Erzählformen: Die alkäische Strophe (20)

Die im letzten Beitrag von Isolde Kurz aufgeworfene „Götter-Frage“ haben auch andere gestellt – und wie sie in der alkäischen Strophe beantwortet! So der vierzig Jahre jüngere Josef Weinheber:

 

Wir hatten ja im Anfang mit Göttern und
Dämonen viel zu tun. Und es waren da
noch hohe Menschen: Als ein Durchgang
mächtiger Gegner und hehrer Streite.

Doch dann verfiel der Raum, und es kam die Zeit.
Da zogen sich die Götter zurück. Wo war
denn noch für sie zu tun? Die Halle
starrte verlassen mit Säulentrümmern.

Und was wir an Dämonen uns aufgepflegt,
ward dünn und dürr. Sie trieben kein Reis mehr: Qual,
sonst nichts. Und hatten einst uns doch den
Göttern, dem Gott, an die Brust getrieben.

Jetzt essen wir das mühsam gesparte Brot
der Ausgeglichenheit, und wir zahlen es
mit kleinster Münze. Arme Götter!
Arme Dämonen! Vorbei — Geht schlafen!

 

Auch hier: Vier Strophen. Die beiden Gedichten gemeinsamen „schlafenden Götter“ scheinen ein anziehendes Bild zu sein, wenn sie auch ganz unterschiedlich Verwendung finden; genauso die „Trümmer“.  Erstaunlich das eigenartig umgangsspachliche „ja“ im ersten Vers?!

Erzählformen: Die alkäische Strophe (19)

Wenn eine Verfasserin eigentlich nur gereimte Gedichte in ihren „gesammelten Werken“ hat; aus welchen Gründen sind dann die wenigen Texte in „antiken“ Maßen entstanden? Ein weitverbreiteter Grund – die Wahl der Form als Folge des gewählten Inhalts – lässt sich bei Isolde Kurz‘ „Tote Götter“ vermuten:

 

Dein Tempel ist verwaist und dein Gott ein Traum,
Kein Glaube wärmt, o Seele, dein ödes Haus,
Doch bleibt der Ort geweiht, und fernab
Rauscht des geschäftigen Tags Gemeinheit.

So liegt im Hain zertrümmert ein Götterbild,
Sein Dienst vergessen, ach, seine Priester tot!
Das edle Haupt zerschellt, doch Hoheit
Strahlt von dem herrlichen Rumpf noch immer.

Der Vorzeit Geister hüten die Stätte treu,
Den Leib umgießt verklärendes Abendrot,
Die Lüfte reden leis‘, und lieblich
Duften die Blumen, wo Götter schlafen.

Ja, tote Götter, euer ist noch der Ort,
Und dein des Herzens Stille, Erinnerung;
Doch euer Tag ist um, und ewig
Trauert die Seele, dass Götter sterben.

 

„Doch euer Tag ist um“ – das ist, irgendwie, eine sehr schnörkellose Feststellung … Die alkäischen Strophen sind sicher gebaut, man merkt, dass Kurz ungeachtet der Reim-Vorliebe ein sicheres Verständnis dieser Form hatte! Die Art, wie in den ersten beiden Versen jeder Strophe die Zäsur nach der fünften Silbe mal beachtet, mal abgewandelt wird, gefällt zum Beispiel; Das „Springen“ von einer Strophe in die nächste, was die antiken Strophenformen ja viel eher ermöglichen als spätere Reimstrophen, fehlt allerdings. Nicht schlimm, aber ein wenig eine verpasste Möglichkeit …

Erzählformen: Die alkäische Strophe (18)

Johann Heinrich Voß wusste von den Baugesetzen der alkäischen Strophe soviel wie jeder andere, und mehr als die meisten; wenn seine in dieser Strophe geschriebenen Texte also manchmal unpassend klingen, liegt es am Inhalt … Eine Strophe aus „Auf Michaelis‘ Tod“:

 

Entsteigt den Gräbern, schlummernde Geister, schwebt,
In weißer Hülle, wimmernd und totenbleich
Um meine Klagen, bis der Frühe
Dämmerung euch zu der Gruft zurückscheucht!

