Karolina [Protokolle, Karolina, 3]

Wir haben so eine Art Spirale im Bad hängen: bunte, papierne Ringe an einer Schnur. Ich habe sie im Vorübergehen in einem Schaufenster entdeckt und sofort gekauft. Obwohl ich einen Termin hatte, einen Termin wegen Emmi, ich wollte sowieso lieber nicht hingehen und dann sah ich diese Spirale. Ich habe angerufen, den Termin abgesagt und stattdessen die Spirale gekauft. Habe sie nach Hause getragen und am Fenster im Bad befestigt. Dort hängt sie seither und wenn ich morgens den Moment erwischt habe, an dem die Sonnenstrahlen das Fenster erreicht haben, dann haben sich die Ringe gedreht, im Sonnenlicht.
Und ich habe gelächelt.

Aber vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet. Ein Zeichen.
Für meine Mutter ist alles ein Zeichen.
Ein Grund, nicht daran zu glauben.
Aber sogar Marianne, ich meine Marianne, wer könnte bodenständiger sein. Sogar sie sagt, immer, wenn ein Blatt vom Baum falle und vor ihr zu Boden kreisele, denke sie an ihren Heinz und dass es ein Zeichen von ihm sei.
Wenn Marianne an Zeichen glaubt, dann –

Seit er da ist, hat sie sich nicht mehr gedreht, die Spirale.
Ich komme nicht vom Fleck, nicht aus dem Bad heraus, mein Blick klebt an den bunten Ringen. Emmi steht in der Tür und sieht mich an.
Ein Luftzug, denke ich. Es muss wohl ein Luftzug gewesen sein.
Jetzt ist es Emmi, die lächelt.

Vermisst du deinen Vater denn nicht, hat sie mal jemand gefragt, ich habe es zufällig mitangehört.
Aber warum denn, hat sie geantwortet. Er ist doch immer da.

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