Dritter Gesang

Jetzo gebührt uns dem Wink Hygieens willig zu folgen
Zu des gefeierten Tempels orakelredendem Altar,
Wo den ehernen Tafeln der Rat der Weisen vertraut ist,
Wo der Göttin Hand mit diamantenem Griffel
Auch für den Trinker der Heilungsquellen die Regeln der Weihe
Eingrub. Ohne Gelübde gewähren die reinen Najaden
Nie der Genesung Glück; dem Gelobenden strömet allein nur
Ihr Heilwasser zum Segen. Wohlauf, ihr Musen, enthüllet,
Was euch Päon gelehrt, im Gesang, und bestreuet der Vorschrift
Oft zu dornigen Pfad mit des Pindus duftenden Blumen!

Wenn du zu kosten begehrst die Frische des Quells an der Grotte,
Wo die Nymphe dir selbst darreicht die Flut der Genesung,
Lerne zuerst recht wählen die Zeit zur glücklichen Heilung.
Wann am hohen Gebälk schon Progne die Nestlinge füttert,
Zephyr bereits im Gefild des Fruchtbaums Blüten umherweht,
Wenn der herrlichen Maja Gestirn herstrahlt in der Frühe,
Schon zur Heumahd schärfet die Sense der emsige Feldmann;
Wann der feuchtende Frühling entflieht, und der heitere Sommer
Nun das schwellende Jahr mit strahlendem Zepter beherrschet:
Dann, ihr Siechen, enteilt, enteilt der verpesteten Stadtluft,
Eilt auf stäubenden Rädern den Berg hinan, und hinunter
Wieder zum Tal, hindurch den Wald zum reizenden Tempe,
Wo die Nymphe des Quells euch zuruft frohes Willkommen.
Horch! So tönt ihr Gesang zum Empfang aus dämmernder Mooskluft:
Kommt, ihr Geweihten der Qual! Ihr Opfer der blassen Morbona!
Seid mir willkommen im Tal! Für Liebeskummer und Mühsal
Quillt Vergessenheit hier; hier blühn hesperische Gärten;
Kein blauschuppiger Drache bewacht sie; hier ist das Eiland
Heiterer Ruh, wo jeder in sorgenzerstreuender Muße
Selige Tage verlebt; hier säuselt ein grünendes Daphne,
Lächelt ein duftendes Enna, bewässert mäandrischer Bäche
Silber ein tempisches Tal: ein Idyllenleben zu führen
Winkt ein Arkadien hier, wo jeder Jüngling ein Hirt ist,
Schäferin jegliches Mädchen; wo Grazien Tänze beginnen;
Ja, wo selber die Musen des Pindus goldenes Haintal
Wiederfinden, und oft dem entzogenen Waller erscheinen,
Wann er einsam im Dunkel entlegener Schatten verweilet.
Naht euch ohne Verzug, ihr Heilungssuchenden, naht euch
Meinem Gebiet! Hier wird in der Kühle des luftigen Haines
Euch unsichtbar begegnen die lebensfrohe Genesung,
Euch mit dem Nelkenodem umwehen auf einsamen Pfaden,
Euch erquicken im süßen, balsamischen Schlummer, und huldvoll
Nach vollendeter Heilung zurück in die Heimat begleiten.