 

Makellos gebaut; aber … Aus Gräbern steigende, wimmernde Geister?! Das will mir, dargestellt in einer antiken Odenstrophe, erst einmal seltsam scheinen! Aber es wird schnell klar: Um die Antike geht es hier nicht.

 

Ha! Tod, du schwarzer Mörder! Wie viele traf
Dein Schlachtschwert schon der blühendsten Hoffnungen
Im deutschen Eichenhain! Auch diesen
Würgtest du, welcher begann, und groß war?

 

„Ha!“ – das könnte der am wenigsten an die Antike erinnernde Gedicht-Baustein aller Zeiten sein?! Zum „deutschen Eichenhain“ passt derlei dagegen ganz gut.

Erzählformen: Die alkäische Strophe (17)

Zu Friedrich Gottlieb Klopstock gehört auf mehr als eine Weise der Begriff „Erhabenheit“. Viele seiner Texte beruhen auf ihm, auch viele seiner Oden, alkäischer oder anderer Art. In „Unterricht“ driftet diese Erhabenheit allerdings ins Komische ab – es geht dabei um das Zureiten einer Stute!

 

Iduna Hensler grüßet, mein Stolberg, dich,
Und sagt dir leichthinspielendes Ganges, hoch
Den Kopf, die Mähn‘ im Fluge: Dass sie,
Bei der entscheuchenden Kerze Schimmer,

In diesem stets noch starrenden Winter, (Ach
Zum ersten Male wagt‘ ich, die mürrischen
Ostwinde meidend, nicht, der Eisbahn
Tönende Flügel mir anzulegen!)

Durch mich zum Aufsitz stehen gelernt; durch mich
Gelernet kurzen Zephyrgalopp, verlernt,
Doch nicht zu sehr! den allzu frohen,
Launigen Schwung in die Läng‘ und Breite!

 

– Das sind die ersten drei der insgesamt sechs Strophen. Die Erhabenheit von Sprache und Form ist hör- und spürbar; der Inhalt hält sich aber so gar nicht daran, und diese Unverhältnis ist tatsächlich komisch?! Aber wie auch immer: Die Art, wie Klopstock hier die Sätze durch die Strophen führt, ist schon etwas besonderes, und da ein Auge und vor allem ein Ohr drauf zu haben, lohnt in jedem Fall.

Erzählformen: Die alkäische Ode (16)

Friedrich Hölderlin,  der Großmeister der deutschen Ode, hat auch diese dreistrophige alkäische Ode geschrieben, „Empedokles“:

 

Das Leben suchst du, suchst, und es quillt und glänzt
Ein göttlich Feuer tief aus der Erde dir,
Und du in schauderndem Verlangen
Wirfst dich hinab, in des Aetna Flammen.

So schmelzt‘ im Weine Perlen der Übermut
Der Königin; und mochte sie doch! hättst du
Nur deinen Reichtum nicht, o Dichter,
Hin in den gärenden Kelch geopfert!

Doch heilig bist du mir, wie der Erde Macht,
Die dich hinwegnahm, kühner Getöteter!
Und folgen möcht‘ ich in die Tiefe,
Hielte die Liebe mich nicht, dem Helden.

 

Über diese Verse haben wiederum kluge Leute viel geschrieben, so unter dem Titel „Poetische Individualität. Hölderlins Empedokles-Ode“ Martin Endres, der bei seinen Ausführungen auch auf den Aufbau und das Wesen der alkäischen Strophe eingeht. Wer mag, kann ja einmal in besagtem Werk vorbeischauen: Die Logik der Form – Die alkäische Ode, so der Titel des entsprechenden Kapitels, beginnt auf Seite 20!

