Sam [Bekenntnisse, 10]

So eine Narbe, sagt er und spießt mit dem Messer ein Stück Wurst auf.
Blutwurst. Rühren, immer schön rühren, damit das Blut nicht klumpt. Wie schnell es aus dem Schwein herausschießt. Und dieser Geruch. Ich blinzele und hasse mich dafür, denn natürlich hat er es gesehen und natürlich lächelt er. Er weiß, was ich denke, immer weiß er es, oft genug besser als ich, und vielleicht ist er es, den ich hasse. Er sollte es sein.

Die Messerspitze verharrt über meiner Augenbraue, berührt sie, ganz sacht. Er ist so feinfühlig mit dem Messer. Ich könnte kotzen und er lächelt immer noch. Aber ich blinzele nicht mehr, jetzt nicht, jetzt schon gar nicht. Mach doch, denke ich und –

Der Hund jault.
Drecksköter.

So eine Narbe, sagt er und ich blinzele immer noch nicht. Sie macht dich interessant. Dein Bruder könnte eine vertragen.
Mein Bruder, ja klar.

Er fängt mit dem Messer einen Tropfen Blut auf.
Hoppla, sagt er und holt eines seiner weißen Taschentücher aus der Jackentasche. Diese Flecken. Wieder lächelt er. Maria hat immer so viel Arbeit damit, sie herauszubekommen.
Mit dem Tuch in der Hand beugt er sich zu mir. Ich weiche zurück. Ich sollte es ihm aus der Hand schlagen, aber ich tue es nicht.
Ich sollte so vieles. Tue es nicht.
Lächelnd steckt er das Tuch wieder ein und spießt das nächste Stück Wurst auf, bietet es mir an.
Scheiß auf deine Wurst, denke ich.
Aus dem Handgelenk schleudert er die Wurst zum Hund, der sofort danach schnappt.

Drecksköter.

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