Seis Emserias Quell, wohin dein Ross dich getragen,
Seis die bergige Flut der gepriesenen Spadakrene,
Oder das Felsental der eisbehangnen Sudeten,
Stets mit sorgsamer Wahl betrachte die Lage der Wohnung,
Lass dich warnen ein Haus zu beziehn am sumpfenden Moorteich,
Wo nur Schilfe gedeihn, Irrlichter in nächtlicher Stille
Tanzen im feuchten Busch mit stygischen Dünsten umwölket;
Auch nicht im niedrigen Tal, von überhangenden Felsen
Rings umragt; in dem Schattendom des tieferen Forsts nicht,
Wo der belebende Nord die faulenden Blätter am Boden
Nimmer zerstreut, und der Zweige Gewölb kein Regen durchnetzet;
Nicht, wo von keinem Winde bewegt, der faule Morast ruht.
Keiner berede dich je dem Herd hier deine Penaten
Anzuvertraun, und türme sich auch von penthelischem Marmor
Hier ein Palast mit Hundert Gemächern empor in die Wolken.
Kiese die Villa dort an des Hügels bekräutertem Abhang,
Wo der blühende Quendel umher Gerüche verbreitet;
Wo den knospenden Tannen balsamischer Duft, und der reinste
Äther im Sonnenlicht entströmt; wo jeglicher Morgen
Durch dein Fenster, von Reben umrankt, das goldene Frührot
Aus dem Schlummer dich weckt; an jeglichem Abend ein Bächlein,
Dessen Kristall durch raues Geklipp hinab in das Tal rollt,
Dich in den Schlaf einwiegt mit leisem, melodischem Rieseln.
Oder gefällt dir mehr der ländlichen Hütte bemoostes
Halmendach, so liege sie dort in heiterer Freie,
Vorn mit Pappeln umpflanzt, dahinter ein schattiges Gärtchen,
Wo die Nachtigall ihr Nest in dem Haselgebüsche
Neben dem sanften Falle des Kieselbaches bewohnet.
Schau, dort winket dir auch der taubenumflatterte Landsitz,
Wo vielleicht ein alter Palemon in ländlicher Muße
Ruhige Tage verlebt; vielleicht ein Vertrauter der Musen,
Der dich in seinem romantischen Tibur gerne beherbergt;
Oder ein gastlicher Freund des menschenerhaltenden Feldbaus,
Der dem Fremdlinge gern in den Hallen seines Scillonte
Einzukehren vergönnt, und den Wanderer gerne bewirtet.
Dies von der Wohnungen Wahl. Anjetzt, heikundige Muse,
Melde, wie jeglicher soll der Heilung Weihe beginnen.
Wann das braune Gewölk am Saum der fliehenden Nacht sich
Sanft in rötlichen Duft auflöst um die Pforten des Aufgangs,
Und in der Heitre zerfließt zum schimmernden Schleier Hemerens;
Ringsum wirbelt der Wald mit tausend Stimmen; die Lerche
Schwebt im azurnen Äther mit glänzenden Schingen und jubelt
Fröhlich den Morgengesang; die balsamatmende Rose
Öffnet den himmlischen Busen dem buhlenden Strahle der Sonne,
Die mit flüssigem Golde den Berg krönt; Tellus errötet,
Gleich der erwachenden Braut, und prangt im blitzenden Frühtau:
Wenn euch dieses entzückt, und es euch kein Celsus verbietet,
Aus dem Gemache zu gehn, zu verlassen das weichliche Lager:
Dann eilt ohne Verzug, dies ist die Stunde der Weihe,
Abzuschütteln den Schlaf; dann eilt zu den Hallen der Nymphen,
Schöpft mit hellem Kristall aus sprudelnder Urne die Frische,
Schöpfet und trinkt, wie er perlet und schäumt, der berauschende Nektar!
Welch ein erfrischender Trunk! An begeisternden Tugenden reicher
Als der kastilische Quell, der oft unheilige Trinker
Treibt zur rasenden Wut, und selbst den Geweihten der Dichtkunst,
Den im innersten Hain Melpomene selber bekränzte,
Oft zu stürmisch entflammt, ihn treibt bei nächtlicher Lampe
Sich mit erbleichenden Wangen zum frühen Gabe zu singen.
Welch ein erfrischender Trunk! Der selbst die Pfeile des Todes
Abzustümpfen vermag, und das schwarze Verhängnis zu fernen;
Der zum froheren Lebensgenuss die Sterblichen kräftigt,
Schärfet des Genius Blick, und die Sinne zum schönsten Verein stimmt,
Dass in dem Helden die hohe Begierde wieder erwachet
Nach unsterblichem Ruhm und lorbeerwürdigen Taten;
Der um des Barden Stirn des Trübsinns Wolken zerstreuet,
Dass sein entfesseter Geist die Flügel rascher enfaltet,
Gleich dem steigenden Aar sich emporschwingt über der Schöpfung
Grenzen hinaus, und den Donnergesang der Sphären belauschet.
Welch ein erfrischende Trunk! Der selbst des wankenden Alters
Erdwärts sinkendes Haupt, und den matten Blick, der das Grab sucht,
Wieder emporhebt, dass es sich gürtet, von neuem zu leben;
Der den Jüngling erqickt, dass ihm das Leben zum Leben
Wird, er stark sich fühlt, nach großen Taten zu jagen;
Der das Mädchen erquickt, mit den Purpurblüten der Hebe
Ihm die freiere Stirn bekränzt, dass unter dem Kranze
Wieder die Schalkheit lacht, und den Liebling wieder bezaubert,
Der in der Heimat Auen der Wiedergenesenen harret.