Erzählformen: Die alkäische Strophe (15)

Walther Hof gibt in seinem lesenswerten Buch „Hölderlins Stil als Ausdruck seiner geistigen Welt“ (Westkulturverlag Anton Hain 1954) auch einige Hinweise auf das Wesen der alkäischen Strophe (andere Beschreibungen finden sich in (2)!). Auf den Seiten 116 und 117 findet sich zum Silbenbild der Strophe:

x X x X x | X x x X x X
x X x X x | X x x X x X
x X x X x X x X x
X x x X x x X x X x

Die beiden ersten Zeilen sind gleich. Innerhalb der Zeilen sind erste und zweite Hälfte einander insofern entgegengesetzt, als die erste steigendes, die zweite fallendes Maß hat. In der Mitte, der Zäsur, stoßen aber keine Hebungen aufeinander, es kann also hier in keinem Sinn der Eindruck eines Gegeneinander entstehen. Vielmehr geht der Fluss der Bewegung durch die Pause hindurch. Beide Teile sind also einander harmonisch entgegengesetzt als steigender und fallender Ast eines Bogens. Stünde nach der Pause kein Daktylus, so entstünde eine ganz linerare Bewegung, weil die Pause dann gar nicht bemerkt würde. … Durch die Doppelsenkung aber wird die erste Hebung der zweiten Hälfte stärker hervorgehoben und damit auch die gegenrhythmische Unterbrechung in der Mitte. Mit der ersten Hebung der zweiten Hälfte beginnt so der Abklang, und zugleich bildet sie mit der durchklungenen Pause zusammen den Höhepunkt eines rhythmischen Bogens.

Hm. Die Zäsur ist im deutschen Elfsilber immer ein Problemfall gewesen; Bemerkenswert, wie sie Hof hier zu beschreiben versucht?! Zum dritten und vierten Vers (Seite 117, 118):

Den beiden ersten Zeilen, deren jede bis zu einem gewissen Grade in sich geschlossen und im Gleichgewicht ist, folgen nun die beiden letzten, die für sich unselbstständig sind und erst zusammen ein Ganzes bilden. Und zwar stehen die beiden Zeilen dieses „Abgesangs“ genau im gleichen Verhältnis zueinander wie die Hälften der ersten beiden Zeilen. Die erste Zeile des Abgesangs stellt eine Verlängerung der ersten Halbzeile dar und hat steigenden Rhythmus, die zweite hat den fallenden Rhythmus der zweiten Halbzeile, verdoppelt deren Daktylus und endet klingend, so dass sie gegenüber dem Hebungsschluss der zweiten Halbzeile wirklich einen Ausklang darstellt. Sie verdoppelt gleichsam die Versfüße des „Adoneus“, dessen Wesen idealer Ausklang ist. Entsprechend dieser Verstärkung des Bauprinzips der Halbzeilen ist auch die Zäsur zwischen dritter und vierter Zeile stärker als zwischen den Halbzeilen und, da ja auch hier ein Übergang besteht, der Bogen höher und gespannter als innerhalb der beiden ersten Zeilen. Endlich findet sich auc zwischen der zweiten Zeile und dem Abgesang der Übergang eines Wellentals, der Übergang von fallendem und steigendem Rhythmus, und zwischen Strophenschluss und Anfang der neuen Strophe ergibt sich dasselbe Verhältnis, so dass das Strophenenjambement von diesem Maß geradezu herausgefordert wird. Aber auch wo es nicht vorhanden ist, bietet das Versmaß niemals einen harten und unbedingten Abschluss, sondern immer einen weichen und offenen Ausklang.

Das liest sich sehr ähnlich dem, was andere auch sagen zum Strophenbau, aber eben nicht ganz genau so; und die grundlegenden Dinge noch einmal erklärt zu bekommen, schadet ohnehin nicht. Daher folgt jetzt auch noch, als Schluss, der nächste Satz  Hofs, dessen Inhalt man nicht oft genug wiederholen kann:

Das alkäische Maß ist also zwar vierzeilig, aber dreiteilig.

