dreiundzwanzig

Es ist nur immer schwierig, die passenden Erinnerungen zu finden.

»Vor allem ist es unnötig.«

Vielleicht.

»Wenn Erinnerungen wahr wären, müsste es dich mehrmals geben.«

Vielleicht.

»Und wenn du so handelst wie in Erinnerungen, dann verdammst du dich lediglich selbst zur Unmöglichkeit.«

Vielleicht. Wollen wir ein bisschen laufen?

»Ja.«

Sitting Bull und ich tun so, als seien wir schön, während ich mit ihm durch die Gassen laufe. Die Lichter der Straßenlaternen sind auch nicht hell genug, um uns als Schwindler zu entlarven. Keine noch so leere Kneipe und kein noch so volles Café schrecken uns ab, hineinzugehen, und wenn man uns in der Kneipe von Katastrophen und im Café von der Rettung der Welt erzählt, dann lachen wir.

Wir lachen und lachen, lachen bis zum Umfallen. Selbst wenn man uns noch so böse anguckt, wir können nicht aufhören zu lachen. Böse Menschen sagen, wir seien verzweifelt.

Ich habe noch jemanden getroffen, den ich von irgendwoher kannte, und dann noch jemanden, den ich bislang noch nicht kannte. Man ist noch ins Kino gegangen.

Es war natürlich ein perfekter Abend.

***

Am nächsten Morgen stehe ich früh auf, um keinen der Menschen von gestern wiedersehen zu müssen, und fahre mit dem Zug ganz ganz weit weg; zumindest steige ich mit diesen Ambitionen in den Zug ein. Lange stehe ich es allerdings nicht durch, es ist zu laut, ich steige irgendwo aus und mache mich mit Sitting Bull auf die Suche nach einem Auto. Das sollte hier nicht allzu schwierig sein, es ist eine kleine Ortschaft mit immer gleich aussehenden Häusern, eines größer, eines kleiner, alles in allem recht überschaubar.

Ich sehe eine Telefonzelle.

»Willst du jemanden anrufen?«

Nein.

»Weil du nicht weißt, wen du anrufen sollst?«

»Nein.« Vielleicht hat er recht.

Wir finden letztlich ein Auto, der Motor springt an, wir fahren los, ohne zu wissen, wohin. Der Unterschied zu einem Zug liegt darin, dass man mehr Möglichkeiten hat, ins Nirgendwo zu fahren. Und im schlimmsten Fall sind es keine Schaffner, die einen kontrollieren, sondern Polizisten. Natürlich sage ich das nur der Überleitung wegen, denn nach einigen Minuten werden wir von der Polizei angehalten. Kurz überlege ich, einfach weiterzufahren, allerdings könnte es recht lustig werden, also halte ich an.

Schweigen. Nach einer Weile meint einer der Polizisten: »Steigen Sie bitte aus.«

Ich antworte: »Steigen Sie doch ein.«

»Ich darf meinen Posten nicht verlassen.«

»Ihr Kollege ist doch noch da.«

»Man muss aber immer zu zweit sein, wenn man Streife fährt, da kann ich nichts machen, das ist nun einmal Vorschrift.«

»Und warum?«

Er überlegt kurz. »Na, ist doch ganz klar: Damit, wenn einer von beiden das Auto verlassen muss, immer noch einer da ist.«

»Und genau das ist doch jetzt der Fall.«

»Ich …«

»Sie können’s nicht leugnen.«

»Stimmt …«

»Also, steigen Sie jetzt ein?«

» … Ich hole noch schnell meine Sachen.«

Der Andere sieht mich etwas böse an, wahrscheinlich, weil ich nicht ihn gefragt habe, aber andererseits scheint er zu wissen, dass er keine andere Wahl hat als zurückzubleiben. Gemeinsam mit seinem Kollegen fahre ich los.

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