V. W. Neubeck: Die Gesundbrunnen

Valerius Wilhelm Neubeck, geboren 1765, gestorben 1850, war von Beruf Arzt. Verse hat er auch gemacht, aber nicht viele; und „Die Gesundbrunnen“, ein allerdings umfangreiches Lehrgedicht in vier Gesängen, geschrieben in Hexametern, ist sein einziges wirklich bekannt gewordenes Werk.

Und selbst das war nicht selbstverständlich: Veröffentlicht 1795 blieb das Werk zwei Jahre lang gänzlich unbeachtet, ehe August Wilhelm Schlegel es in der „Jenaer Allgemeinen Literaturzeitung“ sehr wohlwollend besprach und so den Anstoß gab für seine dann weite Verbreitung und hohe Wertschätzung. (Neben dem eigentlichen Gedicht gibt es beim Verserzähler auch die Besprechung zu lesen!)

Die hier vorgestellte Fassung ist die der 2. Auflage des Gedichts, die 1798 bei Göschen erschienen ist:

Erster Gesang

Zweiter Gesang

Dritter Gesang

Vierter Gesang

Am Ende jedes Gesangs stehen die vom Verfasser beigegebenen „Erklärungen“; die erklärten Begriffe und Textstellen sind im Text farbig hervorgehoben! Die Rechtschreibung und die Zeichensetzung habe ich nach bestem Wissen und Gewissen überall da, wo es nicht in den Vortrag eingreift, den heutigen Gepflogenheiten angepasst.

Warum aber sollte man heutzutage überhaupt noch „Die Gesundbrunnen“ lesen? Lehrgedichte sind gänzlich außer Gebrauch gekommen (beziehungsweise, wie auch Schlegel anmerkt: sind im Deutschen nie richtig in Gebrauch gekommen), und das in ihnen versammelte Wissen hat nach über 200 Jahren ohnehin keinerlei Wert mehr!

Neubeck war keinesfalls ein großer Dichter, doch die Art, wie er das Gedicht aufbaut, ist schon alleine einen Blick wert; nämlich nicht als trockene Wissensvermittlung, sondern immer erzählend, nie den Blick für das Epische verlierend. Dieses Epische braucht der Hexameter, um lebendig werden zu können; und umgekehrt vermittelt sich das Erzählende gerade durch den Hexameter sehr nachdrücklich!

Schaut man also unter die mythologische Verbrämung, erkennt man trotz aller Nymphen und Najaden einen wirklich klug aufgebauten Text und bekommt auch einen Anstoß, wie denn ein Lehrgedicht aufgebaut sein kann; wie es ihm gelingen kann, Lehre und Dichtung zugleich zu sein.

Für diejenigen, die sich mit dem Hexameter beschäftigen, ist es gleichfalls ein sehr anregendes Gedicht. Neubeck schreibt einen sehr gepflegten, ausgewogenen Hexameter, und wenn ihm auch manchmal ein Vers missglückt (Selbst nach anlässlich der zweiten Auflage erfolgten Verbesserungen findet sich noch macher solche Vers), so gibt es doch neben Strecken, die nur durchschnittliche Verskunst bieten, auch immer wieder lange Abschnitte, die zu lesen eine wahre Freude ist! Die Hexameter bewegen sich dann abwechslungsreich und sind kräftig und wohlklingend.

Schlegel geht nur knapp auf den Vers des Gedichts ein, wer mag, kann seine Ausführungen vergleichen mit den Anmerkungen, die sich in der „Jenaischen Allgemeinen Literaturzeitung (Januar 1807)“ finden anlässlich einer Besprechung von „Rom“, einer schlegelschen Elegie!

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