Erzählformen: Die alkäische Strophe (14)

Nach  Alkäus, dem „Erfinder“ der alkäischen Strophe, und Horaz, der die Form so meisterhaft gehandhabt hat, muss nun eigentlich Klopstock vorgstellt werden und eine seiner alkäischen Oden. Allerdings lesen sich diese heutzutage doch recht seltsam; und lang sind sie im allgemeinen auch … Ich belasse es daher bei zwei Strophen aus „Verschiedne Zwecke“, der sechsten und der siebten:

 

Gleich einer lichten Wolke mit goldnem Saum
Erschwebt die Dichtkunst jene gewölbte Höh‘
Der Heitre, wo, wen sie emporhub,
Reines Gefühl der Entzückung atmet.

Auch wenn sie Nacht wird, flieht der Genuss doch nicht
Vor ihren Donnern; feuriger letzt er sich!
Drauf schwebt sie, schöner Bläue nahe
Nachbarin, über dem Regenbogen.

 

Ja. So ist sie, die Dichtkunst … „Letzen“ meint „sich erquicken“, „sich erfreuen“?! Aber wenn man sich von der eigenartigen Bildlichkeit löst und der Bewegung nachhört, stellt man fest, dass Klopstock den Satz sicher durch die Strophe führt, mit etwas Spannung, aber nicht zuviel; und alles einen festen, schönen Klang hat.

Aber selbst wenn seine Oden heute nicht mehr recht verständlich sind – die Leistung, die antiken Formen endgültig für die deutsche Dichtung gewonnen zu haben, kann Klopstock niemand mehr streitig machen!

Erzählformen: Die alkäische Strophe (13)

Wie schon in den bisherigen Einträgen zur alkäischen Strophe erwähnt, führte ihr 2500 Jahre langer Weg ins Deutsche von Alkaios über Horaz hin zu Klopstock; und da eine alkäische Strophe von Alkaios in (10) vorgestellt wurde, ist jetzt Horaz an der Reihe! Als Übersetzer bleibe ich bei Emanuel Geibel, der Horaz‘ 31. Ode des ersten Buches unter dem Titel „An Apollo“ so ins Deutsche gebracht hat:

 

Was fleht zuerst der Sänger im Heiligtum Apolls?
Was heischt er, wenn er den Opferwein
Ihm feiernd ausgießt! Nicht die reiche
Frucht von Sardiniens Segensfluren,

Nicht Herden, wie das heiße Kalabrien
Sie nährt, nicht Gold noch indisches Elfenbein,
Landgüter nicht, an denen spiegelnd
Liris, der schweigende Strom, dahinwallt.

Kalenertrauben keltere froh, für wen
Das Glück sie blühn ließ. Möge der Handelsherr
Aus tiefem Goldkelch Weine schlürfen,
Die er um syrisches Gut erworben,

Der Götter Schützling, weil er im Jahreslauf
Dreimal und viermal glücklich den Ozean
Durchsteuert; mir genügt des Ölzweigs
Beere zum Mahl und die leichte Malve.

Doch gib, o Phöbus, dass ich gesund an Leib
Und Geist genieße, was du beschieden hast,
Und dass ich kein unrühmlich Alter
Leb‘, und die Zither getreu mir bleibe.

 

Sehr sichere Strophen, die Geibel hier abliefert. Wie gut sie als Übersetzung sind, ist eine andere Frage; aber sie bewegen sich nachdrücklich, das Lesen macht Spaß. Nur bei „Dreimal und viermal“, was ja eben nicht auf der ersten Silbe, wohl aber auf der vierten Silbe betont werden darf, muss man im Vortrag ein wenig hin- und herversuchen? Aber auch das liest sich, betont man es schwebend, ohne Stocken und wirkungsvoll.

Erzählformen: Die alkäische Strophe (12)

Das meiste von dem, was Friedrich Leopold Stolberg vor über 200 Jahren geschrieben hat, ist heute nicht mehr recht genießbar. Aber ein Dichter war er schon, und da wundert es nicht, dass sich immer wieder einzelne Verse und Strophen finden, die aufhorchen lassen! Hier nöchte ich drei Strophen aus seinem Gedicht „Die Westhunnen“ vorstellen, geschrieben im alkäischen Maß:

 

Mit trunknem Wahnsinn stimmt sie ein Liedchen an,
Und Millionen stimmen in’s Liedchen ein,
Und wo es tönt, da sucht vergebens
Rettung die Unschuld mit wunder Seele;

