Dichterherbst

Färbt sich morgens das Laub im Baum, schreibt der Poet ein Herbstgedicht.
Rascheln mittags ihm unterm Fuß Blätter, entsteht ein Herbstgedicht.
Macht er abends den Ofen an, opfert der Glut er erst Papier:
Fauchend wird es zur Flamme, flockt, war – so vergeht ein Herbstgedicht …

Aufgepasst!

Unbemerkt von der Zeit geschehen Dinge
Rückwärts, wandelt das Huhn zum Ei sich wieder,
Kehrt das Ei in das Huhn zurück (die Mutter,
Auferstanden aus Suppentopf und Pfanne;
Emsig scharrt sie, des Wurms begierig). Endlich
Kehrt den Blick in den Hof die Zeit, verwundert:
Fehlt nicht plötzlich ein Ei? Und ist das Huhn zwar
Ähnlich, aber doch auch: nicht ganz dasselbe?!
Das Huhn – lächelt; es weiß. Doch hat sein Schnabel
Keine Lippen, und nichts verrät sein Lächeln;
Nicht entdeckt sich der Zeit, dass ihrer Herrschaft
Sich die Dinge nur kurz, doch gern entzogen.

Tritine über den Reim

Und Dichter gibt’s, die sind dem Reim
Verfallen – er entwirft den Vers
Für sie und ordnet das Gedicht.

Und wenn es glückt, ist im Gedicht
Aus Klang gemachter Sinn, der Reim
Schenkt Adel auch dem Durchschnittsvers.

Und wenn’s misslingt, ist jeder Vers
Sich fremd, den andern, dem Gedicht
Ein Fremder, untertan dem Reim:

Wie quälst du, Reim, Vers und Gedicht!