zwölf

Ich stelle Sitting Bull auf die Lehne meines Sonnenstuhls, um ihm eine Frage zu stellen. »Warum werde ich eigentlich nicht mehr von Monstern angegriffen?«

»Weil du nicht mehr in der Stimmung dafür bist.«

»… du willst mir allen Ernstes erklären, der einzige Grund dafür ist der, dass ich nicht mehr in der Stimmung dafür bin?!«

»Das sagte ich, oder?«

Ich staune. Dann denke ich nicht mehr darüber nach. Ich denke an gar nichts, folglich denke ich an Maria. Oder Nastassja. Oder an beide. Sie fehlt mir.

Ich frage mich, in welcher Stimmung ich jetzt bin. Anscheinend in keiner, die unerklärliche Ereignisse anlockt. Vielleicht ist sie auch selbst viel zu unerklärlich. Jede überirdische Erscheinung müsste sich, verglichen mit meiner Stimmung, ob ihres Namens in Grund und Boden schämen. Gerade in diesem Moment sind es Namen, die mein Denken belasten.

Ich könnte auch andere Sorgen haben. Jederzeit könnte sich mein Sonnenstuhl in eine riesige weiße Spinne oder etwas derartiges verwandeln.

Es wird immer dunkler. Das ist ein Tag, wenn es immer dunkler wird, und Nacht ist, wenn es immer heller wird. Ich beobachte noch das Wasser, das sich tatsächlich verfärbt, und gehe dann schlafen, weil das immer ein gutes Ende für einen Tag ist, wie es auch ein guter Anfang für eine Nacht ist, und beim Aufwachen ist es genau umgekehrt.

***

Aufwachen ist genau das richtige Wort für das, was mit mir passiert.

Ich wache auf und sehe Stempski und Frieder, die auf dem Rücksitz eines Autos sitzen und auf mich warten. Ich zögere nur kurz.

Wir fahren über die Rampe aus dem Schiffsrumpf und sind da.

»Du weißt doch nicht einmal, wo wir sind«, sagt Sitting Bull.

Stimmt. Und ich weiß auch nicht, wozu wir hier sind.

»Das hier ist dein Geburtsort.«

Nein.

»Wenn ich es dir sage. Nach etwa einer Woche wirst du sehen, dass ich recht habe.«

Ich habe nie auch nur in der Nähe eines Hafens gewohnt.

»Eine Woche. Wir gehen am besten in ein Hotel.«

»Du hast mir noch nicht gesagt, wozu wir hier sind.«

»Der Vorsitzende des …«

Nicht schon wieder. Ich bin ja schon ruhig.

***

Das Hotel scheint gemütlicher, als ich es in Erinnerung hätte, wenn ich mich daran erinnern könnte. Immer noch glaube ich Sitting Bull, ich glaube aber immer noch nicht, dass er die Wahrheit sagt.

Stempski und Frieder werden immer weniger menschlich und immer mehr zu Gepäckstücken, scheint es mir. Ich frage mich ohnehin, wozu ich sie mitgenommen habe. Wahrscheinlich sollte ich sie mitnehmen. Irgendjemand hat es mir gesagt – und ich habe es getan. So ist das Leben.

Wir tun nicht wirklich etwas. Wir sitzen seit Tagen in diesem Hotel, und anscheinend warten alle nur auf den Moment meiner Erleuchtung, darauf, dass ich aufspringe und rufe: »Ja, natürlich!«, und dass ich diesen Ort als meinen Heimatort akzeptiere und ihn umarme oder so ähnlich, als wäre damit mein Auftrag, oder wie auch immer man es nennen mag, erfüllt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.