihm Mia entgegen, und der Mann, den sie hinter sich herzog, war Dimitri.
»Sieh mal, Schatz«, lachte sie, »ist das nicht ein Zufall?«
»Komisch, nicht wahr?«, bestätigte Dimitri.
Erik murmelte eine Antwort, dann legte er Dimitri – wie einem alten Freund – die Hand auf die Schulter und schob sich zwischen ihn und Mia.
»Ich habe vor ein paar Tagen schon …«, begann Dimitri, als sie sich im Wohnzimmer fanden.
»Nicht«, zischte Erik, dann fügte er hinzu: »Hier können wir nicht reden.«

***

Erik führte die Finger über die Oberfläche des Pfefferstreuers. Dimitri schwieg. Der Kellner räumte die Teller ab. Der Pfefferstreuer, befand Erik, fühlte sich an, wie sich Pfefferstreuer eben anfühlen.
»Ich denke nicht, dass du meine Hilfe brauchst«, sagte Erik, als der Kellner den Tisch verlassen hatte. »Ich denke nicht, dass du jemals jemandes Hilfe gebraucht hast.«
»Vielleicht nicht.« Dimitri grinste. »Aber wir könnten doch wenigstens so tun? Ich meine, nur der alten Zeiten wegen.«
»Du weißt, wie ich über die alten Zeiten denke.«
Dimitri lehnte sich zurück, zündete sich eine Zigarette an. »Natürlich. Die Nummer mit dem anständigen Leben hast du mir damals oft genug erzählt.«
»Und?«, erwiderte Erik genervt.
»Ich glaube sie dir nicht, das ist alles.«
»Es geht nicht nur um mich.« Mehr wusste Erik nicht mehr zu sagen.
»Ah, Mia – eine reizende Frau, wirklich.« Dimitri blies den Rauch seiner Zigarette Richtung Decke.
Äußerlich blieb Erik ruhig. »Wie viel?«, fragte er irgendwann.
Dimitri lachte. »Fünfhunderttausend.«

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