Einiges über Goethes Vers

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Aus: Victor Hehn, Gedanken über Goethe (1887).

Was nun die Möglichkeit oder Unmöglichkeit eines deutschen Hexameters betrifft – wir wenden uns zunächst zu dieser Versart -, so war zu Klopstocks Zeit der Stand der Sache in Wirklichkeit folgender. Man bildete eine Reihe von sechs Hebungen, die durch eine oder zwei tonlose Silben oder Senkungen von einander getrennt waren. Der Vers begann immer mit einer Hebung – denn die Senkung, die Kleist in seinem „Frühling“ seinem sechshebigen Verse vorgesetzt hatte, fand, als dem Muster der alten zuwider, keine Nachfolge; – der letzte Fuß bestand immer nur aus einer Hebung mit nachschlagender Senkung, der vorletzte aus einer betonten und zwei unbetonten Silben – Beides dem antiken Hexameter abgesehen. Wo auf eine Hebung nur eine Senkung folgte, nannte man dies einen Spondeus und suchte halb- oder tieftonige Silben, zum Beispiel die eine Hälfte zusammengesetzter Nomina oder Verba oder bei Ableitungen diejenigen, die ursprünglich Nomina gewesen waren, aber allmählich den Schein der Derivation angenommen hatten, wie –heit, –tum, –schaft, in geringerem Maße auch –lich, –bar u.s.w., an die zweite Stelle zu bringen; da dies aber nicht immer gelang und die nachfolgende Silbe allzufühlbar kurz, d.h. tonlos war, so konnte man sich nicht verbergen, dass man statt des antiken Spondeus einen Trochäus gebildet hatte, und so stritt Klopstock ausdrücklich für die Zulassung dieses Fußes im deutschen Hexameter und behauptete zuversichtlich, der Vers des Homer und Vergil habe dadurch an Mannigfaltigkeit und Vollkommenheit gewonnen. Man verwechselte fortwährend den rhythmischen Iktus, der bei den Alten den Klang des Verses regulierte und das sogenannte gute Taktteil gegen das schlechte hervorhob, mit dem Wortakzent, der, mit dem Sinn untrennbar verbunden, im Deutschen alleinige Geltung hatte; dass man dem Wesen des deutschen Verses widersprach, indem man echte Spondeen bilden wollte – denn da wäre die Senkung ja keine Senkung gewesen – ahnte man nicht; eben so wenig, dass auf den Unterschied, ob eine oder zwei Senkungen der Hebung folgten, in deutschrhythmischer Beziehung so sehr viel nicht ankam; so unerhört wäre die Behauptung gewesen, man könne im deutschen Hexameter auch drei tonlose Silben zwischen zwei Hebungen schieben (also nach antiker Benennung einen „Päon Primus“ bilden), etwa wie im Goetheschen Hexameter:

Ungerecht bleiben die Männer, und die Zeiten der Liebe vergehen

– welcher Vers aber in der Tat kein unrechter deutscher Hexameter ist – nur müssen die Senkungen, wie hier der Fall ist, das gehörige Maß von Flüchtigkeit und der Hebungston die nötige Kraft haben, sie in der Sphäre seiner Anziehung zu halten.

– Als man Goethe später auf diesen Vers in „Hermann und Dorothea“, der doch nur einem Schreib- oder Druckfehler seine Gestalt verdankte, aufmerksam machte, war er keineswegs beschämt, sondern ließ, wie er sich ausdrückte, die siebenfüßige Bestie weiterlaufen. Er hatte nämlich die Formalistik der Herren Metriker schon kennen und verachten gelernt, machte keine Hexameter mehr und äußerste über den einst hochverehrten Voß: „für lauter Prosodie ist ihm die Poesie ganz entschwunden“ (Im Jahre 1808, an Zelter, 1, 327) Auch mit Bezug auf A.W. Schlegel hatte er schon das Jahr vorher von der „modernen Rhythmik ohne Poesie“ gesprochen und sie eine „Krankheit“ genannt und vorausgesagt, in zehn Jahren werde „der Dünkel, womit die Rhythmiker von der strengen Observanz sich jetzt vernehmen lassen, höchst lächerlich sein“ (an Knebel, 14. März 1807). –

Auch das Vorbild des Volkslieds, die Knittelverse in mehreren Gedichten Goethes, die schillerschen Balladen u.s.w. irrten niemand in der hergebrachten, durch die Antike gebannten Ansicht. Wenn es hieß:

Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp

wo sich auch betonen lässt: „Rittersmann oder“, oder:

Und als es kam zu sterben,
Zählt er seine Städt‘ im Reich

mit drei Senkungen zwischen „Zählt“ und Städt'“, oder:

Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt

(gleichfalls mit drei Senkungen zwischen „liebe“ und „reizt“, oder:

