achtzehn

Werde ich sterben?

»Nein.«

»Aber ich werde diese Stadt nicht verlassen, ohne mich von Nastassja zu verabschieden.«

»Doch, wirst du.«

Ich gehe vor die Tür. Wenn Sitting Bull mit dieser Vorsehungsscheiße anfängt, dann, das habe ich inzwischen gelernt, sollte man einfach tun, was er sagt. Es muss ja schließlich einen Grund für seine Vorsehungen geben. Zumindest glaube ich nicht, dass Vorsehen wahllos ist wie Träumen.

»Und was soll ich jetzt tun, großer Häuptling?«

»Woher soll ich das wissen?«

Ich schlendere eine Zeit lang durch den Regen, ein und dieselbe Straße gehe ich immer wieder auf und ab, vielleicht aus Angst, tatsächlich die Stadt zu verlassen. Ich könnte auch einfach zu Nastassja gehen und mich verabschieden und abwarten, was passiert. Ich gehe Richtung Küste. Einen Hafen gibt es hier nicht, also auch keine Gefahr, aus Versehen auf ein Schiff zu steigen. Ich drehe wieder um. Ich gehe links, ein Stück geradeaus, nicht zu weit und nicht zu kurz, dann wieder links, dann habe ich keine Lust mehr und laufe einfach weiter in die eben eingeschlagene Richtung.

Rechts von mir, etwas abseits des Weges, ein Kinderspielplatz, dann eine Reihe Wohnhäuser, ein Hotel, ein breiter Rasenstreifen, Parkplätze, etwas, das eine Kirche sein könnte, und: der Bahnhof.

»Schicksal«, sagt Sitting Bull.

Ich setze mich auf die erstbeste Bank, die ich finde. Viele Züge stehen hier nicht. Die meisten fahren heute auch nicht mehr ab. Aus der Unterführung kommt ein Penner. Vorne steht eine junge Frau und raucht, eine ältere Frau verschwindet um die Ecke. Der Penner betritt das Bahnhofsgebäude, bestimmt ist ihm kalt, er kommt wieder heraus. Er fragt mich nach Zigaretten. Ich habe wirklich keine.

Er fragt die junge Frau. Plötzlich ist er verschwunden. Die Frau sieht mich an, als sollte ich ihr etwas sagen oder als gäbe es etwas, das ich ihr verschweige.

Unter den Leuten, die in den Zug einsteigen, glaube ich jemanden zu sehen, der Maria ähnlich sieht. An die Möglichkeit, sie könnte es tatsächlich sein, denke ich nicht einen Moment. Wahrscheinlich, sage ich mir, hätte sie es sein sollen. Trotzdem stehe ich auf, gehe durch die Unterführung und steige in den Zug.

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