Erzählverse: Der iambische Siebenheber (1)

Iambische Verse hat der Verserzähler schon einige „im Programm“: Den iambischen Vierheber, den Blankvers (fünfhebig) und den iambischen Trimeter (sechshebig), alle ungereimt; dazu kommen die gereimten iambischen Vierheber des Reimpaars.

Als nächstes in der Liste müsste der ungereimte iambische Siebenheber folgen, und tut es auch! Das ist allerdings ein recht seltener Vers, der so aussieht:

x X / x X / x X / x X || x X / x X / x X

Ein Langvers, der einen Einschnitt braucht, eine Zäsur! Diese ist fest und erfolgt ausnahmslos nach der achten Silbe. Diese Art von Siebenhebern ist oft gereimt, wodurch das Versende gekennzeichnet wird. Endet der Vers dagegen auf eine überzählige unbetonte Silbe, sieht er so aus:

x X / x X / x X / x X || x X / x X / x X / x

– Nur eine unbetonte Silbe mehr, aber für die Versbewegung ist sie von großer Bedeutung! Nun treffen an Versende und Versanfang zwei unbetonte Silben aufeinander, der Übergang von einem in den nächsten Vers wird auch ohne Reim für das Ohr erfahrbar.

Unter Emanuel Geibels „Jugendliedern“ finden sich auch einige „Neugriechische Volkslieder“, und zu diesen zählt „Das Kraut Vergessenheit“:

 

Es hat die Mutter mir gesagt, dort hinter jenem Berge,
Der Wolken um den Gipfel hat und Nebel um die Wurzel,
Dort wächst das Kraut Vergessenheit, dort wächst es in den Schluchten.
O wüsst‘ ich nur den Pfad dahin, drei Tage wollt‘ ich wandern
Und wollte brechen von dem Kraut und wollt’s im Weine trinken,
Damit ich dich vergessen könnt‘ und deine falschen Schwüre
Und deine Augen, die so oft von Liebe mir gesprochen,
Und deinen süßen, süßen Mund, der tausendmal mich küsste!

 

Keine große Dichtung, aber wie von Geibel gewohnt: Sichere Verse, die den Grundaufbau und die Grundbewegung des jeweiligen Maßes gut erkennen lassen!