Sankt Peter war nicht aufgeräumt,
Er hatte soeben im Gehen geträumt

im ersten Verse vier Iamben, im zweiten eine daktylische katalektische Tetrapodie mit Anakrusis, in Wirklichkeit aber vier Hebungen mit beliebigen Senkungen dazwischen oder davor, oder in demselben Gedicht:

Heb doch einmal das Hufeisen auf

oder endlich:

Den Jüngling bringt keines wieder

in welchem Verse, wie man ihn auch lese, zwei Hebungen zusammenstoßen

– so fragte sich niemand, ob es sich mit dem Hexameter, als einem Verse mit sechs Hebungen, nicht ebenso verhalte, und ob man sich vielleicht nicht selber einige besondere Regeln, die in einer ganz andern Welt als organische Form entsprungen waren, willkürlich auferlegt hatte? Unterdes aber war Voß aufgetreten und suchte den Hexameter Klopstocks der Strenge des griechisch-lateinischen noch mehr zu nähern. Er vermied, soviel er konnte, den Trochäus, schuf sich künstliche Spondeen und Daktylen, setzte fest, welche Silben lang, welche kurz seien, welche als mittelzeitig bald kurz, bald lang sein könnten und gelangte so zu Haxametern wie folgendem:

Drauf antwortetest du, ehrwürdiger Pfarrer zu Grünau

– oder:

Jetzo begann holdselig ihr Lied die melodische Jungfrau
Und des Gesanges Wohllaut, eindringendem Worte vereinigt,
Wallete hell, dann leise gedämpft, in die Stille des Abends.
Von hinschmelzendem Halle gesänftiget, lauschten sie ringsum,
Fühlten erstaunt der Natur Hoheit und schwangen sich aufwärts
Über Mond und Gestirne zu Gott und den Seligen Gottes.

Da aber die deutsche Sprache sich gegen solche vollkommenen Hexameter sträubte, so mussten Listen und Zwangsmittel angewandt werden, sie willig zu machen. Voß brauchte z.B. Diminutiva, um eine Silbe mehr oder vielleicht gar einen Spondeus zu gewinnen: „Söhnlein“, wo die Sache den „Sohn“ verlangte; er setzte den Komparativ für den Positiv, wo es sich nicht um eine Vergleichung handelte: „der grünere Hain“, statt „der grüne“, behielt das durch den Sprachgebrauch schon ausgestoßene „e“ der Verbalflexion bei, wie „wallete besänftiget“, beides wegen des Daktylus, und brach die Worte, um Spondeen zu gewinnen, wie „drauf antwortetest“, „du ehrwürdiger“ – durch welches letztere Verfahren das Grundgesetz von der Geltung des Akzents umgestoßen ward, da niemand sagt „antworten“, „ehrwürdig“. Wirkliche Spondeen sind in der deutschen, wie in jeder akzentuierenden Rhythmik, unmöglich, ja selbst der Schein solcher, wie beim Daktylus, Iambus usw. lässt sich nicht erregen. Der Grund liegt sehr nahe. Bei den Alten, wo die Länge etwas für sich Bestehendes, durch die Zeit gemessenes und von dem metrischen Iktus Gesondertes war, konnte auch diejenige Silbe lang sein, die in das sogenannte schlechte Taktteil fiel; im Deutschen, wo die Länge durch Erhebung des Tones ersetzt wird, können zwei Silben, von denen in der Bewegung des Verses nur eine den vollen Ton hat, keinen im Gleichgewicht beider Hälften schwebenden Versfuß bilden.

(Selbst Voß erkannte dies in einer vorübergehenden Bemerkung an, deren Konsequenzen ihm aber entgingen: „Steigende Spondeen“, sagt er  S. 127 seiner Zeitmessung der deutschen Sprache, Königsberg 1802, „Ahmen den Iambus, sinkende den Trochäus nach.“)

Voß half sich auf doppelte Weise, um dennoch Spondeen zu erzwingen, indem er beide Mal nach seiner Art gewalttätig und mechanisch verfuhr. Er fasste nämlich entweder zwei wirklich betonte Silben zusammen und sagte

Der Herrscher im Donnergewölk Zeus

und:

Fasste, dieweil Karl drängte, den Arm des bescheidenen Jünglings

wo aber die zweite Silbe „Zeus“, „Karl“ in widersinniger Weise gesprochen werden muss oder beide Silben gleich stark betont werden, folglich aufhören, sich zu der Einheit eines Fußes zu verbinden, und statt des Hexameters eigentlich ein Heptameter entsteht, das heißt ein Vers mit sieben Hebungen.

Oder er bildete sogenannte geschleifte Spondeen, indem er die stark betonte Silbe in die Thesis, die schwach betonte in die Arsis brachte und zum Beispiel sagte:

es erfolgt Schwachheit absterbenden Alters

oder:

wer getrost fortgehet, der kommt an

womit abermals der deutschen Wortbetonung Hohn gesprochen ist. Niemand sagt „fortgehet“, es müsste denn sein, dass der Gegensatz zum Fortreiten, Fortlaufen, Fortfliegen den Ton auf das „Gehen“ verlegte, und „kommt an“ könnte in einem iambischen Gedicht ohne Anstop als Iambus gebraucht werden, wie „Schwachheit“ als Trochäus oder als die beiden Anfangssilben eines Daktylus.

