Tritine über den Reim

Und Dichter gibt’s, die sind dem Reim
Verfallen – er entwirft den Vers
Für sie und ordnet das Gedicht.

Und wenn es glückt, ist im Gedicht
Aus Klang gemachter Sinn, der Reim
Schenkt Adel auch dem Durchschnittsvers.

Und wenn’s misslingt, ist jeder Vers
Sich fremd, den andern, dem Gedicht
Ein Fremder, untertan dem Reim:

Wie quälst du, Reim, Vers und Gedicht!

Ja-Aber-Triolett

Wacht auf, wacht auf! Die Nacht! Erwacht!
War, was ins Dunkel jemand rief,
Der durch das stille Städtchen lief:
Wacht auf! Die Nacht, die Nacht! Erwacht!
Doch’s leise rief, dass nicht aus tief
Geschlaf’nem Schlaf aufschrak, wer schlief –
Wacht auf! Die Nacht! Erwacht, erwacht!

Triolett vom Ironieversagen

Vogel hat auf Kopf geschissen,
Mann hat Scheiße abgewischt:
„Nimmermehr möcht‘ ich dich missen,
Vogel, der du hast geschissen!“
Der vernahm’s, hat dienstbeflissen
Neue Scheiße angemischt;
Vogel hat auf Kopf geschissen,
Mann hat Scheiße abgewischt.

Unbehaust

Im Mai bemerkt die Unsinnsmaus,
Dass kühl und klamm die Nacht ist,
Und schaut sich um: Ein Schneckenhaus
Bemerkt im Mai die Unsinnsmaus
Und zieht dort ein; und zieht dort aus,
Weil’s nicht für sie gemacht ist –
Erneut bemerkt die Unsinnsmaus,
Dass kühl und klamm die Nacht ist …