Tritinische Glosse (2)

Weil ist, was nun mal ist,
Durchstreift die Welt ein Knie
Und niemand wundert nichts.

Es könnte sein, dass nichts,
Und sein, dass niemand ist,
Dann gäb’s nicht Welt noch Knie;

Doch gäb‘ es nur ein Knie,
Die Welt nicht, brächt‘ es nichts,
Zu fragen wen, was ist:

„Es ist ein Knie, sonst nichts.“


– Mein Dank an Christian Morgenstern

Tritinische Glosse

Vergeht nicht und versinkt
Im Nichts, was ist, wie groß
Es sei und / oder schön?

Ja. Aber! Ist’s nicht schön,
Dass allem, was versinkt,
Ein Trost entspringt, und groß?!

Ist etwas wirklich groß,
Und / oder wirklich schön,
Dann gilt: Wenn es versinkt,

Versinkt es groß und schön!


– Mein Dank an Heinrich Heine …

Ein eigenes Sonett

Ich habe lange Zeit, Sonette! euch gemieden,
Weil euer ewig gleicher Gang
Mich in den Schlaf noch schneller sang,
Als groß ein Krieg sich hebt aus einem kleinen Frieden.

Wenn trotzdem eins von euch hier wächst, dann, weil verschieden
Die Verse sind – der eine lang,
Der zweite kurz, so dass der Zwang
Sich nicht bemerkbar macht. Ein Hoch den Unterschieden!

Jedoch: Wovon erzählt dies Ungleich-Lang-Sonettchen?!
Der Schlaf kommt in ihm vor – warum dann nicht ein Bettchen
In einen Vers hineingestellt,

In das der Frieden sich, um Kraft zu sammeln, kuschelt,
Die Augen schließt und sagt, nein, seht, er träumt schon, nuschelt:
„Ich rette, steh‘ ich auf, die Welt!“