Auch an Wort- und Versmalerei, d.h. Versinnlichung des jedesmaligen Gegenstandes der Rede durch den Gang des Verses un den Körper der Silben und Worte ließ es Voß nicht fehlen. Die Stellen des Vergil und Ovid, wo das Gallopieren der Pferde durch lauter Daktylen, das Fallen der Hämmer durch lauter Spondeen, das Gequäke der Frösche durch ähnliche Sprachlaute ausgedrückt wird, galten ja in jeder Zeit für die höchste poetische Schönheit, und so gab Voß in seinen Übersetzungen, wo eine solche Malerei vorzuliegen schien, diese mit Treue, oft sogar übertreibend wieder. Er selbst dichtet:

Als rings her pechschwarz aufstieg graundrohende Sturmnacht.

Homers naiver Gesang weiß von solchen Künsteleien nichts und verfolgt, unbekümmert um den Sinn und Gegenstand, seinen eigenen gleichmäßigen metrischen Gang. Und dies gerade ist die Idee des Verses. Die gebundene Rede besteht eben darin, dass ohne Rücksicht auf den mannigfaltigen Wechsel der Bilder und Empfindungen immer ein und dieselbe rhythmische Form unabänderlich wiederkehrt. Wäre jene Malerei das Richtige, so müsste ein festes Metrum überhaupt verworfen werden. Das Metrum gerade gibt dem umfassenden epischen Gemälde die ausgleichende Haltung und steht wohl zu dem Ganzen der Dichtung, nicht aber zu jedem Punkte der Bewegung in erkennbarem Verhältnis.

Voßens prosodische Gesetzgebung war ein Sieg der Schule, des Handwerks über den freien Genius der deutschen Sprache. Sein Hexameter ließ sich skandieren und rollte in griechisch-lateinischen Redensarten, Bildern, Wenungen und Wortstellungen so prächtig daher! Je strenger die Forderungen, um so größer der Triumph des Künstlers, der sie erfüllte. Da fast alle damaligen Dichter philologisch gebildet waren und schon als Knaben in der Schule die Eklogen des Vergil und die Metamorphosen des Ovid und später die Satieren und Episteln des Horaz taktmäßig, d.h. mit moderner Betonung hergesagt hatten, so fand Voß bald Anhänger und Nachfolger und allgemeine Zustimmung. Sich des Trochäus ganz zu enthalten, den Voß in der Not noch hatte hin und wieder zulassen müssen, wurde ein Ideal, ein Ziel des Strebens, ja Fried. Aug. Wolf machte den Versuch, ein Stück des Homer von hundert Versen so zu übersetzen, dass Fuß für Fuß, Spondeus mit Spondeus, Daktylus mit Daktylus im Griechischen und im Deutschen übereinstimmten – welches man, wenn es nicht etwa satirisch gemeint war, wol den Gipfel der Torheit nennen konnte.

(Goethe schrieb damals an Zelter, 19. März 1818: „Von den hundert Hexametern mag ich ebensowenig wissen, als von den hundert Tagen der letzten Bonapartischen Regierung. Gott behüte mich vor deutscher Rhythmik wie vor französischem Thronwechsel.“)

Auch Wilhelm von Humboldt drang auf die Regel, und A. W. Schlegel, der ein um so größerer Wortkünstler sein konnte, je kälter sein Herz war, lieferte kurze Musterstücke, die allerdings durch Feinheit und Geschmack Voßens grobe Schreinerarbeit übertrafen. Sie alle überflügelnd trat im neunzehnten Jahrhundert der Graf A. von Platen auf, der mit blendender Technik nicht bloß den heroischen und elegischen Vers, sondern auch die künstlichen lyrischen Maße der Griechen in deutscher Sprache nachbildete. Nur schade, dass in diesen herrlichen Versen, bei denen man oft die alten äolischen und dorischen Zitharöden nach so viel Jahrhunderten wieder zu vernehmen glaubt, doch der Akzent, also ein Ausdruck der Empfindung, die Länge bestimmt und damit die Plastik des Meißels trübt und ins Unbestimmte zieht!