Nie verleite der Rat des unberufenen Klüglings
Dich, in den köstlichen Gaben der gütigen Nymphe zu schwelgen.
Trinke gemach und wandle dabei! So lautet die Regel.
Duftig wehet der Morgen, und kühl; drum wandere langsam
Dort in dem Fruchtbaumwäldchen umher, und lausche dem Sumsen
Honigsammelnder Bienen im goldbeschimmerten Wipfel;
Oder geselle dich auch zudem Schwarm der Waller im Dunkel
Gelblichblühender Linden und heitre den Geist im Gespräch auf.
Ist dir ein Pylades unter der Menge, so wandle mit diesem
Unter sokratischem Scherz in des Lusthains grünen Gehegen,
Oder am ruhenden See, von dem Sommermorgen gerötet.
Bist du Verehrer des holden Geschlechts, kein strenges Geheiß wehrt
Dir auch hier an der Quelle der Nymphen den weiblichen Umgang.
Fruchtlos ist das Getändel der Fantasie für den Geist nicht,
Welcher sich abzuspannen gedenkt; umnachtet ihn Tiefsinn,
Eine Musarion, eine Diotima wird ihn erheitern.
Jünglinge, lauscht dem Gesang! Ihn singt kein grämelnder Eifrer,
Dem die gerunzelte Stirn sich wölkt ob dem lieblichen Taumel
Selbst der edleren Liebe. Bekannt mit dem jungen Verlangen,
Das in dem zärtlichen Busen entflammt der Zauber der Schönheit,
Werd‘ ich durch finsteren Ernst nie wagen, euch in dem holden
Wahne zu stören, der euch in den süßesten Stunden vergöttert.
Ich auch habe geliebt; dies Herz, noch warm, wie das eure,
Huldigt dem zarten Geschlecht; noch ruht dies Auge mit Wonne
Auf der schönen Gestalt und den Zügen weiblicher Anmut.
Fürchtet darum kein Tadlergesicht, das die Miene der Weisheit
Heuchelt, und Freuden verdammt, die selbst die strengere Tugend
Billiget. Aber vernehmt die Stimme der sanfteren Warnung.
Sittliche Grazie weihe veredelnd eure Gefühle,
Euer zartes Verlangen, und eure geliebteren Wünsche!
Fürchtet, sobald ihr diese beleidigt, den Zorn Hygieens.
Zwar an dem Schuldigen rächt sich nicht selbst der Göttinnen beste,
Nur zum Segen der Welt erkor sie der Vater der Menschen,
Aber sie wendet sich weg von dem Frevler, und winket der hehren
Nemesis. Wehe dem Unglückssohn, den diese verfolget!
Wem mit richtendem Ernst die Vergelterin Böses verhänget,
Solcher entrinnt auf Erden hinfort herznagendem Gram nicht.
Freudlos irrt er umher, und klagt sein banges Geschick nur,
Bei wehdrohender Vögel Geächz, einödigen Wäldern.
Für ihn bekränzt umsonst sich der Mai; sein hellester Wohllaut
Tönt ihm wie Totengesang. Und ach! wie welket die Blüte
Seiner Wangen dahin! Wie bleicht frühzeitiges Alter
Ihm die Locken! Beweint ihn, Nymphen, beweinet den Jüngling!
Ihn zu retten vermag selbst euer belebender Quell nicht;
Denn Hygiea zürnt, und Nemesis rächet die Göttin.
Doch bei der goldenen Schale der Enkelin Päons beschwör‘ ich
Dich, zartfühlende Freundin, und jeglichen Trinker der Heilflut,
Selber den Wonnetaumel der hohen veredelten Liebe
Hier an den heiligen Quellen zu fliehn. Gefährlicher Taumel!
Wo der Geist entschwebt in das Reich der lieblichen Träume,
Hin in das Feengebiet des dichtrischen, goldenen Alters,
Und in die Zaubergefilde der holden, milesischen Märchen;
Selbst dem Gesunden gefährlich, wofern er allzu begierig
Schlürft das bezaubernde Gift der schwärmerisch süßen Gefühle,
Welches zuletzt die Blüte der männlichen Tugenden tötet.
Noch unseliger ist verschmähter Zärtlichkeit Angsttraum.
Hoffnung, Sorgen und Furcht, und die Martern der wüsten Alekto,
Eifersucht, wie zerquälen sie wechselnd den Busen des Armen!
Wendet, ihr Götter, von jedem Geweihten besserer Liebe,
Wendet den schrecklichen Wahn, und straft damit den Verbrecher,
Straft den Wüstling damit, und den schlauen Verführer der Unschuld!
Schützet vor diesem Jammergeschick, o schützet vor allen,
Die den Urnen der Nymphen entschöpfen den Trunk der Genesung!
Einmal ist nicht genug, den schäumenden Becher zu leeren,
Angefüllt mit der Flut der gesundheitgebenden Quelle.
Mehrmals kehre zurück zu den Hallen der guten Najade,
Schöpfe von neuem und trink und wandle wieder nach Willkür,
Bis die neunte der Morgenhoren entzündet den Mittag,
Schon im schwüleren Äther der Tau der Wiese sich auflöst,
Philomene bereits verstummt, und die leichtere Frühkost
Dich von dem Morgengang einladet zur dämmernden Laube.
Wann der Himmel entglüht, der sanften Etesien Hauch nur
Leise die nickenden Halme bewegt im sonnigen Saatfeld,
Nur eintönig der Sommergesang der braunen Zikade
Noch in der Mittagsglut durchschwirret die laubigen Wipfel:
Dann vollbringe Hygieens Gebot. Der schattige Dom winkt
Dich in seine verschwiegenen Marmorhallen zum Bade.
Deine Glieder umfange mit schmeichelnder Welle die Flut hier.

