sechsundsiebzig

Ich starre den Aschenbecher an. Einige Zeit später drücke ich meine Zigarette aus, sie glimmt noch ein wenig, qualmt.

Dimiri kommt durch die Tür herein, die er gewissenhaft hinter sich schließt; aus dem Raum dahinter drang Musik, ganz ganz leise.

»Arschlöcher«, sagt er.

»Sie haben dich abgewiesen?«

»Nicht einmal zugehört haben sie mir. Eins kann ich dir sagen, dieser Imbsweiler …«

Ich lege den Finger an die Lippen. »Sicher können sie uns hören.«

»Mir egal«, brummt Dimitri trotzig. »Mir doch grad egal.«

Ich schaue wieder auf den Aschenbecher, meine Zigarette hat mittlerweile aufgehört zu qualmen.

»Ich hoffe mal«, sagt Dimitri, »dass du mehr Glück hast.«

»Ich weiß doch nicht einmal, was ich ihnen überhaupt erzählen soll«, meine ich nachdenklich.

»Macht, glaube ich, auch keinen Unterschied.«

»Vielleicht nicht.«

Dimitri geht in die Küche, anscheinend will er sich etwas zu essen holen. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal etwas gegessen habe. Ich fühle mich recht nervös.

Und warum ich mich überhaupt auf diese Sache eingelassen habe, weiß ich auch nicht mehr. Wahrscheinlich deshalb, weil Nastassja mir dazu geraten und Dimitri sich bereiterklärt hat, mir dabei zu helfen. Nicht dass er allzu viel Erfolg damit gehabt hat.

Letzten Endes weiß ich nicht einmal, worum es hier geht. Den Namen Imbsweiler habe ich zwar irgendwo schon mal gehört, aber an den Kontext kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern, auch nicht daran, ob ich diesen Imbsweiler persönlich kenne. Gut möglich, denke ich mir, dass ich ihn einfach vergessen habe. Dann könnte es aber gut sein, dass er mich noch kennt – und ich habe keine Ahnung, ob er mich in guter oder schlechter Erinnerung hat. Wahrscheinlich, so wie ich mich kenne, in schlechter.

»Ich habe auch keine Ahnung, was wir noch machen sollen«, ruft Dimitri aus der Küche.

Ich denke mir: Wir könnten einfach gehen. Mir ist es ohnehin egal, ob die Polizei hinter mir her ist oder nicht. Nastassja allerdings scheint sich Sorgen um mich zu machen; weshalb sonst hätte sie mich hierher schicken sollen.

»Wahrscheinlich sollten wir einfach abwarten, bis sie dich reinlassen«, meint Dimitri. Ich zünde mir noch eine Zigarette an, ich werde von Minute zu Minute nervöser.

Dimitri kommt wieder zurück. »Du rauchst wieder?«

Ich überlege kurz, dann sage ich: »Nein.«

»Ach so.«

Dimitri setzt sich in den Sessel, er hat sich ein Brot aus der Küche mitgenommen. Geräuschvoll kaut er. »Hast du dir schon überlegt«, fragt er mit vollem Mund, »wie wir sie überzeugen sollen?«

»Keine Ahnung, hab ich doch schon gesagt. Außerdem weiß ich doch nicht einmal, ob ich überhaupt irgendwas sagen muss.«

»Ich hab mir den Mund fusselig reden müssen.«

»Und was genau hast du ihnen erzählt?«, frage ich.

»Hm. Weiß ich auch nicht mehr.«

Und der will mir helfen. Er scheint noch sehr viel weniger als ich zu wissen, worum es hier geht. Sitting Bull schweigt auch, seit wir in dieser Wohnung sitzen, es dürfte ungefähr eine Woche sein, die wir bereits warten. Aus dem Raum, der hinter der Tür liegt, haben wir nie etwas gehört – bis gestern, als Dimitri hineingerufen wurde.

Anscheinend hat er nichts erreicht, obwohl er fast einen Tag dort drin gewesen ist.

»Du solltest noch ein wenig schlafen«, meint er.

Ich liege ohnehin schon auf der Couch; nehme mir noch eine Decke, Dimitri fischt meine angerauchte Zigarette aus dem Aschenbecher.

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