Wenn die Distichen des Orakels im Triumph der Empfindsamkeit nicht schon der ersten Gestalt dieses Dramas vom Jahre 1777 angehören, so scheint Goethe die Form des Hexameters zum ersten Male in dem kleinen Gedicht „Physiognomische Reisen“ (unter Epigrammatisch) versucht zu haben. Es kann nicht früher als in das Jahr 1778 fallen, da das gleichnamige Buch von Musäus in den Jahren 1778-79 in Altenbzurg erschien; aber auch nicht viel später, da Lavaters physiognomische Lehre darin mit warmen Worten in Schutz genommen wird, auch das Interesse an Musäus und dessen Angriff bald erlöschen musste. Dann finden sich in den „Vögeln“ vom Sommer 1780 vier Hexameter eingeschaltet, mit denen Treufreund die versammelten Vögel über den Anfang der Anfänge belehrt, und die er einem lächerlichen Dichter Periplektomenes (der Verwickelte, Umwundene) entnommen haben will. Im Herbst desselben Jahres übersetzte der Dichter einige Zeilen aus den sogenannten goldenen Sprüchen des Pythagoras und schickte sie der Freundin (an Fr. v. Stein, 8. September 1780). Darauf, im Frühling 1782, als ihm einige Epigramme der griechischen Anthologie in der Übersetzung bekannt geworden waren, fand er sich zu ähnlichen kleinen Gebilden angeregt, in elegischem Maß und meist im Gewand griechischer MYthologie, seiner verstohlenen Liebe und den Felsen und Tuheplätzen gewidmet (unter „Antiker Form sich nähernd“). Die Behandlung des Verses war die Klopstockische und sie ging ihm leicht von der Hand; die eigentlich elegisch-hexametrische Zeit war noch nicht gekommen und so sind die Blumen dieses Vorfrühlings wohl hin und wieder artig, doch etwas schüchtern und dürftig. Als dann Herder im Jahre 1784 eine Nachdichtung erlesener Stücke derselben Anthologie unternommen hatte (sie erschienen gedruckt in den „Zerstreuten Blättern“ 1785 und 1786) und sie Goethe mitteilte, erwiderte dieser zwar mit Dank und lebhafter Anerkennung, aber seine Dichtung fand sich durch die Gabe nicht unmittelbar befruchtet; nur diese und jene unfreiwillige Gelegenheit verwandelte sich in einen leichten elegischen Schmetterling, so die Distichen auf den Tod des in der Oder ertrunkenen Herzogs Leopold zu Braunschweig, der Bruders der Herzogin Mutter, oder die warmen Verse in das Stammbuch seines Zöglings, Fritz von Stein, oder die schalkhaften in das gleiche der Gräfin Tina Brühl usw. Und wieder vergingen einige Jahre, der Dichter war in Italien gewesen, er hatte viel gewonnen, viel genossen, aber als ein Befriedigter kehrte er nicht wieder, so manches Leid trübte den Blick – bis die Missstimmung plötzlich, noch im Jahre 1788, in Glück und Heiterkeit sich auflöste und nun in den römischen Elegien und Epigrammen (den venetianischen, den schlesischen, dem auf die Sakontala – diese im ersten Rausch der Freude gedichteten zwei Distichen überschätzen übrigens dies indische Drama bei Weitem) das Distichon wieder auftauchte und in den beiden Episteln auch der bloße Hexameter, wie in den gleichnamigen Gedichten des Horaz.

Dann kam ihm der Reineke Fuchs in die Hand (in der Gottschedischen prosaischen Übersetzung) – auf den er sich schon vor Jahren „kindisch gefreut“ hatte – und er brachte ihn in ein großes Homerisches Epos, um sich, wie er später äußerte, im Hexameter zu üben. Es folgten in den nächsten Jahren einige Idyllen, Alexis und Dora, Euphrosyne, Amyntas, der neue Pausias, die Xenien und die friedlichen Epigramme, mitten darunter auch ein hexametrisches Epos in neun Gesängen, Hermann und Dorothea, und als letzer Nachklang dieser antiken Periode und ihrer Formen – die etwa zehn Jahre gedauert hatte, ebenso lange wie von 1776 bis 1786 die frühere Waimarische Zeit – der erste Gesang der Achilleis. Noch im Jahre 1806 gedachte er, wie uns die Analen zu diesem Jahre berichten, sein episches Gedicht Wilhelm Tell in Hexametern zu schreiben, aber die angstvolle und stürmische politische Lage vereitelte den Plan und mit „dieser herrlichen Versart“ war es für immer dahin (Wäre das Gedicht zu Stande gekomen – welch ein beliebtes Thema für deutsche Aufsätze in den Schulen: „Vergleichung des dramatischen Tell von Schiller mit dem epischen von Goethe!“)

Durch Goethes Beispiel ermutigt, begann auch Schiller seit Herausgabe der Horen, also seit 1795, in gedankenvollen Gedichten sich des Maßes der alten Elegiker zu bedienen, und wie man gestehen muss, gleich Anfangs mit Glück und Meisterschaft. Aber beide Dichter waren keine eigentlichen Techniker; eben als Dichter vor allem um die Wahrheit des Ausdrucks bemüht, behandeln sie die metrische Form sorglos, diese gleichsam von Innen, aus dem Inhalt selbst hervorbildend. Damit aber gaben sie denen, die sich nach der neuen deutsch-lateinischen Doktrin in Lang und Kurz geübt hatten, fort währenden Anstoß. Voß selbst, der mit jedem Jahre strenger wurde, d.h. sich immer weiter von dem alten Sänger, den er wiedergeben wollte, entfernte – fühlte sich hoch erhaben über die stümperhaften Versuche der beiden Herrscher über den deutschen Parnass und wagte es, sie in einem Distichon also zu verspotten:

In Jena und Weimar macht man Hexameter wie der,
Aber die Pentameter sind noch viel vortrefflicher.