Einst in der Jugend der Welt, wo noch ungeschwächt von der Krankheit
Gliederlösendem Gift der Menschen schöne Geschlechter
Blüheten, tauchten Gesunde sich nur in das stärkende Strombad.
Religion und Gesetz gebot den Völkern des Aufgangs
Reinigung, eh sie zum Mahl sich lagerten, oder am Altar
Opferten. Jünglinge stählten den Arm zur Schlacht in dem Seebad,
Schwammen entgegen dem Strom, abhärtend die nervigen Glieder.
Nach mühseliger Heldengefahr Thrinakiens Eiland
Spülte sich wieder am Thermopyl die Kraft des Herakles
Ab den Staub und den Schweiß, und es kehrte dem badenden Halbgott
Wieder die mächtige Stärke zurück, die Löwen besiegte.
Sparta stürzte sich einst in die Strömungen reißender Flüsse,
Und es entstieg ein Geschlecht der Heroen der kalten Kristallflut,
Todverachtende, löwenbeherzte Tyrannenbezwinger.
Doch als mählich das Heer hinraffender Seuchen hereinbrach,
Siechtum die Menschen ergriff, und ein früheres Alter des Jünglings
Locken versilberte, priesen der Heilkunst Meister das Bad an,
Bleicher Entkräftung zum Heil. Der Vater der koischen Schule
Lehrte zuerst der Bäder Gebrauch die freien Pelasger.
Als, entarteter schon, sich die stolzen Quiriten entnervten
Beim Falernerpokal, und am Busen schlauer Korinnen,
Sendete Musas Kunst den Imperator gen Bajä,
Und in der keuschen Umarmung der Nymphen krönte Genesung
Ihn mit schönerem Kranz, als Rom ihm gab im Triumphzug.
Tuskische Nymphen, warum ach! flocht die neidische Parze,
Euren gefeierten Urnen zur Schmach, zum Jammer der Mutter,
Seinem Marcellus den Kranz aus Zweigen der düstern Zypresse?
Taub ist, ruft ihr zurück, das Ohr der eisernen Parze,
Dunkel der Vorsicht Rat, labyrinthisch die Wege des Schicksals.
Tröste dich, Schatten des Musa! Noch heut‘ entsteigen nicht alle,
Froh der Genesung, dem Bad, noch heute bekränzt die Zypresse
Selbst an dem Heiligtum der Najaden die Schläfe des Jünglings,
Und mit Rosen bestreun sein Grab nachweinende Mädchen.
Menschen und herrliche Werke der Menschen, selber der Erdkreis,
Also will es der Ordner der Welt, gehn unter im Zeitstrom,
Der mit dumpfem Getös hinrollt in die Tiefe der Urnacht,
Und ihr Gebiet bedeckt mit dem Raube zertrümmerter Welten.
Siehe, der Wanderer findet, wo Bajas Marmorpaläste
Prangten, gesunkene Trümmer. Sein Laubnetz hänget der Efeu
Um das Gebälk; den Fuß korinthischer Säulen umwuchern
Nesseln und Sandriedgras. Einst türmten sich blühende Städte,
Wo kein Leben sich jetzt mehr regt. Durch prächtige Gassen
Strömte der Bürger Gewühl ein her und hin mit Getümmel,
Gleich Ameisen im Sommergefild voll reifender Ernten.
Über den Markt hin rollten und her goldschimmernde Wagen,
Denen der Reisigen Schar nachzog. Auf luftigem Söller
Standen geschmückt holdselige Fraun und rosige Mädchen,
Welche den prangenden Zug ansahn, und den Gruß des Erwählten
Durch ein freundliches Lächeln erwiderten. Aber dahin schwand
Römischer Größe Gewalt und Glanz. Vulkane verheerten
Jene gefeierten Tempel und weitgepriesenen Gärten,
Wo, mit Myrten bekränzt, Roms Helden, wie zärtliche Schäfer,
Bei der Vögel Geflöt‘ und dem lauen Gesäusel der Weste
Wandelten, oder in junger Plantanen Umschattungen irrten,
Wann der Liebe Gestirn am grünlichen Abendhimmel
Funkelte. Stille des Tods umruht die reizende Meerbucht,
Wo zum Feste Cytherens am duftenden Zaubergestade
Hallte das weiche Gelispel der Flöten in laulicher Dämmrung.
Bienen entsummsen dem hohlen Geklüft der zerborstnen Granitwand,
Wo sie gebaut ihr Honiggewirk. An dem hohen Gewölbtor
Höhlte der Tropfenfall des Regens die steinerne Schwelle.
Auf dem Dom von Porfyr, im Ruin der moosigen Hallen,
Die der Liebe Geflüster und zärtliche Seufzer vernahmen,
Flattert das Volk der Raben empor, haust Graun und Verwesung.
Dort, wo sonst an Lyäus Altar den etrurischen Festkrug
Feurige Knaben bekränzten, und hoch in der Väter Gesang ihn
Priesen, den fröhlichsten Gott, weht schwermutvoll, wie um Gräber,
Durch das wankende Schilf im Gesümpf des Frühlinges Odem.
Öd ist jetzt und stumm das Gefild rings um den Tiburnus,
Wo sich ein Cäsar einst alabasterne Bäder erbaute,
Wo sich ein neues Athen erhob, ein freundlicher Wohnsitz
Für die bildenen Künste, die schwesterlich hier sich umarmten.
Über des Prachtbaus Schutte durchpflügt den Acker die Pflugschar.
Pästums Rosen verhauchen nicht mehr um die Locken des Mädchens
Würzigen Duft, des Mädchens, das ohne Verschleirung und Gürtel
Grazien gleich den Bad entstieg. Die Tränen der Musen
Flossen noch jüngst in diesem Gefild, als endlich der Lorbeer
Selber verdorrete neben der Urne des römischen Barden.
Schatten des Maro, vergib! Ich huldigte diesen Gefilden
Nur mit flüchtigem Blick. Der schönen Parthenope Fluren
Sind zwar heilig dem Dichter, und gern besucht er die Stätte,
Wo du vor Zeiten gewandelt, wo deine ländliche Muse
Sang ein askräisches Lied; allein mich winkt in der Heimat
Schoß die Göttin zurück, der meine Leier geweiht ist.
Schatten des Maro, vergib! Ich folg‘ ihr, die mich begeistert.

