Das Ein-Vers-Gedicht (13)

Auf einem der vielen Zettel, die hier herumliegen, fand ich heute die Worte geschrieben:

 

Ich frage dich nicht, wem du ähnelst. Ich frage dich, wer du bist. – Charles Nodier.

 

Nun weiß ich wirklich nicht mehr, woher ich das Zitat habe – ich glaube, im dazugehörigen Text ging es an dieser Stelle um Tauglichkeit oder Untauglichkeit von Metaphern?!

Aber diese Frage war der Versmaschine ohnehin herzlich gleichgültig – sie lief an und versuchte, den Gedanken Nodiers in einem eigenen Vers zu formen.

 

Nicht Wem ähnelst du? frage ich dich, ich frage: Wer bist du?

 

Der erste Versuch, ein Hexameter. (Der erste Versuch ist immer ein Hexameter.) Aber das ist gegenüber dem Ursprungszitat keine wirkliche Verbesserung, kein Mehr an Nachdrücklichkeit und Geschlossenheit?!

Das wundert aber auch nicht; schließlich ist das Zitat selbst schon gestaltete Sprache, und einem Hexameter dabei sehr ähnlich:

Ich / frage dich / nicht, wem du / ähnelst. || Ich / frage / dich, wer du / bist.

Ein Vers! Von einem Hexameter nur unterschieden durch das „Ich“, eine unbetonte Silbe, die eigentlich hinter dem „bist“ den Vers schließen müsste, hier aber an den Versanfang gewandert ist:

x / X x x / X x x / X x || x / X x / X x x / X

– Kein Hexameter, doch immer ein Vers von einiger Ausdruckskraft. Aber ich warte ab, was die Versmaschine noch alles ausspuckt – zum Stillstand kommt sie so schnell jedenfalls nicht wieder …