Auch A. W. Schlegel überwand in diesem Punkte seine Abneigung gegen Voß und erklärte schon im Jahre 1801, Voß sei unstreitig als „der zweite Erfinder“ der antiken Silbenmaße, besonders des Hexameters, im Deutschen anzusehen und sein Verdienst dabei „unermesslich groß“. Noch in seinen späteren Lebensjahren, als ihm der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe bekannt geworden war, wo er mitunter über wegkommt, schoss er als Großmeister poetischer Formalistik Pfeile gegen die Duumvirn wegen ihrer angeblich unvollkommenen Hexameter ab:

Eure Hexameter sind der natürlichste Naturalismus,
Nimmer begriff eu’r Ohr jenes hellenische Maß

Wo „eu’r Ohr“ erst recht das Ohr beleidigt, und:

Hexameter zu machen,
die weder hinken noch krachen,
das sind nicht jedermanns Sachen

(richtiger deutsch: „das ist nicht jedermanns Sache“, was aber ärgerlicherweise der Reim nicht zuließ.) Der stolze Schiller ließ sich durch die Pedanten nicht irren und tat wohl daran.

Unter den Xenien, die er gegen die Schlegel richtete – sie taten, als ob sie nichts merkten, empfanden aber den Stachel tief -, deuten wir eins auf August Wilhelms metrische Grübeleien (wie Schiller sie ansah, in den Briefen über Poesie, Silbenmaß und Sprache in der Rezension von Voßens Homer):

Rezension

Sehet wie artig der Frosch nicht hüpft! doch find ich die hinteren Füße
Um vieles zu lang, sowie die vordern zu kurz.

Auf denselben und im besonderen auf sein Gedicht „Pygmalion“ (im Schiller’schen Musen-Almanach für 1797) geht wohl auch die Xenie „Ein deutsches Meisterstück“:

Alles an diesem Gedicht ist vollkommen, Sprache, Gedanke,
Rhythmus; das Einzige nur fehlt noch, es ist kein Gedicht.

Goethe, weich und bildsam auch hierin, suchte von seinen Gegnern zu lernen und ging sein neues episches Gedicht mit Humboldt durch, um aus demselben, kurz gesagt, möglichst viel Trochäen, und, wo es sich um einen Daltylus handelte, möglichst viel zusammengesetzte Substantive wegzuschaffen.  Nach unserem Urteil wurde aber das schöne, gleichmäßig fließende Gedicht dadurch nur geschädigt. Wenn es zum Beispiel heißt:

Die Gesinnung ist löblich und wahr ist auch die Geschichte,
Mütterchen, die du erzählst. Denn so ist alles geschehen

so musste statt „Mütterchen“ vielmehr „Mutter“ stehen, denn so und nicht mit dem Diminutiv redet der Mann die Frau an, wie sie zu ihm in dem Gedicht zu wiederholten Malen „Vater“ sagt. So war wohl auch Voß daran schuld, wenn schon früher ein Vers in Alexis und Dora lautete:

Und das Mütterchen ging feierlich neben dir her

wo die „Mutter“ zwar zwei sogenannte Trochäen ergeben hätte, aber viel angemessener gewesen wäre, schon mit Rücksicht auf das folgende „feierlich“. Ganz so verhält es sich mit „der/die Krankende“ statt „der/die Kranke“ in den zwei Versen:

Wenn der Säugling die Krankende weckt und Nahrung begehrt

und

Doch der Krankende fühlt auch schmerzlich die leise Berührung

– offenbar, um beide Male den Ditrochäus zu vermeiden.

Zu dem Verse:

Tretet herein in den hinteren Raum, in das kühlere Sälchen

ist „Sälchen“ für „Saal“ ein ganz Voßischer Notbehelf, der der Rede etwas Spelendes gibt, und auch der gleich folgende, etwas kostbare Genitiv:

Sorgsam brachte die Mutter des klaren, herrlichen Weines,

der hinzugefügte Spondeus „sorgsam“ – da die Sorgsamkeit hier keinen wesentlichen Zug bildet -, endlich die ganze zu niederländische Schilderung der geschliffenen Flasche, der grünlichen Gläser, des glänzend gebohnten Tisches usw. – alles dies erinnert nicht angenehm an den Dichter der Luise. So auch das imperativisch gebrauchte passive Participium:

Frisch, Herr Nachbar, getrunken!

oder im Proömium:

Noch einmal getrunken!