Jetzo vernimm die Gebote, mit welcherlei Speise vergönnt ist,
Während die Weihe dauert zur frohen Wiedergenesung,
Dir zu besetzen den Tisch. Zwar bebt die schüchterne Muse,
Solches in Worte zu fassen; es weigert die Sprache den Ausdruck;
Doch ich gürte mich kühn unwegsame Pfade zu wandeln,
Wo nur einzelne Blumen entsprießen dem raueren Boden,
Duftende Kränze zu reihn zum Schmuck der aonischen Mädchen.
Gleich Einsiedlern zu fasten, zu darben am reichen Naturmahl,
Ist nicht der Göttin Befehl, nur Prassergerichte versagt sie.
Mäßigkeit, unterm Gefolg Hygieens die lieblichste Huldin,
Sei Vorlegerin dir. Demeter besetze vor allen
Dir mit dem Marke der Ähre den Tisch, mit Früchten Pomona,
Pales mit nährender Milch, und, wenn die Gewalt der Gewohnheit
Fordert des Fleisches Genuss, mit der Blüte der rötlichen Herde,
Oder dem heurigen Spätling der Trift. Dir nähret der Bergfrost
Zartes Gewild, den Fasan, das Haselhuhn und den Birkhahn.
Dass zu kosten dir nimmer gelüste von jenem Gefieder,
Welches im Schilfmoor nistet der Wildnis, oder den Sumpfteich
Mit Schwimmfüßen durchrudert! Sein Fleisch zwar nennet der Prasser
Schmackhaft; doch dich verleite sein Lob zum verbotnen Genuss nicht!
Nur des Ackerers Hunger bezähmt die böotische Nahrung,
Welche der Bataver presst, und der Hirt in den Talen der Alpen.
Ceres Geschenk, zu festen, gequollenen Klumpen geründet,
Und in dem wallenden Kessel zum zähen Teige verdichtet,
Sei nur dem Fröhnling und Drescher ein vielwillkommnes Gerichte.
Nur die Kraft des Athleten verdaut die gesalzene Nahrung,
Durch den Rauch des Herdes gehärtet im rußigen Schornstein.
Feindlicher aber der Dauung und unheilbringender in ihr
Keinerlei Kost, als tierisches Fett und das Öl der Gesäme,
Samt dem schmeidigen Mark der dunkelgrünen Olive.
Auch der Speisen Genuss, von Indiens feurigster Würze
Duftend, verwehrt dem Siechen der Rat heilkundiger Männer.
Nie belaste den Tisch der gallischen Küche Gemengsel!
Nie, wenn selbst dir ein König sie rühmte, die scharfe Polenta!
Fürchte den Brauch, das Mal zu beschließen mit künstlichem Naschwerk,
Das den befriedigten Gaumen anreizt zum lüsternen Hunger.
Traun! Ein Feind Hygieens erfand den heillosen Misch einst,
Allzugeschickt durch Außengestalt den Näscher zu locken,
Dass er begieriger ihn zu seinem Verderben genießet.
Aber wie preist mein Lied den Freund einfacher Gerichte?
Siehe, die Dörferin bringt in dämmernder Frühe des Hofes
Zartes Geflügel ihm dar, und die Zucht blauhalsiger Tauben;
Bringt im reinlichen Korb ihm der Eier gesammelten Vorrat,
Die sie dem Neste geraubt, bevor dem zerknickten Gehäuse
Unter der brütenden Mutter entschlüpften die piependen Kindlein;
Bringt ihm, träufelnd von Tau, vollsaftige Gartengewächse,
Süße, balsamische Kräuter und nahrungsgebende Wurzeln,
Liebliche Sommerfrüchte, geschirmt mit Laub, und den Nektar,
Den aus weißlichem Klee, süßduftenden Linden und Thymus
Emsige Bienen gesaugt, und in wächsernen Speichern bewahret.
Selber die Nymphen ernähren in ihrem kristallenen Reiche
Ihm das behände Geschlecht der silberflossigen Fische,
Braungesprenkelte Schmerlen, und rotgefleckte Forellen,
Die vor allem Gewimmel der Wasserwelt die Najaden
Sich zu Lieblingen koren, wiewohl die glänzende Schleihe
Schönere Farben spielt und mit goldenen Schuppen bedeckt prangt;
Denn die Gütigen selbst mit eigenen Händen die Atzung
Über den Perlengrund in den feuchten Behausungen hinstreun,
Und sich am fröhlichen Spiele der launigen Schwimmer ergetzen.
Liese für deinen Teich von allen Wasserbewohnern
Auch den Salm und den Hecht, und den silberschuppigen Börs noch.
Aus den Korallenpalästen der Thetis in salziger Meerflut
Sei dir, wie meinem Schmit, nur willkommen die zarte Sardelle,
Bald zur Abendkost, und bald zum Gewürze der Brühen!
Auch das Geschenk Neptuns, die gepriesene Auster, vergönnet
Dir ein kundiger Arzt, wenn deinem Geschmack sie genehm ist.
Doch zu bestimmen vermag selbst Päon der Nahrungen Wahl nicht;
Jenem behagt ein Genuss der andern in Gift sich verwandelt.
Jeglicher sei sein eigner Berater, oder erkunde,
Was ihm frommet, und was ein unergründlicher Abscheu
Ihm zu kosten verbeut, den noch kein Weiser enträtselt.
Zückert lehre dich endlich den Vorrat heilsamer Speisen,
Welche dem schwer Erkrankten und wieder Genesenden fruchten.
Rheinwein kröne das Mal! Im goldenen Becher vermähl‘ ihn
Mit dem lautern Kristall des bluterfrischenden Heilquells.
Während das flüssige Silber sich unter Geschäum und Gesprudel
Rasch mit dem blinkenden Traubengold im Pokale vereinbart,
Trinke den perlenden Trank, der alle Sinne begeistert.
Labender ist kaum jenes Getränk der ceylonischen Palmfrucht,
Das in der Sandeinöde den durstigen Wandrer erfrischet.
Lieblicher würzt kein Quell den herzerfreuenden Becher,
Duftend von Bacchus Geschenk, als der Selterias Urnen
Silbern entströmt. Doch wohnt den Hallen des heiligen Bornes
Nachbarlich ein Najade, mit deren Kristall sich der Wein auch
Brausend vermählt, und herzerquickend im vollen Pokal perlt.
Hast du solches vollbracht, dass lass nicht während dem Nachtisch
Dich beschleichen den Schlaf. Mit lethäischem Mohne bestreut er
Sonst die Schläfe dir, ach! und du sinkest in dumpfen Schlummer,
Aus dem trüb und bewölkt du wieder erwachst, und entkräftet.
Suche den schattigsten Gang, und mische dich unter die Menge,
Wo man mit fröhlichem Scherz die zögernden Stunden beflügelt.
Oder wofern du liebst, allein zu sein, so durchblättre,
Was mit treffendem Witz ein Rabener schrieb und ein Wieland.
Mehr noch frommt es, den alten Gesang des grajischen Barden
Laut und in vollerem Ton von der Lippe strömen zu lassen.
Kräftigend hebt und erweitert den Geist die Bewundrung der Großmacht
Tapfrer Heroen mit Göttern im Kampf; und heilsam bewegen
Durch der geflügelten Stimme Gewalt sich des Lebens Organe
In der erschütterten Brust. Reizt dich landliebender Musen
Feldlied mehr, so bild‘ es mit sanfterem Laute dem Ohre,
Leicht und schön, und erheitre dir so die einsamen Stunden.
Eins nur müsse dir jetzt dein Genius warnend verbieten,
Glühte vielleicht in der Brust der Begeisterung Funke dir selber:
Weder den Helden mit Lorbeer noch das arkadische Mädchen
Unter den Lämmern mit Blumen im eigenen Liede, zu kränzen.
Ach! schnell welkte der Kranz; dein Lied, mißtönend, versänke
In der Vergessenheit Nacht; dich selbst, frühalternd, umwölkte
Düsterer Ernst, und dir reichten umsonst die Nymphen den Heilkelch.
Andre Zerstreuungen sind nicht übrige, die Zeit dir zu kürzen.
Einige lieben das Spiel mit dem elfenbeinernen Balle,
Den der Spielende weiß mit hingehefteten Blicke
Und mit gemessenem Stoß auf grünem Teppich zu rollen,
Dass er behend, wie der Pfeil zum Ziel, in das Netz mit Getös eilt.
Oftmals sah ich den Freund der Musik die Stunden beflügeln,
Der den Cremonasaiten entlockte melodische Töne,
Oder die sanftere Flöte mit Zephyrhauche beseelte.
Dir, tonkundiges Mädchen, gebührts, an die Harfe gelehnet,
Durch die fröhlichsten Töne mit rosigen Fingern zu rauschen,
Oder ein lesbisches Lied zur klingenden Laute zu singen.

