Ein altes Lied

Trafen sich zwei kluge Menschen
(Klug fürwahr! denn niemand wusste
Von den Taten, die sie taten,
Nicht die Eltern, nicht die Kinder,
Nicht der Staat und nicht die Freunde,
Nicht die andern klugen Menschen,
Und am wenigsten sie selber),
Trafen sie sich nicht? Wer weiß es.

Das Königreich von Sede (109)

Schemel steht, denn grau ist alles
Und November, in der Küche,
Wartet, nimmt den Topf vom Feuer,
Geht zum Eimer, gießt vom heißen
Wasser ein ins kalte, rührt dann,
Prüft dann mit der Hand – ein wenig
Gibt er nach, bis alles recht ist,
Tritt zurück und sieht drei Frösche
Steifen Beins empor sich werfen,
Auf den Rand zu und hinüber,
Und hinein in warmes Wasser
Spritzt zuerst und schlägt nun Wellen,
Darin still drei Frösche schaukeln,
Missgestimmt und doch zufrieden.

Nachtgetan

Dr. Sotz, in seiner Linken
Einen kleinen Topf voll Farbe,
In der Rechten einen Pinsel,
Wandert nachts herum im Stadtpark,
Neumond ist es und ist dunkel:
Wo auch immer aus der Schwärze
Eine Schraube sich heraushebt
(Irgendwelchen Lichtes Reste
Machten sie dem Auge sichtbar),
Sich ein Blatt im Laub vereinzelt,
Falter still auf Wänden ruhen,
Tunkt er ein den Pinsel, tupft dann
Einem Ding, von dessen Farbe
Er nichts weiß, ein wenig Farbe
(Welche, weiß er nicht zu sagen,
Weil die Birne, die den Keller
Sonst erhellte, heute platzte,
Just als er herabgestiegen
Kam, ein Töpfchen auszuwählen)
Außen auf, und wasserlöslich
Ist die Farbe, und der Neumond
Ist verborgen hinter Wolken:
Dunkel ist es, regnen wird es.

Das Königreich von Sede (102)

Schemel sitzt am Fenster, dunkel
Innen seine Stube, außen
Alles dunkel, weil es Nacht ist –
Schemel hört ein leises Quaken,
Eine Botschaft, unverständlich
Leider; seine Laute nimmt er,
Zupft zwei Töne, lauscht und wartet;
Fragevoll ist stets das Dunkel,
Voller Antwort auch, und manchmal
Fügt das eine sich zum andern.