– denn dies war eine Lieblingswendung des groben Voßischen Stiles, die sich für den Kutscher (Vorgesehen!) oder den Fronvogt (Nicht lange gefeiert!) oder den Schulmeiser unter seinen Jungen (das Maul gehalten!) schicken mag, aber mitten in der Grazie der Goetheschen Rede wie ein fremder Zusatz auffällt. Einige Male begegnen in Hermann und Dorothea auch die geschleiften Spondeen, das neueste und höchste Kunststück der Schule: „auf halbwahren Worten ertappt“, „selbst hinging nach Paris“, „die hochherzig ein Mädchen vollbrachte“, „das unwillig sie flieht“, mit scheu unsicherem Blicke“ usw. – und wir wissen nicht, ob und wie viele davon schon ursprünglich im Texte standen oder von falschen Ratgebern hineinkorrigiert waren.

Goethe selbst nahm im August des Jahres 1799 zum Behufe eines neuen Abdrucks seine kleinen Gedichte aus den letzten zehn Jahren, die Epigramme, Elegien und Idyllen, wieder vor und besserte daran im Sinne der neuen Prosodik. Er meldete dies Schiller und fügte hinzu, er zeige dadurch „Respekt für die Fortschritte in der Prosodie, welche man Voßen und seiner Schule nicht absprechen kann.“ Schiller billigte das Verfahren und hatte sogleich nach seiner Art eine kunstphilosophische Formel dazu in Bereitschaft, obwohl er selbst den Hexameter und Pentameter damals für immer aufgegeben hatte. Manches nun wurde durch diese Überarbeitung in der Tat geschmeidiger; an anderen Stellen aber hat die Sorge für das Metrum die Anmut der sprachlichen Form ins Steife und Gesuchte verkehrt, zum Beispiel, wenn es in dem Epigramme „dem Ackermann“ statt des früheren „Pflüge fröhlich und säe“ jetzt heißt: „Fröhlich gepflügt und gesät“ -mit dem schon erwähnten imperativischen Partizip, oder in „Versuchung“ der erste Vers

Eine schädliche Frucht reicht unsere Mutter den Gatten

jetzt in einen manirierten Fragesatz verwandelt ist:

Reichte die schändliche Frucht einst Mutter Eva dem Gatten

vermutlich um den flüchtigen Trochäus „Eine“ wegzuschaffen usw. Alle diese Bemühungen konnten die Rigoristen, von denen manche, die auf sächsischen Schulen erwachsen waren, mit Leichtigkeit sogar lateinische Verse anfertigen, doch nicht versöhnen. Platen fand den Vers in Hermann und Dorothea ungenügend:

Holpricht ist der Hexameter zwar, doch wird das Gedicht stets
Bleiben der Stolz Deutschlands, bleiben die Perle der Kunst

und als Goethe später, wie schon erwähnt, unvorsichtigerweise das Bekenntnis ablegte, er habe sich mit dem Reineke Fuchs nur befasst, um sich im Hexameter zu üben, da war die Sache ausgemacht: die Hexameter unserer beiden Klassiker waren und blieben schülerhaft; im besten Fall verzieh man sie ihnen im Hinblick auf manches andere Verdienst. Goethes Reineke Fuchs fand überhaupt in der literarischen Kritik nicht die gebührende Würdigung – und dennoch hat nur dies Gedicht die Fabeln von Reineke und den übrigen tierischen Charakterfiguren populär gemacht und im Andenken der Nation erhalten und so ein schönes Vermächtnis der Vorfahren vor dem Untergang bewahrt.

Um aber gleich herauszusagen, wie wir denken, so scheinen uns die Hexameter in den zwölf Gesängen des Reineke Fuchs und in den gleich folgenden Episteln die besten, die überhaupt in deutscher Sprache in einem größeren Zusammenhang gemacht worden sind.

Zu unserer Überraschung finden wir ein ähnliches Urteil schon durch Kneben ausgesprochen, der überhaupt unbefangener und klarer sah, als fast alle Übrigen in Goethes Umgebung. Er schreibt am 22. Dezember 1795 an Goethe: „Da du im vollkommenen besitz bist, auch hierüber (über den Bau des Hexameters) Regel auf dem Parnass zu geben und ich zum Beispiel deinen Reineke Fuchs für das beste und der Sprache eigentümlichste Werk deutscher Prosodie halte, so wollte ich nicht, dass du anderen, die bei weitem nicht Gefühl und Geschmack genug zu dieser Sache haben, aus zu vieler Nachsicht und Gutheit zu viel einräumtest. Der lebendige Geist, mit Sinn und Geschmack verbunden,  fehlt ja fast überall noch in unseren Gedichten, und was soll es werden, wenn sich unsere einzigen Muster unter die Regel einseitiger oder gefühlloser Pedanten schmiegen!“ Auch Friedrich Schlegel, der hierin liberaler war als sein mehr zünftiger Bruder, meinte später in den kritischen Fragmenten: „Man tadelt die metrische Sorglosigkeit der Goetheschen Gedichte. Sollten aber die Gesetze des deutschen Hexameters wohl so konsequent und allgemeingültig sein wie der Cahrakter der Goethe’schen Poesie?“