Diesen Gesetzen getreu fand jüngst Arete, die Gattin
Meines geliebten Theofron in Spas Elysium wieder,
Was ihr die Krankheit nahm: Cytherens blühende Reize,
Ha! und den schöneren Zauber des Geistes, den weiblichen Frohsinn.
Felderdbeeren, und was noch von milden Gewächsen der Sommer
Zeitiget, lockeres Brot, mildnährende Pflanzen und Wurzeln
Schmückten das ländliche Mahl, und alter, balsamischer Steinwein.
Nüchternheit deckte den Tisch; als Truchsin würzte die Freude
Jedes gesunde Gericht; und der Witz des launigen Yorik,
Oder die Scherze der Margot mit ihrem grämelndem Freunde,
Den die Liebe getäuscht; dein holdes Geschwätz, o Musäus,
Wenn mit der Zitter der Märchen, die dir Thalia besaitet,
Du von Dorfe zu Dorf, ein reisender Minstrel, umherziehst,
Machte die Heitere froh, schuf Hebens rosiges Lächeln
Ihr um den freundlichen Mund, und erhöhte die Frische der Wangen.
Jugendlichschön, wie der Mai, wann unter den Hymnen des Hains er
Sanft errötend erwacht an Florens duftendem Busen;
Hold, wie die junge Dione dem Meer entstieg, und zum grünen
Ufer den Perlenwagen sie trug auf murmelnden Wellen:
Also kam sie zurück in des liebenden Gatten Behausung.
Süßes Gefühl des Wiedersehns nach langer Entfernung!
Was gleich unter dem Monde der unaussingbaren Wonne,
Welche die Liebenden dann in der ersten Umarmung beseligt!
Häusliches Glück, du bliebst allein von des goldenen Alters
Paradiesischen Freuden zurück auf Erden, und rufest
Oft sie alle vom Himmel zurück, wohin sie geflohen.
Unschuld, fröhlicher Mut, Eintracht und goldene Treue
Ha! sie steigen herab auf morgenrötlichen Wolken,
Gleich den strahlenden Göttergestalten der herrlichen Vorwelt,
Unter dem wirtlichen Dach zu wohnen mit ihren Geweihten.
Friede sichert den Herd und facht die Glut mit dem Ölzweig,
Dass sie lodert und flammt, gleich Vestas ewigem Feuer.
Himmlische Großmut, reines Vertraun, vollherzige Liebe
Sind des Hauses Penaten, und freundlich pfleget die Güte
Ihres Altars, und streut in die Flamme köstliches Rauchwerk.
Häusliche Ruh baut unter dem Dach ihr sicheres Nest sich,
Und die Zufriedenheit würzt zum frohen Genusse das Leben.
Heiter und mild naht endlich der Abend, ein freundlicher Herold,
Der den beglückten verkündet des Tages verklärenden Aufgang
Drüben in himmlischen Aun. Die Fackel des irdischen Hespers
Zittert, verlöscht, und mit breitem Gefieder decket die Nacht sie,
Bis zum großen Erwachen am festlichen Morgen der Schöpfung.
Also fließet ein klarer, melodisch rieselnder Bach hin
Durch ein Ufer, worauf der Lenz ausruht in den Blumen;
Tiefer im Tal verbirgt er sein silbernes Haupt in der Erde
Kühlem Geklüft, um bald von neuem in schöneren Auen
Heller emporzuströmen, und über Perlen und Goldkies
Durch ein Eden zu gleiten, wo rings ein ewiger Lenz blüht.

Allzulange verschloss ich den Gram um die traute Genossin
Schon in der Brust, schon allzulang verstummte der Manen
Meiner Lina der Saite Getön; jetzt wecket Erinnrung
Mir den innigsten Schmerz und nicht länger erduld ich ihn schweigend.
Jetzt wehklage, mein Lied! Dich selbst auch liebete Lina.