 

Stolberg, 1819 gestorben, hat von den Schrecken des 20. Jahrhunderts nichts gewusst; aber wer einen Teil seiner Lebenszeit in ihm zugebracht hat, den lassen diese Verse wahrscheinlich trotzdem nicht gänzlich unberührt – zu gut scheinen sie zu passen …

 

Und wenn die blasse Wut der Verzweiflung
Der ersten Hölle glimmende Asche dir
Im Herzen aufhaucht, wenn des Lebens
Elend auf ewigen Jammer deutet;

Geh zum entweihten Tempel, und stürze dann
In blutgen Staub – du nanntest Vernunft sie – stürz
In Staub dich vor der nackten Hure,
Dass sie dir nun und im Tode helfe!

 

Auch nicht ganz der Inhalt, den man erwartet, von Stolberg, seiner Zeit, der alkäischen Strophe?! Aber davon abgesehen: die Art, wie Stolberg hier die in der Strophe angelegte Bewegung aufnimmt und verstärkt und wirklich in einem einzigen Schwung durch die Strophen rauscht, und Erregung und Empörung die Sätze in Unordnung bringen und doch nicht aus dem strengen Versschema ausbrechen – das macht diese beiden Strophen höchst lebendig und auch nach über 200 Jahren noch lesenswert!

Erzählformen: Die alkäische Strophe (11)

Im evangelischen Gesangbuch findet sich ein Lied von Apelles von Löwenstern aus dem Jahre 1644:

 

Nun preiset alle
Gottes Barmherzigkeit!
Lob ihn mit Schalle,
Werteste Christenheit!
Er läßt dich freundlich zu sich laden;
Freue dich, Israel, seiner Gnaden!

Der Herr regieret
Über die ganze Welt.
Was sich nur rühret,
Ihm auch zu Füßen fällt.
Viel tausend Engel um ihn schweben,
Psalter und Harfen ihm Ehre geben.

Wohlauf, ihr Heiden,
Das Trauern lasset sein!
Zu grünen Weiden
Stellet euch willig ein!
Da lässt er uns sein Wort verkünden,
Machet uns ledig von allen Sünden.

Er gibet Speise
Reichlich und überall,
Nach Vaters Weise
Sättigt er allzumal.
Er schaffet früh- und späten Regen,
Füllet uns alle mit seinem Segen.

Drum preis und ehre
Seine Barmherzigkeit,
Sein Lob vermehre,
Werteste Christenheit!
Uns soll hinfort kein Unfall schaden;
Freue dich, Israel, seiner Gnaden!

 

Das hat auf den ersten flüchtigen Blick nichts mit der alkäischen Strophe zu tun, der genauere zweite Blick zeigt aber: es sind alkäische Strophen, nur eben nach dem Geschmack der Zeit gestaltet, meint, in die vom Barock bei weitem bevorzugte Reimform gebracht!

Noch einmal die Grundform der Strophe:

x X x X x | X x x X x X
x X x X x | X x x X x X
x X x X x X x X x
X x x X x x X x X x

Die ersten beiden Verse sind nun an der Zäsur auseinandergenommen worden, und die vier entstehenden Verse kreuzgereimt; die letzen beiden Verse blieben, wie sie waren, und wurden paargereimt. Fertig:

x X x X x a
X x x X x X b
x X x X x a
X x x X x X b
x X x X x X x X x c
X x x X x x X x X x c

Eine eigenartige Ausformung der alkäischen Strophe! Aber auch, wenn der Reim jetzt die Versenden heraushebt und die Verse stärker vereinzelt – die grundlegende Bewegung der Strophe ist immer noch da.

Wer mag, kann sich ja einmal versuchen an dieser Strophe; zumindest wird sich das Gefühl verbessern, wie sich Reim und Rhythmus zueinander verhalten und einander beeinflussen. Am Ende hat der Reim nichts verloren in den Nachbildungen der antiken Formen; aber das heißt ja nicht, man könne es nicht hier und da trotzdem wagen …