In den späteren Werken antiker Form hat der Dichter schon die Unbefangenheit nicht ganz, aber doch ein wenig verloren. Im Reiniek Fuchs aber bewegt sich die deutsche Rede mit dem freiesten Behagen in der reizendsten Zierlichkeit fort, nirgends vom Metrum gestört oder beengt, bald nach dem ihr eigenen Numerus dem Verse entgegen und ihn kreuzend, bald in mannigfachen Verschlingungen sich ihm wieder zuneigend und abermals von ihm abwendend, um endlich am Schlusse der Periode harmonisch mit ihm zusammenzufallen. Wir sind ganz im Gegenstande, in der Erzählung, wissen kaum, dass wir Verse hören, und doch begleitet uns das halbdunkle Gefühl, innerhalb der goldnen Schranken des Maßes gehalten zu werden und zwischen wechselnden aber festen Ufern, auf sanften Wellen im leichten Kahn den Fluss hinabzugleiten. Wie der Stoff die Homer’sche Heldenwelt in leichter Parodie zu streifen scheint, so blickt uns auch der Hexameter selbst, der ehrwürdige Vers, durch den selbst die Pythia den Ratschluss der Götter verkündigte, so schalkhaft, so mutwillig an – die schwere Rüstung liegt der Fabel nur leicht auf, denn sie ist ja keine wirkliche, sondern eine heitere Maske, und wenn diese sich hin und wieder verschiebt, so erhöht das nur den Zauber des Vortrags und das Ergötzen des Hörers. Vor dem Doppel-Trochäus fürchtet sich der Dichter nicht, so gleich am Anfange:

Jede Wiese sprosste von Blumen in duftenden Gründen,
Festlich heiter glöänzte der Himmel und farbig die Erde

wo die trochäische erste und die daktylische zweite Hälfte der Verse eine gefällige gegenseitige Ausgleichung bewirken; ebenso wenig vor dem Halbton in der zweiten Hälfte des Daktylus:

Gutes / Handgeld ist / das, versetzte Reineke munter

Oder: „Eurem Geleit nicht / Nachdruck ver- / schaffen“, „es leidet Euer / Ansehn da- / durch“, „merket den / Umstand und / sucht ihn zu nutzen“, „von der / Hausfrau em- / pfangen“, „Fragen und / Urteil ge- / stellt“, „als Euer / Leichtsinn ge- / dacht hat“, „Jeder genießet die / Wohltat des / Rechtes“, „was für / Antwort ge- / bühret“, „Eueren / Vorteil be- / sorgt er nicht mehr“, „mich führte der / Zufall den / Weg her“ usw. In der Tat gewinnt der deutsche Hexameter nur durch diese Zulassung die nötige Mannigfaltigkeit und Schönheit. Was verschlägt es, wenn due Thesis bald mehr, bald minder ins Gewicht fällt? Oder vielmehr, nur so kann der Hexameter den Tonfall und die innere Gliederung des deutschen Idioms in sich aufnehmen und dem deutschen Gefühle natürlich und anmutig werden.

Man vergleiche damit die Protestationen Knebels gegen die Voß-Schlegelsche Manier in dem Briefe an Goethe vom 18. November 1799, denen man nur beistimmen kann. Einmal nennt Knebel Voßens Hexameter spottend „wagerechte Verse“.

Ganz so würde ein jambisches Gedicht, in dem die Thesen aus lauter dünnen, völlig tonlosen Silben bestünden, dem einförmigen Takt eines mechanischen Werkes gleichen; auch hat man seltsamerweise in jambischen oder trochäischen Versen das, was im Hexameter verboten wurde, immer erlaubt. Das „Maultier“ sollte im Hexameter nur als Spondeus gelten dürfen, am ausgesuchtesten so, das „Maul-“ einem vorausgehenden Spondeus, „-tier“ als Arsis einem nachfolgenden Daktylus angehörte – aber in dem Verse:

Das Maultier sucht im Nebel seinen Berg

ist es noch niemand eingefallen einen Fehler zu finden.

(Oder hielt Platen den Vers doch für fehlerhaft? Er sagt in der „verhängnisvollen Gabel“:

Setzen ja die Jambenschmierer, deren Vers den Vers zerstört,
Den Spondeus oft an Stellen, wo er gar nicht hingehört.)

