fünf

Monsterfliegen. Große Frösche. Katzen mit Menschenköpfen, die man nicht sehen kann. Plötzlich habe ich keine Lust mehr zu schlafen. Ich stelle Sitting Bull auf die Fensterbank, man kann ja nie wissen. Außerdem suche ich mir das größte Küchenmesser heraus, das ich finde, denn wenn es um mein Leben geht, verlasse ich mich ungern auf eine Getränkedose.

»Was soll das heißen? Willst du mich beleidigen?«

Himmelherrgott nochmal. Ich sollte besser darauf achten, was ich denke. Als ob denken allein nicht schon genug Arbeit wäre. Ich nehme mir ein Glas Milch.

»Milch ist ungesund.«

Das sagt der Richtige.

»Hör mal – wenn du schon nicht schläfst, dann kann ich dir auch ein bisschen von dieser ganzen Story erzählen.«

»Brich dir nicht die Zunge.«

»Und du mach dir nicht zu viele Gedanken. Soll ich jetzt oder nicht?«

Mir egal, solange es mich nicht allzu sehr langweilt. Vielleicht ist diese ganze Scheiße am Ende noch interessant, dann hätte mein Leben zumindest wieder einen Sinn.

»Als es anging, damals, als du noch bei deinen Eltern gewohnt hast …«

… bevor ich nicht in diese Wohnung gezogen bin.

»… hast du da öfter mal die Zeitung gelesen?«

Na klar … ich denke schon.

»Und stand da jemals etwas über den Vorsitzenden des Taubenzuchtvereins?«

Nein …

»Siehst du.«

»Aha. Du willst mir also erklären, das alles habe damit zu tun, dass in der Zeitung nie etwas über diesen Typen stand?«

Sitting Bull scheint allmählich zu resignieren. »Verstehst du denn nicht? Es muss doch einen Grund haben, dass er sich in dieser Zeit vor der Öffentlichkeit versteckt hat.«

Na toll. Zum Schluss will mir diese sprechende Dose noch erzählen, der Vorsitzende des Taubenzuchtvereins sei für diese ganze Monsterscheiße verantwortlich. Was wohl als Nächstes kommt?

»Kannst du dich noch an Maria erinnern?«

NEIN.

»Ich meine: Maria.«

NEIN.

»Maria … du weißt doch, wen ich meine.«

NEIN.

Maria war so etwas wie ein Mensch. Das sagten zumindest die meisten. Ich konnte das nie glauben. Naja, sie sah aus wie ein Mensch, wenn auch besser. Sie verhielt sich auch wie ein Mensch, wenn es auch nie so wirkte, als ob sie das nötig hätte. Sicherlich gab es schönere Mädchen, aber keines, das man für so schön hielt wie Maria. Sie war schön, wenn sie auf der Bühne stand, unglaublich schön, aber noch mehr war sie grausam auf der Bühne. Ich meine: sie spielte grausam, grauenvoll – aber eben genau das: voller Grauen. Und das wusste sie auch. Sie wusste, wie sehr sie die Zuschauer mit ihrem schlechten Spiel quälen konnte, und keiner hatte sich vorstellen können, dass ein so schöner Mensch das tut und das sagt.

Sie war mehr als menschlich. Manchmal kam sie mir wie ein Kunstwerk vor, ein Kunstwerk, das weh tat. Und ich meine: weh tat. Sie hätte damals jeden haben können und wollte auch jeden, aber sie musste bemerkt haben, dass ich sie wollte. Es schien sie zu interessieren. Manchmal vergaß sie sogar ihren Hass. Sie konnte alles und jeden hassen und meistens tat sie das auch. Wenn sie jemanden kennenlernen wollte, dann nur, um ihn anschließend hassen zu können. Unsere Liebe war menschlich und unser Sex war menschlich. Maria war so etwas wie ein Mensch.

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