Ach, wir hoffeten einst, o du! Wie nennen sie dort dich,
Wo du dem Bruder nunmehr in elysischen Hainen gesellt bist?
Freudig hofften wir einst in der Abendspäte des Lebens
Beide zugleich in der Ruhe Gefild hinüberzuwallen,
Wenn in gemeinsamer Urne versenkt nun unser Gebein lag:
Doch wir hofftens umsonst, das seltene Glück. Früh trennte,
Weil dein Morgen noch schien, Holdselige, trennte der Tod uns.
Ach, wir hofftens umsonst. Zu rein, um länger zu weilen
Hier im Staub, entfloh dein Geist zu seinem Geburtsland,
Allzufrüh für unseren Bund in den Hütten der Trennung,
Wo du verklärungsnah schon wandeltest, hold wie die Tugend,
Der dein seliges Leben geheiliget bis in den Tod war!
Wo wart ihr? Ach! Welches Gefild, Schutzgöttinnen, hielt euch,
Als am schwüleren Tag die Gefahr wuchs? Rettende Nymphen,
O wo wart ihr? Warum, heilbringende Mächte, warum nicht
Eilet ihr beizustehn der Verschmachtenden, ach, in des Sommers
Dörrender Glut? – Umsonst gelobet‘ ich Dankhekatomben
Feierlich darzubringen den Himmlischen; nirgend erschien mir
Flehenden, nirgend ein Gott, der unserer Not sich erbarmte.
Helfende Nymphen, ihr selber erhöretet eures Geweihten
Ruf nicht; kund war euch des Verhängnisses hehre Gewissheit:
Dass die menschliche Seele die Gottheit würdigte, früh schon
Einzugehn in die große Versammlung seliger Geister.
Sei den deinigen hold, frühglückliche Seele! Vergiss nicht
Uns, wir hoffens zu dir, in der seligen Hütten, und bleibe,
Wenn mein Flehn dich noch rührt, du Liebende, bleibe der Treuen
Schutzgeist, welche dich einst anbeteten, ach und dir jetzo
Zwar mit Tränen, allein mit den sanfteren Tränen der Hoffnung,
Dich in Elysium wieder zu sehn, die Urne bekränzen.

 

Erläuterungen

Wo den ehernen Tafeln: In dem Zeitalter Griechenlands, wo die Heilkunst noch in den Tempeln ausgeübt wurde, grub man die Namen der Kranken, ihre Krankheit und die Mittel, wodurch sie geheilt wurden, in metallene Tafeln oder Säulen. Einige Inschriften dieser Weihtafeln (tabulae votivae) haben sich noch bis auf unsere Zeit erhalten. S. Hundertmark de incrementis artis medicae per expositionem aegrotorum in vias publicas et templa. 4. Lips. 1749.

Der herrlichen Maja Gestirn: Mit dem Frühaufgange der Plejaden, oder des Siebengestirns, begann den Alten die angenehme Sommerzeit, oder der Spätfrühling. Die Plejaden waren Töchter des Atlas, und eine davon, die Mutter Merkurs, hieß Maja.

Spadakrene: Die Spaquelle.

Wo den knospenden Tannnen: Der liebliche Geruch der Tannenblüte hat sehr viel Ähnlichkeit mit dem Dufte der Weinblüte. Gesunder kann wohl, schreibt Lentin, die Luft zu keiner Zeit sein, so gefährlich man auch die Gerüche macht, die Blumen in verschlossenen Zimmern streuen. – Oft habe ich gedacht, drei Wochen Aufenthalt in solcher herrlichen Luft würde die langwierigsten Lungenschäden sicherer und angenehmer heilen als das Kontubernium im Kuhstalle.

Der reinste Äther im Sonnenlicht: Nach Ingen-Houß Beobachtungen entlocket das Sonnenlicht dem Pflanzengrün eine große Menge deflogistisierter Luft. Am meisten strömt die untere Fläche der Blätter die Luftart aus, die, weil sie schwerer ist als die gemeine, sich von den Bäumen als ein wohltätiger Regen in die Tiefe senkt, und die atmosphärische Luft verbessert.

In den Hallen seines Scillonte: Der Name von Xenophons Landgute im Peloponese.

Bei der goldenen Schale der Enkelin Päons: Pausanias unterscheidet ausdrücklich die Tochter des Asklepios von der Göttin Pallas Hygiea, welche zu Athen verehrt wurde. Erstere, die Tochter Äskulaps, dessen Mutter Koronis, nach einem thessalischen Mythus, Apollon heimlich umarmte, hatte ihre Tempel bei Titane, Epidaurus, und an mehreren Orten Griechenlands; und wurde vorgestellt als ein blühendes Mädchen von schlankem Wuchs, in einen langen Talar gehüllt. In der Hand hielt sie eine Schale voll Maza, oder Gerstenbrot, woraus ein Schlange fraß. S. Versuch einer pragmatischen Geschichte der Arzneikunde von Kurt Sprengel, Erster Teil, S. 119.

Die Kraft des Herakles: Oder des Herkules, dem, wie der Dichter Pindar singt, die Göttin Pallas zu Thermopylä ein warmes Bad entspringen ließ, als er von seinem Abenteuer in Sizilien, dem alten Thrinakien, zurückkam, woselbst er die Ochsen des Geryon vor sich her trieb. Nach ihm nannten die Griechen in der Folge alle warmen Bäder ‘Ηραχλεια λουτρα, oder Herkulesbäder.