Und ebenso wenig in Fausts Worten:

Dochh lass uns dieser Stunde schönes Gut
Durch solchen Trübsinn nicht verkümmern

oder aus den lyrischen Gedichten in Zeilen wie den folgenden:

Jeden Nachklang fühlt mein Herz

Voll Unmut und Verdruss

Beengt der Abschied mir das Herz

oder in dem Kirchenlied:

Allein Gott in der Höh sei Ehr

oder in dem politischen Liede:

Deutschland, Deutschland über alles

(womit man den obigen Pentameter Platens, in dem das arme Deutschland mittendurch gebrochen ist, vergleiche: „bleiben der / Stolz Deutsch- / lands„).

Die Sprache selbst hat diese Richtung genommen und manche Zusammensetzung durch Verkürzung rhythmischer und wohllautender gemacht, zum Beispiel „Wimper“ aus „Windbraue“, „Junker“ aus „Jungherr“, „Schulze“, „Schulz“ aus Schultheiß, Im Volksmund „Emse“ aus „Ameise“, „Wingert“ aus „Weingarte“ usw. Doch sind noch immer genug Komposita übrig, die wegen ihres Halb- oder Dreiviertelgewichts sich nicht messen lassen und als völlig unrhythmisch die Sprache übel belasten.

So konnte Schiller mit dreisilbigen Wörtern wie „Landenge“, „Hochofen“, „Scharfschützen“ nichts anfangen; er musste sagen:

Der auf Korinthus Landesenge

(eine ganz undeutsche Form) und

wo ihm in hoher Öfen Glut

(desgleichen) und:

Aber dort seh ich drei scharfe Schützen
Linker Hand um das Feuer sitzen

So konnte auch Goethe seinen Mepistopheles nicht von Gelbschnäbeln reden lassen, sondern von der Wahrheit,

Die gelben Schnäbeln keineswegs behagt

und vermied in den Venetianischen Epigrammen das Wort „Eidechse“ und sagte lieber „Lacerte“:

Wollt ihr mir’s künftig erlauben, so nenn ich die Tierchen Lacerten,
Denn ich brauche sie noch oft als gefälliges Bild

Für Platen aber war das Wort wie geschaffen, er skandierte „Eidechse“ als  v und sagte (im Gedicht Almasi):

Nur Eidechsen umklettern es jetzt, nur flatternde Raben.

Zur Vollkommenheit des Hexameters rechnet man auch die passende Verwendung der Zäsuren, die den langen heroischen Vers durch willkommene Pausen teilen und gliedern. Auch hierin verfährt der Dichter mit liebenswürdigem Leichtsinn: niemals opfert er dem metrischen Bedürfnis das der Sprache eingeborene Gefüge, die Wortfolge oder Wortstellung, den logischen Zusammenhang, die Heiterkeit der ruhig sich ausbreitenden Darstellung. Sein Vers nimmt wie der des Homer alle möglichen Gestalten an, und alle von den alten aufgezählten Einschnitte finden sich wie von selbst ein. So die Penthemimeres, die mit Recht für die schönste der Zäsuren gilt und die man den goldenen Schnitt des Hexameters nenn könnte:

Würdiger Freund, du runzelst die Stirn; || es scheinen die Scherze

(mit der Nebenzäsur nach der Arsis des zweiten Fußes, wodurch zwei schöne Choriamben entstehen), die bukolische, die nach dem dritten Trochäus usw. Sie alle zusammen geben dem Gang des Verses Schwung und Elastizität. Kommt dazwischen auch eine Zeile vor, wo wegen mangelnder Einschnitte die Schaukel, die uns hin und her wiegt, an der Erde zu schleifen scheint, so empfinden wir gleich darauf den erneuten, durch gesonderte Gruppen unterhaltenen Schwung um so lebhafter. Zwei oder drei Stellen, die wir aus einer Menge anderer herausgreifen, mögen die Behandlung der Zäsuren in Goethes Vers durch Beispiele deutlicher vor Augen stellen.

Herrmann und Dorothea:

Also gingen die zwei entgegen der sinkenden Sonne,
Die in Wolken sich tief, gewitterdrohend, verhüllte,
Aus dem Schleier, bald hier bald dort, mit glühenden Blicken
Strahlend über das Feld die ahnungsvolle Beleuchtung.

Aus demselben Gesang:

Herrlich glänzte der Mond, der volle vom Himmel herunter;
Nacht war’s, völlig bedeckt das letzte Schimmern der Sonne;
Und so lagen vor ihnen in Massen gegeneinander
Lichter, hell wie der Tag, und Schatten dunkeler Nächte.

Aus Reineke Fuchs:

Reineke stand und wusste darauf gar künstlich zu dienen;
Denn ergriff er das Wort, so floss die zierliche Rede
Seiner Entschuldigung her, als wär es lautere Wahrheit;
Alles wusst er bei Seite zu lehnen und alles zu stellen.
Hörte man ihn, man wunderte sich und glaubt‘ ihn entschuldigt,
Ja er hatte noch übriges Recht und vieles zu klagen.

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