dreizehn

Irgendwann reicht es mir und ich sage feierlich zu Sitting Bull: »Ja, ich glaube jetzt, dass dies hier mein Heimatort ist.«

»Nein.«

»Nein was?«

»Nein, das glaubst du nicht.«

»Können wir trotzdem gehen?«

»Ja.«

»Und – ist es denn mein Heimatort?«

»Nein.«

***

Am selben Tag noch fahren wir, fahren über unwegsame Straßen, die sich aschgraue staubige Berge hinaufschlängeln, ab und zu halten wir am Wegrand und warten auf etwas, manchmal auf den Sonnenuntergang oder darauf, dass wir müde werden oder Hunger bekommen. Stempski ist immer der Erste, der schläft. Dann versuche ich noch eine Weile, Sterne zu finden, aber ich kann das nicht. Ab und zu kommen wir bei unseren Fahrten durch kleine Dörfer, in denen man uns als Helden feiert, wahrscheinlich, weil dorthin normalerweise keine Fremden kommen. Wenn wir den Dorfbewohnern erzählen, dass wir auf dem Weg zu ihnen schon in einigen anderen Ortschaften waren, glaubt man uns nie. Einmal wird sogar ein Schwein für uns geschlachtet, aber am nächsten Morgen machen wir uns heimlich aus dem Staub, um ihnen ihre Einzigartigkeit zu lassen.

Nirgendwo ein Telefon.

Ich wüsste auch ihre Nummer nicht.

Ich könnte mir eine ausdenken. Vielleicht habe ich Glück. Oder ich rufe eine öffentliche Telefonzelle an und sie steht daneben und hebt den Hörer ab.

***

Wenn wir ganz ganz weit nach vorne gucken, sehen wir, wo wir irgendwann ankommen werden. Und je weiter wir nach vorne gucken, desto länger dauert es, bis wir dort ankommen, wo wir hingeguckt haben. Im Endeffekt ist es egal. Man kommt ständig irgendwo an, dazu braucht man noch nicht einmal ein Auto.

Ich könnte mir auch über andere Dinge Gedanken machen. Etwa über die Veränderung in meinem Leben – aber auch die hätte mit Autofahren zu tun. Das ist das Problem: man kann nicht über den Tellerrand hinaussehen. Man denkt nicht über sich, sondern mit einem selbst. Könnte ich mittels eines Anderen denken, Frieder zum Beispiel oder Maria, dann wäre es einfacher. Ich könnte mich sogar fragen, was ich mache – und warum. Ich könnte sogar darüber rätseln, was ich wohl denke. Indem ich aber mit mir denke, weiß ich es meist schon im Voraus. Dazu braucht man nicht einmal eine Schreibmaschine, dazu genügt ein Spiegel oder irgendwas dergleichen.

Letztlich hängt alles von der zurückgelegten Distanz ab.

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