Den Imperator: Cäsar Oktavianus Augustus badete sich auf den Rat seines Freigelassenen und nachher in den Ritterstand erhobenen Arztes Antonius Musa zu Bajä und genas. Unglücklicher fie die Badekur des Marcellus, des Sohnes der Oktavia, aus, der nach dem Gebrauche dieser Bäder starb.

Am grünlichen Abendhimmel: Der Westhorizont in Italien prangt nach Sonnenuntergang noch öfter als in unsern Gegenden mit einer schönen, hellgrünen Farbe.

 Wo sich ein Cäsar einst: Hadrian ahmte am Fuße der gebirge Tiboli die Wunderwerke der griechischen Kunst nach. Dort waren Bäder, Theater, das Prytaneum, das Lyceum, die Stoa, der Tempel des Kanopus, die Pöcile von Athen. Die Zeit hat alle diese Denkmäler des Atertums zerstört.

Pästums Rosen: Um Pästum, oder Posidonia am pästanischen Busen blühten, wie Virgil bezeugt, die Rosen zweimal jährlich. Noch findet man hier Trümmer von Bädern und Tempeln.

Der Lorbeer: Der Lorbeerbaum, welcher einst an Virgils Grab grünte, und nun nicht mehr ist. Dass die Grotte des Berges Posilippo den Ascherest des Mantuaners in sich schloß, glaubt der Dichter, bis ihn jemand einmal vom Gegenteil überführt.

Parthenope: Diesen Beinahmen führte Neapel von einer Sirene, die dort begraben lag. Virgil schrieb in dieser herrlichen Seestadt die letzten Gesänge seines Gedichts über den Landbau.

Ein askräisches Lied: Der Flecken Askra in Böotien war der Geburtsort des Hesiodus, den Virgil vei seinem Landgedicht zum Muster nahm. Der Lieblings Augustus‘ singt selbst: Und die römischen Städte durchhallt mein askräisches Feldlied. Virg. Landbau v. Voß, II, 176.

Demeter: Oder Ceres, die Göttin der Feldfrüchte. Pomona hieß die Göttin der Obstgärten, und Pales ist der Name einer altrömischen Hirtengöttin.

Dem heurigen Spätling der Trift:  Dem glücklichen Bauern in Opitz‘ Gedicht von der Ruhe des Gemüts setzt die ehrliche Hausfrau vor: Ein Lamm, das heute noch lief neben seiner Mutter.

Polenta: Die bekannte Lieblingsspeise des großen Königs.

Die glänzende Schleihe: Vergl. Bloch, tab. XV. Die Goldschleihe, die sich zumal in Schlesien findet, ist einer der prachtvollsten deutschen Fische. Blumenbach. – Die Schleihe heißt zwar der Arzt der Fische, aber für die Menschen ist sie eben nicht die gesündeste Fischart, ihr Fleisch ist hart und unverdaulich.

Der Salm: Der Lachs. – Engl. the salmon.

Den silberschuppigen Börs: Dieser Fisch ist einer der gesündesten und schmackhaftesten und kann selbst in manchen Krankheiten genossen werden.

Wie meinem Schmit: Friedrich Schmit, Professor der Literatur an der Ritterakademie zu Liegnitz und Mitglied des Pegnitzischen Blumenordens in Nürnberg, ein gefühlvoller Dichter, dem der Verfasser die erste Bekanntschaft mit den Musen zu verdanken hat.

Dir ein kundiger Arzt: Adam Melchior Weikard in seinen vermischten Schriften, Th. I, S. 245 und im medic. prakt. Handbuch, S. 251, wo die Austern als eine schickliche Speise bei der Fußgicht empfohlen werden.

Ein unergründlicher Abscheu: Die Ärzte nennen diese eigentümliche Abneigung gegen gewisse Speisen Idiosynkrasie.

Rheinwein kröne das Mahl: Ein guter, alter Rheinwein ist gemeiniglich während einer Brunnenkur am zuträglichsten. Der Mosler erhitzt wenig und ist daher den französischen Weinen vorzuziehen. Der ungarische Wein ist, nach Hofmann, vorzüglich solchen dienlich, deren Magen viel Säure erzeugt, und die ihn gewohnt sind.

Der ceylonischen Palmfrucht: Der kühlende Saft aus der Frucht der Kokospalme.

Den Hallen des heiligen Bornes: Der Säuerling bei Pyrmont. Zu der Vermischung mit Wein schicken sich auch der Fachinger, Codowaer, Selterser und viele andere Gesundbrunnen.

Die Scherze der Margot: S. Reisen in die mittäglichen Provinzen von Frankreich. Zweiter Teil. Die Vorschriften aus der Seelenheilkunde, welche im ersten Teil ein Arzt seinem Jugendfreund gibt, sind besonders für jeden, der an einen Brunnenort reisen will, der Beherzigung wert. Du gehst, heißt es, zu deinem Glücke in das Land des Leichsinns; nutze diesen Umstand zu deiner geistigen und körperlichen Genesung, wie ihn andere zu ihrem Verderben mißbrauchen. Ferner:   Suche nirgends Erbauung als in den Wäldern, unter dem Gesange der Vögel, und an dem rieselnden Bache! So lange dir das Blöken der Lämmer dir nicht näher ans Herz tritt als das Blöken der Menschen, so sage noch nicht, dass du gesund bist, und wertde noch wachsamer über dich selbst! Überlasse dich auf einige Zeit ganz jener glücklichen Art von Müßiggang, die mehr Tätigkeit in sich enthält als manches Ämtchen im Staate.

Als am schwüleren Tag die Gefahr wuchs: Johanna Carolina Neubeck, geborene Buße, starb am 22. Juni 1795. Ihr 25. Geburtstag war der Tag ihrer Beerdigung.

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