Allgemeines

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Der Hexameter stammt aus den antiken Literaturen und darf als eine der wertvollsten Bereicherungen der deutschen Metrik bezeichnet werden. Denn er verbindet mit der reichsten Mannigfaltigkeit und Abwechslung einen gleichmäßig ruhigen Gang, der ihn besonders für die epische Erzählung geeignet macht. Die Mannigfaltigkeit beruht auf der Verschiedenartigkeit der Versfüße, Wortfüße und Zäsuren; die Gleichmäßigkeit auf der gleichen Anzahl der Takte und der regelmäßigen Wiederkehr des gleichen Vers-Schlusses. So ist der Hexameter ebenso biegsam und vielseitig als ruhig und stark. Die mannigfaltigen Abstufungen machen ihn fähig zum Ausdruck sanfterer und stärkerer Empfindungen, er vereinigt Anmut mit Würde und Kraft. Von seiner Verwendung im Heldengedicht hat er auch den Namen heroischer Vers.

Das gilt freilich am meisten von dem griechischen Hexameter; denn der lateinische ist schon nicht ganz mehr derselbe Vers. Er ist dem Silbengewicht nach schwerer, denn er enthält im ganzen weniger Daktylen als der griechische. Er vergibt aber umgekehrt von seiner Würde und Kraft durch die Neigung, sich jeder Empfindung oder Vorstellung mit besonderem Ausdruck anzuschließen, sie nachahmend (onomatopoetisch) wiederzugeben. Dem Wesen des homerischen Hexameters ist solche Vielseitigkeit mit Preisgebung des eigenen Charakters durchaus fremd. Der Hexameter hat hier gerade die entgegengesetzte Aufgabe, ausgleichend zu wirken und die Persönlichkeit des epischen Erzählers über dem Wechsel der Empfindungen und Vorstellungen zu behaupten, die rhythmische Mannigfaltigkeit aber nur soweit anzustreben, als eben nötig ist, um die Eintönigkeit zu vermeiden. Erst bei Horaz und Vergil kommen die virtuosen Kunststücke vor, die Vossens getäuschtes Ohr aus dem homerischen Hexameter heraushörte, und die er dann in dem Vers wiederzugeben suchte:

Hurtig mit Donnergepolter entrollte der tückische Marmor,

oder:

Als ringsher pechschwarz aufstieg graundrohende Sturmnacht.

Wir besitzen in Prosa und in Versen ausgezeichnete Charakteristiken des Hexameters. Schiller hat ihn in einem Distichon, A. Wilhelm Schlegel in Hexametern charakterisiert. Die beiden Schlegel haben auch in Prosa, Friedrich in seiner Geschichte der deutschen Literatur, und A. Wilhelm in seinen Berliner Vorlesungen, glänzende Charakteristiken des homerischen Verses hinterlassen, die noch Uhland in seinen Vorlesungen für unentbehrlich für jeden Übersetzer Homers betrachtete, während man ihn heute in alle romanischen und altdeutschen Versmaße übersetzt haben möchte, nur nicht in Hexameter.

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